Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Heimatblätter 2020

Dienstag, 28. Januar 2020

Die vor zwei Wochen erschienene Ausgabe 4 der seit 2017 vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue publizierten Heimatblätter (unser Bild) widmet sich erneut historischen Themen aus der Region um Kyffhäuser, Südharz und Goldener Aue. Diesmal informieren neun Autoren über folgenden Themen: Betrachtungen über die einstige Kalkhütte nahe Gonna / Die von Birkau – ein niederes Adelsgeschlecht am Südharz / Spurensuche nach der Stolberger Straße / Braunkohlenbergbau am Hutdeckel (2. Teil) / Rundwanderung südlich von Breitenbach / Abriss zur Geschichte der Orgel von Wettelrode / Die Grabenanlage von Tilleda / Erinnerungen an zwei Kriegstage in Tilleda / Vereinsaktivitäten. – Der Herausgeber hat auch in diesem Heft einem heimatgeschichtlich eher spekulativen Thema Raum gegeben, wie die Betrachtungen und Überlegungen zur vorgeschichtlichen Kreisgrabenanlage von Tilleda nahelegen. Von diesem Relikt gibt es lediglich die Luftaufnahme eines kleinen Kreisausschnitts mit Toranlage. Aufgrund dieses Fotos versucht nun Autor Jürgen Sander aus Sangerhausen bestimmte Peilungen und Peilmarken zu Aufgangs- und Untergangsterminen von Gestirnen zu ermitteln. Dass solche archäoastronomischen Spekulationen nicht aus der Luft gegriffen sind, legen relevante Kreisgräben mit sternenkundlichen Relationen aus der Jungsteinzeit bei Nordhausen und Goseck nahe, die gleichfalls kalendarisch bzw. kultisch verwendet worden sind. Da archäologische Untersuchungen bei Tilleda in absehbarer Zeit kaum stattfinden, sei diese Untersuchung zudem Anregung, auch an anderen Stellen Nachweise zu suchen, die ur- und frühgeschichtliche Astronomie im mitteldeutschen Raum nahelegen. – Die neuen Heimatblätter umfassen 132 Seiten, neun Artikel mit 84 Abbildungen und Reproduktionen. Die Titelseite wird von der Zeichnung einer historischen Gipskalkhütte geziert. Interessierte können das Druckerzeugnis über den Herausgeber erwerben, über den Buchhandel oder den Verlag und Versand Rockstuhl in Bad Langensalza. Der Preis beträgt 9,90 Euro. – Auch in den Heimatblättern des nächsten Jahres wird, wie schon für die Bücher von 2019 und 2020, ein Artikel aus Artern zugearbeitet. Dieser soll Beschreibungen eines geologischen Phänomens im Südharz vom 16. bis 18. Jahrhundert zum Inhalt haben. Zu gegebener Zeit wird hier darüber berichtet.


Novum Castrum

Dienstag, 21. Januar 2020

„novum castrum“ = neue Burg, diesen Titel trägt die mittlerweile altgediente Schriftenreihe des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. Im vergangenen Monat erschien die neuste Ausgabe dieser Periodika, die sich diesmal monothematisch mit jenem Fluss beschäftigt, der sich unterhalb der Burg bzw. am Städtchen Freyburg entlang schlängelt – die Unstrut. Sieben Autoren haben mit zehn Artikeln am 212 Seiten starken Werk „Freyburg & die Unstrut“ im Format A5 mitgewirkt: Mathias Deutsch gibt zunächst allgemeine Informationen zum Fluss, während sich Jörg Peuckert danach Unstrut-Sagen widmet. Historische Ansichten des Flusses und dessen Landschaft widmet sich Cordula Ebert, ehe Bernd W. Bahn dann die Unstrut als Wasserweg und Verkehrshindernis beleuchtet. Bauwerke am Fluss nimmt sich dann Reinhard Schmitt vor, gefolgt von Tobias Reeh und Mathias Deutsch, die die Unstrut als historischen Verkehrsweg unter die Lupe nehmen. Mit hübschen Bildern untermalt ist die „Herzogliche Lustschifffahrt auf Unstrut und Saale um 1700“ von Joachim Säckl. Noch einmal Tobias Reeh und Mathias Deutsch als Autorenduo nehmen sich danach historischen Hoch- und Niedrigwassern der Unstrut an. Die Fischerei auf dem Fluss folgt thematisch in einem Aufsatz von Joachim Säckl. Eine mehrseitige Zeittafel zur Unstrut-Geschichte mit Schwerpunkt der Region um Freyburg beschließt das Buch. - Die Neuveröffentlichung „Freyburg & die Unstrut“ ist ein reich illustriertes Werk und spricht in dieser Hinsicht besonders Freunde der Kartografie sowie historischer Stiche und Abbildungen an. Positiv hervorzuheben ist die oftmalige Wiedergabe alter Landkarten über die volle Seitengröße. Bereits an der Autorenliste ist die Qualität der Aufsätze zu erahnen, die sich beim Lesen erwartungsgemäß bestätigt. Inhaltlich schließt sich das inhaltsreiche wie kurzweilige Buch relevanten Veröffentlichungen zur Flussgeschichte aus den letzten Jahren an und ist daher eine sachlich sehr positive Ergänzung z.B. für „Die Unstrut - Geschichte(n) vom Fluss zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein“ (2015). - Perspektivistisch wird auch im neuen Jahr die Unstrut im Fokus stehen, besonders in deren Abschnitt um die Stadt Artern. Grund hierfür sind zwei aktuelle Projekte, die Details aus der Flussgeschichte (hier Hochwasser und Verkehrstechnik) denkmalgerecht zu präsentieren gedenken. Hierüber folgen zu gegebener Zeit auch an dieser Stelle interessante Informationen!


Ausmalung Kirche

Dienstag, 14. Januar 2020

Beim Sichten von Unterlagen aus der Vergangenheit der Arterner Marienkirche fielen bereits im Herbst vorigen Jahres zwei längst in Vergessenheit geratene, etwa plakatgroße Abbildungen auf derber Pappe auf, die perspektivisch den Blick in eben diese Kirche eröffnen und deren gewünschte farbliche Ausgestaltung um 1910 nahebringen. Zu dieser Zeit gab es nämlich umfangreiche Pläne zur Sanierung, die sich im Verlauf des Ersten Weltkriegs aber zerschlugen. In diesem Kontext sind die beiden Blätter wohl zu sehen. - Nach dem leider nur eingeschränkten Kunstverständnis der beiden Erstbetrachter wurden hier mittels teils noch sichtbarem Bleistiftstrichen skizzierte Darstellungen mit Wasserfarben ausgemalt. Blatt 1 gibt die Ansicht des Westschiffes mit Blick nach Osten wieder, also mit Doppelemporen, Kanzel und Fresko „Verklärung Christi“ (unser Bild). Das zweite Blatt gibt die Ansicht zum Altarraum frei, links die Kanzel und im Hintergrund die damals völlig andere Anordnung im Bereich der heutigen Chorkapelle (Winterkirche). - Beide leicht verblasste Darstellungen des renommierten Kunst- und Kirchenmalers Fritz Braue aus Halle/S. sind auf den ersten Blick noch gut erhalten, allein die Ränder wurden Opfer von Mäusefraß und wohl auch von anderen hungrigen Tierchen. - Wenngleich der kunsthistorische Wert sicherlich nicht allzu hoch anzusetzen sein dürfte, sollen die beiden Gemälde als historisch wichtige Zeitzeugen dennoch nicht nur erhalten werden, sondern nach angedachter Sanierung einen Dauerplatz bekommen. Aus diesem Grund wurde Ende vergangenen Jahres vom Heimatverein ARATORA eine entsprechende Anfrage an die Kunsthochschule auf Burg Giebichenstein in Halle/S.initiiert. Von dort aus erfolgte die Vermittlung an eine Fachwerkstatt für Restaurierung und Konservierung von Papier in Berlin. Wenn alles klar geht, sollen die beiden Bilder dort in absehbarer Zeit wiederhergestellt und gerahmt werden, wobei der Heimatverein ARATORA gern den finanziellen Part der jeweils 74 x 52 Zentimeter messenden Blätter übernimmt! Im Laufe des Jahres kann wohl mit der Rückführung gerechnet werden.


Wappenglocke

Dienstag, 7. Januar 2020

Eine sehr aufschlussreiche Bereicherung unserer Vereinssammlung mit Fotos aus der Vergangenheit der Stadt Artern erfolgte seitens der evangelischen Kirchengemeinde Artern. Hierfür hatte Pastorin Lena Burghardt einen großen Karton mit diversen historischen Aufnahmen und Unterlagen aus der Geschichte der Marienkirche bereitgestellt. Zunächst wurden ausschließlich die Fotos leihweise entgegengenommen, alles in allem um die hundert Bilder! Diese zeigen die Kirche im ausgehenden 19. und während des 20. Jahrhunderts in Gesamtaufnahmen und im Detail. Historisch von besonderem Interesse ist deren Ausstattung vor der großen Sanierung ab Mitte der 1970er Jahre, also noch mit Kanzel, dem Fresko „Christi Verklärung“, Altar-Antependium sowie „Lettner“ im Chorbereich. Weitere Fotos um 1900 zeigen die im Krieg geopferte Wappenglocke (unser Bild) sowie den Glockenstuhl. Alte Postkarten stellen den Marktplatz mit Kirchturm, das Gebäude der Unstrut-Sozietät und das Kriegerdenkmal vor dem Rathaus dar, hinzu kommen eine Grußpostkarte vom Brunnenfest, ein Bild mit Blick vom Weinberg, Blick in den Saal des „Goldenen Ankers“ sowie eine zweiteilige Panoramaansicht der Stadt Artern, auch um 1900. - Eine umfangreiche Fotodokumentation der feierlichen Einweihung der sanierten und innen neu eingerichteten Kirche am 16. April 1978 führt dann in jüngere Zeit. Bilder von der Ausstellung mit kirchlichen Objekten anlässlich der Feierlichkeiten zum 1200jährigen Jubiläum Arterns im Jahr 1986 komplettieren die Bildersammlung aus dem Pfarrhaus. An die hundert Dias und ein Negativfilm müssen allerdings noch gescannt bzw. entwickelt werden. Dies wird in absehbarer Zeit geschehen; vor allem, um auch kirchliches Bildmaterial in den für 2020 geplanten Bildband zur Stadtgeschichte einfließen lassen zu können. - Der „Clou“ in angesprochener Pappkiste aber waren zwei historische Aquarelle von etwa Plakatgröße mit Wiedergabe der Innenräume der Marienkirche. Leider sind die beiden farbenprächtigen Werke verblasst bzw. durch Mäusefraß an den Rändern geschädigt. Der Heimatverein ARATORA wird sich daher gemeinsam mit der Pfarrerin um die Einleitung der alsbaldigen Restaurierung in einer Fachwerkstatt kümmern.


Kronengarten

Dienstag, 31. Dezember 2019

Die letzte aktuelle Meldung in 2019, verbunden mit dem Wunsch an unserer Homepage-Besucher nach einem fröhlichen Jahreswechsel und einem gesunden neuen Jahr, nimmt sich einer derzeit in Arbeit befindlichen Veröffentlichung zur jüngeren Stadtgeschichte an. Im Vorfeld der Recherchen für die Publikation einer historischen Abhandlung zum Arterner Kronengarten und seines Umfeldes sind bereits Vorarbeiten im Stadtarchiv absolviert bzw. etliche Kontaktaufnahmen zu ehemaligen Bewohnern vorgenommen worden. Darüber hinaus wurden weitere Unterlagen in überregionalen Stellen eruiert bzw. bestellt. – So kam vom Sächsischen Hauptstaatsarchiv eine für obige Thematik sehr wichtige Akte aus dem dort betreuten historischen Finanzarchiv: die vor mehr als zweihundert Jahren ausgestellte Konzession für den Kaufmann Johann Andreas Zeise zur Errichtung eines Gasthofes in Artern, der späteren „Goldenen Krone“ in der Alten Poststraße. Die 22seitige Kanzleiakte muss nun zwecks inhaltlicher Auswertung transkribiert werden. – Besagte Unterlagen aus Dresden bilden quasi den historisch-bürokratischen Unterbau der avisierten neuen Publikation, da nur wenige Jahre nach Inbetriebnahme des Gasthofes „Zur goldenen Krone“ an diesen ein gastronomischer Freibereich (Biergarten und Tanzfläche) angegliedert wurde: der spätere Kronengarten! Die diese markante Bezeichnung übernehmende Bebauung mit Notstandswohnungen datiert allerdings erst in die Zeit des ausgehenden ersten Weltkrieges, also hundert Jahre später. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre erfolgte dann der Abriss dieser Wohnhäuser, um Platz für die beiden Kaufhallen und das Kultur- und Versorgungszentrum zu erhalten (unser Bild). Besagter Zeitraum, also rund anderthalb Jahrhunderte, werden im Mittelpunkt der Veröffentlichung über die „Krone“ und den Kronengarten stehen; natürlich inklusive zeitlichen Abweichungen in die ältere bzw. jüngere Vergangenheit. Die drei Verfasser freuen sich, in etwa einem Jahr den Kronengarten als interessantes Kapitel der Arterner Stadtgeschichte als Broschüre präsentieren zu dürfen. 


CG 4-2019

Dienstag, 24. Dezember 2019

Verbunden mit herzlichen Wünschen zum Weihnachtsfest wird nachstehend die jüngste Veröffentlichung des Vereins für Computer-Genealogie im Mittelpunkt stehen. Erst vorige Woche erschienen, bietet die neue Zeitschrift „Computer-Genealogie“ 4/2019 (unser Bild) wiederum ein buntes Kaleidoskop interessanter Artikel und nützlicher Informationen für Familien- und Heimatforscher. Als Fortsetzung aus Zeitschrift 3/2019 werden zunächst jene Hilfswissenschaften behandelt, deren sich die genealogische Forschung bedient. Der erste Artikel widmet sich mit „Die Entwicklung unserer Schrift“ der Paläografie und damit einem Kernthema der Familienforschung. Als nächstes wird die Onomastik angerissen, die die Herkunft und Bedeutung von Namen untersucht. Danach wird kurz auf die Hausmarken eingegangen, oftmals über Generationen vererbte Zeichen zur Markierung von familiärem Eigentum. Mit der historischen Geografie als weiterer Hilfswissenschaft werden Hinweise auf die Eruierung von Wohnorten und deren Umfeldern gegeben, die sich aus Kartenbildern erschließen lassen. - Diverse aktuelle Kurzmeldungen zu genealogisch relevanten Themen folgen, ehe die Problematik der kommunalen Archive angesprochen wird; diese sind hoch bedeutsam für die Orts- und Familienforschung und dennoch oft nur fünftes Rad am Wagen im Komplex städtischer Verwaltungen. Speziell wird es anschließend mit Indexierungsprojekten bei FamilySearch. Ein kurzer Rückblick auf hundert Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge berichtet aus der Arbeit dieses auch familienhistorisch wichtigen Vereins. Zwei größere Berichte widmen sich nun der Online-Erfassung mittels Daten-Eingabe-System (DES), dem sich die Vorstellung einer neuen GEDCOM-Version als Datenaustauschformat anschließt. Software-Informationen, die Vorstellung einer historischen Urkunde, Quellenkunde mittels Verlustlisten und Gedenktafeln (Kriegsgefallene) sowie die Präsentation einer Hauschronik runden das aktuelle Heft der „Computer-Genealogie“ ab. - Quartal für Quartal gelingt es der Redaktion, inhaltlich wie optisch hervorragende Magazine zu publizieren, die Anfänger wie Fortgeschrittene ansprechen und unterstützen. In diesem Sinne freuen wir uns bereits auf die kommende Ausgabe im Frühjahr 2020 mit dem Schwerpunktthema „Die liebe Verwandtschaft“.


Knipserbude

Dienstag, 17. Dezember 2019

Früher alltägliches Geschäft bei der Bahn, fiel die Entwertung von Zugbillets bzw. der sog. Bahnsteigkarten vor Betreten des Gleisgeländes wohl in den 1960er Jahren weg. Mit dieser Einsparung hatten zugleich die für eben diesen Zweck auf beinahe jeden Bahnhof errichteten Holzhäuschen ihre Bedeutung verloren. Bis dato wurden dort durch einen Bahnbeamten die Fahrkarten aus Hartpappe mittels Lochzange entwertet. Kaum bemerkt von Reisenden und Bahnsteigbesuchern wurde gleichzeitig eine Registriernummer in den Fahrschein eingeprägt, sodass der Ort der Entwertung der Karten feststellbar war. - Glücklicherweise hat sich solch ein Häuschen der Deutschen Reichsbahn erhalten, nämlich das aus Artern, weil dieses nach Abtransport vom hiesigen Bahngelände über Jahrzehnte hinweg als Unterstand für Gartengeräte am Weinberg genutzt worden ist. Wenngleich während dieser Zeit kaum bis gar nicht gepflegt, blieb die Holzbude dennoch erhalten, kam im Herbst 2018 zum Heimatverein ARATORA und wird derzeit in Weißwasser durch Vereinsmitglieder Hans-Joachim Büchner von Grund auf saniert (unser Bild). – Es ist anzunehmen, dass kaum mehr ein vergleichbares Objekt in der Region existiert. Deswegen schien eine Sanierung ratsam. Bei der Übernahme war der desolate Zustand des Häuschens sehr augenscheinlich. Im Laufe der Restaurierung stellte sich jedoch heraus, dass bei dessen Herstellung einst sehr gute Arbeit geleistet worden ist. Nach dem Abtransport von Artern wurde die Bude zunächst zur Trocknung in Weißwasser eingelagert. Danach ist die Farbschichtenreihenfolge bis auf die Grundierung ermittelt worden. Die Fensterrahmung war noch einigermaßen stabil und wurde zunächst für die weitere Bearbeitung gesichert. Nicht zu erhalten war leider das Dach, das abgenommen werden musste; selbiges gilt auch für die Grundplatte, die sehr verwittert war. Beide Elemente werden komplett erneuert. Dabei muss improvisiert werden, da die genauen Maße der geborgenen originalen Hölzer kaum noch zu ermitteln sind. - Unser Bild zeigt bereits abgeschlossene Arbeiten bzw. weist auf noch zu erledigende Schritte hin. Der Dachraum ist konserviert, die rechte Seite des Häuschens ebenfalls. Der mittlerweile dritte Voranstrich ist erfolgt (der unbekannte originale Konservierungsanstrich führte zuvor zur Verdunklung der weiteren Farbgebung). Nach Drehung der Hütte erfolgte die Grundsanierung der linken Seite und die Farbgebung der Rückwand, anschließend die Wiederherstellung von Dach und Grundplatte. Nach Aufrichtung der Hütte ging es an die Innensanierung sowie den Farbanstrich mit „Bleiweiß“. Die Verglasung stellt dann das handwerkliche Finale dar. Gewisse künstlerische Freiheit hingegen wird bei der Eingangspforte und der klappbaren Sitzmöglichkeit walten müssen, doch werden auch hier größere „Stilabweichungen“ vermieden!


Gagarin-Stein saniert

Dienstag, 10. Dezember 2019

In diesem Jahr hätte er seinen 85. Geburtstag feiern können, wäre Juri Gagarin nicht 1968 bei einem Testflug mit einer MiG 15 unter nie gänzlich geklärten Umständen tödlich verunglückt. Immerhin war der Flieger zu diesem Zeitpunkt längst eine Legende, nämlich seit dem 12. April 1961, als er mit dem Raumschiff Wostock 1 einige Erdumrundungen hinter sich gebracht hatte. Diese welthistorische Tat widmete Gagarin zuvor mit einer schriftlichen Erklärung jedoch lediglich „den Menschen des Kommunismus“. Wieder aus dem All zurück, hatte der Held der Sowjetunion dann mit recht irdische Problemen zu tun: von wegen hohen Wodka-Konsums oder peinlichen Verletzungen nach einem Sprung vom Balkon nach Fremdgehen mit einer Krankenschwester im Kosmonauten-Erholungsheim. Das makellose Image von Staatschef Nikita Chruschtschows Vorzeige-Sowjetmenschen blätterte also schon zu Lebzeiten Gagarins. - Dessen ungeachtet erfährt dieser noch heute die ihm zustehende Ehre als erster Mensch im Kosmos. Auch in Artern war man vom bemannten Raumflug 1961 derart begeistert, dass kurzerhand die altehrwürdige Sangerhäuser Straße in Juri-Gagarin-Allee umbenannt und dem Fliegerkosmonauten ein pyramidales Denkmal gesetzt worden ist. Das war am 15. Juli 1961 im Rahmen eines Bürgerfestes. - Seither erfuhr der mannshohe Gedenkstein allerdings kaum Pflege, und nach fast sechs Jahrzehnten stand das Denkmal insofern vor dem Aus, als es nicht mehr auf der angestammten Rasenfläche an der Sangerhäuser Straße geduldet wurde. Im Frühjahr 2019 abgebaut und auf dem Bauhof stationiert, ist der auch zwischenzeitlich in seiner Substanz ramponierte Stein auf Initiative des Heimatvereins Aratora bzw. in Absprache mit der Stadt Artern während der vergangenen Wochen in der Werkstatt von Steinmetz Marko Gödicke (unser Bild) wiederhergestellt worden (Denkmalkörper, Schriftzüge, Farbe und kaputte Pyramidenspitze). Den krönenden Sowjetstern fertigt die Schmiede Fister. Nach dieser Restaurierung wird das Juri-Gagarin-Denkmal am heutigen 10. Dezember 2019 wieder aufgestellt und offiziell übergeben: etwas südlich des bisherigen Standortes auf einer kommunalen Grünfläche. Die anfallenden Kosten übernimmt der Heimatverein ARATORA erneut komplett aus eigenen Mitteln und hat somit auch in diesem Jahr ein historisches Arterner Kleindenkmal, seit 2015 bereits das sechste (!), wiederherstellen lassen. - Zum Schluss (und ohne Lokalkolorit) noch etwas zum Schmunzeln: Als vor rund zehn Jahren die 1983 gegründete Space Foundation eine Umfrage zum einflussreichsten „Weltraumhelden“ initiierte, landete Neil Armstrong als erster Mann auf dem Mond ganz oben. Gagarin schaffte einen respektablen sechsten Rang, gemeinsam mit James T. Kirk, Kapitän der Enterprise im Jahr 2200!


Impflisten

Dienstag, 3. Dezember 2019

Eine unerwartet vorweihnachtliche Bescherung traf kürzlich aus dem Ruhrgebiet in Form von hunderten Kopien beim Heimatverein ARATORA ein (unser Bild). Jeweils im Format A3 abgedruckt, befinden sich auf angesprochenen Bögen historische Impflisten aus Artern mit tausenden Namen. Diese medizin-, orts- und familiengeschichtlich bedeutsamen Dokumente beginnen mit dem Geburtsjahr 1801 und umfassen sämtliche bis 1843 geborenen Kinder, die für Impfungen (die ältesten sind jene gegen Pocken) vorgesehen waren bzw. an denen Immunisierungen vorgenommen wurden. – Besonders in genealogischer Hinsicht sind diese Impfbelege bedeutsam, da mittels vorliegenden Unterlagen z. B. Abgleiche mit den Geburtseintragungen bzw. Sterbemitteilungen in den Kirchenbüchern vorgenommen werden können. Darüber hinaus sind auch weitere Forschungen möglich, die besonders die Sozial- und Hygienegeschichte der Stadt Artern aufzuhellen vermögen. Bis es soweit ist, müssen aber noch umfangreiche Sichtungen und darauf aufbauend Detailanalysen vorgenommen werden. Schon jetzt kann jedoch festgestellt werden, dass es bei der Erstellung der Impflisten enge Zusammenarbeit mit dem hiesigen Pfarramt gegeben haben muss, weil nur dort die Geburtsdaten von Kindern in den Kirchenbüchern verzeichnet waren (standesamtlich erst ab 1875/76). Weiterhin finden sich in den Kirchenbüchern und den Impflisten oftmals dieselben Handschriften, was die zuvor geäußerte Feststellung unterstreicht. – Noch unklar ist, ob bzw. wo das Original dieses großen Verzeichnisses heute noch auffindbar ist. Hierzu gegebene mündliche Mitteilungen harren noch der Untersuchung.


Einwohnerzählung

Dienstag, 26. November 2019

Die Arbeit mit online erreichbaren Ortsfamilienbüchern (OFB) bereitet insofern große Freude, als mit nur wenigen Klicks sämtliche jemals in den Kirchenbüchern notierten Personen und Familien von entsprechend bearbeiteten Gemeinden auffindbar sind, und zwar im genealogischen und kommunalen Kontext bis zu einem vom Autor festgelegten Schlusspunkt. Diese Art der sekundären Darstellung von schriftlichen Quellen erspart dem Familienforscher sehr viel kostbare Recherchezeit. Erinnert werden muss in diesem Zusammenhang aber auch und besonders an den im Vorfeld zur Erstellung solcher Quellenverzeichnisse geopferten, sehr hohen Zeitaufwand! - Nachdem er bereits die OFB für Katharinenrieth, Riethnordhausen und Schönfeld bei Artern erstellt hat, wurde letzte Woche das jüngste genealogische Werk von Ingo Brambach aus Nordrhein-Westfalen (zuvor Bottendorf) veröffentlicht. Auf http://www.online-ofb.de/moenchpfiffel/ ist nun sein Ortsfamilienbuch der Gemeinde Mönchpiffel erreichbar! Das heißt in Details: Daten von 1.570 Familien, 4.761 Personen sowie die Geburtsorte auswärtiger bzw. die Sterbeorte fortgezogener Personen. - Die Kirchenbücher von Mönchpfiffel, einst gelegen im Amt Allstedt und somit über Jahrhunderte eine Exklave des Herzogtums Sachsen-Weimar bzw. später Sachsen-Weimar-Eisenach, sind seit 1659 erhalten. Bearbeitet wurden im neuen OFB die Einträge über Geburten, Ehen und Todesfälle bis 1849, mithin also über 190 Jahre hinweg. Während der Auswertung des Datenmaterials stellt der Autor fest: „Bedingt durch die geringe Bevölkerung gab es z.B. bei den Paten immer einen regen Austausch mit den umliegenden Orten, welche meist zum Amt Allstedt und damit zur gleichen Herrschaft gehörten. Auch ist eine relativ hohe Fluktuation bemerkbar. Deshalb habe ich von Anfang an Paten mit erfasst, und somit treten die Bewohner der umliegenden Orte mehr als gewöhnlich in Erscheinung.“ - Als Fernziel möchte Ingo Brambach, dessen Ahnen und Verwandte u. a. in Schönfeld und Artern nachgewiesen sind, gern noch folgende Orte als OFB erarbeiten und publizieren: Winkel, Heygendorf mit Schaafsdorf und Niederröblingen. Anfänge hierzu sind bereits gemacht! Doch zunächst wünschen auch wir dem neuen Ortsfamilienbuch Mönchpiffel die diesem zukommende Aufmerksamkeit seitens der Familien-, Orts- und Regionalforschung. Herzlich gedankt dafür wird dem Bearbeiter Ingo Brambach, der sich trotz räumlicher Entfernung seines Wohnortes immer mit unserer Region innig verbunden fühlt, für dessen erneut unermüdliche Arbeit, seine hohe Kompetenz und stete Hilfsbereitschaft. - Unser Bild zeigt als jüngere familiengeschichtliche Quelle einen Ausschnitt aus der Einwohnerzählung von Mönchpiffel und Nikolausrieth 1938/1939,zu sehen in der heimatgeschichtlichen Ausstellung im Ochsenstall des Klostergutes Mönchpiffel.


Biografie Lonicerus

Dienstag, 19. November 2019

Seit Jahresanfang werden die Besucher unserer Homepage auf den 450. Todestag von Johannes Lonicerus, den ersten bekannten Gelehrten aus Artern, aufmerksam gemacht. Dass dieser Jahrestag in irgendeiner Weise größeres Interesse oder gar publizistische Früchte tragen würde, schien eher gering – bis vergangenen Freitag eine unerwartete Postsendung aus Speyer beim Heimatverein ARATORA eintraf. Der Inhalt: eine 288seitige Biografie des reformationszeitlichen Altphilologen, Theologen und Dichters Johann Lonitzer (lat. Johannes Lonicerus), zugeschickt durch den Autor Dr. Heinrich Reinermann, ordentlicher Universitätsprofessor em. an der Universität Speyer! Diese Überraschung war mehr als gelungen, zumal bis dato nicht bekannt war, dass eine Lonicerus-Biografie in Arbeit war bzw. passend zum Thema am Reformationstag 2019 als Buch veröffentlicht worden ist (unser Bild). - Mit dem nun vorliegenden Lebensbild wurde zugleich ein wichtiger Beitrag zur Lokalgeschichte bzw. Personenkunde des Städtchens Artern geleistet, denn Lonicerus war als späterer Mitarbeiter von Luther und Melanchthon nicht nur „unserer“ ältester bekannter Gelehrter, seine Porträts sind auch die ältesten von Personen aus Artern überhaupt. - Die Inhaltsbeschreibung von „Johannes Lonicerius (1499-1569). Ein Leben im Zeichen der Reformation“ (ISBN 978-3-95505-115-0, 24,90 Euro) fasst die Biografie folgendermaßen zusammen: „Johannes Lonicerus, Spross einer Handwerkerfamilie, gelang durch Bildung der Aufstieg - trotz einer vom Mittelalter noch ständisch geprägten Gesellschaft - hin zum Professor für Theologie und Universitätsrektor in Marburg. Er war ein Zeitgenosse vieler berühmter Persönlichkeiten des 16. Jahrhunderts und kannte etliche davon persönlich. Als Schüler, Mitarbeiter und Freund Martin Luthers und Philipp Melanchthons hat Johannes Lonicerus den Prozess der Spaltung der abendländischen Kirche vom Wittenberger Thesenanschlag 1517 bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555 hautnah miterlebt und über vierzig Jahre als Professor der ersten protestantischen Universität der Welt in Marburg auch mitgestaltet. Mit namhaften Reformatoren stand Johannes Lonicerus durch gemeinsame Arbeiten und Briefe in regem Kontakt, was ihm auf einer persönlichen Ebene Einblicke in deren Ansichten und Gedanken gab. Diese Einflüsse prägten ihn in den Wirren der Reformationsjahre. Denn ähnlich wie Luther beschritt er den Weg vom Mönch zum Protestanten und äußerte streitbar seine Meinung gegenüber den Machenschaften der etablierten Kirchenväter durch vielfältige Publikationen. Der Autor Professor Heinrich Reinermann zeigt die wesentlichsten Stationen dieses Gelehrten und Predigers auf und stellt sie in den Kontext der maßgebenden geschichtlichen Ereignisse seiner Zeit. Er nimmt den Blick des Johannes Lonicerus ein um aufzuzeigen, worin die Eigenart der lutherischen Kirchenreform zu sehen ist und wie diese in das tägliche Leben zu übersetzen war. Weiter wendet er sich den die Reformation tragenden Erfolgsfaktoren zu, von den Interessengegensätzen zwischen Kaiser und Fürsten des römisch-deutschen Reiches bis zur flankierenden medialen, von der noch neuen Buchdrucktechnologie befeuerten Unterstützung.“ - Die Nachwirkungen des Reformationsjahrs 2017 sind also noch immer deutlich spürbar. In diesem Kontext ist auch obige Neuerscheinung zu sehen, die als erste große Biografie des Lonicerus überhaupt gelten kann. Das Buch ist somit ein weiterer gewichtiger Beitrag zur mitteldeutschen Landesforschung im 16. Jahrhundert und nicht nur beiläufig eine attraktive Geschenkempfehlung zum Weihnachtsfest für historisch Interessierte.


Umzug

Dienstag, 12. November 2019

Erneut kamen zwei interessante Sammlungen historischer Fotos aus Artern und Umgebung in das Archiv des Heimatvereins ARATORA! Schwerpunkt der ersten Kollektion mit über 40 Bildern sind Motive des Abrisses von Dienstgebäuden des vormaligen Rates des Kreises in der Bergstraße bzw. Langen Hohle; das war zu Beginn des Jahres 2008. Währenddessen damals der Rückbau dieser Häuser lediglich von besagten Straßen her aufgenommen werden konnte, haben die vorliegenden Fotos den Vorzug, vom Innenbereich des Gesamtkomplexes aufgenommen worden zu sein. Damit erschließen sich teils detaillierte Ansichten, die sich bis dahin in der Regel nur den Mitarbeitern bzw. Besuchern des Rates des Kreises geboten haben. Ergänzt werden diese Fotos von etlichen Aufnahmen, die Arterner Häuser zeigen, die noch zu DDR-Zeiten abgerissen worden sind, so z. B. jene oberhalb (östlich) von Krügers Geschäft bzw. des Mansfelder Hofes in der Leipziger Straße. Weitere Bilder zeigen Schnappschüsse aus der Wasserstraße vom Festumzug anlässlich des Stadtjahres 1929. – Die zweite Sammlung mit einem Dutzend Fotos zeigt motivisch einen Umzug zum 1. Mai 1934 vor dem Schützenhaus (unser Bild), weiterhin den Hotelneubau, die Marienkirche, Ortsansichten aus Schönfeld, das Kyffhäuser-Denkmal sowie die Rothenburg. Die sicherlich von einem professionellen Fotografen erstellte Aufnahme eines Wohn- und Geschäftshauses am damaligen Bismarck-Platz ist qualitativ so gut bzw. einmalig, dass diese sogar in die engere Auswahl des Titelbildes für unseren nächsten Bildband im Jahr 2020 fällt! – Hinzu kam noch ein auf dem vergangenen Zwiebelmarkt „aufgeschnappter“, sehr schöner Einzelbeleg: Aufnahme aus den 1930er Jahren von der damaligen Fleischerei von Carl Flitner in der Wasserstraße. – Dankeschön nochmals für die erneute großartige Unterstützung bei der Bereitstellung von historischen Aufnahmen für künftige Publikationen über die Geschichte der Stadt Artern!


CG3-2019

Dienstag, 5. November 2019

Selbst „auch nur“ eine Hilfswissenschaft der Geschichtsforschung, bedient sich die Familienforschung dennoch wie selbstverständlich anderer Hilfswissenschaften, um ihren Zielen näherzukommen. Eben diese Elemente der historischen Forschung stehen im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe für das 3.Quartal der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ (unser Bild). Nach einem Kurzüberblick zu den Historischen Hilfswissenschaften, deren Herkunft, Grundlagen und Fachrichtungen wird zunächst die Archivkunde näher beleuchtet, da trotz zahlreicher, bereits digital im Internet auffindbarer Dokumente die Archive noch immer die erste Wahl bei der Eruierung von historischen Quellen darstellen. Als nächstes Element historischer Hilfswissenschaften wird auf die Epigrafik eingegangen, das ist die Inschriftenkunde an Häusern (z. B. im Fachwerk), die genealogische Daten vermitteln. Unter der Bezeichnung Phaleristik fokussiert, werden anschließend Möglichkeiten aufgezeigt, anhand von Orden und Auszeichnungen zumeist auf historischen Porträtfotos diese analysieren und bestimmen zu können. Nicht zuletzt wird auf die Numismatik eingegangen, mit der anhand von Zahlungsmitteln auch familienkundliche Forschungen vollzogen werden können. – Dem Hauptthema folgen Abhandlungen zu genealogischen Apps sowie zur Ahnenforschung mit dem Smartphone, weiterhin die Präsentation neuer Versionen von Ahnen-Programmen. Anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Vereins für Computer-Genealogie werden dann Retrospektiven über diesen Zeitraum vorgestellt. Diverse Kurzmeldungen runden die aktuelle Zeitschrift „Computer-Genealogie“ ab, deren letzte Ausgabe in diesem Jahr kurz vor Weihnachten erscheint und sich dann mit der Fortsetzung der Vorstellung von Hilfswissenschaften der Familienforschung an die Leser wendet.


Gagarin-Stein

Dienstag, 29. Oktober 2019

Fliegerkosmonaut Juri Gagarin (1934-1968): hofierte Heldengestalt unserer Kindertage, Kämpfer an der Weltraumfront des Kalten Krieges und seit seiner Reise zum erdnahen Raum 1961 lebender Beweis der KPdSU für die ideologisch proklamierte Überlegenheit des Kommunismus. Sein tragischer früher Tod katapultierte Gagarin direkt in die politische Ruhmeshalle der Sowjetunion und ihrer Trabanten-Staaten: als propagiertes Idol, als Namensgeber von Schulen und Straßen, als Konterfei auf Büchern, Magazinen und Briefmarken sowie auf ungezählten Denkmalen. - Ein solches stand auch seit fast sechs Jahrzehnten in der Sangerhäuser Straße in Artern, ehe das mannshohe Denkmal zu Beginn dieses Jahres im Rahmen der Umgestaltung des umgebenden Grünbereiches weichen musste. Seither befand sich der knapp eine Tonne wiegende Stein auf dem Bauhof, ehe dieser vor ein paar Tagen in die Werkstatt des Arterner Steinmetzbetriebes Marko Gödicke umzog (unser Bild). Dort wird das Denkmal derzeit gesichert und saniert; besonders werden die zwei arg verblichenen Inschriftenseiten fachmännisch behandelt und mit Farbe versehen, die ruinierte Denkmalspitze wird einer Reparatur unterzogen und auch der geklaute Sowjetstern kommt als Kopie wieder auf das Denkmal. - Nach Abschluss dieser Arbeiten, also bereits in absehbarer Zeit, wird der erste Raumfahrer Juri Gagarin seinen Ehrenplatz in Artern zurückerhalten. Die Kosten für die komplette Wiederherstellung des städtischen Denkmals übernimmt der Heimatverein ARATORA! Allerdings wird der sanierte Gagarin-Obelisk dann nicht mehr am angestammten Platz, den er seit der Setzung des Denkmals am 15. Juli 1961 innehatte, zu sehen sein. Er verbleibt aber trotzdem in der Sangerhäuser Straße. Dort wird der Stein weiterhin an den ersten Raumflug der Menschheit mahnen. Zur Erinnerung: Aus damals auch lokaler Begeisterung für den Oberst der Luftstreitkräfte und Helden der Sowjetunion firmierte diese Straße von 1961 bis 1991 als Juri-Gagarin-Allee.


Zufa Oldisleben

Dienstag, 22. Oktober 2019

Am vergangenen Wochenende stand das jährliche Treffen des Heimatvereins ARATORA mit dem Einbecker Geschichtsverein statt, wobei diesmal die niedersächsischen Freunde in Thüringen weilten. Treffpunkt war Oldisleben, Esperstedter Straße. Dort wurde am Vormittag, quasi bei schönstem Kampagnewetter, die Zuckerfabrik von 1872 besucht. Uwe Altsohn von der Südzucker AG nahm sich über zwei Stunden Zeit, die 15 interessierten Gäste durch das 1990 geschlossene und seither fast unberührt belassene, museale Werk zu führen (unser Bild). Das beeindruckende, weltweit einzige Industriedenkmal dieser Art hinterließ besonders bei den Einbeckern sichtbar Eindruck, der sich u. a. in zahlreichen Fragen und interessanten Gesprächen niederschlug. Nach kurzer Fahrt nach Bad Frankenhausen, wo das Mittagsessen eingenommen worden ist, führte der Weg dann hinauf zum Schlachtberg. Während einer einstündigen Führung im Panorama-Museum wurden ausgewählte Elemente des Rundgemäldes von Werner Tübke auf vorzügliche Weise erklärt und Einblicke in die Metaphysik dieses gigantischen Werkes gegeben. - Ein rundum gelungener und besonders zwischenmenschlich sehr angenehmer Tag klang dann im Ratskeller Artern bei Kaffee und Kuchen aus. Dort erfolgte auch die Einladung zur 125-Jahrfeier des Einbecker Geschichtsvereins im Mai nächsten Jahres, die dankend angenommen worden ist. Bis dahin ist sogar noch genügend Zeit, eine neue Buchveröffentlichung über Einbeck zu lesen, die Vereinsvorsitzende Dr. Elke Heege überreichte: „August Stukenbrok – Wirtschaftswunder der wilhelminischen Zeit“. Beleuchtet wird darin das Leben und Wirken von August Stukenbrok (1867-1930) in Einbeck, der mit seiner Fahrradmarke „Deutschland-Fahrrad“ und einem Versandhandel einst hohe Bekanntheit erreicht hatte. Im Jahr 2020 sind vom Partnerverein drei neue Publikationen geplant: eine über die 125jährigen Historie des Geschichtsvereins, zur vielbeachteten Mittelalter-Grabung im sog. Salpeterwasser in Einbeck sowie über eine gleichfalls mittelalterliche Wüstung nahe Einbeck.