Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Richard Henrion

Freitag, 9. März 2018

Das Jahr 2018 markiert als wichtiges historisches Datum die hundertste Wiederkehr der Beendigung des Ersten Weltkrieges sowie das Ende der Kaiserzeit in Deutschland. Ausgerechnet mit Bezug auf letzteres Ereignis hat das Städtchen Artern sogar eine gewisse Rolle gespielt, nämlich die, dass am heutigen Tag des Jahres 1854 ebendort ein Junge geboren wurde: Richard Henrion (unser Bild). Dieser wurde später Militärmusiker und Komponist. Sein bekanntestes Stück, der Fehrbelliner Reitermarsch von 1893, erreichte damals und verstärkt gegen Ende des Ersten Weltkrieges vor einem nunmehr einem Jahrhundert hohe Popularität, weil ein noch heute bekannter, volkstümlicher Text auf die schmissige Melodie gedichtet worden war: „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben, wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben, aber den mit’m Bart, mit’m langen Bart“. Gemeint war damit der populäre und erfolgreiche Wilhelm I., der seit 1896 monumental als Reiterstandbild auf dem Kyffhäuser thront, währenddessen sein Nachfolger, der eher glücklose Wilhelm II., im Schatten des preußischen „Weißbarts“ stand. – Auch wenn Richard Henrion später keinerlei bekannten Kontakte mehr zu Artern hatte und auch in seiner Geburtsstadt das Andenken des Musikers vergessen worden ist, sein bekanntester Marsch als ironischer Gassenhauer blieb im Gedächtnis, besonders auch in der Kyffhäuser-Region. Dabei war der Grund, weshalb Wilhelm Ludwig Carl Richard Henrion in Artern das Licht der Welt erblickte, rein zufällig. Hierüber ist im Arterner Taufbuch 1839-1857 folgendes zu lesen. Eltern: „Carl Jacob Henrion, Schauspieler [und] Amalie Friederike Henriette Mariane, geb. Boldtmann. Haben angeblich keinen festen Wohnort. Dieselben sind angeblich zu Berlin in der französischen Kloster=Kirche [1726 in der dortigen Klosterstraße errichtet] am 30. Mai 1841 getraut und befinden sich gegenwärtige einige Wochen in Artern, um schauspielerische Darstellungen zu geben.“ Die Taufe des kleinen Richard fand am 14. März 1854 in der Marienkirche Artern statt. Mangels Verwandten und Bekannten stellen sich als Taufpaten zur Verfügung: Diakon Sickel, Richard Dinsel und Hebamme Lüdecke, alle aus Artern. – Am heutigen Geburtstag Richard Henrions soll an diese eher ungewöhnlichen Konstellationen aus dessen ersten Lebenstagen erinnert werden. Der Fehrbelliner Reitermarsch aus seiner Feder indes ist heute noch der Regimentsmarsch verschiedener Verbände der Bundeswehr! Sicherlich wäre es kein Kraftakt, künftig in der Stadt Artern dessen Schöpfer das ihn würdigende Andenken zuzugestehen. Und bestimmt sind obige historische Fakten auch für die Arterner Patenkompanie in der Kyffhäuser-Kaserne Bad Frankenhausen von Interesse. Im Jahr 2020 jährt sich der Todestag Richard Henrions zum 80. Male. Das wäre doch ein gefundener Anlass für eine musikalisch-historische Veranstaltung!


Sanierter Provinzstein

Dienstag, 13. März 2018

Was mit einer vom Aufwand her als sehr überschaubar eingeschätzten Sanierung eines historischen Denkmals (Arterner „Provinzstein“) begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit fast zu einem Selbstläufer. Allerdings mit einigen unvorhersehbaren Problemen! In Stichpunkten: Zunächst war der Stein in der Sangerhäuser Straße viel länger als gedacht. Dann wurde festgestellt, dass dessen bislang in der Erde verborgen gewesener Fuß aus eher minderwertigem Beton, der nicht gerade von großer Haltbarkeit und Stabilität kündet, besteht. Im Verlaufe der steinmetzgemäßen Aufarbeitung dieses seltenen Denkmals wurde zudem ein Foto um 1955 ermittelt, das einen weiteren „Provinzstein“ zeigt, nämlich an der Brücke über der Unstrut in der Reinsdorfer Straße. Daraus resultierend wurde die Idee der Herstellung einer Kopie des Originalsteins geboren, um diese dann an besagte Stelle zu setzen, damit der historische Zusammenhang wieder hergestellt wird. Dieser bestand darin, die frühere Zuständigkeit bei der Bewirtschaftung, Pflege, Reparatur usw. dieses Abschnittes der Chaussee zwischen Sangerhausen und Kindelbrück öffentlich zu manifestieren, nämlich einerseits seitens der Preußischen Provinz Sachsen, andererseits durch die Stadt Artern. Die auf dem Originalstein in der Sangerhäuser Straße vermerkte Zahl „12,1 Kilometer“ dokumentiert mutmaßlich die Strecke des Beginns der Chaussee am damaligen Stadtrand von Sangerhausen über Oberröblingen und Edersleben bis nach Artern. Die ursprünglich beabsichtigte Anbringung einer exakten Kilometerzahl auf der Kopie des „Provinzsteins“ kam leider nicht zustande, da der historisch korrekte innerstädtische Straßenverlauf mangels fehlender Aktenlage nicht ermittelt werden konnte. Auch etliche zurate gezogene historische Landkarten verzeichneten die Chaussee immer nur bis zum nördlichen bzw. ab dem südlichen Stadtrand, nicht aber im Stadtgebiet von Artern. – Die nun fehlende Kilometerangabe ist aber auch der einzige Wermutstropfen im Zuge der eben beschriebenen Aktion des Heimatvereins ARATORA. Denn nachdem zunächst der sanierte Originalstein gestern in der Werkstatt von Steinmetz Marko Gödicke in Augenschein genommen worden ist, waren all die Mühen im Vorfeld dann doch ad acta gelegt (unser Bild)! In absehbarer Zeit ist auch die Kopie des Denkmals fertig (rechts im Bild noch als Rohling). Dann werden beide Kleindenkmale die Stadt Artern wieder zieren, allerdings verkehrsbedingt leicht versetzt von den historisch übermittelten Standorten. Zur feierlichen Übergabe wird noch gesondert eingeladen. Zuvor schon unser sehr herzlicher Dank für wiederum gute Zusammenarbeit und Unterstützung an die ausführende Firma, die Stadtverwaltung und den Bauhof sowie nicht zuletzt an unsere Spender, die kräftig zu Mitfinanzierung beigetragen haben.


Provinzstein Eisleben

Freitag, 2. März 2018

Entlang der seit 1830 errichteten preußischen Kunststraße zwischen Sangerhausen und Kindelbrück hat der Arterner „Provinzstein“ aufgrund der Seltenheit eben solcher Denkmäler ein äußerst beachtliches Alleinstellungsmerkmal. Ob und wie viele andere solcher einst amtlicher Steine früher errichtet worden waren, ist aber nach wie vor unklar. Dessen ungeachtet hat sich an einer anderen Chaussee in gar nicht allzu weiter Entfernung ein weiteres, wenngleich jüngeres Kleindenkmal dieser Art erhalten, das einst wohl denselben Zweck erfüllte: und zwar in Eisleben, an der Grenze zum Stadtteil Helfta an der Bundesstraße B 80. Auf diesen „Bruder“ des Arterner Steins soll hier kurz näher eingegangen werden, nachdem freundlicherweise der stets rührige Heimatfreund Hilmar Burghardt aus der Lutherstadt dem Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue neuere Fotos davon hat zukommen lassen (unser Bildausschnitt). – Der Standort dieses Steins markiert den Verlauf der in den 1820 Jahren erbauten Preußische Staatschaussee Nr. 60 Berlin-Halle-Kassel am Stadtrand von Eisleben. Seine Form mit abgerundetem Kopf ähnelt dem des Arterner Denkmals. Es besteht aus grobkörnigem Betonwerkstein. Die Grundmaße sind 34x34 Zentimeter, die sichtbare Höhe beläuft sich auf 74 Zentimeter. Auf den jeweils gegenüberliegenden Seiten sind die Inschriften „Provinz“ sowie „Eisleben“ eingeschlagen worden, wenngleich heute teils nur noch schlecht leserlich. Interessant ist die Datumsangabe „30.8.1939“. Leider ist der Stein längsseits durchgerissen. Nähere Details zu Geschichte und Bedeutung müssen noch ermittelt werden. – In diesem Zusammenhang hier noch einige Grundlagen und Details, die bei den Kunststraßen des preußischen Chaussee-Bauprogramms nach den Befreiungskriegen Anwendung fanden: Demnach mussten die Straßen 8,80 Meter Breite aufweisen. Neben der leicht gewölbten, steinernen Fahrbahn sollten unbefestigte Sommerwege für Vieh errichtet sein und jenseits der Straße Abwassergräben zur Regulierung der natürlichen Nässe. Zudem sollten die Chausseen beidseitig mit Baumreihen bepflanzt werden. Etliche solch mächtiger Pappeln nördlich von Artern an der Alt-Chaussee nach Sangerhausen, heute Bundesstraße B 86, wurden erst kurz nach 1900 gefällt. Jene heute noch jenseits des Kreisverkehrs an dieser Straße befindlichen alten Bäume müssen als Rest- oder Folgebestände besagter Chaussee-Baumbepflanzung angesprochen werden.


Kelch

Dienstag, 27. Februar 2018

Am Rande der Anfang dieses Monats erfolgten Schenkung der Kirchen-Agenda von 1580 an das Archiv der evangelischen Gemeinde Artern wurde auch der goldene Abendmahlskelch von 1550 in der Marienkirche näher inspiziert (unser Bild). Ziel ist es, den Herstellungsort bzw. die Werkstatt oder sogar den Goldschmiedemeister dieses religiösen Kunstwerks zu ermitteln. Zunächst wurden die sichtbaren Merkmale des Kelchs untersucht und darüber recherchiert. Ins Auge fällt ein mehrfarbiges markantes Doppel-Wappen: das gevierte Gesamtwappen der Grafen von Mansfeld-Vorderort seit 1481 mit Querfurter Balken, Mansfelder Rauten, Arnsteiner Adler sowie Heldrunger Löwen. Das Wappen der Grafen von Solms-Lich ist gleichfalls geviert und zeigt im ersten und dritten goldenen Feld einen blauen, rot-bezungter Löwen sowie in zweiten und dritten goldenen Feld ein rotes Schildhaupt. Über beiden Emblemen steht die Jahreszahl 1550 in zeitgenössischer Ausführung. Diese einmalige Wappenkonstellation hatte wohl seit 1512 Bestand, dem Jahr der Eheschließung zwischen Graf Ernst II. von Mansfeld (1479-1531) und seiner zweiten Ehefrau Dorothea, geb. Gräfin von Solms-Lich (1493-1578). Da Ernst, herzoglicher Rat und Oberster Kriegshauptmann sowie entschiedener Gegner Luthers und der Reformation, aber bereits 1531 starb, kann der Kelch von 1550 nur während der Zeit der Witwenschaft von Dorothea entstanden sein. Dies geschah vermutlich in ihrem Auftrag bzw. mit deren Einwilligung zur Nutzung dieses Doppelwappens. – Ob der Abendmahlskelch zunächst in der längst abgerissenen Kapelle des Arterner Wasserschlosses (heute Gelände um die Volksbank) genutzt worden ist und später erst in die Marienkirche kam, muss offen bleiben. Vielleicht wurde das Gefäß auch explizit für die Marienkirche angefertigt oder aber: es kam dieser Kelch von außerhalb nach Artern, vielleicht aus Mansfeld. Denn dort (Schloss Mansfeld-Vorderort) lebte Gräfin Dorothea in bescheidenen Verhältnissen, widmete sich der Medizin und hatte einen eigenen Kräutergarten. Vor dem Schloss ließ die als Wunderheilerin angesehene Gräfin eine Apotheke errichten, wo Arme unentgeltlich Arzneien erhielten. Aber auch Adelige ließen sich Dorotheas Arzneien zukommen. Mit ihrer Gönnerin, Kurfürstin Anna von Sachsen (1532-1585), stand sie in regemäßigem Kontakt. Für den Hof in Dresden stellte Dorothea auf Schloss Mansfeld Aquavit aus Alkohol her, den ihr „Mutter Anna“ eigens aus Sachsen zukommen ließ. Mit diesem „Wasser des Lebens“ (eine Spirituose mit Kümmelextrakt) wurde dann explizit der Hof in Dresden beliefert. – Die beiden weiteren am Arterner Kelch zu erkennenden Darstellungen sind bereits altersschwach gewordene Gravuren mit in der religiösen Kunstgeschichte oft dargestellten Szenen aus dem Alten und Neuen Testament (Stammvater Abraham bei der versuchten Opferung seines Sohns Isaak sowie die Kreuzigung Jesu auf Golgatha). Aufgrund dieser sichtbaren Merkmale sollen nun Möglichkeiten nach Herkunft und Meister des wertvollen Arterner Abendmahlskelches gesucht werden. Ersten Hinweisen zufolge wird die Spur zunächst in den Südharz führen!


Adressbuch 1906

Freitag, 23. Februar 2018

Ein wichtiges Hilfsmittel zur Identifizierung von Personen, von deren Adressen bzw. Wohnhäusern und/oder Wohnungen in Artern für die Zeit des späten 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde kürzlich für die heimatgeschichtlich und genealogisch relevante Arbeit zusammengestellt. Kopien fast sämtlicher erreichbarer Adress- und/oder Einwohnerbücher sind dafür ermittelt, erfasst und ausgedruckt bzw. quellenbezogen und chronologisch in einem Ordner abgelegt worden, der für entsprechende Anfragen nun stets greifbar ist. Es handelt sich um sechs, jeweils gedruckte Ausgaben von Verzeichnissen bzw. Büchern unterschiedlichsten Umfangs aus den Jahren 1866, 1871, 1894, 1906, 1930 und 1939/40. Einzig das Arterner Einwohnerbuch von 1925/26 konnte bislang noch nicht aufgetrieben werden. Das ist umso bedauerlicher, da deswegen zwischen 1906 (unser Bild) und 1930 über fast ein Vierteljahrhundert hinweg eine gedruckte Dokumentation zur Einwohnerschaft in Artern fehlt! Doch können hier, wie natürlich auch für weiter zurückliegende Abschnitte, immer noch die Digitalisate der hiesigen Kirchenbücher bzw. die Kirchennachrichten (Taufen, Ehen, Beerdigungen) in den drei historisch maßgeblichen Zeitungen des 19./20. Jahrhunderts für die Stadt Artern befragt werden. – Hingegen liegen für die Zeit von ca. 1780 bis um 1860 handschriftlich die detaillierten Belegungen (Hausbesitzer, Mieter, auch nur zeitweise Wohnhafte) der Arterner Wohnhäuser mit den laufenden (damals gültigen) Nummern 50 bis 458 in neun Bänden vor; diese sind gleichfalls sämtlich fotografisch erfasst worden. Leider fehlt hierzu Band 1, d. h. die Wohnhäuser Nr. 1 bis 49. Deswegen sind Teile der Harzstraße, der Nordhäuser Straße und der Alten Poststraße nicht nachweisbar. Weitere alte Einwohnerverzeichnisse sind in derzeit Arbeit, d. h. sie werden noch abfotografiert, so die jährlichen Steuerlisten der Alt- und Neustadt mit namentlichen Nennungen aller Zahlungspflichtigen sowie deren Besitzungen (Häuser, Nebengelasse, Land) ab ca. 1780.


Kuhlöcher

Dienstag, 20. Februar 2018

Wie mit aktueller Meldung vom 26. Januar 2018 hier veröffentlicht, erschien kürzlich Heft 2 der „Heimatblätter“ als aktuelle Veröffentlichung des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue. Im Blickpunkt dieser Reihe stehen historische, genealogische und naturkundliche Themen aus den Ortschaften der Goldenen Aue, des Kyffhäusers und des Südharzes im Bereich des Altkreises Sangerhausen und dessen Randgebieten. Die Planung von Heft 3 der „Heimatblätter“ ist bereits im Gange, weil bekanntermaßen eine solche Schrift, an der ein Redaktionsteam sowie etliche Autoren beteiligt sind, sehr viel Geduld, Aufwand und Arbeit, noch mehr Zeit und vor allem Nerven kosten. Seitens des Heimatvereins ARATORA wurde bereits signalisiert, diesmal (und gern auch künftig) einen Artikel beizusteuern. Als Thema für 2019 wurde gewählt: „Braunkohlenbergbau am Hutdeckel während des 19. Jahrhunderts: Quellentextliche Beiträge zur Montangeschichte der südöstlichen Goldenen Aue“. Hierzu wurden inzwischen mehr als siebzig Quellentexte zwischen 1788 bis 1906 ermittelt. Der aufgrund dessen voraussichtlich 45seitige Bericht wird zahlreiche und in diesem Zusammenhang bislang noch nicht erschlossene, gedruckte Quellen aufzeigen, die schlaglichtartig den alten Bergbau nach Kohlen in der Goldenen Aue beleuchten. In erster Linie wird der schon in Arbeit befindliche Aufsatz als Ergänzung zur 1995 veröffentlichten und längst ausverkauften Broschüre „Braunkohle-Bergbau um Artern - Beiträge zur heimischen Montangeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts“ zu werten sein. – Es ist erfreulich, dass unsere Geschichtsfreunde aus der Goldenen Aue dieses Thema in ihrer nächsten Jahresschrift aufnehmen, da dieses sicher zahlreiche Leser aus Mansfeld-Südharz und dem Kyffhäuserkreis interessieren dürfte. Und nicht zuletzt möchte der Aufsatz auch zur Kreis- und Ländergrenzen überschreitenden Geschichtsforschung in der Goldenen Aue beitragen und besonders Leser in den einst von der Braunkohlenförderung profitierenden Ortschaften Artern, Voigtstedt, Edersleben, Borxleben und Kachstedt ansprechen. Im Fokus des Artikels stehen folgende Gruben, Suchfelder und Mutungen: Bartholomäus, Beschert Glück, Caroline, Dreißigacker, Emma, Emilie, Glückauf, Havelsberg, Hoffnung, Kuhlöcher, Lyddi, Ottiliae, Segen Gottes und Zuversicht. Thematisch werden u. a. angerissen: Entstehung der Braunkohlennester am Hutdeckel, Beschreibungen des Bergwerksbetriebs, Mutung und Erschließung neuer Gruben, Wasserhaltung, Fördermengen, manuelle und maschinelle Herstellung von Kohlenbriketts, soziale Verhältnisse der Bergleute, Energiegewinnung durch Kohlen in der Saline Artern, Rechtsstreitigkeiten, heimische Pflanzenfossilien aus der Braunkohlenzeit, Betrieb der Kohlenbahn zwischen Artern und Borxleben. – Weitere Autoren und Themen werden noch für Heft 3, das voraussichtlich bereits Anfang 2019 erscheint, sowie für nachfolgende Ausgaben der „Heimatblätter“ gesucht! Der Heimatverein ARATORA vermittelt gern potentielle Autoren mit historischen Themen aus der Goldenen Aue an den Herausgeber. Unser Bild zeigt den abgesoffenen Kohlentagebau der Kuhlöcher um 1978 mit starkem Uferbewuchs und Bäumen (Foto: H.-J. Büchner, Weißwasser).


Titelseite Kalender

Freitag, 16. Februar 2018

Währenddessen der (N)Ostalgie-Kalender 2018 faktisch noch beinah druckfrisch seit Jahresbeginn in hunderten Wohnungen hängt und uns mit alten Arterner Fotos durch das Jahr begleitet, wurde diesbezüglich schon fleißig vorgearbeitet. In bewährtem Layout ist nämlich über den Jahreswechsel und im Januar 2018 bereits der (N)Ostalgie-Kalender für 2019 fertiggestellt worden! Diesmal fungiert er unter dem Titel „Artern zwischen 1945 und 1985“. Die diesmal etwas verfrühte Maßnahme der digitalen Vorbereitung wurde nötig, weil der Kalender (bereits der fünfte seiner Art) ein letztes Mal in der Druckerei Möbius am Salzdamm gedruckt werden soll, ehe Ende März dieses alte Geschäft leider geschlossen wird. – Zur Illustration des Kalenders für das nächste Jahr konnten folgende historische Fotomotive von zehn Bildgebern ausgewählt werden: Das Titelblatt ziert der Marktplatz mit Altbebauung und zahlreichen DDR-PKW (unser Bild). Auf der Seite mit dem Vorwort sind zu sehen: Westseite des Rathaus-Uhrturmes, Stillleben am Mühlgraben sowie Wohn- und Geschäftshaus Nordhäuser Straße 13. Der Jahreskalender 2019 zeigt die Kirche St. Veit in der Altstadt und den Wasserturm am Bahnhof. Der Hauptteil mit den 24 zweiwöchigen Kalenderblättern weist nachstehende alte Bildmotive auf: winterliche Stadtansicht 1933, Flussbadeanstalt an der Unstrut in Eis und Schnee, verschneite Karl-Liebknecht-Straße, prachtvolles bürgerliches Wohnhaus in der Ernst-Thälmann-Straße, vereiste Unstrut mit Wehr im Kältewinter 1962/1963, Marktplatz mit Trabant, dutzende Genex-Autos auf dem Königstuhl, Spaziergang auf dem Weinberg, Ruine der Veitskirche, Ernst-Thälmann-Straße mit Passanten vor der Gaststätte Hillmer, Aussicht von der Weinberg-Gaststätte nach Südwesten, Rathaus 1986 im Festschmuck, Geschäftswelt in der oberen Wasserstraße, Impression während des Baues des neuen Sole-Schwimmbades, Blick vom Weinberg nach Nordosten in Richtung Allstedt, Verkaufsstand in der Ernst-Thälmann-Straße, AWG-Wohnblocks in der Franz-Schubert-Straße, Mehrfamilienhaus am Goetheplatz, großbäuerliches Gebäude am Marktplatz mit Torfahrt, Wohn- und Geschäftshaus am Markt, Mahnmal der Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Scholl-Platz, verschneiter Friedhof, Schlittenpartie zum Süßwasserbrunnen am Solebach, Mühlgraben in Eis und Schnee. Der Jahreskalender 2020 schließt das neue Druckwerk ab, und zwar bildlich mit Blick vom Weinberg auf die Stadt Artern sowie mit Jüngkens Aussichtsturm. – Veröffentlicht wird der Kalender zum Zwiebelmarkt am 6. Oktober 2018. Die Höhe der Auflage ist auf 300 Exemplare begrenzt. Interessenten dürfen sich schon jetzt auf ein wiederum attraktives und abwechslungsreiches Druckerzeugnis freuen. Bis es aber in gerade mal gut sieben Monaten soweit ist, noch viel Freude mit dem aktuellen (N)Ostalgie-Kalender für 2018, von dem allenfalls nur noch Restexemplare erhältlich sind!


Goethehaus 1886

Dienstag, 13. Februar 2018

Während der vergangenen Wochen wurden umfangreiche Vorarbeiten für einige, ab dem Frühjahr anstehende Bildervorträge zur Geschichte Arterns getätigt, diesmal mit Themen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Die umfangreichste Präsentation wird jene mit über 600 digitalisierten Dias aus der Sammlung von Ehrenbürger Walter Funcke aus Einbeck sein, die aufgrund dessen voraussichtlich in zwei Etappen absolviert werden muss. Im Mittelpunkt stehen Aufnahmen aus Artern von Anfang bis zur Mitte der 1990er Jahre. In einer anderen Veranstaltung sollen Fotos aus der Arbeit der Nationalen Front während der 1980er Jahre, die hauptsächlich den damaligen Wohnbezirk IV (u. a. Schiller- und Franz-Schubert-Straße) betreffen, gezeigt werden. Als familiengeschichtlich relevantes Thema werden in einem weiteren Referat Arterner Adress- und Einwohnerbücher vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Ebenfalls in die genealogische Kategorie fällt die geplante Buchpräsentation von „Monsieur Göthé: Goethes unbekannter Großvater“ aus Artern mit einem der drei Verfasser. Hierzu unser Bild des Goethe-Ahnenhauses als Ausschnitt einer Großaufnahme der fast kompletten Harzstraße von 1886. Die Buchvorstellung einer derzeit noch in Arbeit befindlichen Neuerscheinung mit zahlreichen, teils sehr alten Illustrationen zur Geschichte der Stadt Artern zwischen ca. 1880 und 1980 folgt nach. Ein Referent, der über Salinegründer Johann Gottfried Borlach aus Anlass dessen 250. Todestages spricht, wird indes noch gesucht. – Termine und Reihenfolge der genannten Vorträge stehen noch nicht fest und werden rechtzeitig mitgeteilt. Hingegen bereits mit Datum fixiert ist ein Vortrag unseres seit vielen Jahren sehr engagierten Vereinsmitglieds Dr. Axel Römer, und zwar am Donnerstag, 14. Juni 2018. Es wird dann um 19 Uhr in der Kirche St. Kilian in Schönfeld über neue orts- und familiengeschichtliche Erkenntnisse aus Forschungen zur Reformationszeit in Artern, Schönfeld und unserer Region referiert.


Provinzstein bei Steinmetz

Freitag, 9. Februar 2018

Unsere aktuelle Meldung vom 30. Januar 2018 über die beabsichtigte Sanierung des originalen „Provinzsteins“ (wohl um 1840) in der Sangerhäuser Straße bzw. die Option zur Errichtung eines Duplikats in der Reinsdorfer Straße als Standort eines zweiten, leider verschollenen Denkmals dieser Art, hat zwischenzeitlich erfreuliche Resonanz gefunden. Beide Varianten wurden besonders von Kleindenkmalforschern begrüßt bzw. es sind von diesen entsprechende Ratschläge gegeben worden! Hinsichtlich der seit 2015 in Artern durchgeführten drei Wiederherstellungen von historischen Gedenk- und Erinnerungssteinen fand auch der ehrenamtliche Einsatz immer wieder Lob, so kürzlich aus Oldenburg: „Ich finde das hier gezeigte Engagement für die Erhaltung von Kleindenkmalen beeindruckend.“ – Wie vielleicht bereits bekannt oder augenscheinlich schon festgestellt, wurde der originale „Provinzstein“ am 2. Februar von seinem Standort entfernt und befindet sich derzeit bei Steinmetz Marko Gödicke zur Aufarbeitung (unser Bild). Dort wurde zunächst festgestellt, dass es sich bei dem Material gar nicht um Sandstein handelt, wie angenommen, sondern um Terrazzo, also Kunststein! Bei der gestrigen Reinigung sind weitere unbekannte Details zutage getreten: Der obere Teil mit den Schriftzügen besteht demnach aus „gutem“ Terrazzo, der bislang unterirdische Teil hingegen aus eher minderwertigem Waschbeton. Beide Teile sind augenscheinlich verfugt, werden jedoch wahrscheinlich im Innern von Eisenarmierungen zusammengehalten. Wie Kleindenkmalfreunde wissen ließen, war dies bislang generell nicht bekannt bzw. dokumentiert. Die Sichtbarkeit der zwei Komponenten zeigt die Herstellungsgeschichte an und wird daher beibehalten. Trotz dieser, u. U. die Stabilität des Denkmals mittelfristig beeinflussen könnenden Tatsache wird der Stein in Gänze aufgestellt werden. Sollte der bisherige Fußteil später tatsächlich schneller korrodieren, kann man den Kopf des Denkmals mit den Schriftzügen immer noch absägen und separat platzieren bzw. einen neuen Fuß anfertigen und den alten austauschen. – Im Zuge der Wiederherstellung des Denkmals stehen jetzt noch an: Säuberung, Verklebung von Haarrissen, Behandlung der Kanten sowie Bearbeitung der Schriftzüge und deren Ausmalung mit schwarzer Farbe. Anschließend soll der wenigstens drei Zentner schwere Stein hoch aufragend auf der Rasenfläche vor dem Grundstück Sangerhäuser Straße 1 (Einmündung der Voigtstedter Straße) platziert werden. (Eine Pflasterung um das Fundament des Steins, wie mehrfach vorgeschlagen, um Grasbewuchs fernzuhalten bzw. der schöneren Optik wegen, ist nach Maßgabe der Stadtverwaltung an diesem Standort leider nicht möglich, sodass das Denkmal nun doch auf einer Grundplatte aufsitzen wird.) – Die Aufstellung des sanierten „Provinzsteins“ könnte im günstigsten Falle sogar schon in den kommenden zwei Wochen geschehen, wenn nicht der Frost einen Strich durch die Rechnung macht. Dadurch kommt die zunächst zeitgleich geplante Aufstellung einer Kopie des „Provinzsteins“ natürlich leider nicht zustande. Diese gleichfalls erfreuliche Aktion wird nun auf die wärmere Jahreszeit verschoben. Was bis dahin in diesem Zusammenhang noch alles geschehen soll, darüber wird demnächst hier berichtet.


Übergabe Agenda

Dienstag, 6. Februar 2018

Nach knapp einjähriger Sanierung in Leipzig und Halle ist ein wichtiges Buch zur Kirchen- und Stadtgeschichte von Artern heimgekehrt: die zuvor auf einem Flohmarkt (!) angebotene KirchenAgenda Darinnen Tauff, einsegen, und Trawbüchlein, Communion, sampt den teglichen Collecten, welche in der Kirchen gebraucht werden. Für die Prediger in der Graff/ vnd Herrschafft Mansfeld“. Am vergangenen Sonnabend übergab Buchkünstlerin und Restauratorin Syrta Traub (links) aus der Halloren-Stadt das vorzüglich wiederhergestellte Werk aus dem Jahr 1580 in der Arterner Marienkirche an den Heimatverein ARATORA und erläuterte zuvor detailliert ihre Arbeit. Aus den Händen des Vorsitzenden wurde das Werk an Gemeindebeirat Jürgen Puchta (rechts) weitergereicht, der es für das historische Archiv der evangelischen Kirchengemeinde in Empfang nahm (leider war Pastorin Lena Burghardt verhindert). Nun wird der alte Druck, gemeinsam mit den Kirchenbüchern, gut gesichert aufbewahrt. Aufgrund in Anwendung genommener, spezieller Japanpapiere, der Nutzung von neuem Pergament sowie nicht unerheblicher Restaurierungszeiten wurde der Kostenvoranschlag zwar voll ausgereizt, jedoch hat sich der Aufwand gelohnt. Das handliche Buch, das in eine Zeit datiert, die nur ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Tode Martin Luthers liegt, ist rundum gelungen und hat nun beste Voraussetzungen, wieder einige Jahrhunderte zu halten. Nur der originale, völlige abgegriffene und deshalb schon speckig glänzende Pergamentbezug konnte nicht mehr eingesetzt werden. Dieser zuvor sehr augenscheinliche Zustand bedeutet aber, dass das Buch einst sehr rege genutzt worden ist, immerhin ist es als Leitfaden und Handbuch für die Geistlichen des damals noch jungen Luthertums in der Städten und Dörfern der Grafschaft Mansfeld gedacht gewesen. Und so war es wohl auch in Artern, wo sich die Pfarrer immer wieder in die Seiten vertieften, um ja keine liturgischen o.a. Fehler zu machen (z. B. bei den sehr strengen Regelungen zur Eheschließung)! Diverse handschriftliche Einträge zeugen davon und können nun in aller Ruhe begutachtet und gelesen werden. Zuvor war dies wegen der zu zerbröseln drohenden Seiten unmöglich. – Das vorliegende Werk geht in seiner Entstehung fast zwei Jahrzehnte zurück, denn: „Schon vorher / nemlich Anno 1562. ist ein Manuale zum Gebrauch der Mansfeldischen Kirchen gedrucket […]. Solche Manuale ist nun hier [mit der Agenda von 1580] / wiewohl vermehret / wieder auffgelegt […].“ Nach der Urfassung und der erweiterten Auflage wurde eine weitere Agenda sogar noch 1718 veröffentlicht. – Wie angekündigt, übernahm der Heimatverein ARATORA die kompletten Kosten für die Sanierung. Pfarrer Hans-Martin Kohlmann aus Wippra (Archivbeauftragter für den Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda) und Jürgen Puchta als Gemeindevertreter freuten sich über die historische Bereicherung und dankten dem Vorstand des Heimatvereins für die erneute Sanierung eines alten Buches mit Relevanz zur Kirche in Artern. – Anschließend soll und muss besonders gern auf eine ganz außergewöhnliche Unterstützung aufmerksam gemacht werden, denn erneut zeigte unser Vereinsmitglied Dr. Axel Römer aus Puhlheim ein großes (und großzügiges) Herz für seine alte Heimatstadt. Infolge inniger Verbundenheit mit Artern und Schönfeld sowie deren Kirchen St. Marien und St. Kilian übernahm Dr. Römer sage und schreibe zwei Drittel der wahrlich nicht geringen Kosten für die Wiederherstellung der Kirchen-Agenda. Er trat damit erneut als wichtiger Mäzen für die Förderung der Heimatgeschichte sowie des lokalen Denkmalschutzes auf. Dafür (zum wiederholten Male) unser allerherzlichster Dank! Hierzu der Spender: „Mit der Spende möchte ich mich für Ihre Arbeit im Verein bedanken, die mir immer wieder zugutekommt.“


Die Unstrut bei Artern

Freitag, 2. Februar 2018

Eine Email mit Bildanhang aus Jena vor wenigen Tagen beinhaltete zunächst eine Anfrage zu einem historischen Ölgemälde mit dem Titel „Die Unstrut bei Artern“, das sich mindestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts dort in Familienbesitz befindet (unser Bild). Die Überraschung beim Heimatverein ARATORA war entsprechend groß, denn bislang war diese künstlerische Darstellung des Flusses völlig unbekannt und wurde demnach auch noch nie als Reproduktion veröffentlicht. Die Abmessungen des Kunstwerkes betragen stolze 109 x 87 Zentimeter (mit Rahmen). Das farbenfrohe Gemälde mit Blumen und Bäumen in vollem Laub zeigt eine sommerliche Unstrut-Landschaft wohl auf Höhe gegenüber dem Saline-Park. Im Hintergrund fällt der Blick auf die Chaussee nach Reinsdorf. Probleme bereitete zunächst der Künstler, der zwar seine Signatur als Pinselstriche in der Ölfarbe hinterlassen hat, diese aber zunächst nicht eindeutig zuzuordnen waren. Mit einiger Phantasie konnte das Kürzel „EE 44“ erkannt werden. Dieses stünde für Ewald Engelhardt, die 44 für 1944 als dem Jahr der Herstellung. Ewald Engelhardt (1879-1976) war der maßgebliche Arterner Heimatforscher in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieser widmete sich auch gelegentlich der Malerei, wenngleich mit viel weniger Erfolg als sein Bruder Otto (1884-1965). Nach zwischenzeitlichen Vergleichen mit anderen Bildern und Signaturen von Ewald Engelhardt konnte die Vermutung hinsichtlich des fraglichen Kürzels aber eindeutig bestätigt werden. Somit kehrte am gestrigen Tag ein echter und dazu noch sehr schöner „Engelhardt“ in die alte Heimat zurück. Zeitgeschichtlich interessant an dem Bild ist, weil „Kriegsware“, dass dessen Rückseite mit Schnittmustern verklebt worden ist. – Wie aber kam das Gemälde von Artern nach Jena, wo es schon in der Wohnung der Eltern und Großeltern des Anbieters hing? Die sehr einfache genealogische Lösung: Dessen Großmutter war eine geborene Pietzsch aus Artern, weiland Kaufmannsfamilie auf dem Marktplatz und Bauherren des Wohn- und Geschäftshauses Markt 2 im ausgehenden 19. Jahrhundert. – Das Gemälde „Die Unstrut bei Artern“ ist eine unerwartete und sehr willkommene Bereicherung heimatgeschichtlicher Darstellungen und soll künftig möglichst öffentlich zugänglich gemacht werden! Damit würde auch dem Wunsch des bisherigen Besitzers nachgekommen. Eine Publikation im noch immer aktuellen Projekt „Unstrut-Buch 2“ wird ebenfalls vorgenommen. Nicht verschwiegen werden soll, dass unser langjähriges Vereinsmitglied Dr. Mathias Deutsch aus Erfurt zur Mitfinanzierung des Gemäldes die Hälfte der Aufwendungen aus eigener Tasche beigesteuert hat. Darüber hinaus hat er das Bild aus Jena abgeholt. Dafür in alter Verbundenheit (mittlerweile ein Vierteljahrhundert erfolgreiche gemeinsame Forschungsarbeit in der Unstrut-Region) unseren besonders herzlichen Dank!


Bruder des Provinzsteins

Dienstag, 30. Januar 2018

Das intensive Studium möglichst zahlreicher historischer Stadt- und Detailansichten offenbart nicht nur die über Jahre und Jahrzehnte erfolgten Veränderungen im Ortsbild. Nicht selten werden noch andere spannende Details entdeckt, wie sich am vergangenen Wochenende wieder einmal zeigte. Während der Arbeit an einer Neuveröffentlichung zur Geschichte der Stadt Artern fiel ein Bild mit Bauarbeiten zur Neuerrichtung der durch die Wehrmacht 1945 gesprengten Unstrut-Brücke in der Reinsdorfer Straße zu Beginn/Mitte der 1950er Jahre ins Auge, das freundlicherweise unser Vereinsmitglied Günther Burghardt aus Bad Frankenhausen überlassen hatte. Ästhetisch sicherlich nicht das schönste Foto, doch dafür ein wichtiges wasserbauhistorisches Dokument. Dann aber der unerwartet-angenehme Schreck, denn ganz links unten im Bild und wohl nur rein zufällig fast zur Gänze abgebildet, war da ein nicht einmal kniehohes, am Kopf abgerundetes Kleindenkmal zu erkennen (unser Bild). Deutlich darauf zu lesen: „Provinz“ und darunter eine waagerechte Linie. Keine Frage, hierbei kann es sich nur um den „Bruder“ des preußischen Provinzsteins in der Sangerhäuser Straße (auf Höhe der Rasenfläche vor dem Grundstück Nr. 1) handeln, der in den nächsten Wochen in Trägerschaft des Heimatvereins ARATORA saniert werden soll. – Das auf der Aufnahme entdeckte Denkmal steht, von der Stadt her kommend, am rechten (westlichem) Fußweg nach der Überquerung der Brücke über die Unstrut – gegenüber des Grundstücks Reinsdorfer Straße Nr. 2 (ehemals Werners). Die Blickrichtung des Steins mit der Aufschrift „Provinz“ geht nach Süden. Das heißt, unmittelbar nach der Brücke in Richtung Reinsdorf hatte früher die Preußische Provinz Sachsen wieder die Pflicht zur Unterhaltung dieser Chaussee. Demnach war die Stadt Artern für den Straßenabschnitt zwischen der heutigen Sangerhäuser Straße 1 und der Reinsdorfer Straße 2 verantwortlich. Dieser verlief aber nicht über die heutige Wegstrecke (Bundesstraße B86), denn diese gab es damals noch gar nicht, weil erst 1979 errichtet. Der innerstädtische Chaussee-Abschnitt ging über Harzstraße, Wasserstraße und Reinsdorfer Straße. Diese Distanz beläuft sich nach Messungen mit Google Maps auf einen Kilometer! Interessant ist zudem, dass die abgebildete Seite des Steins fast gänzlich weiß bemalt ist, während die Schrift und ein darunter gezogener Strich schwarz gehalten sind. – Nachdem nun ziemlich zweifelsfrei der Standort des zweiten „Provinzsteins“ gefunden worden ist, ergeben sich hierzu Fragen: Bestehen Chancen, dass sich das zweite Original nach Abschluss der Arbeiten zur Brückenerrichtung noch irgendwo in der Böschung an der Unstrut eingegraben befindet? Wenn nein, macht es dann Sinn, ein Duplikat eben dieses Denkmals herzustellen und es an der Reinsdorfer Straße zu platzieren, damit der historische Zusammenhang der Straßenverwaltung unter preußischer Regie wieder hergestellt wird? Und: Sollte der erhalten gebliebene Stein in der Sangerhäuser Straße im Zuge seiner Sanierung ebenfalls weiß bepinselt werden, so wie sein „Bruder“ in der Reinsdorfer Straße? Der Heimatverein ARATORA freut sich auf Hinweise, Antworten und Meinungen, besonders seitens der Kleindenkmalfreunde in Mitteldeutschland.


Heimatblätter 2018

Freitag, 26. Januar 2018

Schlicht aber wirkungsvoll seit der ersten Ausgabe 2017 als „Heimatblätter“ tituliert, erschien vor wenigen Tagen die zweite Schrift dieser Reihe des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue. Im Mittelpunkt steht wiederum die alte Kultur- und Naturlandschaft der Goldenen Aue, hier mit einer Auswahl an interessanten Themen vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Auf 104 Seiten wurden diesmal sieben Artikel abgedruckt, die von knapp siebzig farbigen und schwarzweißen Abbildungen geziert werden. Auf der Titelseite prangt ein Kupferstich von Gregor Melchior Kraus, das Schloss Allstedt um 1770 darstellend (unser Bild). Die braune Umschlagfarbe des Heftes könnte gut als Referenz an die fruchtbare Erde der Goldene Aue verstanden werden. – Der erste Artikel, verfasst von Barbara Sieblist aus Questenberg, behandelt „Das Banner der Freiwilligen Sachsen – Ein Freicorps gegen Napoleon“. Jürgen Pichl aus Erfurt nimmt sich danach „Neuen Erkenntnissen über die Geschichte des Zisterzienser-Nonnenklosters St. Georgii zu Kelbra vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zu dessen Aufhebung" an. Eine burgenkundlich wichtige Abhandlung hat Hartmut Müller aus Oberröblingen/Helme verfasst: „Die Burg Oberröblingen und ihre Besitzer“. Michael Richter aus Tilleda widmet sich folgend der politischen Geographie und Kleindenkmalforschung (Grenzsteine) mit der Abhandlung „Die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen, ehemals Schwarzburg-Rudolstadt und Preußen, vom Hüfler bei Kelbra bis zum Eulengeschrei bei Tilleda“ an. Danach schreibt Gerhard Heinrich zur Geschichte seiner Heimatstadt, und zwar über „Neue Erkenntnisse zur Sangerhäuser Industriegeschichte – Ergänzende Details zum zweiten Sangerhäuser Eisenhammer und die Suche nach dem Standort des ersten Eisenhüttenbetriebes bei Sangerhausen“. Als letzen Artikel des neuen Heimatheftes nimmt Werner Reich aus Nienstedt die Leser mit auf eine kulturhistorisch-naturkundliche „Rundwanderung in der Allstedter Flur“. Ein stark bebilderter Rückblick von Sophie Roland aus Bennungen auf die Vereinsaktivitäten und Kontaktpflege 2017, a. u. zum Sangerhäuser Geschichtsverein und Heimatverein ARATORA, beschließt dann die Neuveröffentlichung. – Kurzes Fazit zu den „Heimatblättern“ 2018: Dem Heimat- und Geschichtsverein Goldenen Aue als Herausgeber ist es gelungen, eine sehr abwechlungs- und vor allem inhaltsreiche Veröffentlichung auf die Beine zu stellen. Besonders die Auswahl der Themen ist wirklich gelungen, da zahlreiche neue, bislang kaum oder noch nie in Veröffentlichungen aufgegriffene, historische Details angesprochen werden. Dies wird im engen Rahmen der Platzkapazität überwiegend sogar tiefgründig und detailliert vorgenommen. Auch deshalb kann von einer echten Bereicherung für die Heimatkunde gesprochen werden. Es macht Spaß und Freunde, diese neuen bzw. maßgeblich ergänzten Ergebnisse älterer Forschungen zu studieren! – Das Layout der A5-Broschüre ist ansprechend und bis auf marginale Ausnahmen durchweg gelungen. Nur der Schriftgrad sollte künftig der besseren Lesbarkeit wegen, hauptsächlich für die „reifere Jugend“, etwas größer sein! Davon unbesehen gilt generell und besonders für Geschichtsfreunde der Region Kyffhäuser-Südharz-Goldene Aue eine aus unserer Sicht uneingeschränkte Empfehlung für den Erwerb des attraktiven Heftes. Dieses kann wie folgt online bestellt werden: http://www.goldeneaue.net sowie https://www.verlag-rockstuhl.de. Der Preis beträgt 9,95 Euro. – Wenn sich die „Heimatblätter“ in den nächsten Jahren etabliert haben und auch inhaltlich das hohe Niveau halten, kann perspektivisch von einem erheblichen Gewinn für die regionale Heimatforschung gesprochen werden. Das sollte bei der Vielfalt der Landschaft und der noch zu erforschenden Themen nicht schwerfallen. Deshalb nochmals großes Kompliment aus Artern an unsere rührigen und lieben Heimatfreunde im Altkreis Sangerhausen, verbunden mit der besonders herzlichen Aufmunterung: „Weiter so!“


Heldrungen 2

Dienstag, 23. Januar 2018

Mit unserer aktuellen Meldung vom 27. Januar vorigen Jahres durfte als Neuerscheinung der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen die Broschüre „Zwiebeln - Möhren - Majoran. Feldgemüseanbau in Heldrungen“ von Autor Dieter Holzapfel vermeldet werden. Fast auf den Tag genau ein Jahr später kann nun auf eine weitere, ergänzende Veröffentlichung dieses Verfassers (gleichfalls unter Ägide der Volkskunde-Beratung in Erfurt) hingewiesen werden. Seit Ende letzten Monats liegt uns vor: „Graben - Krauten - Wirtschaften. Vom Alltagsleben in Heldrungen“. Gedruckt im Format A5 werden auf 120 Seiten und mit mehr als sechzig Abbildungen illustriert das Leben und die Arbeit der ländlichen Bevölkerung im Städtchen Heldrungen in den Mittelpunkt gestellt (über den Alltag der zahlreichen, dort von der Gärtnerei lebenden Familien wurde explizit im Vorgängerband von 2016 berichtet). – Die Titelseite der Neuveröffentlichung zieren das historische Foto eines Einspänners, darüber der Bahnhof, ein Gruppenbild sowie das Wasserschloss (unser Bild). Nach dem Editorial wird mit nachstehenden sechs Einzelkapiteln dem Thema der Broschüre nachgegangen: Aus der Heldrunger Geschichte / Heldrunger unterwegs / Alltag und Mühsal der kleinen Leute / Die Kleinstadt entwickelt sich / Erinnerungen und Begegnungen / Anhang. – Mit lesenswerten, kurzweiligen und zugleich oftmals detailreichen Darstellungen und Geschichten berichtet der Verfasser, ein gelernter Gärtner aus Heldrungen und heute in Hirschroda bei Dornburg wohnhaft, aus volkskundlicher Sicht, wie die arbeitende Bevölkerung im kleinstädtischen Umfeld zu verschiedenen Zeiten ihre Existenz und den Alltag meisterte. – Ein Teil der hübschen Bebilderung der Broschüre ist durch teils aufwändige Vermittlung des Heimatvereins ARATORA zustande gekommen (leider wird in „Graben - Krauten - Wirtschaften. Vom Alltagsleben in Heldrungen“ nur sehr pauschal für allerlei erbrachte Unterstützungen gedankt). Dessen ungeachtet sei die Broschüre besonders für orts- bzw. regionalgeschichtlich sowie berufshistorisch und volkskundlich interessierte Leser sehr empfohlen; diese hat die ISSN 1619-5698 und kostet 6,00 Euro. Wenn noch nicht geschehen, ist der Zukauf des Vorgängerwerkes „Zwiebel - Möhren - Majoran. Feldgemüseanbau in Heldrungen“ ratsam. Es ist erfreulich und historisch wichtig, dass für Heldrungen jetzt ein derartiger Spiegel der historischen Arbeitswelt vorliegt.


CG 4-2017

Freitag, 19. Januar 2018

Bedingt durch Feiertage und Jahreswechsel kommt unsere vierteljährliche Besprechung der neuesten Ausgabe des Magazins für Familienforschung „Computer-Genealogie“ mit etwas Verspätung erst heute. Das Hauptthema von Heft 4/2017 steht diesmal unter dem Motto „Die Welt unserer Vorfahren“ und widmet sich mit sechs Berichten dem historischen Lebensumfeld jenseits der durch die Pastoren oftmals „automatisierten“ Eintragungen über Taufen, Ehen und Begräbnisse. Behandelt werden Notizen in Kirchenbüchern, die aus dem persönlichen oder gemeindlichen Leben berichten, weiterhin Kriegsgeschichte, Umweltfaktoren, Seuchen und Krankheiten, Geld und Preise sowie die Ernährung in alten Zeiten. Mit diesen Artikeln werden wichtige und interessante Hinweise gegeben, die volkskundlichen Forschungen der Lebensumstände vergangener Generationen betreffend. Dem schließt sich die Vorstellung eines Projekts in der Schweiz an, wie künftig genealogische Daten noch besser gesichert werden können. Diverse Kurzmeldungen vermitteln danach interessante Details aus der Welt der Genealogie, ehe wiederum elektronische Medien und Software besprochen werden, die die Familienforschung unterstützen. Die Auswirkungen des (destruktiven) Gender-Mainstreaming, hier in der Genealogie, werden dann anhand von neuzeitlichen gleichgeschlechtlichen Ehen und damit verbundenen Problemen bei der elektronischen Datenerfassung angesprochen. Kurzmeldungen, die Vorstellung eines genealogischen Krimis sowie die Präsentation eines bürgerlichen Sitzmöbels (Lutherstuhl) beenden die jüngste Ausgabe der „Computer-Genealogie“. – Wie stets kurzweilig und hochinformativ, ist auch dieses Heft ein Zugewinn für Familien- und Heimatforscher. Die nächste Ausgabe ist auf den 16. März 2018 datiert, wobei dann Ortsfamilienbücher im Mittelpunkt des Interesses stehen sollen.