Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Schachteln

Dienstag, 23. Juli 2019

Bereits in der letzten Juni-Woche konnte die Digitalisierung einer zu Beginn dieses Jahres entdeckten und im Frühjahr geborgenen Sammlung historischer Negativ-Fotoplatten im Format 9 x 6 Zentimeter vom Dachboden des Wohnhauses Wasserstraße 11 in Artern (vormals Fotograf Max Voigt) beendet werden. Nach Abschluss der Arbeiten wurden insgesamt 1.968 Dateien gezählt (d. h. 984 als Negative und 984 als relevante Positive), zusammen sind das 15,8 Gigabyte Datenmaterial bzw. über 88 laufende Meter gescannter Originalplatten! Hinzu kommen noch über sechs Dutzend Verpackungsschachteln, die aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustandes aber lediglich fotografisch erfasst worden sind (unser Bild). – In mehreren Etappen erfolgt nun die Aufarbeitung dieses einmaligen Fundes nach personenkundlichen und genealogischen sowie (para)militärischen Gesichtspunkten. Bild für Bild werden die Dargestellten zunächst in Zivilisten und Uniformierte unterschieden, danach die der Uniformen zugehörigen Organisationen ermittelt sowie die Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen bei Zivilisten als auch Uniformträgern erfasst. Gleichzeitig findet die Entzifferung der Namen als Schwerpunkt der Erfassung statt, bei der zunächst zwischen eindeutig lesbaren und zweifelhaften Namen unterschieden werden muss. Zuletzt wird ein Abgleich dieser Familiennamen mit den Arterner Adressbüchern der Jahre 1930 und 1939/40 vorgenommen. All diese Daten werden detailliert in Tabellen erfasst. – Angesprochene Arbeiten werden sicherlich bis in den Herbst andauern, ehe von deren (vorläufigem) Abschluss gesprochen werden kann. Eine Kostprobe der bis dahin absolvierten Analysen könnte aber schon zum Tag des offenen Denkmals 2019 öffentlich präsentiert werden, ehe im geplanten Hauptvortrag „neue“ historische Bilder aus Artern vorgestellt werden, die während der vergangenen Quartale den Weg zum Heimatverein ARATORA gefunden haben. Näheres hierzu später!


Kindergarten Saline

Dienstag, 16. Juli 2019

Die erfreuliche Nachfrage am aktuellen Bildband „Damals in Artern“ wird wohl perspektivisch das nächste Buch in dieser Reihe ermöglichen. Unter dem vorläufigen Titel „Historisches Artern – Ein Konvolut aus privaten Fotoalben und der Bildersammlung des Heimatvereins ARATORA“ ist deshalb dieser Tage die Arbeit zum mittlerweile vierten Bildband mit Fotografien aus der Vergangenheit unserer Stadt aufgenommen worden, dessen Erscheinen im Sommer nächsten Jahres vollzogen werden soll. Allerdings wird dieses Buch augenscheinlich anders! Und das aus gegebenem Grund, denn 2020 jährt sich die Neugründung des Heimatvereins ARATORA zum 30. Male. Deshalb wird der Umfang besagter Publikation verdoppelt und sich somit auf 256 Seiten bzw. rund 250 Abbildungen aus der Stadtgeschichte belaufen! – Diese Fotos rekrutieren sich aus mehreren mittelgroßen und kleineren Sammlungen sowie diversen Einzelbelegen, die uns in den vergangenen Quartalen bzw. ein bis zwei Jahren als Schenkung oder Leihgabe überlassen worden sind. In der Mehrzahl stammen diese Bilddokumente aus den 1920er bis 1980er Jahren, unser Foto hier zeigt den Kindergarten an der Saline zu DDR-Zeiten. Trotz der Fülle an vorliegenden, meist noch nie oder kaum veröffentlichten Bildern möchte der Herausgeber in 2020 gern weitere historische Fotos aus privaten Quellen veröffentlichen, die noch in überwiegend Arterner Familien vermutet werden. Um deren kurzzeitige leihweise Herausgabe wird deshalb sehr herzlich gebeten! Wie gehabt, wird jeder Spender namentlich im neuen Buch benannt. In diesem Zusammenhang sind allein die letzten Wochen zwei schöne Fotoalben mit Arterner Aufnahmen aus frühen DDR-Tagen (u. a. Errichtung der AWG-Blöcke, Spaziergänge auf dem Weinberg und an der Unstrut, in den Bahnhof einfahrender Personenzug der Kyffhäuser-Kleinbahn mit Dampflok) überlassen worden. Hinzu kam eine größere lokale Sammlung, bestehend auf Negativglasplatten!


Südharz und Kyffhäuser

Dienstag, 9. Juli 2019

Im renommierten, auf Veröffentlichungen aus der Naturkunde, Flora, Fauna und Geologie spezialisierten Verlag Quelle & Meyer wird voraussichtlich im Oktober ein Buch veröffentlicht, das hiesige Heimatfreunde, Hobbygeologen, Bergbauhistoriker und Interessierte bereits jetzt aufhorchen lassen sollte. Der Titel des angekündigten Werkes „Südharz und Kyffhäuser: Auf den Spuren der Vorzeit“ (unser Bild) verspricht jedenfalls schon vorab inhaltreichen Lesestoff, wobei die angesprochene Vorzeit in diesen Fall die erdgeschichtliche Vergangenheit meint. Der Verlag lässt vorab vermelden: „Der Harz – unser nördlichstes Mittelgebirge – ist geologisch und landschaftlich unglaublich vielfältig und abwechslungsreich. Während sich die Nordränder von Harz und Kyffhäuser abrupt aus ihrer Umgebung herausheben, geht der Harz im Süden sanfter, manchmal fast unmerklich in sein hügeliges Vorland über. Der Kyffhäuser, manchmal auch als „Kleiner Harz“ bezeichnet, liegt dem Harz südlich gegenüber. In dem vorliegenden Band werden Wanderungen und Aufschlusspunkte vorgeschlagen, die dem natur- und erdgeschichtlich Interessierten einen Eindruck der Geologie dieses Raumes vermitteln sollen. Dazu gehören die gefalteten variszischen Gesteine des Harzes, die vulkanischen Vorkommen im Ilfelder Becken, Zechstein-Abfolgen am Südrand des Harzes und die geologische Situation am Kyffhäuser. Ein eigenes Kapitel ist der Gips-Karst-Landschaft und ihren Erscheinungsformen zwischen Osterode und Mansfeld gewidmet.“ – Wir freuen uns schon jetzt auf dieses aus regionaler Sicht bestimmt sehr interessante Werk, das im Format 190 x 120 mm publiziert wird, 216 Seiten mit rund 100 Abbildungen umfassen und 16,95 Euro kosten soll. Nicht zuletzt soll hiesigen Freunden der Regionalgeschichte sowie regionaler Geologie mitgeteilt werden, dass mit dem in einem Vierteljahr erscheinenden „Südharz und Kyffhäuser – Auf den Spuren der Vorzeit“ die bereits vorliegenden und ebenfalls den Harz geologisch untersuchenden Bücher „Oberharz: Tiefe Gruben und hohe Rücken“, „Nordwestliches Harzvorland: Die Klassische Quadratmeile der Geologie“, „Nördlicher Mittelharz: Geologische Vielfalt rund um den Brocken“ und „Nordwestliches Harzvorland: Die Klassische Quadratmeile der Geologie “ komplettiert werden. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang das ebenso bei Quelle & Meyer erschienene Buch „Steinreicher Harz: Eine Gesteinskunde für Einsteiger und Fortgeschrittene“ als weiteren Buchtipp für Freunde der Erdgeschichte unserer Umgegend.


Familienforschung2019

Dienstag, 2. Juli 2019

Lange erwartet, liegt seit wenigen Tagen das vom Verein für Computer-Genealogie herausgegebene Magazin "Familienforschung – Ahnenforschung leicht gemacht – Computergenealogie für jedermann" für 2019/2020 vor (unser Bild)! Auf knapp 200 Seiten liefert dieses inhaltlich wie vom Layout her ganz hervorragende Druckerzeugnis für nur 9,80 Euro zzgl. Porto die ideale Einstiegslektüre in die Familienforschung, bietet aber auch fortgeschrittenen Genealogen durchweg wertvolle Informationen. Eine beiliegende DVD enthält zudem Demo- und Shareware-Versionen aktueller deutschsprachiger Genealogie-Programme, weiterhin Vorlagen für Ahnentafeln u.ä. zum Ausdrucken. – Um einen Überblick des Buches geben zu können, folgen nachstehend dessen Hauptkapitel: Grundlagen / Die klassischen Quellen / Recherche im Internet / Ordnen und Aufarbeiten / Sichern und Bewahren / Präsentieren / Hilfreiches / Software von A-Z. In dutzenden Unterkapiteln werden hier detailliert die jeweiligen genealogischen Hauptthemen konkretisiert. Sämtliche Seiten sind teils stark illustriert und mit zahlreichen Hinweisen und Tipps, Links und Weiterführungen aufgestockt. – Es ist eine Freude, in diesem sehr nützlichen Magazin zu blättern und dieses zu studieren, weil der Lesestoff derart zahlreiche Hinweise bietet, die es kennenzulernen bzw. zu beachten gilt; selbiges gilt ebenso für die beigefügte DVD. Interessierte, die das Magazin erwerben möchten, können dies beim Pferdesportverlag Ehlers in Bremen tun: http://www.shop.pferdesportverlag.de. Übrigens wird dort auch die Quartalsschriftschrift „Computer-Genealogie“ herausgegeben, deren Ausgaben auf unserer Homepage schon seit Jahren rezensiert werden. Das neue Buch "Familienforschung - Ahnenforschung leicht gemacht - Computergenealogie für jedermann", kombiniert mit der Vierteljahresschrift „Computer-Genealogie“, sind hervorragende, damit empfehlenswerte (und zugleich äußerst preisgünstige) Medien zur Unterstützung genealogischer Forschungen. Sowohl Anfänger wie auch Fortgeschrittene sollten diese Schrifterzeugnisse des Vereins für Computer-Genealogie regelmäßig lesen!


CG 2-2019

Dienstag, 25. Juni 2019

Das soeben publizierte Heft 2/2019 des Magazins für Familienforschung „Computer-Genealogie“ bietet wie stets abwechslungsreichen Lesestoff sowie zahlreiche Anregungen (unser Bild). Das aktuelle Schwerpunktthema umfasst diesmal Gestaltungsoptionen genealogischer Webseiten, die inhaltlich mit sieben Artikeln behandelt werden. Dieses Textgut stellt eine lehrreiche Hilfe für Familienforscher dar, die ihre Recherche-Ergebnisse gern online stellen möchten, zumal es verschiedenste Möglichkeiten hierzu gibt, so statische bzw. dynamische Seiten oder webbasierte Programme. – Im nächsten Block wird auf die inzwischen „allseits beliebte“ Datenschutz-Grundverordnung eingegangen, weiterhin auf die Online-Sicherung in Daten-Clouds. – Ein mehr als reizvolles Thema folgt dann mit dem Artikel „Schwarz-Weiß-Fotos kolorieren mit einem Klick“, wobei je nach Qualität der benutzten Software mehr oder weniger beeindruckende Fotos in Farbe „gezaubert“ werden können. Besonders in diesem Fall stellt sich die Gewissensfrage, ob es richtig ist, originale Bilder nachträglich in Farbe zu tauchen, oder ob diese Möglichkeit der Beeinflussung von alten Bildern nur eine weitere Manipulationsoption und damit (gutgemeinte) Verfälschung des Originals darstellt. Der Bericht „Einfärben selbstgemacht“ zeigt dann auf, dass bei der Kolorierung tatsächlich eine gehörige Portion Phantasie mitspielt, wenn es um die Auswahl der Farbgebung geht. – Sicher nicht jedermanns Sache in puncto Familienforschung, weil sehr speziell, ist das sich anschließende „Verwalten von DNA-Daten in Genealogie-Programmen am Beispiel von TNG [The Next Generation oft Genealogy Sitebuilding]“. – Diverse Kurzmeldungen, Aktuelles und kleinere Artikel runden das neue, sehr lesenswerte und hoch informative Heft der „Computer-Genealogie“ ab. Deren nächste Ausgabe erscheint am 20. September und wird sich dann der Thematik der Hilfswissenschaften widmen. – Nicht zuletzt und zu Recht auch mit Stolz verweist der Verein für Computer-Genealogie auf dessen neugestaltete Homepage https://www.compgen.de/, die hier unseren Interessierten gern empfohlen wird.


Glasplatte

Dienstag, 18. Juni 2019

Nachdem bedeutend schneller als gedacht mit über siebenhundert Negativglasplatten jetzt schon weit mehr als die Hälfte des einmaligen Dachbodenfundes einer fotografischen Sammlung mit Porträts von Arterner Einwohnern aus den 1930er Jahren, damals aufgenommen von Fotograf Max Voigt, gescannt und am Bildschirm invertiert worden ist (vgl. unsere aktuellen Meldungen vom 26. April und 28. Mai 2019), sind nun die ersten Arbeiten zur Identifizierung der schätzungsweise mehr als eintausend abgebildeten Personen angelaufen. Während das hochauflösende Einscannen eine überwiegend monotone Arbeit darstellt, ist hingegen bei der Eruierung der Namen, die sich mehrheitlich in kleinster und ausgeschriebener Handschrift auf den Ränder der Fotoplatten befinden, Einfallsreichtum bei der Erkennung und Findung bzw. dem peniblen Abgleich derselben mit den Arterner Adressbüchern von 1930 und 1939 erforderlich. Trotzdem es während der Arbeiten am Scanner zunächst gar nicht so aussah, schreitet das Entziffern und Identifizieren der rasch hingekritzelten Namen der damaligen Kunden im Atelier dennoch voran, trotzdem aber noch immer etliche davon arges Kopfzerbrechen infolge Unleserlichkeit bereiten. Doch die wichtigste Erkenntnis ist: So gut wie alle Abgebildeten wohnten damals in Artern, d. h. beinahe jeder notierte Name taucht in besagten Adressbüchern auf, besonders eben auch spezifische, die es nur in Artern gab bzw. gibt. Nicht einheimische Namen könnten von in Artern stationierten Arbeitsmaiden und Reichsarbeitsdienstlern her resultieren. – Nun werden parallel zum immer noch laufenden Digitalisieren der restlichen Bilder relevante Listen angelegt, mit deren Hilfe die Namen der Porträtierten den originalen Glasplatten eindeutig zugeordnet werden können bzw. vakante oder nicht entzifferbare Originale zunächst offenbleiben müssen. Bis all dies beendet ist, wird es aber noch dauern. – In einer späteren Etappe der Fotoauswertung könnte neben der Uniformenkunde (hier Militär, Hitler-Jugend, Bund Deutscher Mädel, Arbeitsdienst, Deutsches Rotes Kreuz) auch noch Phaleristik betrieben werden. Das ist die fachliche Beschäftigung mit Orden und ähnlichen Auszeichnungen, deren zahlreiche Exemplare an so manchen Hemden und Jacken der abgebildeten Arterner zu erkennen sind. Auch und besonders aus diesem Blickwinkel betrachtet, werden sicher noch viele interessante Erkenntnisse aus dem Bilderfundus zu erwarten sein. – Unsere Abbildung aus angesprochenem Nachlass von Fotograf Max Voigt in der Wasserstraße zeigt ein sehr schönes junges Fräulein in Uniform. Deren Familienname konnte als Sander entziffert werden.


Damals in Artern

Dienstag, 11. Juni 2019

Mit der Erstveröffentlichung des Buches „Damals in Artern“ zum Tag der Vereine am Sonnabend, 15. Juni 2019 ab 14.00 Uhr im Sole-Schwimmbad werden die bereits vorliegenden zwei Bildbände des Heimatvereins ARATORA von 2017 und 2018 mit weiterem lokalhistorischen Bildmaterial zur Trilogie ergänzt. Auf erneut 128 Seiten sind im neuen Buch interessante Fotos aus aus der Vergangenheit der Stadt Artern abgedruckt, die diesmal aus zwei hierfür überlassenen, großen Privatsammlungen zusammengestellt worden sind. Wie schon bei den Bänden zuvor wird auch bei der neuen Ausgabe das handliche Querformat A5 beibehalten. – Zeitliche Schwerpunkte der Darstellungen sind die 1930er und 1960er Jahre. Im Abstand von einer Generation aufgenommen, können anhand dieser Fotos seither vollzogene Änderungen im Stadtbild aufgespürt und gut gut nachvollzogen werden. Die Leser des neuen Buches erwarten u. a. diese Motive: Stadtansichten vom bzw. nach dem Weinberg, alte Inneneinrichtung des Sitzungssaals im Rathaus, Absturz eines Flugzeuges 1934, diverse Aufnahmen von Gebäuden und Häuserzeilen in der Neu- und Altstadt, Friedhof und Solegraben, Bau der AWG-Wohnblocks am Weinberg, Zuckerfabrik, Unstrut, Aratora-See usw. Bei den Fotos handelt es sich fast durchweg um Amateuraufnahmen, die noch nie veröffentlicht worden sind. Das Foto auf der Titelseite der Neuerscheinung zeigt den Blick von Westen aus auf die Schafgasse mit Krankenhaus (unser Bild), Rathaus und Marienkirche in den 1930er Jahren. – Der neue Bildband ist beim Heimatverein ARATORA ab dem 15. Juni bzw. im „Guten Buch“ in Artern ab dem 17. Juni 2019 erhältlich. Der Verkaufspreis von „Damals in Artern“ beträgt 12,00 Euro. Die Auflage beläuft sich auf 300 Exemplare!


Knipserhäuschen

Dienstag, 4. Juni 2019

Eines von mehreren noch zu erledigenden und daher bislang unter den Nägeln brennenden, ortsgeschichtlich wichtigen Schwerpunkten wurde kürzlich einer Lösung zugeführt: die Wiederherstellung des hölzernen Fahrkartenhäuschens vom Arterner Bahnhof (unser Bild). Dieses diente noch bis in die 1960er Jahre zur Kontrolle von Fahr- bzw. Bahnsteigkarten, d. h. ein Angestellter der Deutschen Reichsbahn entwerte, in besagter Bude stehend, die Billetts der Passagiere und Besucher, die zuvor am Schalter ihre Karten erworben hatten. Es ist zu mutmaßen, dass sich im weiterem Umkreis kein solches Relikt des historischen Eisenbahnwesens mehr erhalten hat. Umso wichtiger ist es, das historische Holzkonstrukt, das über Jahrzehnte hinweg und bis vorigen Herbst als Gartenhäuschen genutzt worden ist, wieder auf Vordermann zu bringen. – Nicht nur, weil er diese Bretterbude noch aus eigener Erinnerung kennt, hat sich nun dankenswerterweise unser Vereinsmitglied Hans-Joachim Bücher aus Weißwasser dafür begeistert, die Sanierung unter möglichst hoher Beibehaltung der originalen Bausubstanz zu übernehmen. Eine erste Inaugenscheinnahme erfolgte bereits Mitte Mai vor Ort auf dem Bauhof, im Sommer erfolgt dann die Abholung des Häuschens zu Generalüberholung in die Oberlausitz! – Bereits zuvor konnte anhand von mitgenommenen losen Brettern die Farbfolge des Häuschen identifiziert werden: über einer Ölimprägnierung zuerst braun, dann weiß und zum Schluss grün. Das lässt bereits auf langjährige Nutzung schließen. Grün war aber zuletzt nicht nur das „Knipserhäuschen“, auch der Absperrzaun zu den Bahnsteigen war früher in dieser Farbe bemalt. – Die Wiederherstellung soll, wenn das Objekt ausgetrocknet ist, über das Jahr erfolgen. Mit Ende der Arbeiten bzw. Rückbringung ist also erst 2020 zu rechnen. Wenn dies erfolgt ist, muss die mutmaßlich um die achtzig Jahre oder sogar noch ältere „Knipserbude“ vom Bahnhof Artern allerdings dauerhaft in einer trockenen Räumlichkeit, möglichst mit Publikumsverkehr, untergebracht werden.


Glasplatte

Dienstag, 28. Mai 2019

Die erwartet zeitaufwendigen Arbeiten zur Digitalisierung und Zuordnungen von ca. eintausend Negativfotoplatten sind mittlerweile aufgenommen worden, nachdem diese historischen Bildträger während Sanierungsarbeiten in Artern entdeckt und Mitte vorigen Monats dem Heimatverein ARATORA zur Verfügung gestellt worden waren (siehe aktuelle Meldung vom 26. April 2019). Die einzigartige Sammlung umfasst durchweg professionelle Porträtfotos aus der Mitte der 1930er Jahre (unser Bild) und stellt mutmaßlich Personen aus Artern und Umgebung dar. Die Glasplatten sind mit dem zeitgenössischen Equipment eines Fotografen hergestellt, in dafür geeignete Pappkartons hinterlegt, irgendwann auf den Dachboden gebracht und im Laufe der Zeit wohl vergessen worden. Inzwischen konnte zumindest der mutmaßliche Urheber sämtlicher Bilder ermittelt werden: Fotograf Max Voigt, damals wohnhaft in der Wasserstraße 11 und ebendort sein Handwerk ausführend. – Nach rund acht Jahrzehnten hatte sich sukzessive eine Staubschicht auf den Objekten abgelagert, am hartnäckigsten jedoch sind die durch jüngste Bauarbeiten verursachten Verunreinigungen der Verpackungsschachteln bzw. losen Bildträger. Deswegen wird nun Platte für Platte mit einem weichen Pinsel trocken gesäubert, wobei lose Schmutzanhaftungen und Ausblühungen am Glas beseitigt werden. Danach werden die Objekte einzeln hochauflösend gescannt und am Bildschirm invertiert. Mit letzterem Vorgang wandeln sich die Negative automatisch in digitale Positive um. Im Anschluss werden die Ansichten noch mittels Software geschärft. Beim Scannen wird beachtet, dass die auf dem Rand der Negativplatten handschriftlich notierten Namen zwecks späterer Zuordnung mit erfasst werden. – Zwanzig Kartoninhalte wurden bereits gescannt, jedoch noch mehr dreimal so viele, zzgl. vieler Einzelplatten ohne Umhüllungen, harren noch der elektronischen Erfassung! Die geschilderten Arbeiten werden sich deshalb wahrscheinlich noch bis in den Spätsommer hinziehen. Dann liegen hoffentlich sämtliche Originalfotos als Bilddateien vor, die dann anhand der vermerkten Namen weiterbearbeitet werden. Wohl erst im Herbst wird entschieden, wie und wann eine öffentliche Präsentation erfolgen soll. Der Entschluss, die personengeschichtlich und genealogisch bedeutsame lokale Sammlung nach deren kompletter Digitalisierung in Gänze entwickeln zulassen, damit diese dann auf Fotopapier vorliegt, steht wenigstens bis dahin noch aus, obwohl Kostengründe eher gegen diese Ausführung sprechen.


Franke-Straße

Dienstag, 21. Mai 2019

Ein unerwarteter Anruf und ein sich anschließendes, sehr angenehmes Telefonat brachte kürzlich nicht nur erfreulichen Kontakt zu einer vor zwei Jahrzehnten aus Artern fortgezogenen Dame, sondern auch die Mitteilung von einem bei ihr befindlichen Fotoalbum mit Aufnahmen aus der Vergangenheit Arterns. Dieses war einst auf einem Trödelmarkt erworben worden und sollte nun in die alte Heimat zurückkehren, „weil es dort am besten aufgehoben sei“, so die Besitzerin. Gesagt, getan: Nur wenige Tage später brachte die Post die angekündigte Sendung. Deren Inhalt entpuppte sich, wie angekündigt, als ein hübsch illustriertes Album, tituliert als „Meine Vaterstadt Artern 1865-1933“. Es ist seinerzeit von Heinrich Johannes Eugen Neisen angefertigt worden, der zwar im Album nicht namentlich genannt ist, jedoch aufgrund seines im Titel mitgeteilten Geburtsjahrs (1865) als Urheber ermittelt werden konnte. – Der Name Neisen (mitunter auch Neißen oder Neissen) verbindet sich in Artern gemeinhin mit einem altbekannten und traditionsreichen Ladengeschäft in der Wasserstraße. Eine dem Fotoalbum beigefügte große Visitenkarte mit rückseitiger Darstellung des 1873 gegründeten Eisenwerks Brünner allerdings wurde „Ueberreicht durch Direktor Neisen“; ein Druckbeleg, dessen Aussage noch überprüft bzw. ergänzt werden muss, zumal auch einige Bildunterschriften auf dieses Werk als Arbeitsstätte von Heinrich Johannes Eugen Neisen hindeuten. – Bekanntlich hatte zum 1. Juli 1855 der damalige Geschäftsführer Johann Heinrich Neisen die alleinige Inhaberschaft (zuvor Sophie Remertz) des später gleichnamigen Ladens für Metallwaren in der Wasserstraße 4 käuflich erworben und fortgeführt. Da dieses Geschäft, zwar mit zwischenzeitlich teils verändertem Angebot, noch immer besteht, ist es als aktuell langlebigstes in Artern ansprechen, zumal dessen Gründung sogar noch rund zwanzig Jahre älter ist, somit in die 1830er Jahre fällt. – Als bildliche Darstellungen wurden in das angesprochene Album eingeklebt: Blick vom Weinberg auf Artern, Ansicht des Rathauses, Zeichnung des Goethe-Ahnenhauses, Spaziergang an der Unstrut, Solebach mit Friedhofsmauer, Grabstätte der Familie Neisen in Artern, Geschäft Neisen in der Wasserstraße, Gesamtansichten sowie Verwaltungsgebäude des Eisenwerks Brünner, Wohnhaus in der Hermann-Franke-Straße (unser Bild), Altersbildnis von Heinrich Johannes Eugen Neisen mit Haustieren, Bismarckplatz mit Heldendenkmal, Unstrut bei Sachsenburg, Kyffhäuser-Denkmal sowie eine bunte Werbezeichnung für Dämpferanlagen von Brünner. Wenigstens einige dieser Abbildungen werden sicherlich in einer der nächsten Veröffentlichungen des Heimatvereins ARATORA zur Arterner Ortsgeschichte Einzug berücksichtigt werden.


Wasserstraße 11

Dienstag, 14. Mai 2019

Bis Ende Februar 2019 schien es, als ob das zur Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Wohnhaus Wasserstraße 11 auch künftig sein Dasein als Ruine fristen würde. Zwar waren bereits im Januar 2017 in dem zum Grundstück gehörenden, sich zur Alten Poststraßen hinziehenden Gebäudetrakt Abrissarbeiten zur Schaffung von Baufreiheit im Gange gewesen, doch traten danach zunächst zwei weitere Jahre der Ruhe ein. Schlagartig änderte sich aber diese Situation, als Bauarbeiten begannen, die sich bis Ende April dieses Jahres hinzogen. Zwischenzeitlich wurden das alte Dach und der marode Dachstuhl komplett entfernt bzw. neuerrichtet und gedeckt sowie neue Mauern hochgezogen. Eine frische Bodendecke entstand und besonders die Außenfassade wurde hergerichtet. Nebenher wurden die Zimmer ausgeräumt und im Gebäude Baufreiheit geschaffen. Die historische Holztreppe zum ersten Geschoss blieb erhalten. – Nun, nachdem die Bautrupps vorerst abzogen sind, präsentiert sich das historische Wohngebäude bereits in nicht geahntem, neuen Glanz (unser Bild). Bis zur „Wendezeit“ war dort eine Näherei ansässig, während der 1930/40er Jahre lebte dort Elektromeister Paul Zscheutzel. – Die aktuellen Sanierungsarbeiten orientierten sich überwiegend an der vorhandenen Bausituation, und spätestens nach Einsetzen neuer, in hellem Grau gehaltener Holzfenster fühlte sich der Betrachter endgültig in die Vergangenheit, zur Blüte der Wasserstraße als eine der früheren Hauptadern von Handel und Handwerk in Artern, zurückversetzt. Durch unternehmerisches Engagement sowie hohen handwerklichen Aufwand ist jetzt schon ein bauliches Schmuckstück, wie es sich einst zu besten königlich-preußischen Zeiten präsentierte, auferstanden. Zwar wird es noch dauern, bis die ersten Bewohner dort einziehen können, denn noch stehen zahlreiche Arbeiten aus, doch bereits jetzt trägt das wiederhergestellte Gebäude mit freundlicher heller Fassadenfarbe, frischem rotem Dach sowie mit Schiefer beschlagenen Gauben maßgeblich zur Verschönerung des gesamten Straßenzuges bei.


Kyffhäuser-Broschüre

Dienstag, 7. Mai 2019

Für Kunstfreunde und historische Interessierte ist die Reihe „Kleiner Kunstführer“ aus dem renommierten Verlag Schnell & Steiner in Regensburg längst zu einer Institution geworden. In knapper, dennoch fundierter und stets ansprechender Form werden dort u. a. Kirchen, Klöster, Schlösser, Bürgen, Museen, Städte und Landschaften porträtiert. Mittlerweile ist so über die Jahrzehnte hinweg eine europäische Denkmal-Topographie entstanden, die noch immer anwächst. Die Texte dieser Reihe sind verständlich und flüssig geschrieben; sie sind kurz genug, auch während der Zeit des Besuches gelesen zu werden, und beinhalten dennoch das Wichtigste an Informationen. – Eben dies trifft auch und besonders auf die zu Ostern erschienene, stark überarbeitete Neuauflage (die 16. Auflage insgesamt!) von „Das Kyffhäuser-Denkmal“ aus der Feder von Peggy Große zu (unser Bild), die nun mit 4.500 Exemplaren, zzgl. 1.500 Heften in englischer Sprache, vorliegt. Erstaunlich an dieser Publikation ist, trotz der relativen Knappheit des Platzes, die angebotene Datenfülle über die drei mittelalterlichen Burgen, den Bau des Kaiser-Denkmals und die Informationen zum Monument selbst. Der Schriftteil wird hervorragend ergänzt von sehr guten bis ausgezeichneten Abbildungen, die die Objekte sowie das Gelände nach der Sanierung vor mittlerweile einigen Jahren zeigen. Kompakter sind Geschichte, Bau, Charakter und kunstgeschichtliche Stellung bzw. Errichtung und Nutzung eines Denkmals wie des Kyffhäusers seit dessen Grundsteinlegung 1888 kaum darstellbar. Auch deshalb gehört der Kleine Kunstführer Nr. 2061 in jede heimatgeschichtlichen Sammlung. Das Softcover-Heft mit dem Abmaßen 12 x 17 Zentimeter umfasst 48 Seiten, ist mit 25 farbigen und zwei schwarzweißen Abbildungen, weiterhin mit einem Lageplan und einer Zeittafel illustriert. Zum Preis von vier Euro kann es über jede Buchhandlung unter Angabe der ISBN 978-3-7954-5791-4 bestellt werden.


Fernsehturm

Dienstag, 30. April 2019

Unseren Besuchern zunächst einen schönen morgigen Feiertag! Als passenden historischen Gruß hierzu fügen wir unserer heutigen Meldung ein Foto von zwei Eintrittskarten für Kinder zum Besuch des Cafés auf dem Fernsehturm im Kyffhäusergebirge bei (unser herzlicher Dank für die Übermittlung geht an Vereinsmitglied Hans-Joachim Büchner in Weißwasser). Der Nachwuchs zahlte damals 50 Pfennige, und Erwachsene durften eine Mark für die schöne Fernsicht von der Plattform auf dem Kulpenberg ausgeben. Versüßt wurde der Besuch mit Kuchen und teurem Import-Kaffee im von der HO Artern betriebenen Café. Stolz verkündet die Eintrittskarte zudem: „1. Fernsehturm-Café der DDR. Eröffnet am 1. Mai 1964“. Das ist am morgigen Tag also 55 Jahre her; ein schönes wenngleich leicht krummes heimatliches Jubiläum! Und vielleicht auch eine Anregung, sich am bevorstehenden Feiertag, zwar nur noch von ebener Erde aus, mal wieder den Fernsehturm anzuschauen, der zwischen 1959 bis 1964 als Wahrzeichen der neuen Zeit und politisch-fortschrittliches Gegengewicht zum benachbarten Kaiser-Denkmal auf 94 Meter hochgezogen worden ist. Dessen Hauptaufgabe war die einer Relaisstation zwischen den Stationen auf dem Petersberg bei Halle/S. bzw. den Sendern auf dem Inselsberg und dem Brocken. Um die 200.000 Touristen besuchten Jahr für Jahr den Turm mit dem Café in 78 Meter Höhe sowie eine berühmt-berüchtigt gewesene Selbstbedienungsgaststätte zu dessen Füßen. Heute ist das nähere Gelände um den Turm, der von der Deutschen Funkturm GmbH als Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom betrieben wird, nicht mehr zugänglich. Bleibt also leider nur der wehleidige Blick aus gebotener Ferne auf das aber nach wie vor sehr markante und imposante Bauwerk auf dem Kulpenberg. – In eigener Sache: Umständehalber und bis auf weiteres werden die aktuellen Meldungen mit Neuigkeiten aus der Forschung zur Stadt- und Regionalgeschichte ab heute auf nur noch eine Nachricht pro Woche reduziert. Die Veröffentlichung erfolgt nunmehr jeweils am Dienstag!


Glasplatten

Freitag, 26. April 2019

Ein völlig unerwarteter, geradezu phantastischer Fund aus der jüngeren städtischen Vergangenheit Arterns wurde dieser Tage sichergestellt: zahlreiche längst vergessene Pappkartons, die ganz offensichtlich bereits seit sehr langer Zeit ihrer Entdeckung unter dem Dach eines alten Hauses harrten! Deren erstaunlicher Inhalt: Negativglasplatten! Vom aufmerksamen Eigentümer entdeckt und von Handwerkern sichergestellt, wurden die Schachteln dem Heimatverein ARATORA übergeben! – Da standen sie nun in zwei ausgedienten Tomatenketchup-Eimern, an die 50 kleine Kartons mit jeweils etwa zehn bis fünfzehn Glasplatten im Format einer Zigarettenschachtel, alles in allem also rund 500 bis 750 Negative (unser Bild). Und nur einen Tag später konnte ein weiterer Eimer (ca. 25 Pappschachteln und zahlreiche Einzelplatten, also zusätzliche rund 400 Stück, sichergestellt werden; diesmal jedoch als „Selbstabholer“ auf einer fünf Meter hohen, leicht schwankenden Leiter hin zu besagtem Überboden! – Eine erste, noch ganz grobe Sichtung erbrachte folgendes Resultat: Bei den bislang in ungünstigster Umgebung befindlich gewesenen und trotz überstandener rund 80 Sommer und Winter dennoch erstaunlich gut erhaltenen Negativen handelt es sich durchweg um professionell hergestellte Porträts aus der NS-Zeit. Abgebildet sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Brustaufnahmen. Die Personen sind überwiegend angetan in Zivil, jedoch auch in Uniform mit damals validen Kennzeichen und Emblemen. Doch der Clou ist, dass an sehr vielen Platten in kleinster Schrift der Name des jeweils Abgebildeten sowie eine Registratur angebracht sind, beide allerdings teils nur noch schlecht lesbar. Einige Familiennamen mit eindeutigem Bezug zu Artern konnten schon ermittelt werden. Andere Namen sind mit Sicherheit keine, deren Träger in Artern heimisch waren, wohl aber aus der näheren Umgebung stammen dürften. – Wie anders, wenn nicht als Sternstunde der hiesigen Stadt- und Regionalgeschichte, Genealogie sowie volkskundlichen Forschung könnte man einen solch umfangreichen Fund mit um die 1.000 Fotografien bezeichnen? Auch seitens des Stadtarchivs Artern kam bereits Unterstützung durch Überlassung lange Blechkisten zur dauerhaften Ablage der Originalplatten. Doch bis es soweit ist, steht in den nächsten Monaten noch unglaublich viel Arbeit an: Die Platten müssen Karton für Karton einzeln und sehr vorsichtig trocken gereinigt und danach äußerst hochauflösend gescannt und invertiert werden. Hinzu kommen am Bildschirm ggf. noch die Angleichung von Helligkeit und Kontrast bzw. die Bildschärfung. Danach erfolgen die Ausrichtung und das Beschneiden der Digitalisate, ehe jeweils der vermerkte Name auf der Originalplatte der entsprechenden Bilddatei zugeordnet wird. Die so bearbeiteten Scans könnten später öffentlich gezeigt werden, um dadurch vielleicht noch weitere Details über die damals Porträtierten ermitteln zu können. Nebenbei wäre zu recherchieren, warum die zahlreichen Schachteln überhaupt am Fundort verstaut (versteckt?) worden waren, da in den 1930er Jahren im Haus, wo besagte Entdeckung gemacht worden ist, nachweislich ein Handwerksmeister wohnte und eben kein Fotograf, wie vielleicht vorab zu schlussfolgern gewesen wäre.


Luisenstraße 15

Dienstag, 23. April 2019

Die Bausubstanz jedweder Siedlung oder Stadt stellt einen historisch gewachsenen und sich stets veränderten Komplex dar. Das heißt: Häuser und Nebengelasse, ebenso Straßen, entstehen im Laufe der Zeit oder vergehen wieder, womit sich zwangsläufig das kommunale Gesamtbild sukzessive ändert. Das war und ist in Artern nicht anders, da aktuell hier ebensolche Umformungen stattfinden, zumeist allerdings als Gebäudeabrisse, weniger als Sanierungen oder Neubauten. – Jüngstes Beispiel für dergleichen Veränderungen scheint der markante Klinkerbau auf dem Grundstück Luisenstraße 15 zu sein, in dessen nördlicher Dachseite bereits seit einiger Zeit ein großes Loch klafft bzw. auch schon weitere Eingriffe in die Substanz des Gebäudes vorgenommen worden sind. Die Bauzeit des Hauses ist um 1885 anzusetzen, also ungefähr zeitgleich mit den roten Backsteinhäusern in der Luisen-, Weinberg- und Magdalenenstraße. Damals wohnten dort die Familien Liebau, Pippig und Schuster. Unser Bild zeigt das Haus von der Südseite ungefähr zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Allein der über drei Stockwerke plus Dachgeschoss hohe Baukörper aus Klinkersteinen wirkt noch immer imposant, gekrönt von einem mittigen Zwerchdach und zwei großen Dachgauben. Markant ist auch die nicht bauzeitliche Doppelveranda über zwei Stockwerke an der Ostseite. – Definitiv geplant ist der Abriss der Ruine des Wohnhauses Wasserstraße 9. Noch in diesem Jahr soll der Rückbau dieses Gebäudes erfolgen (dessen Bauantrag von Gerbermeister Hermann Brambach datiert von 1856, danach Schuhfabrikant Hermann Franke uns nach diesem Ingenieur Otto Bach). Nach erfolgter Begehung besagten Grundstücks konnte seitens des Heimatvereins ARATORA festgestellt werden, dass das Haus im Inneren und im Hofbereich zu großen Teilen bereits völlig eingefallen ist, zudem gehen vom maroden Dach Gefahren aus. Interessante historische Details dürften dort im Kellerbereich als dem ältesten Teil der Bebauung zu erwarten sein. Mit der Niederlegung des Gebäudes wird allerdings auch die schmale, bereits sehr alte Gasse zwischen der Wasser- und Alten Poststraße, die früher vielleicht die Funktion einer Brandschneise innehatte, in ihrer Gesamtheit in Mitleidenschaft gezogen. – Nicht zuletzt steht weiterhin das vormalige Poppesche Grundstück in der Harzstraße 22 im mittelalterlichen Judenviertel von Artern vor dem Abriss. Auch hier dürfte für die Bauforschung und u. U. die Archäologie der Kellerbereich und dessen Umfeld von erhöhtem Interesse sein.