Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Grab Schirmer

Dienstag, 1. September 2020

Eine bislang ungekannte Erweiterung des Geschäftslebens der Stadt Artern ließ im Sommer 1905, somit vor 115 Jahren, sogar die Presse in der damaligen Kreisstadt Sangerhausen aufhorchen und eine entsprechende Mitteilung veröffentlichen. Eben diese Nachricht erreichte kürzlichen den Heimatverein ARATORA von Heimatfreundin Christine Stadel aus Sangerhausen, die unermüdlich historische Zeitungen durchforstet und in diesem Kontext immer wieder auch Mitteilungen aus der jüngeren Geschichte Arterns zusendet. Die „Sangerhäuser Zeitung“ teilte ihrer Leserschaft damals Erstaunliches mit: „Artern. Ein Beerdigungsinstitut ist jetzt hier eröffnet worden. Der Inhaber […] verspricht in der Geschäftsanzeige sachgemäße und pünktliche Bedienung und gibt die Preise bekannt: danach kostet eine große Beerdigung (Leichenwagen, 6 Einsenker, Leichenfrau, Sarg, Grabrede, Danksagung, Läuten) von 60 Mark an; Leichenwagen ohne Einsenkern 7 Mark; Kinderbeerdigung entsprechend billiger.“ - Mit dieser Pressemeldung kann ein markanter Schnitt in der lokalen Sepulkralkultur festgemacht werden: Waren bisher, unter Beachtung kommunaler und kirchlicher Vorschriften, die Vorbereitung und Durchführung von Beerdigungen ausschließlich in privater Hand, wurden diese Obliegenheiten seit 1905 sukzessive in geschäftliche Verantwortung gegeben, und längst hat sich daraus ein prosperierender Geschäftszweig entwickelt, ohne dessen Zutun kaum mehr ein Begräbnis vorstellbar ist. - Unser Bild vom Arterner Friedhof zeigt das leider im vergangenen Jahr weggenommen Familiengrab von Zimmerer Schirmer in der Schönfelder Straße.


Kalender 2021

Dienstag, 25. Augst 2020

Eine schicke, seit einigen Tagen öffentlich ausliegende Info-Schrift zum 2. Arterner Heimattag, unterstützt durch die Initiative Heimatshoppen der IHK Thüringen, präsentiert auf den ersten Blick sämtliche Teilnehmer an dieser regional orientierten Veranstaltung am ersten September-Wochenende 2020. Oder eben doch nicht, denn trotz rechtzeitiger schriftlicher Anmeldung wie auch telefonischer Nachfrage ist der Heimatverein ARATORA als „Heimatunterstützer“ offensichtlich „vergessen“ worden. Das ist umso bedauerlicher, da zu diesen beiden Terminen der druckfrische Nostalgie-Kalender für 2021 (unser Bild) erstmals angeboten wird. Seit 2015 erfreut sich eben dieses Vereinserzeugnis auch und besonders der dort publizierten historischen Stadtmotive wegen großer Beliebtheit in und um Artern. Deshalb an dieser Stelle unser Hinweis an alle Interessenten: Am Freitag, 4. September wird der neue Kalender von 9 bis 18 Uhr bzw. am Sonnabend, 5. September von 9 bis 16 Uhr vor dem „Guten Buch“ in der Leipziger Straße zum Preis von 10 Euro angeboten. Der Kalender steht unter dem Titel „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ und bringt auf 28 Seiten 32 noch nie veröffentlichte Schwarzweiß-Abbildungen der 1950er bis 1980er Jahre aus den nördlichen Wohngebieten unserer Stadt.


Kalkhütte

Dienstag, 18. August 2020

Vor hundert Jahren, zu Ende August 1920, wurde das Areal nahe des Friedhofs grundlegend verändert. Nachstehender Zeitungsartikel aus der Feder von Ewald Engelhardt erinnert an diesen Abriss und die Neugestaltung jenes Geländes, auf dem seit drei Jahrzehnten Autos verkauft und repariert werden: „Vom Kalktal. In diesen Tagen verschwindet dicht bei Artern etwas Besonderes, das wir wohl über 1000 Jahre hatten, verschwindet, ohne daß die meisten es auch nur ahnen und sehen, während die dicht daran vorübergehen. Es handelt sich um das dem Salzthale gegenüberliegende Kalktal, welches unsere Ahnen und uns seit vielen Jahrhunderten mit dem so wichtigen Baugips versorgt hat. Bis vor wenigen Jahren bestand ja noch die Koch’sche Kalkhütte mit ihrem Kalkofen [unser Bild]; 1920 wurden beide dem Erdboden gleichgemacht, nachdem bereits Ostern 1911 der letzte Besitzer samt seinem Arbeiter kläglich durch einen mächtigen Gipsblock zerquetscht worden waren. Bis vor kurzem konnte man wenigstens nach Teile der malerisch zerklüfteten Gipsfelsen sehen und somit einen Durchschnitt gewahren von dem mächtigen Zechsteinlager, auf dem unsere ganze Gegend samt Artern über dem kolossalen Steinsalzmassive aufgebaut ist. Es werden dort seit den letzten Jahren durch eine oben im Mauerwerk an der Cachstedter Straße durchgebrochene Lücke ungeheuere Mengen von Industrieasche ins Kalktal herabgeschüttet. Blickt man jetzt von gegenüber durch die beiden kleinen Fensterchen aus dem Friedhofe hinüber, so gewahrt man kaum noch die allerobersten Felsgesteine des Kalktals. Es wäre zu erwägen, ob man nicht zur Erinnerung an das Kalktal und seine Kalkindustrie die neue sich bildende Straße eventuell eventuell Kalktalstraße nennen möchte…“. Letzteres ist bekanntlich längst geschehen, wenngleich erst mit rund sieben Jahrzehnten Verspätung.


Held Mertens

Dienstag, 11, August 2020

Vor einem Vierteljahr konnte erstmals über den Fortschritt an einer umfangreichen genealogischen Arbeit berichtet werden, die die Geschichte der in Nordthüringen, am Südharz und im Mansfelder Raum alteingesessenen Familie Schmölling behandelt. Seit Beginn der Erfassung und Verarbeitung relevanter Daten im Frühjahr wurden mehr als 1.100 Personen aus fünf Jahrhunderten ermittelt und zugeordnet. Ein maßgeblicher und zugleich umfangreicher Zuwachs an historischen Informationen ist Ende Juli mit der freundlichen Überlassung extensiver Daten aus Oberröblingen/H. erreicht worden. Unter anderem konnte aus mittels Materials eine Übersiedlung in die USA ermittelt werden. - Aus dem Gesamtvolumen der genealogischen Informationen soll stellvertretend für viele andere geschichtliche Relationen aus unserer Gegend hier der aus der Arterner Stadtgeschichte bekannte „Held Mertens“ erwähnt werden: Johann Gottlieb Mertens (1790-1844) half im Vorfeld der Völkerschlacht 1813 dem Freicorps der Schwarzen Husaren napoleonische Kuriere bei Frankenhausen abzufangen und damit die französische Truppenstärke bei Leipzig nicht unerheblich zu reduzieren. Trotzdem diese Tat eher unwillentlich geschah, war man in Artern stolz auf den jungen Anspänner; so sicherlich auch dessen seit 1812 angetraute Gattin Anna Sophia Maria (1788-1827), Tochter des Huf- und Waffenschmieds Andreas Schmölling (1752-1827). Letzterer war der erste Träger dieses Namens in Artern und wohnhaft in der vormaligen Göthe-Schmiede in der Harzstraße. Oberpostsekretär Albert Braune brachte die lokale Kriegsgeschichte vom „Helden Mertens“ zu Papier und Goldschmied Ernst Sann malte den Patrioten hoch zu Pferd auf eine Schützenscheibe (unser Bild).


Göthehaus Berka

Dienstag, 4. August 2020

Im Vorfeld eines derzeit noch in Arbeit befindlichen Vortrages über regionale Stätten der Vorfahren von Johann Wolfgang von Goethe kam es kürzlich zu einem sehr angenehmen Vorort-Termin in Artern mit Dr. Barbara Heuchel, Vorsitzende des Ortsvereins Sondershausen der Goethe-Gesellschaft, und Gästeführerin Edith Baars, gleichfalls aus der Kreisstadt. Ausgehend von der Besichtigung des Goethe-Ahnenhauses mit Gedenktafel in der Harzstraße ergaben sich anschließend im Ratskeller sehr interessante und fruchtbare Gespräche. Im Nachgang wurden zahlreiche Unterlagen und Bilder zum Thema, u. a. Fotos originaler Akten der Arterner Schneider-Innung von 1689 (diese im Zusammenhang mit Goethes Großvater Friedrich Georg), überlassen. Im Fokus der avisierten Präsentation sollen u. a. noch vorhandene Lokalitäten, in denen Dichtervorfahren wirkten, vorgestellt werden. Ausgehend von der „Urstätte“ der Göthes/Goethes in Berka bei Sondershausen werden Örtlichkeiten in Nordthüringen und am Südharz in Wort und Bild präsentiert. Als besonders hilfreich wurde das Buch „Monsieur Göthé - Goethes unbekannter Großvater“ (2018) hervorgehoben, das dessen Werdegang von Artern über Frankreich nach Frankfurt/M. thematisiert. Beeindruckend ist ein dem Heimatverein ARATORA überlassener Stammbaum der Berkaer Göthes ab ca. 1500 und deren Nachfahren in unserer Region. - Der Vorschlag der beiden Sondershäuser Goethe-Verehrerinnen, den Vortrag auch in Artern zu halten, wurde gern aufgegriffen. Der Termin wird voraussichtlich im Herbst 2020 stattfinden. - Unser Bild zeigt das 2019 abgerissene (!) Ahnenhaus des Göthes in Berka bei Sondershausen. Das Gebäude soll 1629 auf den Fundamenten eines Vorgängerbaues errichtet worden sein. Nach über 390 Jahren sei es baufällig gewesen – nicht nur Goethe- und Heimatfreunde trauern über diesen herben Verlust!


Schale Veitskirche

Dienstag, 28. Juli 2020

Das leichte innerliche Grummeln über die Ruhestörung am vergangenen Sonntagnachmittag verflog rasch, als ein Nachbar mit einen unerwarteten Fund, der mehr als 200 Jahre alt sein dürfte, vor der Tür stand: ein historisches Gefäß (unser Bild). Dieses stamme aus einem Nachlass und sei einst vom alten Friedhof um die Arterner Veitskirche (genutzt bis 1833) als „Grabbeigabe“ geborgen worden. (Das könnte im Frühjahr oder Sommer 1980 geschehen sein, als umfangreiche Arbeiten zur Begrünung des Umfeldes stattfanden.) Offensichtlich lag das Gefäß damals zerscherbt vor, denn es wurde geklebt und damit der Originalzustand weitgehend wieder hergestellt. - Das gebrannte Gefäß sticht mit einer Innenglasur ins Auge und diente offenbar dem Händewaschen. Dafür war als Halterung für die Seife oder eines Schwamms an der Innenseite eine kleine Schale angebracht, die mit zwei Löchern zum Abfluss des Wassers versehen worden war. Der Boden des Gefäßes ist mit einem nicht mehr erkennbaren Motiv verziert, auch zieht sich um die Innenwand ein Schriftzug, der ein Merkspruch sein könnte. Infolge dessen die Buchstaben im Töpferofen aber zerlaufen sind, kann derzeit noch nichts über den Inhalt dieses möglicherweise gereimten Sinnspruchs ausgesagt werden. Am Fuß der Waschschale wurden 12,5 Zentimeter Durchmesser gemessen, die lichte Öffnung des Gefäßes misst 24 Zentimeter. - Einer erster Schätzung nach dürfte das Utensil zur Händehygiene ins 18. Jahrhundert datiert werden können. Nähere Informationen werden von einer befreundeten Volkskundlerin erwartete, die um Mithilfe gebeten worden ist. Außerdem wird das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie diesbezüglich kontaktiert. In absehbarer Zeit können sicherlich weitere Informationen mitgeteilt werden.


Alter Gedenkstein

Dienstag, 21. Juli 2020

Vor 75 Jahren endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Dessen Vorgeschichte, Verlauf und Auswirkungen sind noch immer Gegenstand historischer Forschungen: weltweit, in Europa aber auch regional und lokal. So wurden in Artern, noch vor Abzug der US-Truppen, jene 26 Toten umgebettet, die kurz vor Kriegsende in und bei Artern ums Leben gekommen waren. Hierbei handelte es sich um Häftlinge, die Zwangsarbeit verrichteten bzw. Opfer eines alliierten Luftangriffs auf einen Transportzug. Sie fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte; zuvor waren die Körper auf einem Feld außerhalb verscharrt worden. - Mit dieser Umbettung im Sommer 1945 verbunden war die ein Jahr später erfolgte Errichtung eines Gedenksteins (unser Bild) auf dem Friedhof, der folgenden Text trug „Hier ruhen 26 namenlose unschuldige Opfer des Faschismus / Februar 1945“. (Der Form nach könnte es sich um die Umnutzung eines ausgedienten Grabdenkmals handeln.) Der Stein verschwand, nachdem dieser drei Jahrzehnte an obige Ereignisse erinnert hatte, als die Konzeption einer neuen Ehrenstätte, die anlässlich des 25. Jahrestages der DDR am 7. Oktober 1974 eingeweiht wurde, vollendet wurde. Dieses bis heute inhaltlich nicht unumstrittene Objekt an der Feierhalle war vom damaligen Bürgermeister Johannes Herrmann entworfen, von Heinz Ahrend künstlerisch umgesetzt und von Handwerkern des Dienstleistungskombinates errichtet worden. Das örtliche Gedenken erfuhr damit über das ursprünglich angedachte Erinnern an die Schicksale besagter 26 Häftlinge hinaus Erweiterung.


Inschrift Grab Walter

Dienstag, 14. Juli 2020

„Hier ruhet in Gott Frau Sophie Marie Elisabeth Walter gebrne. Bauer. Sie wurde geb. zu Bottendorf d. 4. Dcbr. 1796 u. starb hier d. 29. Aug. 1850.“ Diese Lebensdaten auf einem der ältesten erhaltenen Grabsteine des Friedhofes zu Artern (unser Bild) erinnern nicht nur an die früh verstorbene Gattin des damaligen Pächters des Ziegelwerks in der Unstrutstraße. Das Denkmal, das nach seiner umständehalber begründeten Entfernung derzeit auf dem Bauhof steht und in absehbarer Zeit unter Regie des Heimatvereins ARATORA saniert werden soll, mahnt zugleich an eines von vielen Opfern der Cholera, die im Sommer 1850 in und um Artern wütete. Hierzu wurde nachstehender historischer Text ermittelt, der über deren Auswirkungen in Artern informiert: „Am 16. August 1850 trat diese gefürchtete Krankheit von neuem auf und hielt sich in unserer Stadt bis zum 19. September. Sie forderte diesmal 85 Opfer. Besonders beunruhigten der 25. und 28. August. Am ersteren Tage raffte diese unheimliche Krankheit 11, an letzterem Tage 9 Personen dahin. In der Regel nahm die Krankheit einen raschen Verlauf, denn in den meisten Fällen belief sich der Zeitraum vom Beginn der Krankheit bis zum Tode auf kaum 5-6 Stunden. Die Cholera wirkte damals so nachteilig, daß man zu Michaeli (Anfang Oktober) noch einzelne Roggenmandeln auf dem Feld sehen konnte. Ganz besonders hart wurde die Altstadt und besonders der südliche Teil derselben von der Krankheit heimgesucht. Die Wohltätigkeit der Bewohner setzte auch dieses Mal in lobenswerter Weise ein, denn den Genesenden und Hinterbliebenen konnten reichliche Beihilfen übermittelt werden.“ - Für den massigen, aus drei Einzelelementen bestehenden Grabstein der an der Cholera verstorbenen Sophie Marie Elisabeth Walter ist mittlerweile ein potentieller, zentraler Standort auf dem Arterner Friedhof gefunden worden, von dem aus die beiden historischen Inschriftseiten gut eingesehen werden können. Nach Abschluss aller notwendigen Arbeiten, vor allem der Wiedersichtbarmachung der beiden verblichenen Textblöcke, wird erneut ein wichtiges Kleindenkmal unserer Stadt für die Zukunft erhalten worden sein.


Kalender 2021

Dienstag, 7. Juli 2020

Ob der diesjährige Arterner Zwiebelmarkt, wie viele andere traditionelle Veranstaltungen auch, dem omnipräsent-dubiosen Mikroorganismus zum Opfer fällt, ist derzeit noch vakant. Die thüringische Landesregierung hat jedenfalls pro forma Großveranstaltungen bis Ende Oktober 2020 untersagt. Ob es unter diesen Umständen dennoch eine „Notvariante“ des hiesigen Zwiebelmarktes geben wird, kann noch nicht verbindlich zugesagt werden. - Aufgrund dieser Aussichten trafen bereits Anfragen ein, ob und wann der Arterner Nostalgie-Kalender für das Jahr 2021 angeboten würde? - Vorab dieses: Der neue Kalender mit dem Titel „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ (unser Bild) befindet sich derzeit bereits im Druck und wird deshalb so früh wie noch nie zur Verfügung stehen. Das heißt, es besteht ab dem Hochsommer hohe zeitliche Flexibilität bei möglichen Optionen zur öffentlichen Anpreisung! So denn der nachfolgende Termin stattfindet, wird der Kalender deshalb erstmals am Freitag und Sonnabend, den 4./5. September 2020, anlässlich des 2. Arterner Heimat-Tages, verbunden mit dem Gesundheitstag, angeboten (genaue Uhrzeiten folgen nach). Unbesehen davon wird der Zwiebelmarkt dennoch als weiteres potentielles Verkaufswochenende ins Auge gefasst. Nicht zuletzt wird der Kalender ab Anfang Oktober 2020 auch im „Guten Buch“ in Artern angeboten bzw. können Interessenten gern beim Verein in der Franz-Schubert-Straße 69 vorstellig werden. Einen Verkaufsstand zum Weihnachtsmarkt wird es in diesem Jahr seitens des Heimatvereins ARATORA allerdings nicht geben! Wer möchte, kann schon jetzt Vorbestellungen initiieren.


CG 2-2020

Dienstag, 30. Juni 2020

Wenigsten einmal im Quartal schlägt des Familienforschers Herz noch höher, nämlich dann, wenn die aktuelle Zeitschrift „Computer-Genealogie“ erscheint! Vor einigen Tagen war es wieder soweit, als die neueste Ausgabe vom Verein für Computer-Genealogie per Post kam (unser Bild). Als Leitthema stand diesmal das genealogische Farbsystem im Mittelpunkt, mit dessen Hilfe man Ordner und Dateien farblich gestalten kann, um die familiäre Zuordnung im Stammbaum zu erleichtern. Hierzu wird zugleich die passende Software mitgeteilt. Mit diesem digitalen Hilfsmittel für das Festplattenarchiv korrespondiert zugleich das farbenbasierte Ablagesystem von originalen Dokumenten zur Familiengeschichte. Anhand von Beispielen werden hierzu Optionen gemacht, die individuell variiert werden können. Ungefragt gibt es dafür natürlich auch einen neudeutschen Begriff: Color Coding! - Weiterhin wird das Buch „DNA-Genealogie“ rezensiert sowie sind diverse aktuelle Meldungen aus der Welt der Genealogie publiziert. Um nicht hunderte Stunden Forschungsarbeit bei Systemabstürzen umsonst geleistet zu haben, nimmt sich ein Bericht der optimalen Datensicherung für digitalen Unterlagen an. Ein weiterer Artikel untersucht ausführlich das Programm „heredis“ für Familienforscher, dem sich weitere Neuigkeiten betreffs Software für Genealogen anschließen. - Die nächste Ausgabe erscheint im September mit dem Schwerpunktthema „Frauen in der Geschichte“ - wieder ein Grund für Extrasystolen!


Kartenhäuschen außen saniert

Dienstag, 23. Juni 2020

Eine Bildnachricht vom Ende der vergangenen Woche aus Weißwasser, übermittelt von unserem Vereinsmitglieder Hans-Joachim Büchner, zeigt den aktuellen Stand der Sanierung des vormaligen Kartenhäuschens, das noch bis in die 1980er Jahre auf dem Arterner Bahnhof zu finden war. Allen Unkenrufen zum Trotz, die dieser verkehrshistorischen Rarität nur noch die Abwrackung und Entsorgung prophezeit hatten (vgl. unsere aktuelle Meldung vom 2. November 2018), strahlt die Holzbude nun wieder in altem Glanz, nachdem jetzt rund achtzig Prozent der Arbeiten zur Wiederherstellung abgeschlossen worden sind (unser Bild). In historisch relevantem Moosgrün (Alkydharzlack) strahlt diese einst „höchst amtliche“ Einrichtung der Deutschen Reichsbahn zur Entwertung von Fahrscheinen und Bahnsteigkarten schon jetzt einen Hauch von Eisenbahn-Nostalgie aus. Allerdings trügt der Schein etwas, denn das Innere harrt noch der Wiederherstellung. So muss z. B. der Klappsitz montiert werden, die Verglasung steht noch aus, ebenso die Elektro-Installation für die Innenbeleuchtung. - In hunderten Stunden ehrenamtlicher Arbeit war Hans-Joachim Büchner darauf bedacht, so viel als möglich der Originalsubstanz zu erhalten, was ihm in großen Teilen auch gelang. Nur einige Leisten im Fußbereich, ebenso der hölzerne Sockel waren nicht zu retten. Diese Teile wurden mit neuem Material ergänzt. - Sicher noch in diesem Jahr erfolgt die Rückführung des Kartenhäuschens, das zuvor jahrzehntelang als Unterstand für Werkzeuge in einem Garten in Artern diente. Da sich offenbar weit und breit keine weiteren dieser im Volksmund als „Knipserbuden“ bezeichneten Einrichtungen mehr erhalten haben, wird Artern damit ein eisenbahnhistorisches Alleinstellungsmerkmal aufweisen können. Begleitend zur deren detailgetreuen Wiederherstellung wird zudem eine Dokumentation im Schrift und Bild über die absolvierten Arbeiten erstellt. Vorab bereits vielen herzlichen Dank in die Lausitz für die Rettung dieses Relikts der Arterner Bahnhofsgeschichte!


Grabstein Walter

Dienstag, 16. Juni 2020

Seit der Hangsicherung oberhalb der Erbbegräbnisstätte Romeiß auf dem Arterner Friedhof im  vergangenen Jahr fehlt ebendort ein markantes historisches Grabdenkmal (unser Bild, Foto: Hans-Joachim Büchner, Weißwasser). Der zylinderförmige und übermannshohe Grabstein wurde damals fortgenommen und sichergestellt, weil dieser aufgrund seiner Masse den Hang wohl mit destabilisiert hatte. Zwecks langfristiger Erhaltung des einmaligen bürgerlichen Grabdenkmals wurde kürzlich seitens des Heimatvereins ARATORA Kontakt mit der Friedhofsverwaltung aufgenommen. Vorgeschlagen wurde, diesen Stein gründlich reinigen, die mittlerweile verblassten Schriftzüge nacharbeiten und schließlich mit Farbe wieder gut lesbar machen zu lassen. Diese Maßnahmen würden seitens des Heimatvereins initiiert und kostenmäßig übernommen werden. Zudem muss bis dahin ein Standort auf dem Friedhof gefunden werden, der das große Gewicht des Steins problemlos aushalten kann (Erdfallgebiet!). - Das markante Grabmal erinnert an Marie Sophie Elisabeth Walter, Ehefrau von Johann Christian Wilhelm Walter, der zur Mitte des 19. Jahrhunderts Pächter der Ziegelei in der späteren Unstrutstraße war. Dessen Gattin verschied laut Sterbeeintrag im Arterner Kirchenbuch am 29. August 1850. Marie Sophie Elisabeth Walter erlag demnach mit 53 Jahren (geb. 1796) der damals hier grassierenden Cholera, verbunden mit Nervenfieber. Der mit einem eindrücklichen Nachruf verzierte Stein soll auch künftig Besucher ansprechen und an die Endlichkeit des Lebens mahnen! Möglicherweise kann noch in diesem Jahr die beabsichtigte Maßnahme abgeschlossen werden.


Dienstag, 9. Juni 2020

Dass besonders die Familienforschung als wichtiger Teil der Heimatkunde immer wieder Überraschungen bereithält, ist eine altbekannte Tatsache, die sich kürzlich wieder einmal glänzend bewahrheitete. Während intensiver genealogischer Forschungen über die Familie Schmölling in Nordthüringen und im Südharz (siehe die aktuelle Meldung vom 5. Mai 2020) wurde erst vor wenigen Tagen eine bis dato unbekannte, sehr interessante historische Verbindung entdeckt: die Ehe zwischen Christiane Marie Charlotte Schmölling aus Großleinungen und dem Landwirt Christian Theodor Ernst Göthe aus Berka bei Sondershausen, 1866 geschlossen in Großleinungen (unser Bild). Beim populären Familiennamen des Bräutigams stutzig geworden, setzte verständlicherweise der Eifer ein – und tatsächlich: Die Vermutungen und Hoffnungen bewahrheiteten sich! Christian Theodor Ernst Göthe ist dem erweiterten Verwandtenkreis in der Ahnenreihe des großen Dichters zugehörig, und zwar wie folgt: Während Johann Wolfgang Goethes direkte Vorfahren in der dritten Generation der patrilinearen Linie beim Arterner Hufschmieds Hans Christian Göthe anlangen, geht die Linie des Christian Theodor Ernst Göthe auf einen Bruder dieses Hans Christian zurück, namens Hans Christof Göthe. Sieben Generationen in direkter Manneslinie nach Hans Christof ehelichten sich 1866 Christian Theodor Ernst Göthe und Christiane Marie Charlotte Schmölling. Die Braut wiederum ist die Schwester von Steinsetzer Gottlob Adam August Schmölling aus Großleinungen, später in Oberröblingen ansässig. Und besagter Gottlob Schmölling ist der Ururgroßvater des Vorsitzenden des Arterner Heimatvereins; so schließt sich der familiäre Kreis über die Zeiten hinweg wieder! – Leider verliert sich die Spur des Ehepaars von 1866. Sie sind offenbar von Großleinungen fortgezogen, jedoch liegt diesbezüglich ein vielversprechender Hinweis vor, sogar die unmittelbare Nachbarschaft von Artern betreffend. Diesem heißen Tipp eines befreundeten Forscher aus NRW wird hoffentlich schon demnächst nachgegangen werden können.


AK 1901

Dienstag, 2. Juni 2020

Zeitgenössische Ansichtskarten sind wichtige bildliche Quellen zur Erforschung der jüngeren Stadtgeschichte, von denen für die Stadt Artern Fotobelege seit ca. 1890 vorliegen. Einige hiesige Gewerbetreibende (Fotografen, Buchhändler) hatten sich seither auf die Publikation solcher Objekte in höheren Auflagen spezialisiert. Im Laufe der Zeit konnten die allermeisten der jemals erschienenen Arterner Postkarten dem Archiv des Heimatvereins ARATORA zugeführt werden. Desiderate waren und sind lediglich bei privaten und damit nur in Kleinstauflagen hergestellten Ansichtskarten zu erwarten. Dennoch: Kürzlich tauchte tatsächlich eine Postkarte auf, die bislang unbekannt war und deswegen für einen stolzen Preis erworben wurde. Es handelt sich um eine wohl kurz vor 1900 gedruckte farbige Lithografie von Albert Lagemann in Magdeburg (ohne Angabe des Verlages), die zum Jahresende 1901 postalisch gelaufen ist; nämlich von Artern nach Riestedt bei Sangerhausen. - Wie bei damaligen Lithos üblich, wurde auch auf vorliegender Karte eine Komposition mehrerer Einzelmotive in Anlehnung an den Stil der Naiven Kunst wiedergegeben, ergänzt durch zumeist standardisierte Dekorelemente. Zu sehen sind eine simplifizierte Teilansicht des Stadtbildes mit Marienkirche, das Kyffhäuser-Denkmal von 1896 sowie der relativ detailreiche Blick auf den Marktplatz hin zur Herrnstraße; noch mit altem Rathaus, Kirchturm und Kriegerdenkmal in Erinnerung an die Einigungskriege 1864 bis 1871. - Die interessanteste Einzeldarstellung ist aber die künstlerische Wiedergabe eines 1980 abgerissenen Wohn-und Geschäftshauses in der östlichen Leipziger Straße (unser Bild); danach ist auf diesem Areal der Neubau „Haus der Dienste“ mit Schneiderwerkstatt, Textilreinigung und drei Wohnungen errichtet worden. Vor rund 120 Jahren war dort jedoch Horndrechslermeister Friedrich Michaelis wohnhaft, hier ausgewiesen als dessen Geschäft für „Galanterie u. Spielwaaren“. - Unter Berücksichtigung der künstlerischen Freiheit kann man sich mithilfe dieser Ansichtskarte dennoch einen guten Eindruck vom Äußeren des verschwunden zweistöckigen Gebäudes machen. Einige erst im Vorjahr erhaltene Privatfotos eben dieses und weiterer Häuser der Leipziger Straße kurz vor deren Abriss 1980 ergänzen diese eher skizzenhafte Abbildung. Die Ansichtskarte, als auch die erwähnten Aufnahmen vor dem Häuserabriss, werden im nächsten Bildband, der nun leider erst im Frühjahr 2021 erscheint, veröffentlicht.


Band 4

Dienstag, 26. Mai 2020

Der Erfurter Wassersportler und Autor Michael Eile befasst sich schon seit längerem mit der historischen Schifffahrt in südlichen Sachsen-Anhalt und nordöstlichen Thüringen. Aus dieser Beschäftigung entstand die im Ringelberg-Verlag Erfurt publizierte, vierteilige Buchreihe „Die Schifffahrt auf der oberen Saale und Unstrut“, deren aktueller Band kürzlich veröffentlicht worden ist (unser Bild). – Bereits 2016 erschien sein erstes Buch „Die Schifffahrt auf der oberen Saale und Unstrut – früher und heute“, in dem ein chronologischer Überblick zur Schifffahrt von der Ersterwähnung bis zur Gegenwart gegeben wird. Im zweiten Buch „Die Geschichte der Schifferfamilie Werner aus Roßleben 1918 bis 1975“ erzählt der Autor detailliert aus der Vergangenheit besagter Schiffsführer, die beim Gütertransport und beim Wasserbau zwischen Artern und Weißenfels tätig waren. Der dritte Band „Die Fahrgastschifffahrt von 1964 bis 1992“ widmet sich der Ära des VEB Kraftverkehr Halle, Abteilung Fahrgastschifffahrt, am Standort Weißenfels. Im neuen, dem mittlerweile vierten Buch mit dem Titel „Die Fahrgastschifffahrt von 1994 bis heute“ beleuchtet Michael Eile nun ausführlich den Verlauf der modernen Fahrgastschifffahrt. Hierzu wird in der Werbung zum Buch folgendes ausgeführt: „Nach dem Ende der DDR und dem Zusammenbruch der Fahrgastschifffahrt in Weißenfels starteten 1994 private Schiffseigner erneut die Personenschifffahrt auf der oberen Saale und Unstrut. Nicht nur auf der bis 1992 genutzten Saale-Strecke zwischen Naumburg und Weißenfels, auch auf der Unstrut wurde nach über 20 Jahren Pause die Schifffahrt wieder aufgenommen. Das Land Sachsen-Anhalt sanierte zwischen 1993 und 2001 die noch vorhandenen Unstrut-Wehre und -Schleusen, beseitigte Untiefen in der Saale und im Juni 1999 wurde die Unstrut als Landeswasserstraße offiziell wieder eröffnet. Seitdem kann einer der schönsten Wasserwege Deutschlands wieder mit Booten und kleinen Fahrgastschiffen befahren werden. Viele tausende Fahrgäste nutzten seitdem diese Möglichkeit. Ob im Blütengrund bei Naumburg oder in Merseburg, eine über 400jährige Tradition fand hier ihre Fortsetzung.“ – Das neue Buch kann mit ISBN 978-3-945850-23-7 bestellt werden. Auch die drei älteren Bücher sind über den Buchhandel erreichbar.