Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Dienstag, 20. Oktober 2020

Ein altes Objekt lokaler Eisenbahnromantik kehrt in absehbarer Zeit nach Artern zurück: in Gestalt der „legendären“ Knipserbude vor dem Hautgebäude des hiesigen Bahnhofes! So primitiv sich dieser hölzerne Unterstand zu Betriebszeiten auch präsentiert haben mochte, es handelte sich um eine bedeutsame Einrichtung der Deutschen Reichsbahn. Denn dort saß ein (schon von Amts wegen wichtiger) Kontrolleur, um mit der Lochzange die Fahrkarten vor der Abfahrt der Züge zu entwerten. Auch die Inhaber von sog. Bahnsteigkarten mussten einst an besagtem Häuschen zur Entwertung derselben vorbei defilieren. Das Prinzip war so einfach wie effektiv: Ohne Karte kein Betreten der in Artern mit einem Holzzaun abgesperrten Bahnsteige bzw. Züge – und der Fahrkartenknipser hatte natürlich eine ausschlaggebende Tätigkeit im Bahnverkehr inne, die sicherlich nicht selten von diesem „herausgekehrt“ worden ist. – Nachdem das Häuschen vom Arterner Bahnhof, das zuvor drei Jahrzehnte lang als Unterstand für Gartenwerkzeuge diente, zum Zeitpunkt der Abholung im Sommer 2019 noch ein Bild des Jammers bot und viele keinen Pfifferling auf dessen erfolgreiche Sanierung gegeben hätten, steht die erfolgreiche Wiederherstellung nun kurz vor dem Ende. Dies aber auch nur durch einen Glücksgriff! Hunderte ehrenamtliche Arbeitsstunden, viel Farbe und Leim, Holz und Glas hatte nämlich seither unser Vereinsmitglied Hans-Joachim Büchner in Weißwasser investiert, um dieses unikale eisenbahngeschichtliche Relikt seiner Heimatstadt an der Unstrut unter Beibehaltung möglichst vieler Originalteile wieder detailgetreu herzustellen. Nunmehr kaum wiederzuerkennen ist jetzt die vormalige Ruine der Knipserbude, die sich in sattem Moosgrün präsentiert. Bald kehrt diese nach Artern zurück. Wenn es soweit ist, womöglich noch in diesem Quartal, wird das Häuschen in einem vor Wind und Wetter geschützten Raum Platz finden und, soweit es die Umstände zulassen, mit einer kleinen Feier der Öffentlichkeit übergeben. Immerhin dürfte Artern dann ein auch überregional einmaliges, originales Relikt aus der guten alten Eisenbahnzeit besitzen. – Unser beigefügtes Fotos zeigt einen Bildausschnitt mit Darstellung des Arterner Bahnhofes um 1900 mit einem Vorgängerbau der besagten Knipserbude aus späteren DDR-Zeiten.


Pfalzkirche Tilleda

Dienstag, 13. Oktober 2020

Die die Sanierung der Arterner Veitskirche begleitenden archäologischen Grabungen vor rund einem Vierteljahrhundert brachten zahlreiche, bislang unbekannte Aspekte aus der baulichen Vergangenheit dieses Bauwerks zutage. Neben mittelalterlichen Estrichen war die Erschließung eines vom Grundriss her völlig abweichenden, steinernen Vorgängerbaus eine kleine Sensation! Diese Kirche beeindruckte mit einem mächtigen Westturm, einem langen Schiff sowie dem Halbrund einer Apsis als östlichen Abschluss. Die Fundamente wurden damals ausgegraben, dokumentiert und als Aufriss sichtbar gemacht. Im Nachgang wurde die Lage des vormaligen Turms im neuzeitlichen Bodenbelag mittels veränderter Pflasterung optisch hervorstechend gestaltetet. Was allerdings fehlt, war die bildliche Wiederherstellung des Altbaus der Veitskirche in Komplettansicht. - Eine annähernde Rekonstruktion ist nun bei einem neuerlichen Besuch des Freilichtmuseums Königspfalz Tilleda (Ausgrabungen 1935 und 1939 sowie 1958 bis 1976) „entdeckt“ worden: Vor den Grundmauern der dortigen Pfalzkirche befindet sich eine Info-Tafel, die u. a. dieses mittelalterliche Bauwerk als Rekonstruktion zeigt. Wird dieses Bild nun gespiegelt, zeigt es in ziemlicher Übereinstimmung jene markanten Merkmale, die den Baukörper des ersten Steinbaus der Arterner Veitskirche ausmachten (hier in der gedachten Ansicht der Südseite): hoher Turm im Westen, sich daran anschließendes Langschiff sowie Apsis als Abschluss im Osten (unser Bild). Weitere Details (Fenster, Pforte sowie Innenbereich) sind bei den Kirchen zu Tilleda bzw. Artern allerdings höchst verschieden. Soweit bekannt, wurden die Ergebnisse der Grabungen in der Veitskirche (noch) nicht veröffentlicht.


Bürstenbinder Vogel

Dienstag, 6. Oktober 2020

Dem ominösen Virus fiel auch die Jahresplanung des Heimatvereins ARATORA zu großen Teilen bzw. zwei geplante Bücher sogar komplett zum Opfer, als da in 2020 gewesen wären: ein weiterer Bildband mit zumeist noch unpublizierten Fotos aus der Stadthistorie sowie eine Darstellung zur Geschichte des Arterner Kronengartens. Diese Veröffentlichungen werden nun auf das kommende Jahr verschoben, so sich denn die pandemischen Umstände und damit verbundenen Maßnahmen bis dahin hoffentlich wieder normalisiert haben. Die Manuskripte beider Bücher sind schließlich zu großen Teilen fertig und werden im Herbst und Winter mit jenen interessanten Unterlagen und Fotos ergänzt, die in der Zwischenzeit dafür zur Verfügung gestellt worden sind. Als Erscheinungstermine sind das Frühjahr und der Hochsommer 2021 avisiert, im vierten Quartal kommt noch der Nostalgie-Kalender für 2022 hinzu. Schon jetzt kann resümiert werden dass sich die Zwangspause aber keineswegs nachteilig auf die Inhalte auswirken wird – im Gegenteil! Während der gewonnenen Zeit haben sich nämlich die einen oder anderen Bildperlen eingefunden, die nun gezeigt werden können, so z. B. das hier beigefügte Foto vom abgerissenen Geschäft des Bürstenbinders Vogel in der Leipziger Straße, aufgenommen im November 1968.


Zippelmarkt

Freitag, 2. Oktober 2020

Lange Zeit war es unklar, nun aber ist es gewiss: Der Zwiebelmarkt 2020 in Artern findet ab dem morgigen ersten Oktober-Wochenende statt, wenngleich in abgespeckter Form. Wie schon während der vergangenen sieben Jahre wird auch diesmal dort der Arterner Nostalgie-Kalender angeboten, der aktuell unter dem Titel „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ steht. Dieser beinhaltet 32 Abbildungen auf 28 Seiten aus der Zeit der 1950er bis 1980er Jahre. Zu sehen sind u. a. Schillerstraße, Franz-Schubert-Straße, Siedlung, Pestalozziplatz, Weinberg und weitere Motive aus dem Norden unserer Stadt. Interessenten können sich am Sonnabend, den 3. und Sonntag, den 4. Oktober 2020 von jeweils 9 bis 15 Uhr am Verkaufsstand des Heimatvereins ARATORA vor dem Wohn- und Geschäftshaus Wasserstraße 12 zu Erwerb einfinden. Unter Umständen ist auch nach dem Zwiebelmarkt noch Zeit, denn potentielle Restexemplare gibt es dann im „Guten Buch“ in der Leipziger Straße. Darüber hinaus werden Bestellungen gern auch telefonisch oder schriftlich entgegengenommen. - Unser Bild zeigt einen tatsächlich als postalische Anschrift existierenden Zwiebelmarkt in unserer weiteren Heimat (Altstadt von Aschersleben). Auf diesem mundartlich zu „Zippelmarkt“ verschliffenen Areal wurden einst die namensgebenden Lauchgewächse auch im östlichen Harzgebiet gehandelt.


CG 3-2020

Dienstag, 29. Septenber 2020

Wie rasch ein Vierteljahr vergeht, kann auch an der Veröffentlichung der Quartalsschrift „Computer-Genealogie“ des Vereins für Computer-Genealogie nachvollzogen werden, deren aktuelle Ausgabe Nr. 3/2021 soeben eingetroffen ist. Wie nicht anders zu erwarten war, ist auch dieses Heft wieder rundum gelungen und ansprechend für Einsteiger wie „alte Hasen“ der Familienforschung gleichermaßen. - Das Titelthema sind diesmal maßgeblich feminin geprägt; hierzu schreibt der Herausgeber: „Die klassische Genealogie konzentrierte sich auf die männlichen Stammlinien, Frauen waren nur „angeheiratet“. Oft wurde von ihnen in den Kirchenbüchern auch nur der Vorname genannt. Aber es hat sich viel getan in den letzten Jahrzehnten – inzwischen interessieren sich viele Forscher, und natürlich die wachsende Zahl der Forscherinnen, auch für die Frauen in ihrer Familiengeschichte. Die hatten oft eine ganz andere Biografie als Männer – etwa als Folge nichtehelicher Geburten. Und es gab auch schon früher mutige Frauen, die ganz anders lebten als wir ihnen heute zutrauen: Schon im 17., 18. Jahrhundert gingen einige protestantische Frauen ihre eigenen Wege und ließen sich scheiden. Frauen in der Familiengeschichte – das ist das Thema von Ausgabe 3/2020 der Computer-Genealogie.“ Die Kapitel des Hauptthemas lauten: Frauenschicksale. Die Rechte der Frauen in der frühen Neuzeit. Die Wege des X-Chromosoms. Chance für die Mutterstammforschung. Hochschwanger auf dem Feld.) - Weitere Schwerpunkte des neuen Magazins sind die Vorstellung der Software „My Famlily Tree“, zwei Berichte zur DNA-Analyse in der Familienforschung und der Rückblick auf das Groß-Berlin-Gesetz von 1920 (Eingemeindung zahlreicher Gemeinden in der Umgegend von Berlin). Abgerundet wird das Heft von vielen Kurzmeldungen und Neuigkeiten aus der Welt der Genealogie. - Die nächste Ausgabe der „Computer-Genealogie“ erscheint im Dezember und wird sich schwerpunktmäßig den Familienchroniken annehmen. Bis dahin sei die Vereinshomepage https://www.compgen.de/ empfohlen.


140 Jahre Brauerei

Dienstag, 22. September 2020

Artern und Bier, das gehört historisch ebenso zusammen wie Artern, Saline und Salz, wenngleich die Historie des industriell hergestellten Gerstensaftes weit jünger ist und erst in die Jahre 1879/1880 datiert. Zudem ist beiden, einst die Stadt bekannt gemacht habenden Produkten gleich, dass jetzt nur noch wenig Vorzeigbares von den einstigen Bausubstanzen ihrer Herstellung gezeigt werden kann. - Nachdem über Jahrhunderte hinweg in Artern Bier nur in brauberechtigten Häusern hergestellt und ausgeschenkt werden durfte, lieferte die Brauerei an der Chaussee nach Querfurt heute auf den Tag genau heute vor 140 Jahren erstmals Bier aus eigener Produktion! Aus diesem Anlass nachstehend einige Daten zur Betriebsgeschichte, wie sich auf der Festurkunde von 1979, dem hundertsten Jubiläum der Gründung bzw. des Baubeginns (unser Bild), abgedruckt waren, in Auszügen: 1898 neue Eisfabrikationsanlage, 1904 neues Sudhaus, 1907 Abfüllung als Flaschenbier, 1921 Verschmelzung der Brauereien Allstedt, Frankenhausen, Sondershausen, Kelbra und Artern zur „Vereinigten Thüringer Brauerei in Artern“, 1925 Ankauf von LKW zum Biertransport, 1927 Einstellung der eigenen Malzfabrikation und Übernahme von Malz aus der Malzfabrik Artern, 1933 Anlage für Kunsteis, 1936 automatische Anlage zur Fassreinigung, 1938 Großfeuer in der Brauerei Artern, 1946 Brauerei Artern wird VEB, 1948 neue Bezeichnung als VEB Venag Brauerei Artern, nach 1947 sukzessive umfassende Modernisierung des Werkes, 1967 Großbrand in der Malzfabrik, 1971 Zuordnung des VEB Brau- und Malzkombinat Sangerhausen mit der Brauerei Artern zum VEB Getränkekombinat Dessau, 1979 versorgt die Brauerei Artern sieben Kreise mit Bier und alkoholfreien Getränken, rund 200 Beschäftigte arbeiten im hundertsten Jahr der Brauerei ebendort.


Bäckerei Herold

Dienstag, 15. September

Begleitend zur umfänglichen Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses Wasserstraße 12 vor über anderthalb Jahrzehnten erarbeitete der Kunsthistoriker Dietrich Wiegand aus Hemleben eine detaillierte  baugeschichtliche Untersuchung dieses Objekts. Bereits in dieser Abhandlung wurden einige frühere Besitzer bzw. Nutzer benannt und zeitlich zugeordnet. Um die rund 400jährige Geschichte dieses opulenten Hauses künftig besser zu verstehen, werden aktuell intensivere Recherchen zu dessen Eigentümern aus vier Jahrhunderten vorgenommen. Hilfreiche personenbezogenen Daten und Informationen können z. B. aus erst in den vergangenen Jahren entdeckten und seither digitalisierten Arterner Steuer- und Einwohnerakten des 19. Jahrhunderts entnommen werden. Bereits zu Beginn der Recherchen wurde die Bedeutung dieses Hauses und Grundstücks auch für die Stadt-, Familien-, Handwerks- und Militärgeschichte der Stadt Artern erkennbar. Nach Fertigstellung der Abhandlung „Geschichte der Eigentümer, Mieter und Bewohner des Wohn- und Geschäftshauses Wasserstraße 12 seit dem 17. Jahrhundert“ gegen Ende dieses Jahres wird dann den derzeitigen Besitzern sowie dem Stadtarchiv Artern eine Ausgabe überlassen, ggf. auch öffentlich vorgestellt. Die hier beigefügte, auf 1908 datierte Illustration zeigt die im Haus Wasserstraße 12 ansässig gewesene Bäckerei von Otto Herold, der sich erst wenige Jahre zuvor dort eingerichtet hatte.


Kalender 2021 Vorwort

Dienstag, 8. September 2020

Der Publikumszuspruch zum 2. Heimattag in Artern am vergangenen Wochenende war erfreulich rege, haftete dieser Veranstaltung doch mehr als nur ein Hauch jener Normalität an, die das vergangene halbe Jahr so schmerzlich vermisst worden ist: Händler aus der Region boten Waren an, hiesige Geschäftstreibende warben für ihre Läden und Firmen, ebenso Vereine, Essen und Trinken wurden ausgereicht und die Arterner Schalmeien musizierten in der Innenstadt. - Zwischen den beiden örtlichen Schwerpunkten des Heimattages, vor dem ehemaligen Hotel und dem Geschwister-Scholl-Platz, hatte sich der Heimatverein ARATORA mit einem Stand vor dem „Guten Buch“ platziert und bot am Freitag bzw. Sonnabend erstmals den mittlerweile sehr beliebten Nostalgie-Kalender, hier jenen für das kommende Jahr, an. Entgegen allen Erwartungen hinsichtlich der Frequentierung sollten die dafür absolvierten 15 Arbeitsstunden ein voller Erfolg werden, denn bereits die Hälfte der Gesamtauflage, also 150 Exemplare, ist nun schon veräußert (das sind rechnerisch alle sechs Minuten ein Kalender, der über den Ladentisch ging!). Sogar aus Bad Frankenhausen, Sangerhausen und Voigtstedt waren Gäste extra deswegen nach Artern gekommen. - Nachdem jetzt auch die bürgermeisterliche Zusage betreffs der Durchführung des Zwiebelmarktes in vier Wochen vorliegt, werden die verbliebenen Exemplare dort angeboten bzw. danach der Rest im „Guten Buch“. Der Heimatverein ARATORA sagt Dankeschön für dieses große Interesse sowie die guten Kritiken betreffs der inhaltlichen Gestaltung unseres neuen Druckerzeugnisses „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ mit noch nie veröffentlichten Bildern unserer Heimatstadt aus den 1950er bis 1980er Jahren (unser Bild). Auch perspektivisch wird die Kalenderreihe weitergeführt; das Manuskript der Ausgabe für 2022 ist bereits so gut wie fertig!


Grab Schirmer

Dienstag, 1. September 2020

Eine bislang ungekannte Erweiterung des Geschäftslebens der Stadt Artern ließ im Sommer 1905, somit vor 115 Jahren, sogar die Presse in der damaligen Kreisstadt Sangerhausen aufhorchen und eine entsprechende Mitteilung veröffentlichen. Eben diese Nachricht erreichte kürzlichen den Heimatverein ARATORA von Heimatfreundin Christine Stadel aus Sangerhausen, die unermüdlich historische Zeitungen durchforstet und in diesem Kontext immer wieder auch Mitteilungen aus der jüngeren Geschichte Arterns zusendet. Die „Sangerhäuser Zeitung“ teilte ihrer Leserschaft damals Erstaunliches mit: „Artern. Ein Beerdigungsinstitut ist jetzt hier eröffnet worden. Der Inhaber […] verspricht in der Geschäftsanzeige sachgemäße und pünktliche Bedienung und gibt die Preise bekannt: danach kostet eine große Beerdigung (Leichenwagen, 6 Einsenker, Leichenfrau, Sarg, Grabrede, Danksagung, Läuten) von 60 Mark an; Leichenwagen ohne Einsenkern 7 Mark; Kinderbeerdigung entsprechend billiger.“ - Mit dieser Pressemeldung kann ein markanter Schnitt in der lokalen Sepulkralkultur festgemacht werden: Waren bisher, unter Beachtung kommunaler und kirchlicher Vorschriften, die Vorbereitung und Durchführung von Beerdigungen ausschließlich in privater Hand, wurden diese Obliegenheiten seit 1905 sukzessive in geschäftliche Verantwortung gegeben, und längst hat sich daraus ein prosperierender Geschäftszweig entwickelt, ohne dessen Zutun kaum mehr ein Begräbnis vorstellbar ist. - Unser Bild vom Arterner Friedhof zeigt das leider im vergangenen Jahr weggenommen Familiengrab von Zimmerer Schirmer in der Schönfelder Straße.


Kalender 2021

Dienstag, 25. Augst 2020

Eine schicke, seit einigen Tagen öffentlich ausliegende Info-Schrift zum 2. Arterner Heimattag, unterstützt durch die Initiative Heimatshoppen der IHK Thüringen, präsentiert auf den ersten Blick sämtliche Teilnehmer an dieser regional orientierten Veranstaltung am ersten September-Wochenende 2020. Oder eben doch nicht, denn trotz rechtzeitiger schriftlicher Anmeldung wie auch telefonischer Nachfrage ist der Heimatverein ARATORA als „Heimatunterstützer“ offensichtlich „vergessen“ worden. Das ist umso bedauerlicher, da zu diesen beiden Terminen der druckfrische Nostalgie-Kalender für 2021 (unser Bild) erstmals angeboten wird. Seit 2015 erfreut sich eben dieses Vereinserzeugnis auch und besonders der dort publizierten historischen Stadtmotive wegen großer Beliebtheit in und um Artern. Deshalb an dieser Stelle unser Hinweis an alle Interessenten: Am Freitag, 4. September wird der neue Kalender von 9 bis 18 Uhr bzw. am Sonnabend, 5. September von 9 bis 16 Uhr vor dem „Guten Buch“ in der Leipziger Straße zum Preis von 10 Euro angeboten. Der Kalender steht unter dem Titel „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ und bringt auf 28 Seiten 32 noch nie veröffentlichte Schwarzweiß-Abbildungen der 1950er bis 1980er Jahre aus den nördlichen Wohngebieten unserer Stadt.


Kalkhütte

Dienstag, 18. August 2020

Vor hundert Jahren, zu Ende August 1920, wurde das Areal nahe des Friedhofs grundlegend verändert. Nachstehender Zeitungsartikel aus der Feder von Ewald Engelhardt erinnert an diesen Abriss und die Neugestaltung jenes Geländes, auf dem seit drei Jahrzehnten Autos verkauft und repariert werden: „Vom Kalktal. In diesen Tagen verschwindet dicht bei Artern etwas Besonderes, das wir wohl über 1000 Jahre hatten, verschwindet, ohne daß die meisten es auch nur ahnen und sehen, während die dicht daran vorübergehen. Es handelt sich um das dem Salzthale gegenüberliegende Kalktal, welches unsere Ahnen und uns seit vielen Jahrhunderten mit dem so wichtigen Baugips versorgt hat. Bis vor wenigen Jahren bestand ja noch die Koch’sche Kalkhütte mit ihrem Kalkofen [unser Bild]; 1920 wurden beide dem Erdboden gleichgemacht, nachdem bereits Ostern 1911 der letzte Besitzer samt seinem Arbeiter kläglich durch einen mächtigen Gipsblock zerquetscht worden waren. Bis vor kurzem konnte man wenigstens nach Teile der malerisch zerklüfteten Gipsfelsen sehen und somit einen Durchschnitt gewahren von dem mächtigen Zechsteinlager, auf dem unsere ganze Gegend samt Artern über dem kolossalen Steinsalzmassive aufgebaut ist. Es werden dort seit den letzten Jahren durch eine oben im Mauerwerk an der Cachstedter Straße durchgebrochene Lücke ungeheuere Mengen von Industrieasche ins Kalktal herabgeschüttet. Blickt man jetzt von gegenüber durch die beiden kleinen Fensterchen aus dem Friedhofe hinüber, so gewahrt man kaum noch die allerobersten Felsgesteine des Kalktals. Es wäre zu erwägen, ob man nicht zur Erinnerung an das Kalktal und seine Kalkindustrie die neue sich bildende Straße eventuell eventuell Kalktalstraße nennen möchte…“. Letzteres ist bekanntlich längst geschehen, wenngleich erst mit rund sieben Jahrzehnten Verspätung.


Held Mertens

Dienstag, 11, August 2020

Vor einem Vierteljahr konnte erstmals über den Fortschritt an einer umfangreichen genealogischen Arbeit berichtet werden, die die Geschichte der in Nordthüringen, am Südharz und im Mansfelder Raum alteingesessenen Familie Schmölling behandelt. Seit Beginn der Erfassung und Verarbeitung relevanter Daten im Frühjahr wurden mehr als 1.100 Personen aus fünf Jahrhunderten ermittelt und zugeordnet. Ein maßgeblicher und zugleich umfangreicher Zuwachs an historischen Informationen ist Ende Juli mit der freundlichen Überlassung extensiver Daten aus Oberröblingen/H. erreicht worden. Unter anderem konnte aus mittels Materials eine Übersiedlung in die USA ermittelt werden. - Aus dem Gesamtvolumen der genealogischen Informationen soll stellvertretend für viele andere geschichtliche Relationen aus unserer Gegend hier der aus der Arterner Stadtgeschichte bekannte „Held Mertens“ erwähnt werden: Johann Gottlieb Mertens (1790-1844) half im Vorfeld der Völkerschlacht 1813 dem Freicorps der Schwarzen Husaren napoleonische Kuriere bei Frankenhausen abzufangen und damit die französische Truppenstärke bei Leipzig nicht unerheblich zu reduzieren. Trotzdem diese Tat eher unwillentlich geschah, war man in Artern stolz auf den jungen Anspänner; so sicherlich auch dessen seit 1812 angetraute Gattin Anna Sophia Maria (1788-1827), Tochter des Huf- und Waffenschmieds Andreas Schmölling (1752-1827). Letzterer war der erste Träger dieses Namens in Artern und wohnhaft in der vormaligen Göthe-Schmiede in der Harzstraße. Oberpostsekretär Albert Braune brachte die lokale Kriegsgeschichte vom „Helden Mertens“ zu Papier und Goldschmied Ernst Sann malte den Patrioten hoch zu Pferd auf eine Schützenscheibe (unser Bild).


Göthehaus Berka

Dienstag, 4. August 2020

Im Vorfeld eines derzeit noch in Arbeit befindlichen Vortrages über regionale Stätten der Vorfahren von Johann Wolfgang von Goethe kam es kürzlich zu einem sehr angenehmen Vorort-Termin in Artern mit Dr. Barbara Heuchel, Vorsitzende des Ortsvereins Sondershausen der Goethe-Gesellschaft, und Gästeführerin Edith Baars, gleichfalls aus der Kreisstadt. Ausgehend von der Besichtigung des Goethe-Ahnenhauses mit Gedenktafel in der Harzstraße ergaben sich anschließend im Ratskeller sehr interessante und fruchtbare Gespräche. Im Nachgang wurden zahlreiche Unterlagen und Bilder zum Thema, u. a. Fotos originaler Akten der Arterner Schneider-Innung von 1689 (diese im Zusammenhang mit Goethes Großvater Friedrich Georg), überlassen. Im Fokus der avisierten Präsentation sollen u. a. noch vorhandene Lokalitäten, in denen Dichtervorfahren wirkten, vorgestellt werden. Ausgehend von der „Urstätte“ der Göthes/Goethes in Berka bei Sondershausen werden Örtlichkeiten in Nordthüringen und am Südharz in Wort und Bild präsentiert. Als besonders hilfreich wurde das Buch „Monsieur Göthé - Goethes unbekannter Großvater“ (2018) hervorgehoben, das dessen Werdegang von Artern über Frankreich nach Frankfurt/M. thematisiert. Beeindruckend ist ein dem Heimatverein ARATORA überlassener Stammbaum der Berkaer Göthes ab ca. 1500 und deren Nachfahren in unserer Region. - Der Vorschlag der beiden Sondershäuser Goethe-Verehrerinnen, den Vortrag auch in Artern zu halten, wurde gern aufgegriffen. Der Termin wird voraussichtlich im Herbst 2020 stattfinden. - Unser Bild zeigt das 2019 abgerissene (!) Ahnenhaus des Göthes in Berka bei Sondershausen. Das Gebäude soll 1629 auf den Fundamenten eines Vorgängerbaues errichtet worden sein. Nach über 390 Jahren sei es baufällig gewesen – nicht nur Goethe- und Heimatfreunde trauern über diesen herben Verlust!


Schale Veitskirche

Dienstag, 28. Juli 2020

Das leichte innerliche Grummeln über die Ruhestörung am vergangenen Sonntagnachmittag verflog rasch, als ein Nachbar mit einen unerwarteten Fund, der mehr als 200 Jahre alt sein dürfte, vor der Tür stand: ein historisches Gefäß (unser Bild). Dieses stamme aus einem Nachlass und sei einst vom alten Friedhof um die Arterner Veitskirche (genutzt bis 1833) als „Grabbeigabe“ geborgen worden. (Das könnte im Frühjahr oder Sommer 1980 geschehen sein, als umfangreiche Arbeiten zur Begrünung des Umfeldes stattfanden.) Offensichtlich lag das Gefäß damals zerscherbt vor, denn es wurde geklebt und damit der Originalzustand weitgehend wieder hergestellt. - Das gebrannte Gefäß sticht mit einer Innenglasur ins Auge und diente offenbar dem Händewaschen. Dafür war als Halterung für die Seife oder eines Schwamms an der Innenseite eine kleine Schale angebracht, die mit zwei Löchern zum Abfluss des Wassers versehen worden war. Der Boden des Gefäßes ist mit einem nicht mehr erkennbaren Motiv verziert, auch zieht sich um die Innenwand ein Schriftzug, der ein Merkspruch sein könnte. Infolge dessen die Buchstaben im Töpferofen aber zerlaufen sind, kann derzeit noch nichts über den Inhalt dieses möglicherweise gereimten Sinnspruchs ausgesagt werden. Am Fuß der Waschschale wurden 12,5 Zentimeter Durchmesser gemessen, die lichte Öffnung des Gefäßes misst 24 Zentimeter. - Einer erster Schätzung nach dürfte das Utensil zur Händehygiene ins 18. Jahrhundert datiert werden können. Nähere Informationen werden von einer befreundeten Volkskundlerin erwartete, die um Mithilfe gebeten worden ist. Außerdem wird das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie diesbezüglich kontaktiert. In absehbarer Zeit können sicherlich weitere Informationen mitgeteilt werden.


Alter Gedenkstein

Dienstag, 21. Juli 2020

Vor 75 Jahren endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Dessen Vorgeschichte, Verlauf und Auswirkungen sind noch immer Gegenstand historischer Forschungen: weltweit, in Europa aber auch regional und lokal. So wurden in Artern, noch vor Abzug der US-Truppen, jene 26 Toten umgebettet, die kurz vor Kriegsende in und bei Artern ums Leben gekommen waren. Hierbei handelte es sich um Häftlinge, die Zwangsarbeit verrichteten bzw. Opfer eines alliierten Luftangriffs auf einen Transportzug. Sie fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte; zuvor waren die Körper auf einem Feld außerhalb verscharrt worden. - Mit dieser Umbettung im Sommer 1945 verbunden war die ein Jahr später erfolgte Errichtung eines Gedenksteins (unser Bild) auf dem Friedhof, der folgenden Text trug „Hier ruhen 26 namenlose unschuldige Opfer des Faschismus / Februar 1945“. (Der Form nach könnte es sich um die Umnutzung eines ausgedienten Grabdenkmals handeln.) Der Stein verschwand, nachdem dieser drei Jahrzehnte an obige Ereignisse erinnert hatte, als die Konzeption einer neuen Ehrenstätte, die anlässlich des 25. Jahrestages der DDR am 7. Oktober 1974 eingeweiht wurde, vollendet wurde. Dieses bis heute inhaltlich nicht unumstrittene Objekt an der Feierhalle war vom damaligen Bürgermeister Johannes Herrmann entworfen, von Heinz Ahrend künstlerisch umgesetzt und von Handwerkern des Dienstleistungskombinates errichtet worden. Das örtliche Gedenken erfuhr damit über das ursprünglich angedachte Erinnern an die Schicksale besagter 26 Häftlinge hinaus Erweiterung.