Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Glasplatten

Freitag, 26. April 2019

Ein völlig unerwarteter, geradezu phantastischer Fund aus der jüngeren städtischen Vergangenheit Arterns wurde dieser Tage sichergestellt: zahlreiche längst vergessene Pappkartons, die ganz offensichtlich bereits seit sehr langer Zeit ihrer Entdeckung unter dem Dach eines alten Hauses harrten! Deren erstaunlicher Inhalt: Negativglasplatten! Vom aufmerksamen Eigentümer entdeckt und von Handwerkern sichergestellt, wurden die Schachteln dem Heimatverein ARATORA übergeben! – Da standen sie nun in zwei ausgedienten Tomatenketchup-Eimern, an die 50 kleine Kartons mit jeweils etwa zehn bis fünfzehn Glasplatten im Format einer Zigarettenschachtel, alles in allem also rund 500 bis 750 Negative (unser Bild). Und nur einen Tag später konnte ein weiterer Eimer (ca. 25 Pappschachteln und zahlreiche Einzelplatten, also zusätzliche rund 400 Stück, sichergestellt werden; diesmal jedoch als „Selbstabholer“ auf einer fünf Meter hohen, leicht schwankenden Leiter hin zu besagtem Überboden! – Eine erste, noch ganz grobe Sichtung erbrachte folgendes Resultat: Bei den bislang in ungünstigster Umgebung befindlich gewesenen und trotz überstandener rund 80 Sommer und Winter dennoch erstaunlich gut erhaltenen Negativen handelt es sich durchweg um professionell hergestellte Porträts aus der NS-Zeit. Abgebildet sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Brustaufnahmen. Die Personen sind überwiegend angetan in Zivil, jedoch auch in Uniform mit damals validen Kennzeichen und Emblemen. Doch der Clou ist, dass an sehr vielen Platten in kleinster Schrift der Name des jeweils Abgebildeten sowie eine Registratur angebracht sind, beide allerdings teils nur noch schlecht lesbar. Einige Familiennamen mit eindeutigem Bezug zu Artern konnten schon ermittelt werden. Andere Namen sind mit Sicherheit keine, deren Träger in Artern heimisch waren, wohl aber aus der näheren Umgebung stammen dürften. – Wie anders, wenn nicht als Sternstunde der hiesigen Stadt- und Regionalgeschichte, Genealogie sowie volkskundlichen Forschung könnte man einen solch umfangreichen Fund mit um die 1.000 Fotografien bezeichnen? Auch seitens des Stadtarchivs Artern kam bereits Unterstützung durch Überlassung lange Blechkisten zur dauerhaften Ablage der Originalplatten. Doch bis es soweit ist, steht in den nächsten Monaten noch unglaublich viel Arbeit an: Die Platten müssen Karton für Karton einzeln und sehr vorsichtig trocken gereinigt und danach äußerst hochauflösend gescannt und invertiert werden. Hinzu kommen am Bildschirm ggf. noch die Angleichung von Helligkeit und Kontrast bzw. die Bildschärfung. Danach erfolgen die Ausrichtung und das Beschneiden der Digitalisate, ehe jeweils der vermerkte Name auf der Originalplatte der entsprechenden Bilddatei zugeordnet wird. Die so bearbeiteten Scans könnten später öffentlich gezeigt werden, um dadurch vielleicht noch weitere Details über die damals Porträtierten ermitteln zu können. Nebenbei wäre zu recherchieren, warum die zahlreichen Schachteln überhaupt am Fundort verstaut (versteckt?) worden waren, da in den 1930er Jahren im Haus, wo besagte Entdeckung gemacht worden ist, nachweislich ein Handwerksmeister wohnte und eben kein Fotograf, wie vielleicht vorab zu schlussfolgern gewesen wäre.


Luisenstraße 15

Dienstag, 23. April 2019

Die Bausubstanz jedweder Siedlung oder Stadt stellt einen historisch gewachsenen und sich stets veränderten Komplex dar. Das heißt: Häuser und Nebengelasse, ebenso Straßen, entstehen im Laufe der Zeit oder vergehen wieder, womit sich zwangsläufig das kommunale Gesamtbild sukzessive ändert. Das war und ist in Artern nicht anders, da aktuell hier ebensolche Umformungen stattfinden, zumeist allerdings als Gebäudeabrisse, weniger als Sanierungen oder Neubauten. – Jüngstes Beispiel für dergleichen Veränderungen scheint der markante Klinkerbau auf dem Grundstück Luisenstraße 15 zu sein, in dessen nördlicher Dachseite bereits seit einiger Zeit ein großes Loch klafft bzw. auch schon weitere Eingriffe in die Substanz des Gebäudes vorgenommen worden sind. Die Bauzeit des Hauses ist um 1885 anzusetzen, also ungefähr zeitgleich mit den roten Backsteinhäusern in der Luisen-, Weinberg- und Magdalenenstraße. Damals wohnten dort die Familien Liebau, Pippig und Schuster. Unser Bild zeigt das Haus von der Südseite ungefähr zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Allein der über drei Stockwerke plus Dachgeschoss hohe Baukörper aus Klinkersteinen wirkt noch immer imposant, gekrönt von einem mittigen Zwerchdach und zwei großen Dachgauben. Markant ist auch die nicht bauzeitliche Doppelveranda über zwei Stockwerke an der Ostseite. – Definitiv geplant ist der Abriss der Ruine des Wohnhauses Wasserstraße 9. Noch in diesem Jahr soll der Rückbau dieses Gebäudes erfolgen (dessen Bauantrag von Gerbermeister Hermann Brambach datiert von 1856, danach Schuhfabrikant Hermann Franke uns nach diesem Ingenieur Otto Bach). Nach erfolgter Begehung besagten Grundstücks konnte seitens des Heimatvereins ARATORA festgestellt werden, dass das Haus im Inneren und im Hofbereich zu großen Teilen bereits völlig eingefallen ist, zudem gehen vom maroden Dach Gefahren aus. Interessante historische Details dürften dort im Kellerbereich als dem ältesten Teil der Bebauung zu erwarten sein. Mit der Niederlegung des Gebäudes wird allerdings auch die schmale, bereits sehr alte Gasse zwischen der Wasser- und Alten Poststraße, die früher vielleicht die Funktion einer Brandschneise innehatte, in ihrer Gesamtheit in Mitleidenschaft gezogen. – Nicht zuletzt steht weiterhin das vormalige Poppesche Grundstück in der Harzstraße 22 im mittelalterlichen Judenviertel von Artern vor dem Abriss. Auch hier dürfte für die Bauforschung und u. U. die Archäologie der Kellerbereich und dessen Umfeld von erhöhtem Interesse sein.


Gagarin-Denkmal

Freitag, 19. April 2019

„Ich sehe die Erde! Sie ist so wunderschön.“ Der dies so poetisch sagte, war kein Außerirdischer, sondern der erste Raumfahrer der Menschheit: Major Juri Gagarin (1934-1968), der im Raumschiff „Wostock 108 Minuten im erdnahen Raum verbrachte. Das war fast auf den Tag genau vor 58 Jahren. Anfang dieser Woche allerdings wurde mitgeteilt, dass das Denkmal dieses Kosmonauten in der Sangerhäuser Straße in Artern nicht mehr am angestammten Platze befindlich sei. Und Tatsache: Der schlanke Obelisk ist weg, wie eine Ortsbegehung bestätigte. – Rückblick. Die Arterner DDR-Stadtchronik berichtet: „Anlässlich des Weltraumfluges von Juri Gagarin am 12.4.1961 wurde am 15.7.1961 die Sangerhäuser Straße in Juri-Gagarin-Allee umbenannt. Nach der Einweihung eines Gedächtnisobelisk fand ein großes Straßenfest mit Tanz statt. Es spielte die Peheiro-Combo". – Nachfragen zum derzeitigen Verbleib des Denkmals ergaben, dass sich dieses auf dem städtischen Bauhof befindet (unser Bild) und zu gegebener Zeit wieder aufgestellt werden soll. Zuvor jedoch müssen Sanierungsarbeiten vonstatten gehen, da das Denkmal im Laufe der Zeit gelitten hat. Damit diese fachmännisch ausgeführt werden, hat der Heimatverein ARATORA spontan Unterstützung angeboten. Nach Begutachtung durch einen Steinmetz bzw. Bezifferung der für eine Wiederherstellung des Steins entstehenden Kosten sollte die Sanierung umgehend initiiert werden. Die verblichenen Schriftzüge können verhältnismäßig problemlos wieder aufgefrischt werden. Einige Haarrisse im Denkmalkörper können ebenso vom Steinmetz behandelt werden. Etwas ärger hat es die Spitze getroffen, dort wo bis vor einigen Jahren ein Sowjetstern prangte, der ruchlosen Metalldieben zum Opfer fiel. Auch dieses einstige Machtsymbol wird im Zuge der Sanierung wiederhergestellt! Im optimalen Falle könnte vielleicht noch in diesem Jahr das erneuerte Juri-Gagarin-Denkmal wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein. Allerdings wird die Neuaufstellung an einem anderen Stellplatz in der Sangerhäuser Straße vorgenommen werden müssen, wobei aktuell zwei Alternativen für den Obelisk im Gespräch sind (beide jedoch in Sichtnähe des bisherigen Standortes).


Bau Franz-Schubert-Straße

Dienstag, 16. April 2019

Eine vorösterliche Überraschung nach Maß trudelte erst letztes Wochenende in Form eines historischen Fotoalbums beim Heimatverein ARATORA ein. Dessen Inhalt führt optisch in die späten 1950er Jahre und zeigt die Errichtung von Wohnblocks der AWG in der Karl-Liebknecht- und Franz-Schubert-Straße. Die hübsche Sammlung mit bislang unbekannt gewesenen Amateuraufnahmen in Schwarzweiß stammt aus einem Vorlass und wurde zwecks Digitalisierung leihweise überlassen. – Ausgehend von der originalen, auf den 8. Mai 1958 datierten „Einladung zum Richtfest der Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft des VEB Maschinenfabrik Kyffhäuserhütte Artern“ für den damaligen Block Nr. 6 wird dieses Wohngebäude bzw. dessen sukzessive Errichtung seit 1956 inklusive Darstellung des Umfeldes bildlich dokumentiert. Die Motive haben zwangsläufig fast durchweg den Charme von Baustellenbildern mit der Wiedergabe von Baugruben, Rohbauten sowie Arbeitern, Maschinen und einem Kran während verschiedener Bauphasen. Aus heutiger Sicht ist z. B. der damals angewandte Arbeitsschutz mehr als fragwürdig, auch die Führung und Handhabung des angesprochenen Krans scheint sehr viel mit Improvisation und Vertrauen auf die Fähigkeiten des Fahrers zu tun gehabt zu haben. - Zu gegebener Zeit werden auch diese Schnappschüsse gern öffentlich gezeigt oder sogar im passenden historischen Rahmen publiziert. Unser Bild zeigt das kleine Album über den Häuserbau sowie einige lose Fotos zum Thema.


Wippra HW-Marke

Freitag, 12. April 2019

Das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) informiert mit einer aktuellen Pressemitteilung: Vor 25 Jahren, am 13. und 14. April 1994, liefen in Thüringen katastrophale Hochwasser mit zu großflächigen Überschwemmungen ab. Ursache waren starke Niederschläge sowie das Abtauen größerer Schneemengen in den Mittelgebirgen. Da bereits in den Vortagen ergiebiger Regen gefallen war, kam es in weiten Teilen Thüringens zu starken Oberflächenabflüssen. Um die Gewässeranlieger vor Überschwemmungen zu schützen, waren Tausende Polizisten, Feuerwehrleute, Angehörige des Technischen Hilfswerks sowie freiwillige Helfer im Einsatz. Zeitgleich erfolgte an den Talsperren und Rückhaltebecken die Steuerung der Wasserabgabe. – Bei diesem Hochwasser wurden in Thüringen mehrere Personen verletzt und zwei Menschen getötet. Die Gesamtschadenssumme belief sich auf rund 165,13 Millionen DM, wobei allein 40 Millionen DM auf kommunales Eigentum und 55,3 Millionen DM auf die Verkehrsinfrastruktur entfielen. Aber auch die Verluste für Landwirte waren mit 8 Millionen DM bedeutend. Hier zu nennen sind u. a. Erosionsschäden auf Äckern, Wiesen und hochwertigen Gemüseanbauflächen. – Bereits kurze Zeit nach dem Hochwasser unterbreiteten Thüringer Wasserwirtschaftsbehörden Vorschläge, um künftig besser auf vergleichbare Abflussextreme vorbereitet zu sein. So wurde beispielsweise im Hinblick auf die Weitergabe von Hochwassermeldungen festgestellt, dass die Informationstechnik auf dem Stand der modernen Technik sein müsse. Weiterhin sollten Hochwasserprofile und Überschwemmungsgebiete konsequent freigehalten werden. – Auch 25 Jahre nach dem Hochwasser von 1994 haben derartige Forderungen nichts an Aktualität verloren. Wie im „Thüringer Landesprogramm Hochwasserschutz 2016-2021“ ausgewiesen, müssen sowohl die zuständigen Behörden, als auch die Bürger auf den Gefahrenfall vorbereitet sein. Hierzu gehören ein moderner Warn- und Meldedienst, die Unterhaltung von technischen Hochwasserschutzanlagen sowie Aktivitäten zur Hochwasser-Bewusstseinsbildung und der privaten Hochwasservorsorge. – Für Anwohner in überschwemmungsgefährdeten Gebieten heißt das unter anderem, dass sie auf ihrem Grundstück bzw. an ihrem Gebäude rechtzeitig Maßnahmen der Bauvorsorge ergreifen. – Über aktuelle Wasserstände und die Hochwassersituation in Thüringen kann man sich jederzeit über die Internetseite der Hochwassernachrichtenzentrale Thüringen des TLUBN oder über die App „Meine Pegel“ informieren. – Das TLUBN nimmt den 25. Jahrestag des schweren April-Hochwassers von 1994 zum Anlass, auf seine vielfältigen Aktivitäten zur Hochwasserbewusstseinsbildung hinzuweisen. So konnte Anfang Februar 2019 ein ambitioniertes Publikationsprojekt zum Thema „Hochwasser“ mit der Herausgabe der Schrift „Hochwasser in Thüringen – Hochwassermarken und Hochwassergedenksteine“ erfolgreich abgeschlossen werden. Daneben betreibt das TLUBN mehrere Online-Kartendienste zu fachspezifischen Themen. Zu nennen sind beispielsweise Internetangebote zu amtlich ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten, zur Berechnung von Hochwasserabflüssen sowie zu Hochwassermarken in Thüringen. – Ferner sind eigenständige Informationen im Rahmen populärwissenschaftlich angelegter TLUBN-Veranstaltungen über herausragende Hochwasser, die auf dem heutigen Territorium des Freistaates Thüringen abgelaufen sind, möglich (siehe auf https://www.tlubn-thueringen.de). Für das Fachpublikum werden zahlreiche Spezialveranstaltungen organisiert. – Unser Bild zeigt als regionales Zeugnis der Überschwemmungen vor einem Vierteljahrhundert eine Hochwassermarke in Wippra am Südharz.


Schädel

Dienstag, 9. April 2019

Wenn man unerwartet an einer archäologischen Fundstätte eintreffend mit den Worten: „Gut, dass Du da bist!“ begrüßt wird, kann man mutmaßlich bislang nicht alles falsch gemacht haben, zumal für den Ausgräber auch noch wichtige heimatgeschichtliche Informationen und alte Landkarten mitgebracht worden sind. So kürzlich geschehen in Kachstedt, als im Kern der kleinen Siedlung nördlich von Artern eine Notgrabung anstand. Was war geschehen? Tags zuvor hatte sich ein Anrufer beim Heimatverein ARATORA gemeldet und um Auskünfte zur längst nicht mehr existenten Kirche in Kachstedt gebeten. Die kargen Informationen hierüber fokussieren sich auf deren letzte Erwähnung im Jahr 1506 sowie die vage Nachricht, dass der Kirchhügel später abgetragen worden sein soll. Wie sich herausstellte, war es ein Bauherr, der telefonisch nachfragte, nachdem in der Baugrube für sein neues Wohnhaus massenweise menschliche Knochen zum Vorschein gekommen waren. Dies wurde löblicherweise bzw. gesetzeskonform an das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Weimar gemeldet. Keine 24 Stunden später später kam es dann zum Gespräch bzw. zur Besichtigung vor Ort gemeinsam mit dem Bauherrn und einem Vertreter der thüringischen Bodendenkmalpflege. – Was bereits im Vorfeld vermuten werden durfte, stellte sich als richtig heraus: Bei den Baggerarbeiten war der mittelalterliche Friedhof von Kachstedt angeschnitten worden! – Aus den mittlerweile geputzten Böschungsprofilen im Osten der Baugrube schauten nun einige Schädel und etliche Extremitätenknochen heraus. Eine größere Anzahl von Gebeinen waren allerdings bereits vom Bagger auf den Aushub befördert worden. Von der offenbar intensiven Nutzung des Gottesackers zeugt die Anordnung der noch in situ befindlichen Knochen, die darauf schließen lassen, dass die Leichname (zeitversetzt) gestapelt in die Erde kamen. Dieser Das deutet darauf hin, dass der Friedhof schon lange in Nutzung war und außerdem ein spürbarer Platzmangel herrschte, der keine Vergrößerung des Areals zuließ, evtl. hervorgerufen durch die damals nahe Bebauung um den Gottesacker. Allerdings fehlten bei den Befunden jegliche Hinweise auf Totenbretter (Särge wurden damals nicht benutzt) bzw. deren relevante Erdverfärbungen; die Verstorbenen wurden demnach nur ein Tuch gewickelt und in die Grube versenkt. In dem vom Bagger aufgeschlossenen Bereich waren zudem Gruben erkennbar, bei denen es sich um Verkippungen von Material handelt, die ihren Ursprung aber wohl eher im Vorwerk haben. Begleitfunde wurde nicht gemacht, außer jüngerer Keramik des 17. Jahrhunderts. Ältere, d. h. unglasierte Scherben waren im Aushub keine entdeckt worden. – Der Friedhof endete am östlichen Areal des Vorwerkes, dessen Reste ja noch heute existent sind. Die Kirche, um die sich der Gottesacker erstreckte, kann demnach nur östlich dieses Wirtschaftshofes (vorgesetzt, bereits im Mitteltaler war dort bereits ein solcher) und des sich anschließenden, neu entdeckten Friedhofes gestanden haben, d. h. auf dem noch immer höchsten Bereich des Dorfes. Leider wurden Fundamente der Kirche nie entdeckt; sie kamen entweder bei der angesprochenen Abtragung des Hügels abhanden oder aber wurden bei späteren Hausbauten nicht beachtet. Deren oberirdisch erreichbaren Bausteine wurden sicherlich von den damaligen Kachstedtern anderweitig verbaut. Trotz dieses Wermutstropfens ist es aber von großer heimatgeschichtlicher Bedeutung, dass der Kirchenstandort nun wenigstens annähernd ermittelt werden konnte. Leider ist über dieses sicherlich noch romanische Bauwerk fast nichts bekannt, nicht einmal, unter wessen Patronat (Heiliger) die Kirche stand. – Mit der Notgrabung in Kachstedt wurde ein wichtiger Aspekt aus der Dorfgeschichte ermittelt. Doch mittlerweile hat sich dieses einmalige Zeitfenster auch wieder geschlossen, da der aktuelle Grubenverbau weiter fortgeschritten ist. Mutmaßliche weitere Teile des Friedhofes oder der gar der Kirche werden wohl zu unseren Lebzeiten nicht mehr zutage kommen, da die aktuelle Bebauung Nachforschungen im Boden nicht zulässt. – Unser Bild zeigt das aus dem Erdreich ragende Schädeldach eines wohl noch spätmittelalterlichen Kachstedters an der östlichen Böschung der Baugrube.


Weinberg

Freitag, 5. April 2019

Bereits zum dritten Mal laden der Verein „Wir für Artern“ und der Heimatverein ARATORA Einheimische und Gäste herzlich zu einer gemeinsamen Wanderung durch das Stadtgebiet von Artern ein. Nach den beiden im Vorjahr absolvierten, sehr gut angenommenen Spaziergängen findet die nächste Veranstaltung am bevorstehenden Sonntag, den 7. April 2019, statt. Dann werden der Weinberg und dessen Umfeld bewandert (unser historisches Bild) bzw. stehen deren Geschichte und Geschichten im Fokus. So wird u. a. über die erdgeschichtliche Entstehung, über den historischen Wein- und Obstbau, ehemalige Steinbrüche, die parkähnliche Gestaltung des Weinberges, den Bau des Aussichtsturms, der Gaststätte usw. berichtet. – Alle Wanderfreunde treffen sich bitte 09.00 Uhr am Parkplatz vor der Turnhalle am Königstuhl! Von dort geht es zum Weinberg mit Park und Plantagen bzw. zu Jüngkens Aussichtsturm. Diese Wanderung wird ca. anderthalb Stunden dauern. Im Anschluss ist die Besichtigung des Turms möglich. Einen weiteren heimatlichen Spaziergang soll es voraussichtlich im Spätsommer 2019 geben.


Einweihung Stadion

Dienstag, 2. April 2019

Insbesondere die aktiven Teilnehmer am Frühlingserwachen des Mitteldeutschen Rundfunks am 16. März 2019 in Artern werden diesen Tag so schnell nicht vergessen, als weit über 300 Einheimische und auswärtige Helfer mit großem Eifer und beachtenswertem Elan mitarbeiteten, das in die Jahre gekommene städtische Stadion von 1964 wieder aufzumöbeln. Da wurde gehackt, gekehrt, geharkt, entrostet, gepinselt, gemauert, geputzt und gesäubert, was das Zeug hielt, um im medialen Wettbewerb mit Mügeln in Sachsen und Tangerhütte in Sachsen-Anhalt den ersten Platz im Städtewettbewerb zu erlangen und die Siegprämie von 5.000 Euro für weitere Verschönerungsarbeiten nebst einer Unterhaltungsshow nach Artern zu holen. – Eben dafür kann seit gestern Nachmittag bzw. noch bis übermorgen, also am Donnerstag, um 16.30 Uhr telefonisch oder per Internet abgestimmt werden. Wer für Artern stimmen möchte, wähle bitte folgende Telefonnummer: 0137 10 11 001 (14 Cent pro Anruf aus dem Festnetz, mobil abweichend). Als weitere Option der Stimmabgabe kann man sich am Voting im Internet auf www.mdr.de/Frühlingserwachen beteiligen. Die Übertragung des Ergebnisses wird dann live im TV übertragen, und zwar am Donnerstag zwischen 16.30 und 17.00 Uhr bei „MDR um 4“. – Auch wenn die Stadt Artern nach Auszählung der Stimmen nicht auf dem höchsten Treppchen des Siegerpodestes stehen sollte, wäre das nicht der ganze große Verlust. Was bleibt, ist dann nämlich immer noch ein Stadtion, dem man die Verschönerungskur vom Vormonat sichtlich anmerkt und vor allem die Gewissheit, dass in unserer Stadt doch mehr Gemeinsinn und Verantwortung im Ehrenamt steckt als landläufig angenommen bzw. sogar unterstellt wird! Darüber hinaus kann sich der VfB Artern in seinem hundertsten Vereinsjahr über eine wieder attraktive Sportstätte in kommunaler Trägerschaft freuen. – Unser Bild zeigt den Teil eines Zeitungsausschnitts anlässlich der Eröffnung des Arterner Stadions am symbolträchtigen 7. Oktober des Jahres 1964, aufgrund dessen die neue Sportstätte die damals sicherlich motivierende Bezeichnung „15. Jahrestag“ (der DDR) verpasst bekam.


Barometer

Freitag, 29. März 2019

In Zeiten von Wetter-Apps und Homepages mit Wetterprognosen aller Art ist das gute alte Barometer scheinbar aus der Mode gekommen. Und doch: In nicht wenigen Haushalten leisten diese Messgeräte noch immer treue Dienste, so auch im hier aufgeführten Fall ein Wandbarometer aus der Zeit um 1930 (unser Bild). Es vermittelt durch einen Metallzeiger die Optionen „Sturm / Regen oder Wind / Veränderlich / Schön Wetter / Beständig“. Das Gerät befindet sich Artern und hing, mündlicher Versicherung gemäß, zuvor in der Bank von Hans Büchner, Richard Spröngerts & Co. in der Nordhäuser Straße bzw. in später dort ansässigen Geldinstituten. Von dort kam es auf legalem Wege in einen Privathaushalt. Das funktionsfähige Barometer hat eine kreisrunde Form mit ca. dreißig Zentimeter Durchmesser, allerdings ohne Thermometer. Das schwere Gehäuse besteht aus dunklem Holz, in dessen Zentrum werden Einblicke in die Mechanik gewährt. Leider findet sich äußerlich wie innen nirgends ein Hinweis auf die Herstellerfirma. – Altersbedingt bzw. aus Heimatverbundenheit soll dieses Barometer nun an einen Liebhaber oder Sammler, möglichst aus der Region, abgegeben werden. Das wenigstens neunzig Jahre alte Barometer würde optimal in einen Raum mit historischer bzw. rustikaler Möblierung passen. Interessenten ohne Spekulationsabsichten mögen sich deshalb bitte beim Heimatverein ARATORA melden. Derzeitiger Besitzer möchte dafür auch kein Entgelt erlangen, hingegen eine Zuwendung in angemessener Höhe zugunsten der Sanierung der Orgel in der Arterner Marienkirche!


Wasserstraße 11

Dienstag, 26. März 2019

Bereits seit dem 27. Februar 2019 werden am historischen Wohn- und Geschäftshaus in der Wasserstraße 11 umfangreiche Bauarbeiten vorgenommen (unser Bild). In das bis dato über Jahre hinweg ungenutzte, gegen Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Haus zog vor nunmehr einen Monat Leben dahingehend ein, als Bauarbeiter zunächst das alte Dach abgedeckten, den morschen Dachstuhl niederrissen, eine neue Bodenplatten gossen und auch die Fenster im Obergeschoss neu aufmauerten. Mit Unterstützung eines über viele Tage weithin sichtbaren Krans wurde die meisten dieser Arbeiten verrichtet, mittlerweile ist der neue Dachstuhl bereits fertig und schmucke Gauben an der Straßenseite lassen die künftige Ansicht dieses Hauses bereits erahnen. In jüngerer Vergangenheit war in diesem Gebäude eine Schneiderei ansässig, zuvor ein Elektrogeschäft. Sicher wird es, bis die Sanierung abgeschlossen ist, noch Zeit und Anlass geben, zur Geschichte dieses Bauwerks und seiner Bewohner zu forschen. Hierzu kann vorab mitgeteilt werden, dass nach dem Stadtbrand 1683 das Grundstück Wasserstraße 11 als solches gar nicht in den Brandlisten aufgeführt wird, sondern dieses damals dem heutigen Grundstück Nr. 10 zugeordnet war. Vielleicht korrespondiert diese Nachricht auch mit der während einer Begehung aufgefundenen Anordnung der Keller unter der Nr. 11, die aus einem modernen Raum sowie einem offenbar altem Gewölbekeller mit gemauertem Zugang besteht. – Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das Wohnhaus Wasserstraße 11 sicher wieder neuen Glanz verbreiten und auch an damit bessere Tage erinnern, als die Wasserstraße eine der Hauptachsen Arterns war, in der sich Handwerk und Handel über Generationen hinweg angesiedelt hatten. Die angesprochenen Sanierung ist umso erfreulich, als die vergangenen Jahre nicht wenige alte Wohnhäuser in Artern abgerissen worden sind und das historische Stadtbild so nachhaltig gestört worden ist. Zwischenzeitlich geschaffene Neubauten im Stadtgebiet hingegen haben leider meist kaum eine über die reine Funktionalität hinausgehende und damit überwiegend schmucklose Allerwelts-Architektur aufzuweisen.


CG 1-2019

Freitag, 22. März 2019

Wenngleich diesmal das Layout der Titelseite (unser Bild) etwas blässlich herüberkommt, ist der Inhalt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ 1/2019 doch umso reichhaltiger und informativer, wobei sich diesmal mit elektronischen Hilfsprogrammen der Familienforschung beschäftigt wird: Nach einem ersten Überblick zu Möglichkeiten und Grenzen dieser Hilfsprogramme geht der zweite Artikel schon tiefer in die Details und stellt Suchmaschinen, Software zur Transkription, zur Literatur- und Quellenverwaltung vor, weiterhin Forschungshilfen (auch altbewährte Freeware) vor. Näher präsentiert wird danach die Software ged-it. Historische Bücher und Schrift stehen dann im Fokus des Berichts „Digitalisierte Bücher online finden“. (Besonders diese Option der überwiegend kostenfreien Beschaffung von Sekundärquellen hält mittlerweile eine große Zahl alter Druckwerke auch über unsere Region bereit.) Die Bearbeitung von Gedcom-Dateien wird anschließend abgehandelt, respektive relevanter Softwares. Ins gleiche Thema greift eine Abhandlung über GedTool ein, ebenso wie eine Darstellung über Gedcom-Serviceprogramme. Als für die Forschung bedeutsam wird dann „Das Verwalten genealogischer Fotos“ abgehandelt, bzw. es werden Programme hierzu vorgestellt. Anschließend werden Tipps zur Ausgabe von Forschungsergebnissen gegeben, also Veröffentlichung als Buch, DVD oder Webseite. Eher ungewöhnlich und doch auch für die Familienforschung brauchbar kommt danach das MS-Programm Word als genealogisches Hilfsmittel zur Vorstellung, wobei besonders dessen Formelemente zwecks Darstellung von verwandtschaftlichen und familiäre Zusammenhängen optimal scheinen. Die Widerspiegelung historischer Wanderwege von Familien und Personen kann mittels Gedcom-Programmen dargestellt werden, wie ein weiterer Bericht zeigt. – Nach diesen Kernthemen schließt sich die Vorstellung der kostenpflichtigen Software „Der Stammbaum 9 Premium“ an, danach eine Darstellung der Verwaltung von DNA-Segmenten im „DNA-Partner“ (interessant überwiegend nur für die genetische Genealogie). Als wichtige Wissensvermittler wird zuletzt auf mehrere CompGen-Kanäle bei Youtube hingewiesen, die wichtige und interessante Tipps zur Familienforschung am PC geben wollen. Zahlreiche Kurzmeldungen, Notizen, Aktuelles sowie Leserbriefe komplettieren die sehr faktenreiche neue Ausgabe der Zeitschrift „Computer-Genealogie“, deren nächste Edition in Juni 2019 „Die genealogische Website“ zum Schwerpunkt habe soll. Mehr wie imer auf https://compgen.de/.


Feldweg

Dienstag, 19. März 2019

Unter Altstraßen wird der historische Komplex von Heer- und Handelsstraßen verstanden, deren Errichtung vor den Bau neuzeitlicher Chausseen überwiegend im 19. Jahrhundert datiert. Heute werden diese alten Wege und Strecken, die teils in vorgeschichtliche Zeit reichen, als wichtige regionale bzw. überregionale Geschichtsquellen sowie Bodendenkmale angesehen. – Ein aktueller Flyer zum Thema wirbt bei Heimatfreunden, Bodendenkmalpflegern und Interessierten für eine diesbezügliche, regionale Veranstaltung wie folgt: „Auf Pfaden, Wegen und Straßen waren seit Jahrtausenden Menschen unterwegs, als Nomaden, Siedlungsland Suchende, Prospektoren, Händler oder Eroberer. Die Spuren alter Verkehrswege finden sich noch heute vielfach auch in der flächendeckend erschlossenen und dicht besiedelten Kulturlandschaft Mitteldeutschlands. [...]. Nun soll das Interesse auch einmal auf Nordthüringen und den Harz gelenkt werden mit einem dritten Kolloquium in Nordhausen [zuvor Meiningen und Schmalkalden]. Der nordthüringische Landschaftskorridor zwischen südlichem Harzrand und Hainleite war für den Fernverkehr frühzeitig und in zweifacher Hinsicht bedeutungsvoll. Bildete er für die West-Ost-Verbindung vom südlichen Niedersachsen/Nordhessen zur Mitteldeutschen Tieflandsbucht den idealen Verkehrskorridor, so wurde dieser von den Nord-Süd-gerichteten Harzübergängen mehrfach gequert. Die Vorträge wie auch die Diskussion wollen das thematisieren und das Interesse der Fach- und Heimatforschung auf Erkundung und Erfassung vieler, oft vergessener Altwege und deren Geländerelikte in diesen Raum lenken.“ – Zum angesprochenen, für den 27. und 28. April 2019 im Museum Tabakspeicher, Bäckerstraße 20 in Nordhausen anberaumten Kolloquium „Altstraßen in Nordthüringen – Forschungsergebnisse und -berichte aus Nordthüringen und dem Harz“ werden ab 10 Uhr folgende aktuelle Forschungsergebnisse mit Vorträgen präsentiert: Felder, Heiden, Hohe Weiden: Zum Verhältnis von Wiesenarealen zu Altwegen, Triften und Wegfächern in Nordthüringen und im Harz / Das frühmittelalterliche Burgensystem des nordöstlichen Saalekreises im Spiegel der Altwegeforschung / Altwege im Unterharz / Untersuchungen zur Struktur eines mittelalterlichen Königsweges in den Harz / Die Ausgrabung eines Teilstücks der „Alten Leipziger Straße“ in der Gemarkung Windehausen, Landkreis Nordhausen / Historische Verkehrsdenkmale im Landkreis Nordhausen / Die Hohe Straße: Altstraßenerkundung und Erfassung durch den Arbeitskreis Bodendenkmalpflege Schmalkalden (Altkreis) am Beispiel der Hohen Straße über den Thüringer Wald (Walldorf bis Possenröder Kreuz) / Weltkulturerbe verpflichtet: Prospektion im Stadtforst Goslar / Stadtrundgang: Historische Sehenswürdigkeiten in Nordhausen. Am Sonntag, 28. April 2019 ist dann eine Exkursion in den Harz geplant. – Als Veranstalter der Tagung werden aufgeführt: Museum Tabakspeicher Nordhausen, Heimatbund Thüringen, AG Altstraßen Thüringen, AG Altstraßen Halle (Saale), Harzverein für Geschichte und Altertumskunde , Arbeitskreis Harzarchäologie, wekterhin Bernd W. Bahn, Dr. Pierre Fütterer und Hans-Joachim Grönke. Interessierte können beim Heimatverein ARATORA gern den kompletten digitalen Flyer per Email anfordern. – Unser Bild aus den 1970er Jahren zeigt die mindestens seit tausend Jahren genutzte Verbindung zwischen Artern und Voigtstedt, teilweise mit Hohlwege-Elementen (Foto: Hans-Jochim Büchner, Weißwasser). Dieser Altweg soll in absehbarer Zeit zur Fahrradstrecke mit Asphaltierung (!) umgebaut werden und wird dadurch leider endgültig seinen urtümlich-historischen Charakter verlieren! 


Unternehmern Südharz Kyffhäuser

Freitag, 15. März 2019

Eine schwer in der Hand liegende Buchneuerscheinung der Industrie- und Handelskammer Erfurt, die vor einigen Tagen mit einem Belegexemplar zum Heimatverein ARATORA kam, ist in mehrfachem Sinne eine höchst gewichtige Angelegenheit: auf 520 Seiten und illustriert mit hunderten ausgezeichneten Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß hat Autorin Tamara Hawich eine beeindruckende historische Darstellung über „Unternehmer und Unternehmen zwischen Südharz und Kyffhäuser – Geschichte und Geschichten“ (unser Bild) als neuesten Band der Reihe „Manufakturen – Maschinen – Manager“ geschaffen. Ein hervorragendes Layout mit gut lesbarem Schriftsatz sowie makellos gesetzten Abbildungen und Faksimiles unterstreichen zugleich den hohen inhaltlichen Anspruch dieses sehr beachtlichen Werkes zur regionalen Industriegeschichte. In sieben Kapiteln werden in dieser Fleißarbeit mannigfaltige Einblicke in die Geschichte von Unternehmen, Firmen, Werken und Fabriken am Südharz und Kyffhäuser gegeben. Nach dem einleitenden Überblick zur Region Nordthüringen steht zunächst der Bergbau auf Kohle, Kupfer und Kali im Fokus, ehe sich im zweiten Kapitel mit dem Komplex des Maschinenbaues beschäftigt wird. Danach folgen Abhandlungen zur Nahrungsgüterwirtschaft, gefolgt von der Bau-, Baustoff- und Möbelindustrie. Zur Geschichte der Elektrotechnik und Elektronik wird im fünften Kapitel berichtet. Der vorletzte Hauptabschnitt widmet sich dann dem Tourismus, ehe sich die Rubrik „Und noch vieles mehr“ ausgewählten Betrieben mit speziellen Produktionen annimmt. – Unmöglich, an dieser Stelle ins Detail gehen zu können, werden deshalb nachstehend einige beispielhafte Betriebe, die die Industrielandschaft des Arbeitsgebietes geprägt haben und im Buch behandelt werden, benannt: Saline Artern, Gipsbergwerke bei Ellrich, Kaliwerke Roßleben und Sondershausen, Schachtbau Nordhausen, Motorenwerke Nordhausen, NOBAS Nordhausen, Kyffhäuserhütte Artern, Kornbrennereien Nordhausen, Tabakfabriken Nordhausen, diverse mittlere und große Brauereien und Zuckerfabriken an verschiedenen Orten, Greußener Salami- und Wurstwaren, verschieden Tonwerke und Ziegeleien usw. – Die zeitlichen Spannen umfassen zumeist das späte 19. Jahrhundert bis zum Ende der DDR und teils darüber hinaus, wobei sehr oft die Texte mit entsprechenden Fotos aus unterschiedlichen Epochen unterlegt sind. Ein sehr umfangreicher Quellenapparat sowie zahlreiche Anmerkungen vervollständigen und beschließen den eindrucksvollen Band, der hier mit großen Komplimenten an die Historikerin und Leiterin des Thüringer Wirtschaftsarchivs e. V. Tamara Hawich sowie die IHK Erfurt als Herausgeber für die Leser empfohlen werden soll. – Resümee: Ein gutes Buch ist eines, das man immer wieder gern in die Hand nimmt – „Unternehmer und Unternehmen zwischen Südharz und Kyffhäuser – Geschichte und Geschichten“ fällt mühelos in eben diese Kategorie! Entsprechend gern hatte der Heimatverein ARATORA mittels Bereitstellung von Material im Vorfeld hierzu beigetragen. Bislang sind bereits folgende Regionen Thüringens industriegeschichtlich untersucht und bzw. die Ergebnisse in Einzelbänden der Reihe „Manufakturen – Maschinen – Manager“ veröffentlicht worden: 1. Erfurt-Sömmerda, 2. Gotha-Eisenach, 3. Unstrut-Hainich-Kreis und Landkreis Eichsfeld und 4. Weimar-Weimarer Land-Apolda.


Bei Aktenstudium

Dienstag, 12. März 2019

Zwar ist es fast auf den Tag genau noch ein halbes Jahr hin, doch laufen erste Planungen des Heimatvereins ARATORA für den Tag des offenen Denkmals am 8. September 2019 in Artern bereits  an. Ob und inwieweit sich an das offiziell vorgegebene Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ gehalten wird, sei zunächst dahingestellt. Viel lieber soll an die vorjährige Veranstaltung in der Marienkirche angeknüpft werden, als sich an die achtzig Interessierte trafen, um gemeinsam zahlreiche Fotos aus Artern während der frühen 1990er Jahren anzuschauen. Aufgrund dessen seither wieder etliche schöne und auch umfangreiche Sammlungen sowie Einzelaufnahmen aus der Geschichte unserer Stadt beim Heimatverein ARATORA abgegeben worden sind, sollen diese Bilder am Denkmalstag erstmalig öffentlich gezeigt werden. Die bereits digitalisierten Aufnahmen werden deshalb in nächster Zeit bearbeitet und für die angedachte Präsentation vorbereitet. Allerdings wird es diesmal nur eine Veranstaltung mit Vortrag in der Marienkirche geben; voriges Jahr waren es zwei Abende. – In diesem Zusammenhang soll ein kurzer Rückblick auf den Vortragsabend von Dr. Mathias Deutsch aus Erfurt am vergangenen Donnerstag gegeben werden, als sich dreißig Interessierte im hiesigen evangelischen Gemeindezentrum trafen. Es folgten der Einladung hierzu Heimatfreude aus Artern, Bennungen, Berga, Donndorf, Gorsleben, Kleinmölsen, Nausitz und Wiehe. Zur Abrundung der Veranstaltung hatte unser Referent eine kleine Ausstellung aufgebaut, die verschiedene Formen und Typen von Hochwassermarken als Nachbildungen und im Original nahebrachte. Nicht minder von Interesse bei den Gästen war das aktuelle Buch „Hochwasser in Thüringen. Hochwassermarken und Hochwassergedenksteine“. Neben der Vorstellung ausgewählter Standorte dieser Marken sowie der Darlegung der Notwendigkeit von Erfassung und wissenschaftlicher Auswertung der knapp 800 Hochwassermarken allein Thüringen gab der Vortragende ein Statement zu Schutz und Erhaltung dieser wertvollen und in der Gestaltung äußerst abwechslungsreichen Kleindenkmale der Wetter- und Klimageschichte ab. – Der Austausch von Informationen und Einblicke in Forschungsunterlagen komplettierten den rundum gelungenen Abend, zu dem weiterhin Spenden von über 120 Euro für die Sanierung der Orgel in der Marienkirche eingeworben werden konnten! Gegen Ende dieses Jahres soll es eine weitere Veranstaltung mit historisch-hydrologischer Thematik in Artern geben (Anlass hierzu ist der 25. Jahrestag der seither sehr fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Dr. Deutsch und Heimatfreunden aus Artern). – Unser Bild zeigt einen gelungenen Schnappschuss vom Vortragsabend, sitzend v.l.n.r. ARATORA-Mitglied Dr. Mathias Deutsch, den Thüringer Kleindenkmal- und Steinkreuz-„Papst“ Frank Störzner und Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue beim Betrachten einzigartiger historischer Unterlagen (Foto: Heinz Noack, Bennungen).


Kuhlöcher

Freitag, 8. März 2019

Im Januar dieses Jahres erschien in der Ausgabe 3 der Zeitschrift „Heimatblätter“ des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue e. V. der erste Teil der umfänglichen Abhandlung „Braunkohlenbergbau am Hutdeckel während des 19. Jahrhunderts: Quellentextliche Beiträge zur Montangeschichte der südöstlichen Goldenen Aue“ (siehe unsere aktuelle Meldung vom 25. Januar 2019). Derzeit noch in Arbeit befindet sich die Fortsetzung, die Anfang 2020 veröffentlicht werden soll. Der für die gesamte Abhandlung verantwortlich zeichnende Heimatverein ARATORA möchte dieses historische Kompendium über Abbau und Verwertung heimischer Kohlen gern mit relevanten Motiven aus Artern, Borxleben, Edersleben und Voigtstedt illustrieren. Hierzu werden zweckdienliche Abbildungen, Unterlagen bzw. Objekte aus privatem Besitz gesucht, die für genannten Zweck eingescannt bzw. fotografiert werden dürfen. – Günstigstenfalls sind dies historische Fotos oberirdischer Schachtanlagen, z. B. Zechen-, Revier- und Maschinenhäuser, auch alte Lagepläne oder Grubenrisse, weiterhin Abbildungen der Kohlenbahn bzw. deren vormaligen Gleisverlaufs, Fotos von Bergleuten, weiterhin persönliche Dokumente der Kohlekumpel usw. Auch sachdienliche Hinweise z. B. auf deren vormalige Wohnhäuser in genannten Ortschaften sind von Interesse. Weil Abbildungen aus dem vormaligen Bergbaubetrieb um den Hutdeckel leider nicht allzu häufig sind, wird um so mehr auf diesbezügliche Hilfe aus der Bevölkerung gehofft. Da genannter Artikel auf mutmaßlich längere Zeit der einzige zur Thematik bzw. auch in besagtem Umfang bleiben wird, sollte die Chance, private Dokumente für diesen Aufsatz veröffentlichen zu können, bitte wahrgenommen werden! In diesem Zusammenhang fast wie gerufen, wurde uns erst gestern eine Abbildung angekündigt, die das Weichbild der Grube Zuversicht mit Fördergebäuden, Werkstätten und Schornstein nahe Borxleben zeigt. Dieses um 1900 erstellte Foto findet selbstverständlich Einzug in bezeichneten Bericht. – Unser Bild zeigt die Kuhlöcher bei Voigtstedt als bereits abgesoffener Alttagebau um 1910.