Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Wasserschloss Artern

Dienstag, 16. Januar 2018

In der aktiv betriebenen Heimatforschung und Genealogie sind „Sternstunden“ so selten Gott sei Dank nicht: sei es die unerwartete Auffindung von wichtigen und interessanten Akten in Archiven, die Entdeckung lange gesuchter Ahnen in Kirchenbüchern oder die Öffnung von alten Schränken auf Dachböden, die dann ab und an spannende Inhalte preisgeben. Die andere Variante ist jene, dass Unterlagen aus Privatbesitz gebracht und dann schenkungs- oder leihweise überlassen werden. Eben dies ist vorige Woche geschehen, als Vereinsmitglied Günther Burghardt aus Bad Frankenhausen ein Fotoalbum mit 55 historischen Aufnahmen, die es im wahrsten Sinne des Wortes in sich haben, überreichte. Durchweg Abbildungen mit Arterner Motiven, mehrheitlich aus der Zeit zwischen 1880 und 1920, kamen diese damals professionell mittels Platten hergestellten Bilder im ungefähren Format A5 als komplette Sammlung zum Heimatverein ARATORA. Das Unglaubliche: die Mehrzahl der Fotos war bislang völlig unbekannt! Somit sind diese wertvollen und sehenswerten Bilder auch noch nie veröffentlicht worden, nämlich u. a. Marktplatz mit altem Rathaus, Häuserreihen in der Wasser-, Johannis- und Harzstraße, Salzdamm, auch Alte Poststraße, Saline-Kunstturm an der Mühle, E-Werk, diverse Unstrut-Motive mit Brücken und Wehr, Schulgebäude, Gaststätten, Ansichten der Saline, der Veits- und Marienkirche. Als absolute bildliche Volltreffer sind eine Aufnahme der Baulichkeiten des Arterner Wasserschlosses mit Schönfelder Straße und Mühlgraben (unser Bild) sowie der alten Kalkhütte nördlich des Friedhofs zu nennen. Diese Objekte waren bislang als fotografische Motive in der Arterner Stadtgeschichtsforschung gänzlich unbekannt! – Die Sammlung Burghardt hat neben einem hohen Schauwert auch und insbesondere stadt-, bau- und kulturgeschichtlich große Werte für Artern. Dies umso mehr, als die meisten der Bilder mit Unterschriften, Notizen und Jahreszahlen versehen worden sind. – Zusammen mit einem inhaltlich ähnlich schönen und umfänglichen Fotoalbum, das bereits im vorigen Herbst ebenfalls vom schon genannten Geber unserem Archiv überlassen worden ist, reizt es unwiderstehlich, diese dort eingeklebten bildlichen Marksteine in einem neuen Buch zu veröffentlichen und so einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Anbieten dafür würden sich als Vorlage (Layout und Seitenumfang) unser sehr erfolgreicher und sukzessive dem Ausverkauf zusteuernden Bildband „Alte Heimat Artern – Die Bildersammlung des Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz (1898-1983)“ von 2017. Ein Arbeitstitel für die avisierte Publikation ist zumindest schon gefunden: „Alt-Artern in Bildern – Die Fotosammlung des Schlossermeisters Hans Burghardt (1897-1970)“.


Chronik Oberheldrungen

Freitag, 12. Januar 2018

Eine intern bereits etwas länger angekündigte Abhandlung zur Geschichte zweier Siedlungen auf der Schmücke wurde zu Ende vergangenen Jahres publiziert: die „Chronik von Harras und Oberheldrungen“ aus der Feder von Ortschronistin und Heimatforscherin Sophie Schrimpf. Auf 68 Seiten und illustriert mit 93 Abbildungen in Schwarzweiß und Farbe ist ein kurzweiliger historischer Gang durch die lange Vergangenheit dieser beiden Orte entstanden. Von der Titelseite grüßt ein altes Foto mit wasserhistorischem Bezug: der Zusammenfluss der Helder mit dem Harras-Bach bzw. Mühl- und Flutgraben (unser Bild). Auf den nun folgenden Seiten nimmt sich die Verfasserin zunächst dem Ortsteil Harras (seit 1939) sowie dessen Gebäuden an, weiterhin der dortigen öffentlichen Wasserversorgung zu alter Zeit. In der sich anschließenden Darstellung der Gemeinde Oberheldrungen werden zahlreiche Aspekte vor allem der jüngeren Ortsgeschichte in Wort und Bild tangiert: Bergbau auf Kali, Vereinswesen, Historien zahlreicher Wohnhäuser und öffentlicher Gebäude, bäuerliches Leben und Arbeiten, Denkmale, Straßenansichten, Kirchengeschichte, Notgeld, Persönlichkeiten des Ortes (Heimatforscher Willi Glaß und Abgeordneter Pfarrer Adolf Heinrich Gräser), das soziale Umfeld im Ort, landwirtschaftliche Betriebe und Gewerbetreibende, Entwicklung des Dorfes nach 1945 usw. Ein Bildanhang mit Fotos überwiegend in Postkartengröße lässt dann optisch gut nachvollziehbar nähere Einblicke in die Vergangenheit von Oberheldrungen zu: Wohnhäuser, landwirtschaftliche Höfe, alte Grabsteine, das bekannte mittelalterliche Steinkreuz in alter Aufnahme, Mühlenwesen, Wappen und Siegel des Dorfes sowie Auszüge aus Kirchenbüchern. – Als Erstlingswerk muss die „Chronik von Harras und Oberheldrungen“ im Format A5 als sehr gelungen und optisch ansprechend bezeichnet werden. Im Gegensatz zu der einen oder anderen veröffentlichten Heimatschrift aus unserer Region während der letzten Jahre braucht sich dieses Heft überhaupt nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Gesamteindruck, Schriftbild, Größe der Abbildungen sowie das Layout sind sehr gelungen! Man könnte geradezu geneigt sein, diese qualitätsvolle Broschüre als beispielgebend für die publizistische Wiedergabe ortsgeschichtlicher Daten und Informationen zu bezeichnen! Auch die erfreuliche Tatsache, dass eine Frau für die Autorenschaft verantwortlich zeichnet, ist in der überwiegenden „Männerdomäne“ Heimat- und Familiengeschichte ausdrücklich und löblich hervorzuheben. Dass nicht jedes Teilstück aus der Vergangenheit von Harras und Oberheldrungen angesprochen werden konnte, liegt in der Natur der Sache und den nur begrenzten Möglichkeiten des Umfangs dieser Broschüre. So wurden z. B. die hochinteressanten ur- und frühgeschichtlichen Denkmale und Hinterlassenschaften leider nicht berücksichtigt. Trotzdem wird hier an Heimatfreunde und Interessierte an der Lokal- und Regionalgeschichte eine unbedingte Kaufempfehlung ausgesprochen, zumal auch der Preis von 7,00 Euro (zzgl. Porto und Verpackung bei Versand) gewissermaßen dazu einlädt. Bestellungen nimmt gern entgegen: Sophie Schrimpf, An der Trift 3, 06577 Oberheldrungen. – Nur ganz am Rande sei erwähnt, dass auch zwei Arterner zur Illustration der Chronik beigetragen haben.


Rathaus

Dienstag, 9. Januar 2018

Allen unseren Mitglieder, Freunden und Homepage-Besuchern zunächst ein frohes und gesundes neues Jahr 2018, verbunden mit der Hoffnung auf weiterhin reges Interesse an Orts-, Heimat- und Regionalgeschichte, Familienforschung, an neuen Veröffentlichungen sowie Veranstaltungen mit historischen Bezügen. Am heutigen Tag werden die aktuellen Meldungen nach der Weihnachtspause wieder aufgenommen, diesmal gleich mit einer sehr erfreulichen Mitteilung. – Ende vergangenen Jahres überließ Walter Wilhelm Funcke aus Einbeck, Ehrenbürger der Stadt Artern, dem Heimatverein ARATORA seine 624 Dias umfassende Sammlung mit eigenen Aufnahmen, die während zahlreicher Besuche in Artern von Beginn bis zur Mitte der 1990er Jahre entstanden. Diese Kollektion wurde noch vor Weihnachten in Hamburg digitalisiert und liegt nun in extrem hochauflösenden Bildern vor: Neben zahlreichen Ansichten von Straßen und Gebäuden mit zum Teil längst abgerissenen oder inzwischen umgebauten Häusern sind auch etliche der damals in Stadt und Landkreis Artern maßgeblichen Protagonisten und Entscheidungsträger abgebildet. – Die Sammlung ist somit eine wichtige zeitgeschichtliche Bilddokumentation, sie dokumentiert gut den Übergang von abgewirtschafteten DDR-zeitlichen hin zu sanierten und/oder modernisierten Straßenzügen und Gebäuden nach bundesrepublikanischem Standard. Zudem wurden durch Walter Funckes Bilder Lücken in der bildlichen Dokumentation der Stadtgeschichte während der frühen 1990er geschlossen. Mit der Zeit wird diese Kollektion sukzessive an historischem Wert gewinnen, nämlich umso mehr sich künftig Veränderungen im Stadtbild ergeben. – Derzeit werden die Bilder für öffentliche Präsentationen vorbereitet. Aus Anlass von dreißig Jahren deutscher Einheit wird die Ausgabe des Arterner (N)Ostalgie-Kalenders für das Jahr 2020 durchweg mit diesen Fotos aus der „Nachwendezeit“ illustriert sein. Darüber hinaus könnte auch über die Veröffentlichung einer Auswahl von Bildern in Buchform nachgedacht werden. In der laufenden Stadtgeschichtsforschung werden die Fotos besonders zur Familien- und Häuser- bzw. Bau- und Architekturgeschichte zurate gezogen. – Der Heimatverein ARATORA dankt für diese historisch unschätzbare Sammlung Walter Wilhelm Funcke in Einbeck besonders herzlich! Mit dieser Schenkung hat Walter Wilhelm Funcke erneut seine Verbundenheit mit der Stadt Artern, auch nach dem Tod seines alten Freundes Pfarrer Manfred Gerboth 2013, gezeigt. Selbiges gilt für den Heimatverein ARATORA, den er als langjähriges Mitglied und spendabler Unterstützer zur Seite steht. – Gänzlich los ist Walter Funcke die Arterner Dia-Kollektion dann aber doch nicht. Nachdem jetzt seine Lichtbilder als elektronische Dateien vorliegen, erhält er diese platzsparend als Kopien auf einem Datenstick zurück. Unser Bild aus dieser Zusammenstellung zeigt im Zuge der Errichtung der neuen Sparkasse abgerissene Häuser des 18./19. Jahrhunderts.


Artern um 1940

Freitag, 22. Dezember 2017

Kurz vor Weihnachten und dem Jahresende werden heute die aktuellen Meldungen für 2017 mit nachstehenden Informationen beendet: Vorigen Freitag fand in der Arterner Veitskirche das ausverkaufte Weihnachtskonzert des Heimatvereins ARATORA mit dem Johann-Strauß-Ensemble Leipzig und einem Melodienreigen von besinnlich bis heiter und getragen-festlich bis schwungvoll statt. Unser herzlicher Dank für einen wunderschönen, stimmgewaltigen und instrumental virtuosen Abend zur Adventszeit geht an die Musiker Christine Bath (Sopran), Alexandra Ismer (Piano), Anke Rehfeld (Violine) und Viktor Sawaley (Tenor). Gedankt wird ebenso Bürgermeisterin Christine Zimmer , Bauamtsleiterin Antje Große wie auch Standesbeamtin Christa Michel, weiterhin Patrick Helm vom Kyffhäuser Textilservice Artern, der wieder einmal zusätzliche Bestuhlung kostenfrei organisierte, weiterhin dem Städtischen Bauhof für die weihnachtliche Ausgestaltung der Kirche sowie Volkmar Künne (Ausstellung im Oberer Hof) und Herrn Kuhwald als Betreuer der Veitskirche. Den in der Konzertpause reichlich ausgeschenkten Glühwein sponserte freundlicherweise unsere Bürgermeisterin. Die Erlöse aus dessen Verkauf wurden der bislang vom Heimatverein gesammelten Spendensumme zugunsten der Wiederherstellung der Statik der Orgel in der Marienkirche zugeführt, die sich nach dem Konzert auf 650,00 Euro belief. Der Spendenscheck über diese Summe wurde zwei Tage später in würdigem Rahmen in der Marienkirche an Gemeindebeirat Jürgen Puchta und Kantor Pascal Salzmann überreicht. – Zurück zur Advents- und Weihnachtszeit: Unseren Mitgliedern, Freunden und Homepage-Besuchern wünschen wir geruhsame Fest- und Feiertage, einen fröhlichen Jahreswechsel und einen guten Start ins neue Jahr. Zugleich danken wir für allgemeines und spezifisches Interesse an unserer ehrenamtlichen Arbeit sowie für wiederum zahlreich erfahrene Unterstützungen, Schenkungen, Leihgaben, Hinweise und Informationen. Auch in 2018 werden die Geschichte der Stadt Artern sowie die Heimatkunde und Familienforschung in der Region zwischen Kyffhäuser, Südharz, Unstrut-Tal und Hainleite/Hohe Schrecke wieder im Mittelpunkt stehen: online, mit Veröffentlichungen und Druckerzeugnissen sowie tätiger Arbeit und Veranstaltungen. Bis dahin verabschieden wir uns in den Urlaub. Ab Dienstag, den 9. Januar 2018 werden hier wieder aktuelle Mitteilungen veröffentlicht. – Unser Bild zeigt einen winterlichen Gruß aus Artern um 1940: Blick vom Hang des Weinberges über die verschneite Stadt bis hin zur Sachsenburger Pforte (übrigens eines von zahlreichen „neuen alten“ Motiven unserer voraussichtlich im Spätsommer 2018 erscheinenden, stark bebilderten Buchveröffentlichung zur Arterner Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert).


Goetheplatz

Dienstag, 19. Dezember 2017

Eine etwas verfrühte Weihnachtsüberraschung, wie sie schöner nicht hätte sein können, gelangte vor wenigen Tagen zum Heimatverein ARATORA. Zunächst zu nennen wäre ein originales Arterner Adressbuch, vermutlich aus dem Jahr 1907. Mit diesem detaillierten Verzeichnis, untergliedert sowohl nach Berufen und Firmen, als auch alphabetisch nach Namen und ergänzt mit den Einwohnern u. a. von Gehofen, Reinsdorf und Voigtstedt, werden familiengeschichtliche Forschungen ab Beginn des 20. Jahrhunderts sehr erleichtert. Nunmehr liegen für die Zeit von 1894 bis 1940 vier solcher veröffentlichter Verzeichnisse für Artern und Umgebung vor, die als genealogische Helfer für Forschungen dienen. Zudem wurde schenkungsweise überlassen eine 15-bändige (!), pedantisch fortgeschriebene Chronik mit zahlreichen Fotos, Zeitungsartikeln und handschriftlichen Kommentaren. Diese beinhaltet sehr inhaltsreich die Geschichte eines Arterner Wohnbezirkes nach DDR-Duktus und dokumentiert u. a. die Errichtung von Wohnhäusern und Straßenzügen, diverse Baustellen, -trupps und -fahrzeuge, Umfeldverschönerungen, Anpflanzungen, Subbotnik-Einsätze, Anwohner und Hilfskräfte. Hinzu kommen noch weit über 300 (!) lose Privatfotografien mit zahlreichen Arterner Motiven, gleichfalls aus den 1950er bis 1980er Jahren. In der Zwischenzeit wurde ein größerer Teil der Abbildungen eingescannt, und diese werden für einen öffentlichen Vortrag in den nächsten Monaten vorbereitet. Auch in dem noch in Arbeit befindlichen Bildband mit Arterner Ansichten zwischen 1925 und 1975 werden sicherlich etliche dieser Fotos Einzug halten. Als Zugabe zu dieser bereits reichhaltigen Sammlung kamen noch einige Exemplare der Arterner Lokalpresse aus den 1930er Jahren als Geschenke hinzu. – Mit diesen Unterlagen, zzgl. noch etlichen Exemplaren der historischen Zeitschrift „Die Gartenlaube“, die bereits etwas eher zum Verein kamen, werden die Urlaubstage über der Jahreswechsel mit sehr viel (angenehmer) Arbeit ausgefüllt sein. Mögen obige Geschenke zudem beispielhaft sein für künftige Überlassungen bzw. Ausleihen orts- und heimatgeschichtlichen Materials! – Unser Bild zeigt den Goetheplatz zu Beginn der 1980er Jahre aus erwähnter Bildersammlung über die Stadt Artern zu DDR-Zeiten.


Ochs und Esel

Freitag, 15. Dezember 2017

Der lateinische Begriff „Agenda“ kann mit „das zu Tuende“ übersetzt werden. Mit kirchlichem Bezug wären damit all jene Aufgaben und Arbeiten gemeint, die die christliche Lehre, den Ritus, die Liturgie sowie das Gemeindeleben betreffen und die ein Pfarrer zu handhaben hat. Als umfassende Handlungsanleitung für Pastoren der damals noch jungen evangelischen Lehre erschien deswegen 1580 die „Kirchen-Agenda Darinnen Tauff, einsegen, und Trawbüchlein, Communion, sampt den teglichen Collecten, welche in der Kirchen gebraucht werden. Für die Prediger in der Graff/ und Herrschaft Mansfeld. Itzunder auffs newe vbersehen, vnd mit vielen nützlichen, vnd nötigen Tractaten, für junge vnd vngebübete Kirchendiener vermehrtet. Welche also bey einander nicht zu finden.“ Dieses Buch, vom dem 1718 einer erweiterten Fassung erschien, war also rege bei den Geistlichen in Gebrauch und ist deshalb trotz seines hohen Alters als Antiquität auch heute noch so selten nicht. Trotzdem wurde in den vergangenen Monaten ein Exemplar der Kirchen-Agenda im Auftrag des Heimatvereins ARATORA in Halle/S. umfänglich saniert. Zuvor war dieses Buch auf einem Flohmarkt erworben worden! – Unabhängig vom gedruckten Inhalt, auf dessen Grundlage man das komplette geistliche und gemeindliche Leben seit Luther anschaulich nachvollziehen kann, ist es der schriftliche Nachweis des längst aufgelösten Archivs des Superintendentur Artern, der dieser Agenda besondere lokalhistorische Bedeutung verleiht. – Ob nun das Buch schon 1580 oder erst später nach Artern kam, kann wohl nicht mehr nachvollzogen worden. Allein, dass es im alten Suptur-Archiv registriert war, lässt jedoch den Schluss zu, dass es zumindest vor 1718 dorthin gelangte. Ansonsten wäre wohl die schon angesprochene aktualisierte Ausgabe der Agenda archiviert worden. Klärung vielleicht auch darüber wird von etlichen handschriftlichen Einträgen im Buch erhofft, die aber bislang wegen des katastrophalen Zustandes der betreffenden Seiten nicht näher untersucht worden sind. Nach der bereits erfolgten Behandlung des Werkes im Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig bzw. nach der Stabilisierung auch dieser Seiten im Rahmen der derzeitigen Buchsanierung geht es hoffentlich bald müheloser an die Transkription der betreffenden Eintragungen. – In den nächsten Wochen wird die Arterner Kirchen-Agenda wieder in die alte Heimat zurückkehren und dann im Pfarrarchiv als kostbares Stück Stadtgeschichte die Kirchenbücher seit 1683 bereichern. Von der Buchübergabe wird hier noch zu berichten sein. – Unser Bild aus der Agenda zeigt, passend zur Weihnachtszeit, eine Szene mit Maria und dem neugeborenen Jesus-Kind, rechts schauen Ochs und Esel zu. Beide Tiere tauchen bekanntlich nicht in den kanonischen Büchern der Bibel auf, sondern nur in den apokryphen Evangelien. Trotzdem sind sie seit frühchristlicher Zeit fester Bestandteil der bildlichen Darstellung der Geburtsgeschichte Jesu bzw. der Bildsprache christlicher Kunst. Passend zur Abbildung ist aber auch der Prophet Jesaja: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ (Jes 1,3).


Jahrbuch 2018

Dienstag, 12. Dezember 2017

Soeben im 23. Jahrgang erschienen ist eine wichtige regionalhistorische Zeitschrift: das Saale-Unstrut-Jahrbuch 2018, diesmal auf dem Titel geziert von einem gotischen Fenster mit Maßwerk, Dreipass und Herzen (unser Bild). Auch die aktuelle Ausgabe bietet eine mannigfaltige Mischung aus Forschungsergebnissen zum Denkmalschutz, zur Baugeschichte, Archäologie sowie Naturkunde entlang der unvergleichlichen Kultur- und Naturlandschaft beider mitteldeutscher Flüsse. – In der Rubrik „Kulturgeschichtliche Beiträge“ werden folgende Themen behandelt: WISSEN + MACHT. Der heilige Benedikt und die Ottonen. Eine Sonderausstellung im Kloster Memleben anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Straße der Romanik. Es folgt: Die Michaeliskirche in Zeitz. Sanierung, Instandsetzung und Neuausrichtung des Innenraums von 2015 bis 2017. Der Bauhistoriker Reinhard Schmitt nimmt sich anschließend eines neuaufgefundenen Grundrisses des Dorfes Großwilsdorf aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Danach werden behandelt: eine markante Bauzier am Gasthof zu den „Drei Schwanen“ in Naumburg, die Extravaganz des gotischen Chores von Schulpforta am Beispiel der mittelalterlichen Maßwerkfenster, Betrachtungen zur Baugeschichte der Kirche in Bucha bei Wiehe, ein biografischer Abriss über Alfred Scheidig, einem der Väter der Bodenmechanik in Deutschland, sowie abschließend eine kurze Geschichte der „Fischhausbrücke“ bei Schulpforte. Der nächste Hauptabschnitt „Auf dem Weg zum Welterbe“ beinhaltet zwei Berichte: Des Priesters stumme Diener. Der Naumburger Atzmann und seine „mechanischen Verwandten“, danach Ausführungen zum Eidbuch des Naumburger Domkapitels. Unter „Naturkundliche Beiträge“ werden biologische Lehrmittel aus Halle für den Weltmarkt präsentiert, weiterhin als botanisches Thema das Frühlings-Adonisröschen vorgestellt. Unter „Das besondere Bauwerk“ ist die Pieta aus der Naumburger Moritzkirche Gegenstand von kunsthistorischen Betrachtungen. In den abschließenden Buchbesprechungen werden der Naumburger Meister und der Westchor der dortigen Domkirche vorgestellt, zudem die Baugeschichte der Domkirche Naumburg seit 1532 untersucht und aus der Geschichte von Schulpforta zwischen 1945 und 195 berichtet. – Die neue Schrift des Saale-Unstrut-Vereins für Kulturgeschichte und Naturkunde e.V. ist im Mitteldeutschen Verlag Halle/S. erschienen, umfasst 160 Seiten und ist mit Farb- und Schwarzweißaufnahmen illustriert. Zum Preis von 9,50 Euro kann es im Buchhandel mit ISBN 978-3-95462-974-9 bestellt werden.


Provinzstein

Freitag, 8. Dezember 2017

Er führt zugegebenermaßen ein Schattendasein: der Arterner „Provinz-Stein“ an der Sangerhäuser Straße, gegenüber dem vormaligen Springbrunnen in der Thomas-Müntzer-Straße (unser Bild, Foto. Manfred Schröter, Berga). Seine Errichtung wird in die Zeit um 1840 fallen. In absehbarer Zeit soll dieses Kleindenkmal aus preußischer Zeit nun aufgearbeitet und möglichst bis zum Frühjahr 2018 neugesetzt werden. Bereits zweimal schon in jüngerer Zeit durch Fahrzeuge umgefahren, ist der Stein beschädigt und dazu noch fälschlich um 90 Grad verdreht in der Erde verankert. Der Schriftzug „Stadt Artern“ muss nämlich richtigerweise nach Süden, jener mit „Provinz“ nach Norden weisen; entsprechend die Angaben „12,1 Km“ dann nach Osten bzw. Westen. – Kleindenkmalforscher Manfred Schröter aus Berga/Kyffh. erklärt, dass es sich hierbei um eine Art Merkstein handelt, der rechtliche Zuständigkeiten über bestimmte Straßenabschnitte dieser Chaussee festlegte und regelte bzw. an diese erinnerte. Demnach war für den südlich des Steins befindlichen Straßenabschnitt die Stadt Artern zuständig, nördlich davon die Preußische Provinz Sachsen, in diesem Fall wohl der damals zuständige Kreis Sangerhausen, ggf. auch der übergeordnete Regierungsbezirk Merseburg. Manfred Schröter ist sich aus langjähriger Erfahrung sicher, dass der „Provinz-Stein“ in Artern ein sehr seltenes Kleindenkmal ist und schon deshalb Erhaltung und Pflege sowie größere Aufmerksamkeit und Bekanntheit verdient hat. Auch seitens der überregional tätigen Forschungsgruppe „Meilensteine“ wird die Sanierung jenes bedeutsamen Verkehrsdenkmals befürwortet und ausdrücklich empfohlen. Mit der bevorstehenden Restaurierung durch den Steinmetzbetrieb Marko Gödicke und den Heimatverein ARATORA, ggf. verbunden mit einer angemessenen Versetzung vom jetzigen Standort, soll dem Genüge getan werden. Später auch dazu mehr. – Abschließend noch ein historischer Rückblick: Der Beginn der „Anlage einer ohngefähr fünf Meilen langen Chaussee zwischen Sangerhausen und Kindelbrück“ fällt in das Frühjahr 1830. Die für die Errichtung zuständigen „Conducteurs“ hatten in Sangerhausen, Oberröblingen, Edersleben, Artern, Sangerhausen und Sachsenburg ihre Quartiere. Die spätere Wegemeisterei für den Abschnitt der Chaussee zwischen Kindelbrück bis Edersleben befand sich in Artern. Fest steht auch, dass auf dieser Strecke seit 1. November 1833 Chaussee- bzw. Damm-Gelder (also Mauten) eingenommen worden sind. Weitere Archivalien zum Bau der Landstraße von Kindelbrück über Kannawurf, Sachsenburg, Heldrungen, Artern und Edersleben nach Sangerhausen müssen aber noch ausgewertet werden.


Müntzer-Buch

Dienstag, 5. Dezember 2017

Eine Buchneuerscheinung vom vergangenen Monat porträtiert mit Thomas Müntzer eine wichtige Persönlichkeit unserer Region aus dem 16. Jahrhundert. Der Landkreis Mansfeld-Südharz und die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt als Herausgeber möchten mit dem 352-seitigen Werk „Thomas Müntzer – Keine Randbemerkung der Geschichte“ den Blick auf den Theologen, Reformator und Revolutionär lenken, ihn neben die Reformatoren seiner Zeit stellen und sein reformatorisches Wirken, das in Allstedt zur vollen Ausprägung kam, beleuchten. – „Satan von Allstedt“ nannte Martin Luther gelegentlich diesen Mann, der einen vermeintlich dunklen Schatten auf die Zeit der Reformation wirft. Nach seiner Hinrichtung und der Niederschlagung des Bauernkrieges sollte Thomas Müntzer gänzlich aus dem Gedächtnis der Menschen verdrängt werden. Sein Wirken wurde als das eines „falschen Propheten“ diffamiert. Martin Luther hatte entsprechend vorgelegt. Nach Müntzers Tod entstanden zahlreiche polemische Publikationen, die mit Halb- oder sogar Unwahrheiten gespickt waren. Ob lutherisch oder katholisch, jede Seite versuchte einen Nutzen aus diesem Mann zu ziehen, stets zum Nachteil Müntzers, der sich als „Knecht Gottes“ sah. Wer war dieser Thomas Müntzer? Woher kam er? Was waren seine innersten Antriebskräfte, die ihn zum umstrittenen Reformator und heißblütigen Kämpfer für die Sache des „gemeinen Mannes“ werden ließen? Im 500. Jahr der Reformation erinnert dieses Buch in vielfältigen Facetten an jenen Mann, der wichtige Phasen seines Lebens auf sachsen-anhaltischem und thüringischem Gebiet verbrachte. Geboren in Stolberg (Harz) und ausgebildet in Quedlinburg, setzte er im kleinen, ehemals unbekannten Städtchen Allstedt seine reformatorischen Ideen um. Im nahen Mühlhausen und in Frankenhausen trat er aus dem kirchlichen Raum heraus, um an der Spitze der aufständischen Bauern ein neues Reich Gottes zu errichten. Er zerbrach am Widerstand der fürstlichen Obrigkeit. Dieses Buch entführt in die Zeit des wechselvollen 16. Jahrhunderts. Und es zeigt Müntzers Heimat heute. Der Landkreis Mansfeld-Südharz wird in eindrucksvollen Fotografien in Szene gesetzt. – „Thomas Müntzer – Keine Randbemerkung der Geschichte“ entstand innerhalb eines reichlichen Jahres als Beitrag aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz zum 500. Reformationsjubiläum. Zu den Autoren gehören die Professoren Hans-Jürgen Görtz (Hamburg), Günter Vogler und Siegfried Bräuer (beide Berlin); Dr. Marion Dammaschke, Dr. Ulrike Müller, Dr. Stephan Mokry, Dr. Friedrich Winterhager, Dr. Frank Pritsche, Klaus-Rüdiger Mai, Rose-Marie Knape, Maik Reichel und Adrian Hartke – alles ausgewiesene Kenner der Materie. Das Buch erscheint im Verlag Janos Stekovics – stekos historische bibliothek – Band VII, ISBN: 978-3.89923-378-0. Es kostet 28,00 Euro.


Klimagewalten

Freitag, 1. Dezember 2017

Eine neue und aufsehenerregende Sonderaustellung wirft Licht auf Veränderungen des Klimas in der jüngeren Erdgeschichte und thematisiert besonders die Ära der Eiszeiten. Da auch unsere Region zahlreiche geologisch, paläontologisch und anthropologisch relevante Hinterlassenschaften bzw. Fossilien aus den Glazialen bzw. Interglazialen aufweisen kann (Homo erectus von Bilzingsleben, Mammut von Edersleben, Wilpferdjägerlager am Kyffhäuser, Venus-Figurinen von Nebra u.v.a.m.) sei auf diese Exposition mit dem Titel „Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution“ (unser Bild) besonders aufmerksam gemacht. Hierzu folgende Pressemitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: In bewährter Tradition setzt sich eine gestern eröffnete Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle/S. mit einem äußerst aktuellen Thema auseinander: dem globalen Klimawandel. Die Sonderschau, die noch bis zum 21. Mai 2018 gezeigt wird, betrachtet den Wandel des Klimas im Verlauf großer Zeiträume und versucht, neue Blickwinkel auf die aktuellen Probleme zu erschließen. Erdgeschichtlich sind klimatische Veränderungen auch innerhalb sehr kurzer Zeitabschnitte vielfach belegt. Als Ursachen lassen sich kosmische Faktoren, wie z. B. Sonnenaktivität und Erdachsenwinkel, ebenso benennen wie irdische (Plattentektonik, Veränderungen in den Meeresströmungen u. a.). Der Mensch kommt als Klimafaktor erst sehr spät ins Spiel. – Die Ausstellung legt ihren Ausgangspunkt an den Beginn des Känozoikums vor ca. 66 Millionen Jahren, als mit dem Einschlag eines großen Meteoriten das Zeitalter der Dinosaurier endete und der Aufstieg der Säugetiere begann. War das Klima zunächst noch sehr warm, wird es insbesondere in den letzten 2,6 Millionen Jahren zunehmend unbeständiger. Warm- und Kaltzeiten wechseln sich nunmehr ab. Flora und Fauna müssen sich immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen. Die beiden ersten Themenkomplexe der Ausstellung widmen sich den möglichen kosmischen und irdischen Ursachen natürlicher Klimaveränderungen und dem Phänomen der Eis- und Warmzeiten. Zwei weitere Themenkomplexe stellen die üppige Tier- und Pflanzenwelt des Känozoikums vor. Mit zahlreichen Exponaten sind etwa die Funde aus dem Geiseltal südlich von Halle vertreten, darunter die berühmten Urpferdchen, Krokodile, Schildkröten und vieles andere mehr. – Ein weiterer zentraler Themenbereich widmet sich der Primatenevolution von den frühen Lemuren über die Hominidenentwicklung bis zur Entstehung der Menschenarten, von denen letztlich nur Homo sapiens überlebte. Rekonstruktionen, Dermoplastiken, Skelettmontagen und zahlreiche Lebensbilder zeugen von der damaligen Umwelt des Menschen mit Säbelzahnkatzen, Höhlenlöwen, Riesenhyänen oder Mammuten. Die spektakuläre Zentralinstallation zeigt den Kampf eines Mammutbullen und eines Jungtiers mit mehreren Höhlenlöwen. – Insgesamt werden auf ca. 1.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche 800 Exponate und Exponatgruppen gezeigt. Neben zahlreichen Fundstücken aus Beständen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie stellen 16 Leihgeber aus zehn Ländern sowie 19 innerdeutsche Leihgeber Exponate zur Verfügung. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zur Ausstellung erscheint der Begleitband „Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution“ mit 447 Seiten Umfang und zahlreichen Farbabbildungen. Weiteres auf www.landesmuseum-klimagewalten.de. Zur sachlichen Ergänzung bezüglich der glazialen Vergangenheit Thüringens wird zudem www.spuren-der-eiszeit.de empfohlen.


Brückensprengung

Dienstag, 28. November 2017

Nachdem die Auflage unserer bislang sehr erfolgreichen Neuveröffentlichung „Alte Heimat Artern – Die Bildersammlung des Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz (1898-1983)“ vom Vormonat ganz allmählich auf den Ausverkauft zusteuert, stehen über den Jahreswechsel Vorbereitungen für zwei weitere Publikationen zur Stadtgeschichte an: der Bildband „Artern 1925-1975“, der im kommenden Spätsommer erscheinen soll, sowie der Arterner (N)Ostalgie-Kalender 2019, der zum Zwiebelmarkt 2018 herausgegeben wird. Für den angesprochenen Bildband, den möglichst viele private und damit noch nie oder nur selten publizierte Aufnahmen mit Stadtansichten, Straßen, Plätzen und Häusern illustrieren werden, kam dieser Tage erneuter „Nachschub“, diesmal siebzehn Aufnahmen von ca. 1920 bis in die 1960er Jahre. Besagte Bilder werden voraussichtlich fast komplett in dieses Buch und/oder zu Teilen in den nächsten Kalender Einzug halten, als da an Motiven wären: Kyffhäuser-Kleinbahn, mehrere Ansichten von Gebäuden in der Altstadt, eine Bilderreihe mit der in den letzten Kriegstagen 1945 gesprengten Mühlgrabenbrücke (unser Bild) sowie eine Fotofolge vor und nach Einmarsch der US-Army in Artern, Gesamtansichten unserer Stadt, Unstrut-Motive, der Kyffhäuser mit Burg und Denkmal sowie Bilder von der Errichtung der Sole-Schwimmbades 1967. – Um Unterstützung bei der Illustration dieses neuen Buches mit Privatfotos wird auch weiterhin gebeten. Es wird angestrebt, im noch in Arbeit befindlichen Bildband die Stadt Artern mit großflächigen historischen Aufnahmen in den Formaten A5 und A4 zu präsentieren!


Wappenstein aufrecht

Freitag, 24. November 2017

Noch rechtzeitig vor Beginn des Winters wurde eine kleine, jedoch sehr notwendige Korrektur an einem Arterner Kleindenkmal vorgenommen. Die Anfang 2017 vom Heimatverein ARATORA initiierte Wiederherstellung des Wappensteins aus der Saline wurde mit dessen feierlicher Übergabe im letzten Mai vollzogen. Seither war das Denkmal leicht schräg positioniert gewesen, was Ende vergangener Woche jedoch derart abgeändert worden ist, dass der Stein aufgerichtet wurde und die Wappen vom Kurfürstentum Sachsen (rechts) und Polen-Litauen (links) nunmehr den Betrachter direkt anschauen (unser Bild, Foto: M. Gödicke, Artern). Diese Maßnahme wurde durchgeführt von Steinmetz Marko Gödicke, ein herzlicher Dank für Unterstützungen ergeht auch an die Bürgermeisterin der Stadt Artern und die Friedhofsverwaltung bzw. den Bauhof. Nötig geworden war die Aufrichtung des Denkmals, weil sich in dem verschnörkelten Rankwerk um die Wappen nach Regengüssen Wasser sammelte und nicht abfloss. Auf die Dauer hätte der Sandstein dadurch Schaden davongetragen, besonders in der kalten Jahreszeit, weil dann Gefahr besteht, dass das Wasser gefriert und Teile des Schmuckwerks hätten absprengen können. Nach der jetzt vollzogenen Aufrechtstellung des Steins kann das Regenwasser nun komplett abfließen und bleibt nicht mehr in den Furchen und Vertiefungen zurück. Im kommenden Frühjahr soll dann ein Dach oder Verdeck das Denkmal von ca. 1735 besser vor Wetterunbilden schützen sowie eine Info-Tafel angebracht werden. Dass Letztere besonders wichtig ist, zeigt ein Fauxpas, der tatsächlich diesen Sommer geschehen ist. In völliger Unkenntnis, welche Wappen der damals frisch gesetzte Stein wiedergibt bzw. was diese bedeuten und wie sie mit der Stadt Artern in Zusammenhang stehen, wurde Ortsfremden (nicht ohne damit bewiesenen Einfallsreichtum) erklärt, auf dem Denkmal wären die Wappen der Partnerstädte von Artern zu sehen! Das dies eben nicht so ist, kann man dann im kommenden Jahr auf einer Tafel nachlesen und sich zugleich stadthistorisch und landesgeschichtlich weiterbilden. Hierzu wurde bereits mit dem befreundeten Kleindenkmalforscher Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue ein Text abgestimmt.


Ehrung Dr. Römer

Dienstag, 21. November 2017

Am vergangenen Freitag fand zum sechsten Male die Ehrenamtsgala der Stadt Artern statt. Zehn engagierte Frauen und Männer wurden im Freizeitzentrum von Bürgermeisterin Christine Zimmer für ihr langjähriges und freiwilliges Engagement geehrt. Darunter auch ein Mitglied des Heimatvereins ARATORA: Dr. Axel Römer, wohnhaft in Pulheim bei Köln (unser Bild), der damit der bislang am weitesten von Artern entfernt lebende Preisträger ist. Als Einreicher für diesen Vorschlag zeichneten Ursula Telschow aus Schönfeld und der Vorstand des Heimatvereins verantwortlich. In der gemeinsamen Begründung heißt es: Trotz geografischer Entfernung ist Dr. Axel Römer aus Pulheim in Nordrhein-Westfalen noch immer sehr eng mit seiner Heimatstadt Artern verbunden. Dies äußert sich einerseits in jährlich mehrfachen Besuchen, andererseits in umfänglicher ehrenamtlicher Arbeit sowie unschätzbarer finanzieller Unterstützung. Er ist besonders aktives Mitglied im Heimatverein ARATORA. Im Rahmen der lokalhistorischen Arbeit widmet er sich familiengeschichtlichen Forschungen in Kirchenbüchern und städtischen Akten sowie deren wissenschaftlicher Erfassung, Katalogisierung, Niederschrift und Darstellung. Aufgrund historischer und familiärer Wurzeln liegt ihm besonders der Erhalt der Kirche St. Kilian von 1741 in Schönfeld am Herzen, für deren Sanierung er sich in Vergangenheit mit beachtlichen Mitteln einsetzte und auch in Zukunft diesbezüglich Hilfe zugesichert hat. So trug er für die im Frühjahr 2017 abgeschlossene, denkmalgerechte Sanierung des Barockaltars in der Kilian-Kirche einen Großteil der Kosten. Auch für die malerische Ausgestaltung des Altarraumes in dieser Kirche hat Dr. Römer großzügig private Geldmittel überlassen. Für die demnächst beabsichtigte Sanierung der Kirchenfenster in St. Kilian gab er bereits Zusagen zur Unterstützung. Ebenso ist Dr. Axel Römer hinsichtlich der Sanierung von historischen Kirchenbüchern löblich in Erscheinung getreten. So hat er in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und z. T. mit dem Heimatverein ARATORA einzelne Bücher aus Artern und Voigtstedt komplett bzw. teilweise auf eigene Kosten fachgerecht sanieren und neu einbinden lassen. Im Vorfeld der gerade im Gange befindlichen, gleichfalls sehr kostenintensiven Erhaltung und Neubindung einer sog. Kirchen-Agenda von 1580 aus dem verschollenen Archiv der vormaligen Superintendentur Artern hat Dr. Römer die Kosten für die Trocknung, Reinigung und Untersuchung auf Kontaminationen dieses alten und für die Stadtgeschichte Arterns bedeutenden Buches im Zentrum für Bucherhaltung Leipzig getragen. Nicht zuletzt hat sich Dr. Römer bei der Finanzierung der Kosten für die Wiederherstellung dreier wichtiger Denkmale in Artern mit großzügigen Spenden beteiligt: Lutherstein von 1819, Friedensstein von 1871 und Wappenstein von ca. 1735.


Kronengarten

Freitag, 17. November 2017

Im Rahmen einer familien- und gebäudegeschichtlichen Arbeit, verbunden mit der Ermittlung der vormaligen Bewohner eines eng begrenzten, historischen Wohnviertels der Stadt Artern, wird heute um Mithilfe wie folgt gebeten. Im Fokus derzeitiger Recherchen steht der Kronengarten, ein kleiner Siedlungsbereich östlich der ehemaligen Gaststätte zur Krone in der Alten Poststraße bzw. südlich des westlichen Abschnittes der Leipziger Straße. Mithilfe von alten Stadtplänen, Einwohnerbüchern, Steuerverzeichnissen, Archivalien sowie Eintragungen in den Kirchenbüchern sollen zur Geschichte des Kronengartens möglichst viele Daten ermittelt werden. Wichtig hierbei sind besonders auch persönliche Erinnerungen, mündliche Überlieferungen sowie Namen der einst dort ansässig gewesenen Familien und Personen. Hierzu werden Mitteilungen und Informationen aus Artern erbeten. Für die Forschungsarbeit zum Kronengarten werden außerdem und ganz besonders Fotos von ehemaligen Bewohnern, Häusern und Gärten sowie Gesamtansichten gesucht, die dazu dienen, besagte Recherchen anschaulich zu machen. – Der Kronengarten hatte nicht den besten Ruf, es wohnten dort über Generationen hinweg oft sozial schwache und/oder arme Familien. Das Wohnumfeld war eher dürftig und die Grundversorgung, z. B. mit Wasser und Energie, rückständig. Diese damaligen Umstände sollen bei potentiellen Zeitzeugen jedoch keine falsch verstandene Scham erzeugen, über diesen alten Wohnbereich nicht zu berichten! – Mit Errichtung des Vestibüls mit Saal neben dem Hotel „Stadt Artern“ sowie der beiden Kaufhallen fand der Kronengarten ein baulich bedingtes Ende. Die Arterner Stadtchronik berichtete darüber: „Gegen Ende des Jahres 1968 war das Bauvorhaben "Kultur- und Versorgungszentrum“ im vollen Gange. Zur Schaffung der Baufreiheit waren 32 Familien aus abbruchreifen Häusern in Neubauwohnungen im Talgebind umgezogen. Dem folgte der Abbruch von Altbauten in der Thälmannstraße [heute Leipziger Straße] und der Alten Poststraße.“ – Unser Bild zeigt den Blick aus dem früheren Kronengarten auf die Rückseiten der Wohnhäuser Leipziger Straße 40 bis 42, wohl um 1975 (Sammlung Dr. Axel Römer, Pulheim).


Walter Funcke

Dienstag, 14. November 2017

Kein Karnevalsscherz zum 11.11.: Mit einer ganz besonderen und höchst willkommenen Überraschung für den Heimatverein ARATORA stand am vergangenen Sonnabend Walter-Wilhelm Funcke (unser Bild), Ehrenbürger der Stadt Artern aus Einbeck, vor der Tür. Er verschenkte seine private Sammlung mit fast 700 Dias – ausschließlich eigene Aufnahmen mit Arterner Motiven aus den frühen 1990er Jahren, als die ersten Kontakte zwischen unserer Stadt und Einbeck in Niedersachsen geknüpft und gefestigt worden sind. Es handelt sich somit um einmalige Bilddokumente aus der rückblickend nicht selten „konfusen und wilden Zeit“ kurz vor bzw. nach der deutschen Einheit. Nach einer ersten, noch sehr oberflächlichen Sichtung kann resümiert werden: Gut dokumentiert auf den Dia-Positiven ist der damalige Zustand der Stadt, besondere deren (kaputte) Straßen, (grau-ruinösen) Häuser und die abgewirtschaftete Industrie – beredte lokale Zeugnisse sozialistisch-zentralisierter Misswirtschaft und des nahen Staatsbankrotts der DDR. Aber auch die eine oder andere „Koryphäe“ der "Wende- und Nachwende-Zeit", nicht wenige sind mittlerweile längst nicht mehr unter uns, ist abgebildet. – Die Dia-Sammlung soll demnächst komplett digitalisiert werden, um z. B. den Arterner (N)Ostalgie-Kalender für das Jahr 2020 mit relevanten Abbildungen bereichern zu können. Dieser fungiert auf der mittelfristigen Vorbereitungsliste unserer nächsten Publikationen unter dem Arbeitstitel „Artern um 1990. Dreißig Jahre Deutsche Einheit“. Zuvor schon wird auf dieser Homepage sicherlich das eine oder andere besonders interessante Dia vorgestellt. Nach der Digitalisierung wird es voraussichtlich im Frühjahr 2018 einen ersten Bildervortrag mit diesen Aufnahmen geben. Über einen Bildband mit einer Auswahl aus der Dia-Kollektion von Walter Funcke anlässlich der dreißigsten Wiederkehr der Einheit unseres deutschen Vaterlandes wird nachgedacht. – Ein besonders herzlicher Dank geht nochmals nach Einbeck für die Überlassung dieser einmaligen, reichhaltigen und zeitgeschichtlich wichtigen Bildersammlung zur jüngeren Stadtgeschichte Arterns. Dies nicht, ohne zu erwähnen, dass Walter Funcke über lange Zeit hinweg stets auch anderweitig als Förderer und Unterstützer des Heimatvereins ARATORA, dessen langjähriges Mitglied er ist, gewirkt hat! (Und unser Ehrenbürger aus Einbeck ließ „nebenbei“ durchblicken, dass er noch etliche weitere Fotosammlungen mit Motiven aus Artern seit 1990 habe!)