Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Wendelstein um 1925

Dienstag, 24. August 2021

Eine ganz besondere Überraschung wurde dem Heimatverein ARATORA aus Roßleben zuteil: die schenkungsweise Überlassung einer Sammlung historischer Negativglasplatten, insgesamt 30 Stück in einer eigens dafür angefertigten Kiste. Auf diesen zerbrechlichen Bildträgern sind einmalige Darstellungen zu erkennen, nämlich u. a. die Errichtung der modernen Straßenbrücke über die Unstrut bei Wendelstein im Jahr 1927; zuvor führte ein altersschwache Holzbrücke über den Fluss. Diese einmaligen und heimatgeschichtlich hochwichtigen Fotos hatte Christian Lucke (1871-1930), einem Südharzer Kind aus Wippra und später Müller der Unstrut-Mühle zu Wendelstein, gemacht. - Noch ist nicht allzu viel zu erkennen, was bei Negativen allerdings nicht sehr verwunderlich ist, jedoch lassen erste probehalber gemacht Scans mit anschließender Invertierung der Bilddateien historisch einiges an Details zur Brückenbau- und Flussgeschichte sowie zur Vergangenheit der Mühle und Schleuse bei Wendelstein erwarten. - Die weitere Verfahrensweise mit diesen Fotoplatten ist voraussichtlich folgende: Die Objekte werden in einer bekannten Firma, die sich auf die Digitalisierung alter Aufnahmen spezialisiert hat, entsprechend bearbeitet und dann als hochauflösende Bilddateien retour nach Artern geschickt. Dann stehen die fast 100jährigen Bilder zur weiteren Verwendung zur Verfügung, z. B. zum Präsentieren bei öffentlichen Veranstaltungen oder zur Illustrierung für den Fortsetzungsband unseres Unstrut-Buches von 2015, dessen Herausgabe nur scheinbar aus den Augen verloren worden ist! - Unser Bild zeigt ein Foto um 1925 mit Darstellung des Schlosses Wendelstein über der Unstrut aus dem Archiv eines befreundeten Sammlers.


Skizze

Dienstag, 17. August 2021

Bis zum Ende des ersten Quartals vergangenen Jahres stand die Erarbeitung einer Publikation zur Geschichte des Arterner Kronengartens auf der Agenda des Heimatvereins ARATORA. Dann kamen Corona und noch ein paar andere Unwägbarkeiten, die die Erstellung zeitlich leider stark in die Länge zogen. Vor kurzem wurde aber die Arbeit hierzu wieder aufgenommen, um möglichst bis zum Jahresende 2021 oder Anfang 2022 zum Abschluss, d. h. zur Veröffentlichung zu kommen. Das Manuskript des im Format A4 geplanten Buches ist bereits weit vorangeschritten und umfasst derzeit rund 80 Textseiten. Die Anzahl der zu publizierenden Abbildungen beläuft sich auf über 200. Die bereits vorliegenden Texte werden in den nächsten Wochen letztmalig Korrektur gelesen, ebenso die Bildunterschriften. Danach hat unsere Layouterin viel Arbeit, um der angestrebten Veröffentlichung ein optisch ansprechendes Äußeres zu verpassen. - Wenn es die Umstände zulassen, könnte im Herbst vorab eine öffentliche Bilderpräsentation vorgenommen werden, um die verwendeten Fotos und Faksimiles öffentlich vorzustellen bzw. „Appetit“ auf das angekündigte Buch zu machen. Dessen Arbeitstitel lautet übrigens (gemäß des Textes auf der verschollenen Spruchtafel): „Hier in der Krone altem Haus…“. Interessierte können sich auf eine Vielzahl von Informationen und Daten aus drei Jahrhunderten freuen, ebenso auf zahlreiche private Fotos, die mehr als ungewohnte Einblicke gestatten. Unser Bild zeigt eine alte Lageskizze des Kronengartens an der vormaligen Sackgasse.


Kalender 2022

Dienstag, 10. August 2021

Das Interesse am erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Bildband „Arterner Momente“ entsprach nicht nur den Hoffnungen des Herausgebers, sondern wurden sogar weit übertroffen; das Buch steht kurz vor dem Ausverkauf! Dieser Umstand macht Mut für weitere Publikationen, war doch die Besorgnis, dass mit Schließung des „Guten Buches“ im Herbst vergangenen Jahres der Einbruch von Verkaufszahlen einher gehen könnten, völlig unbegründet. Der Heimatverein ARATORA dankt herzlich für dieses unglaubliche Interesse, auch für zahlreiche lobende Worte sowie etliche aufgerundete Geldbeträge beim Buchkauf, die als Spenden in die beabsichtigte Sanierung des „Versteinerten Baums“ vor der Veitskirche fließen werden. - Der nächste Bildband mit alten Arterner Fotos ist bereits in Arbeit und wird erneut viele, noch nie publizierte Bilder aus privaten Beständen enthalten. Unter anderem steht bereits das Titelfoto dieses noch vor Ostern 2022 erscheinenden Buches fest: Blick aus einem längst abgerissen Wohnhaus auf dem Standort der heutigen Blocks in der Straße der Jugend über die Dachlandschaft hin zum Oberen Hof mit Wohnhaus Ritterstraße Nr. 7 und Giebelansicht der benachbarten Scheune. - Die nächste gute Nachricht: Auch für das historische Fotomaterial künftiger Veröffentlichungen ist zwischenzeitlich gesorgt! Eine Privatsammlerin möchte ihre über 600 alte Aufnahmen umfassende Kollektion historischer Fotos und Ansichtskarten aus Artern dafür zur Verfügung stellen. Unter diesen erfreulichen Umständen scheint mittelfristig die Herausgabe neuer Bildbände sowie von Arterner Nostalgie-Kalendern umfänglich gesichert zu sein. - Unser Bild zeigt vorab den Titel unser noch ausstehenden, jüngsten Publikation: den erstmals zum Heimat-Shopping-Tag am 11. September sowie zum Zwiebelmarkt am 2. und 3. Oktober 2021 erhältlichen Nostalgie-Kalender „Artern vor einem Vierteljahrhundert“ für das Jahr 2022 (Einzelheiten demnächst). Vorbestellungen hierfür werden ab sofort gern entgegengenommen.


Gemälde

Dienstag, 3. August 2021

Ein Fahrweg mit Tradition in der Arterner Neustadt ist die Fräuleinstraße, früher als Hengstgasse bezeichnet. Ein neues lokalhistorisches Kolorit erhielt kürzlich das dortige Grundstück Nr. 17. Hier wohnt bereits seit einigen Generationen Familie Altrock, und in deren Auftrag hat der Maler Hans Tempel aus Roßleben (auf unserem Bild noch während der Arbeit Ende Juni 2021) eine Darstellung angebracht, die an die lange landwirtschaftliche Tradition dieses Hofes erinnern soll: An der Mauer eines vormaligen Stallgebäudes ist ein pflügender Bauer mit Zugpferd wiedergegeben. Vor dem Landmann erstreckt sich die Silhouette der Stadt Artern mit Rathaus und Marienkirche. - Noch bis in die DDR-Zeit war dieser Hof eng mit der Landwirtschaft in und um Artern verbunden, wie historische Fotos noch immer eindrucksvoll beweisen. Wohl bis in die 1960er Jahre waren demnach Pferde von dort als Arbeitstiere auf den Äckern unterwegs. Heute beschränken sich die tierischen Bewohner dieses alten Gehöfts auf Kaninchen, die dort gezüchtet werden. – Wichtige Eckpunkte aus der Stadtgeschichte besagen, dass der Hof Fräuleinstraße 17 im großen Stadtbrand 1683 beschädigt und danach wieder aufgebaut worden ist. Salinegründer Johann Gottfried Borlach ließ dort ein knappes halbes Jahrhundert später eine sog. Salzniederlage für die Saline einrichten, evtl. befand sich dort auch zeitweise die Verwaltung des Salzwerks. Familie Altrock ist seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dort ansässig, frühere Bewohner wurden vom Heimatverein ARATORA bereits ermittelt. - Die in obigem Bild mitgeteilte Jahreszahl 1683 bezieht sich auf die wohl früheste schriftliche Erwähnung des Hofes als Teilruine nach dem letzten großen Stadtbrand. Das zugehörige große Wohnhaus war ursprünglich ein Fachwerkbau, der jedoch bereits lange vor dem Weltkrieg verputzt worden ist. Das gesamte Anwesen wurde vor etlichen Jahren mit sehr viel Aufwand saniert. Kaum eine weitere mittelgroße Hofanlage in Artern hat sich bis heute in dieser historischen Komplexität erhalten.


Wasserstein saniert

Dienstag, 27. Juli 2021

Nachdem der Heimatverein ARATORA bereits am 26. Juni 2021 den umfangreichen Artikel „Land unter vor 150 Jahren – Das große Unstrut-Hochwasser von 1871 hinterließ katastrophale Schäden“ in der Thüringer Allgemeinen (Kyffhäuser-Allgemeine) veröffentlicht und dem Text mit Bedacht ein aktuelles Foto vom leidigen Zustand des Wassersteins am Solbach bei Ringleben beigefügt hatte, kam am vergangenen Donnerstag endlich Bewegung in die Wiederherstellung dieses seltenen Kleindenkmals; wenngleich mit etwas Verspätung. In Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde und der Stadt Bad Frankenhausen wurde seitens des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz nun eine neue Tafel am Denkmal angebracht, die den bislang kaum mehr entzifferbaren Text wieder lesbar macht: „GEDENKSTEIN der großen Ueberschwemmung am 28. Juni 1871“ (unser Bild). Damit nehmen die mittlerweile bald zwei Jahrzehnte andauernden Bemühungen – besonders unseres Vereinsmitglieds Dr. Mathias Deutsch aus Erfurt, der sich stets vehement für den Erhalt des Steins eingesetzt hatte – ein vorläufiges Ende. Nachdem noch eine Sitzgruppe sowie Infotafel installiert worden sind, gibt es eine offizielle Übergabe.


Grabstein

Dienstag, 20. Juli 2021

Wer genealogisch in der Region zwischen Kyffhäuser und Goldene Aue forscht, kommt auf kurz oder lang an den Kirchenbüchern der Gemeinde Voigtstedt nicht vorbei, zumal diese besonders weit in die Vergangenheit reichen. Das große Manko ist, dass es keine Register gibt, was die Forschung arg erschwert. Eine diesbezüglich relevante, außerordentliche Fleißarbeit, die künftig die Familienforschung in Voigtstedt beutend erleichtern dürfte, wurde vor kurzem dem Heimatverein ARATORA zur Verfügung gestellt: das Register der Eheschließungen von 1584 bis zunächst 1803 – das sind weit über zwei Jahrhunderte! Die zeitlich jüngeren Eheeinträge für das 19. Jahrhundert werden in absehbarer Zeit noch ergänzt, ein Register der Geburten bzw. Taufen in Voigtstedt ist bereits in Arbeit. Hinsichtlich der mittelfristigen Generierung eines Registers der Toten und Begrabenen steht derzeit noch eine Entscheidung aus; passend hierzu unser Bild, das einen historischen Grabstein für ein Kind zeigt, aufbewahrt in der Kirche zu Voigtstedt. – Die Erstellung der einundvierzig A4-Seiten umfassenden Hochzeiten-Registratur ist umso verdienstvoller, als dass sich die verblichenen Voigtstedter Pfarrer nur selten einer auf den ersten Blick eindeutig lesbaren Handschrift bedienten. Entsprechend stehen hinter dem einen oder anderen Namen noch immer Fragezeichen; doch ist das in der Forschung bekanntlich opportun. Mittels Suchfunktion kann das digital vorliegende Dokument leicht nach Namen, Orten oder Jahreszahlen durchkämmt werden (immer mit der Maßgabe, dass die Schreibweisen damals variierten). Anfragen zu Einzeleinträgen im angesprochenen Eheregisters können ab sofort an den Heimatverein ARATORA gestellt werden; eine Überlassung der kompletten Datei für eigene Recherchen ist allerdings noch nicht möglich!


CG 2-2021

Dienstag, 13. Juli 2021

Die aktuelle Ausgabe des Magazins „Computer-Genealogie“ liegt vor (unser Bild) und steht unter einem besonders spannenden und komplexen Leitthema, wie schon die große Lupe über einer Computertastatur symbolisch andeutet: die Ahnen- und familiäre Spurensuche im Internet. Der erste Artikel befasst sich mit potentiellen Quellen jenseits der Kirchenbücher und listet diese auf: von Adressbuch bis Zivilprozessakten. Im Anschluss wird explizit die Suche in Online-Präsenzen von Archiven im Netz behandelt, danach die allgemeine Spurensuche im Internet in den Fokus genommen. Hinzu kommt ein Bericht über die Ahnensuche in Genealogie-Portalen. Der Aufsatz „Was hat Großvater im Krieg gemacht?“ nimmt sich der Forschungen in militärischen Akten an, z. B. über die Wehrmachtauskunftsstelle (WASt). Jenseits alle Recherchen werden danach neueste Software vorgestellt, mit deren Hilfe alte Fotos fast lebensecht rekonstruiert bzw. längst verstorbene Personen digital sogar wieder „zum Leben erweckt“ werden können! Im Anschluss stehen Leserfragen zur DNA-Genealogie im Mittelpunkt. Vorgestellt werden dann die Programme Reunion Version 13, GES-2020 und Ahnenblatt. Als historischer Rückblick wird diesmal der November-Aufstand 1831 in Polen dargestellt. Forschungen über ein altes Foto führte im nächsten Artikel einen Forscher zu Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg, während danach in einer Nachlese ein experimentelles Programm vorgestellt wird, mit dessen Hilfe Ahnen wie auf einer topografischen Karte dargestellt werden können. Diverse Kurzmeldungen und Mitteilungen aus der Welt der Familienforschung beenden die besonders ergiebige Sommerausgabe der Zeitschrift „Computer-Genealogie“. Im September werden dann als genealogisches Hauptthema „Wanderungen von Ost nach West“ betrachtet.


Hainleite

Dienstag, 6. Juli 2021

Aus dem Verlag Rockstuhl in Bad Langensalza ist eine Neuerscheinung mit explizit regionalem Bezug zum Kyffhäuserkreis zu vermelden: „Wilderei, Jagdunfälle und sonstige Ereignisse in den Wäldern der Hainleite“ (unser Bild). Autor ist der ehemalige Revierförster Wolfgang Wolf aus Kleinberndten bei Sondershausen. Er schreibt über die Arbeit an den 68 Seiten und 42 Abbildungen umfassenden Taschenbuch: „Bei meinen Recherchen zu den einzelnen Geschehnissen habe ich festgestellt, dass das Interesse an dieser Thematik erstaunlich groß ist. Auf dem Büchermarkt kann man eine Vielzahl von Veröffentlichungen zur Thematik „Wilderer und Förstermorde“ finden. Packend und spannend sind diese Bücher alle. Die für alle Beteiligten meist dramatischen Ereignisse haben sich nicht nur in fernen Revieren, sondern auch in unseren heimischen Wäldern der Hain- und Windleite ereignet. Sie sind ein Stück Kriminal-, Heimat- und Kulturgeschichte. Diese lange vergessenen Ereignisse möchte ich aus dem Dunkel der Vergangenheit in die Erinnerung zurück bringen. Es ist erstaunlich, wie viel Wissen bereits nach nur knapp 100 Jahren verloren gegangen ist. Selbst in großen Archiven sind nur wenige Unterlagen über Tathergänge und Mordprozesse zu finden: Georg Schläfke ist einer der Wilderer, welcher aus wilder Jagdleidenschaft jagte. Er hatte in vielen Jahren seiner „Laufbahn“ niemals eine Waffe gegen Forst- und Polizeibeamte eingesetzt. Wie er in seinem Buch beschreibt, waren ihm das Menschenleben und die Unversehrtheit eines Menschen heilig. Im krassen Gegensatz zu dieser Einstellung sind viele Wildschützen aber brutale, grausame Verbrecher, welche vor Morden und schlimmen Misshandlungen nicht zurückschreckten. Alleine in der Preußischen Staatsforstverwaltung wurden von 1837 bis 1893 beim Forst- und Jagdschutzdienst 91 Forstbeamte getötet, 224 schwer verwundet sowie 274 leicht verwundet. Im gleichen Zeitraum wurden von Forstbeamten in Ausübung ihres Dienstes 128 Wilddiebe und Frevler getötet, 159 schwer verwundet und 189 leicht verwundet. Die Preußische Staatsforstverwaltung stellte an der Waldfläche gesamt Deutschlands nur einen geringen Anteil. Alleine hier wurden 219 getötete und 846 verletzte Menschen statistisch erfasst. In den Jahren von 1866 bis 1878 waren an Preußischen Gerichten 4.825.352 Fälle von Holzdiebstahl und Forstfrevel anhängig.“


1926 Ritteburg

Dienstag, 29. Juni 2021

Vor 150 Jahren - Ende Juni/Anfang Juli 1871 - liefen in Teilen Thüringens katastrophale Hochwasser ab. Sie verursachten unter anderem am Unterlauf der Unstrut zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein großflächige Überschwemmungen. Zahlreiche Straßen und Wege, darunter die Chausseen von Artern nach Reinsdorf sowie von Roßleben nach Wiehe, waren unpassierbar. Nach Deichbrüchen stand das Wasser in der Unstrut-Aue zwischen ca. 70 und 150 cm hoch. Örtlich sollen besonders tief liegende Äcker und Wiesen sogar über 2 Meter hoch vom Wasser bedeckt gewesen sein. Folgt man zeitgenössischen Berichten, drangen die Fluten 1871auch in Bereiche vor, die nur äußerst selten vom Hochwasser betroffen werden. Das war beispielsweise in den Gemeinden Ringleben und Ritteburg (unser Bild, Juli 1926) der Fall. In beiden Ortschaften mussten sich Anwohner in die oberen Stockwerke der Wohnhäuser retten, wo sie - nicht selten zusammen mit dem Vieh - auf ein baldiges Ende der Überschwemmung hofften. Erst als sich das Wasser um den 1./2. Juli 1871 langsam zurückzog, wurde das ganze Ausmaß der Zerstörungen sichtbar. Hunderte Wohn- und Wirtschaftsgebäude konnte man auf längere Zeit nicht oder nur noch eingeschränkt nutzen. Ferner hatten die Fluten Straßen, Gassen und Wege streckenweise total verwüstet, die Feldfrüchte auf den Äckern vernichtet sowie das Heu von den Wiesen weggeführt. Im Raum Artern erinnern noch heute zwei Kleindenkmale an die Katastrophe von 1871. Am Südrand des Dorfes Ringleben - unweit vom Solgraben - steht der sogenannte "Wasserstein". Er gibt zwar nicht die genaue Höhe des Wasserstands an, weist aber den 28. Juni 1871 als Überschwemmunstag aus. Einen weiteren Wasserstein hat man an der Ortsverbindungsstraße Ritteburg - Gehofen aufgestellt. Während es sich hierbei leider nur noch um eine Nachbildung handelt (das Original ist Ende der 1980er Jahre zerstört worden), informieren eine Kerbe und ein Datum über das Ereignis. Demnach stand das Wasser am 29. Juni 1871 rund 2,13 m hoch. Sowohl beim Wasserstein von Ringleben als auch bei dem zwischen Ritteburg und Gehofen befindlichen Stein handelt es sich um seltene, schützenswerte Sachzeugnisse der Regional- und Umweltgeschichte. Sie müssen vor jeglicher Beschädigung bzw. Zerstörung bewahrt werden!


Ritterstraße

Dienstag, 22. Juni 2021

In sechs Tagen erscheint der neue Bildband „Arterner Momente aus einem Jahrhundert Fotografie - Ein Konvolut aus privaten Bilderalben und der Sammlung des Heimatvereins ARATORA“ mit 128 Seiten Umfang und 123, meist noch nie publizierten historischen Abbildungen. Das Buch ist ab kommenden Montag zum Preis von zwölf Euro in der Bücherecke des Spielzeugladens „idee+spiel“ in der Wasserstraße 1 sowie beim Herausgeber (Tel. 03466 / 320139) erhältlich. Zudem findet, wenn es das Wetter zulässt, am Freitag, 2. Juli 2021 zwischen 10 und 13 Uhr der Verkauf an einem Stand auf dem Wochenmarkt vor dem Ratskeller statt, wo der neue Bildband erworben werden kann, der diesmal lediglich in einer Auflage von 200 Exemplare gedruckt worden ist. - Unser Bild aus dem neuen Buch zeigt Wohngebäude der oberen Ritterstraße im August 1978. Diese Häuserzeile musste bald darauf dem Neubau des Wohnblocks Nr. 9-13 weichen, wodurch optisch und strukturell ein bedeutsamer Einschnitt in das gewachsene Bild der Altstadt entstand. - Perspektivisch wird bereits am nächstjährigen historischen Bildband gearbeitet, wofür noch alte Privataufnahmen mit Motiven aus Artern zur kurzzeitigen Ausleihe gesucht werden. Bis es aber soweit ist, erscheint spätestens Anfang Oktober noch der Nostalgie-Kalender 2022 „Artern vor einem Vierteljahrhundert“ mit Aufnahmen aus den frühen 1990er Jahren von Ehrenbürger Walter-Wilhelm Funcke aus Einbeck. Näheres hierzu ab dem Spätsommer 2021.


Katalog

Dienstag, 15. Juni 2021

Vor gut einer Woche wurde im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/S. die Sonderausstellung „Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte“ eröffnet. Noch bis 9. Januar 2022 erwarten die Besucher dort international herausragende archäologischen Funde überwiegend aus der Bronzezeit in regionalem, landesgeschichtlichem und europäischem Kontext. Eine hier in Auszügen wiedergegebene Pressemitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt informiert darüber: „Vor fast 20 Jahren gelangte die Himmelsscheibe von Nebra und damit eines der faszinierendsten und bedeutendsten Objekte der Bronzezeit erstmals ins Licht der Öffentlichkeit. Noch bis zum 9. Januar 2022 präsentiert das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) in der großen Landesausstellung »Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte« nun die weitreichenden Ergebnisse der Himmelsscheiben-Forschungen der letzten zwei Dekaden. Die Schau entführt den Besucher mit ihrer spektakulären Inszenierung anhand von 400 hochrangigen, teils noch nie in Deutschland gezeigten, Exponaten auf einer Ausstellungsfläche von rund 900 Quadratmetern in die längst vergangene Zeit der Himmelsscheibe von Nebra, eine Epoche, die mit ihren überregional-weitverzweigten Netzwerken gar nicht so verschieden von unserer heutigen, globalisierten Welt erscheint. - Mit der Himmelsscheibe im Zentrum, versammelt die Landesausstellung auf rund 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche 400 hochrangige Exponate und Exponatgruppen von 50 Leihgebern aus 14 Ländern, aus ganz Europa und dem Nahen Osten. Die Landesausstellung wurde mit namhaften Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt gefördert und entstand in Kooperation mit dem British Museum in London. - Chronologischer Ausgangspunkt für die Ausstellung ist das ausgehende Neolithikum mit den Kulturkomplexen der Schnurkeramischen Kultur (2800 bis 2200 vor Christus) und der Glockenbecherkultur (2500 bis 2100 vor Christus). Verbunden mit der eindrucksvollen Zentralinstallation werden im Kernteil der Ausstellung im Atrium des Landesmuseums die Himmelsscheibe von Nebra und ihre Beifunde zusammen mit weiteren rituell und kultisch bedeutsamen Objekten der Bronzezeit präsentiert. - Ein weiterer Themenkomplex der Ausstellung ist den Elitengräbern der frühen Bronzezeit gewidmet. Durch die monumentalen Fürstengräber von Leubingen und Helmsdorf und die riesigen Metallschätze war der Reichtum der frühbronzezeitlichen Gemeinschaften an Saale und Unstrut bereits lange bekannt. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden in diesem Zusammenhang die erst vor wenigen Jahren geborgenen Funde und Befunde aus dem monumentalen, im 19. Jahrhundert abgetragenen Großgrabhügel ›Bornhöck‹ im Saalekreis. - Das berühmte Stonehenge im südlichen England und seine Umgebung wurden schon lange als sakrale Landschaft gesehen. Dies wird auch durch Funde reicher Gräber in der Umgebung unterstrichen, wie das des Amesbury Archer. Daher war es für die Forschung eine große Überraschung, als die Ausgrabungen der aus Holz gebauten Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde vor einigen Jahren zeigten, dass ihre Größe weitestgehend der von Stonehenge entsprach. Die strukturellen Ähnlichkeiten werden in diesem Themenblock durch Modelle der Anlagen visualisiert. - Den Endpunkt der Ausstellung bildet der ›Aufbruch zu neuen Horizonten‹: Anhand weitgereister Objekte werden die idealisierten Reisen zweier Aunjetitzer ›Prinzen‹ nachvollzogen, die das auf der Himmelsscheibe von Nebra abgebildete astronomische Wissen und die mit der Schiffsdarstellung verknüpften religiösen Vorstellungen aus Mesopotamien beziehungsweise Ägypten mitgebracht haben könnten.“ - Unser Bild zeigt die Titelseite des reich bebilderten Katalogs der Landesausstellung; erhältlich über den Buchhandel.


Saline

Dienstag, 8. Juni 2021

Besonders an heimischer Geologie Interessierte haben zwischen Südharz und Unstruttal nicht wenige Möglichkeiten, sich regionale Erkenntnisse dieses Wissenschaftszweiges anzueignen; so im Regionalmuseum Bad Frankenhausen, dem Schlossmuseum Sondershausen, dem Spengler-Museum und Spengler-Haus in Sangerhausen, im Erlebniszentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode, in der Heimkehle, der Trias-Ausstellung in Nebra oder in der erdgeschichtliche Schau des Fossilien-, Mineralien- und Bergbauvereins in Steinthaleben. In naher Zukunft kommt mit dem Neubau des Geopark-Informationszentrums unterhalb der Barbarossahöhle eine weitere wichtige, erdkundliche Ausstellung hinzu. Nachdem man dort die fast schon obligatorische Bauverzögerung bereits hinter sich hat, wird nun gehofft, dass die Eröffnung zum diesjährigen Tag des Geotops im September erfolgen könnte. - Im Vorfeld der aktuell in Arbeit befindlichen Erstellung von Schau- und Informationstafeln konnten vor einigen Tagen seitens des Heimatvereins ARATORA Zuarbeiten geleistet werden, nachdem um historische Abbildungen des Salinebetriebs in Artern gebeten worden ist. Sechs relevante Fotos, veröffentlicht 2013 in „Beiträge zur Geschichte der Saline in Artern vom 15. Jahrhundert bis 1928“ (Restexemplare dieses reich bebilderten Buches sind noch erhältlich), sollen demnach künftig die verarbeitungstechnologischen Prozesse dieses Salzwerks in der künftigen Ausstellung an der Barbarossahöhle dokumentieren (unser Bild). - In diesem Zusammenhang wird darauf erinnert, dass ein GeoPfad auch durch Artern führt und die Stadt selbst seit 4. September 2020 Mitglied im GeoPark Kyffhäuser ist. Näheres hierzu und darüber hinaus kann auf der sehr empfehlenswerten Homepage www.geopark-kyffhaeuser.com nachgelesen werden. - Ärgerlich hingegen ist, besonders aus Sicht der regionalgeologischen Forschung, dass seit mittlerweile zwei Jahren das Erscheinen des Buches „Südharz und Kyffhäuser - Auf den Spuren der Vorzeit“, in dem erdgeschichtliche Besonderheiten, wichtige Fundorte und markante Aufschlüsse aus besagtem Areal dokumentiert und vorgestellt werden sollen, immer wieder verschoben wird! Aktuell (aber wohl wieder mal nicht verbindlich) ist nun der Sommer 2021 als Publikationstermin angekündigt. Wir berichten hier gern, wenn dieses für unsere Gegend mutmaßlich wichtige Werk erschienen ist.


Bahnof 1916Bahnof 1916

Dienstag, 1. Juni 2021

Vor einigen Tagen wurden die Druckdateien des bereits lange erwarteten, neuen Bildbandes „Arterner Momente aus einem Jahrhundert Fotografie - Ein Konvolut aus privaten Bilderalben und der Sammlung des Heimatvereins ARATORA“ zur Herstellung und Endfertigung gegeben. Das heißt: In absehbarer Zeit werden die fertigen Bücher geliefert und kommen dann unverzüglich in den Verkauf. Hierüber wird rechtzeitig in der Tagespresse, im Amtsblatt sowie in den Online-Ausgaben regionaler Zeitungen und auf dieser Webseite informiert. Vorbestellungen per Telefon oder Email sind sehr erwünscht, zumal die Auflage umständehalber und vorsorglich auf nunmehr 200 Exemplare reduziert werden musste! Interessenten sollten sich deshalb bitte nicht allzu lange Zeit bei der Bestellung bzw. dem Erwerb nehmen. - Ab Montag, 28. Juni 2021 kann der Bildband „Arterner Momente“ in der Bücherecke des Spielzeugladens „idee+spiel“ in der Wasserstraße 1 erworben werden. Zudem sind Exemplare natürlich beim Heimatverein ARATORA (Tel. 03466 / 320139) erhältlich. - Das neue Buch ist in Größe und Layout seinen drei Vorgängern angeglichen: Format A5 quer, 128 Seiten Umfang mit 123 schwarzweißen Fotos aus der Zeit zwischen ca. 1880 bis etwa 1980. Der Preis beträgt, wie der der anderen Bildbände, 12,00 Euro. Unser Foto aus dem kommenden Bildband zeigt den Arterner Bahnhof mit Arbeitern und Beamten vor einer qualmenden Dampflok im Jahr 1916.


Orgel-Journal

Dienstag, 25. Mai 2021

Mit dem Thüringer Orgel-Journal 2021 liegt uns die jüngste Veröffentlichung des Thüringer Orgelsommer e.V. vor (unser Bild). Die 132-seitige Publikation widmet sich mit zwölf Fachbeiträgen der historischen Orgellandschaft im Freistaat. Eine Abhandlung nimmt sich des Instruments in der Kirche St. Kilian in Schönfeld an, verfasst vom Orgelsachverständigen Albrecht Lobenstein aus Erfurt (u. a. Mitautor des Lexikons norddeutscher Orgelbauer, Band 1: Thüringen und Umgebung, 2019). Unter dem Titel „Ein unbekanntes Original der Erfurter Schule – Zur Bedeutung der Thiele-Orgel in der Schönfelder Kilianikirche“ vermittelt der Verfasser wichtige und teils bislang unbekannte Details aus der Vergangenheit dieser Orgel und seines Erbauers. - Nach der ausführlichen Instrumentenbeschreibung aufgrund eines Befundes von 2010, für deren tieferes Verständnis allerdings musikalische, musiktheoretische bzw. besser noch orgelspezifische Kenntnisse nützlich sind, widmet sich der Verfasser der Geschichte dieser Orgel. Deren Erbauer war Johann Gottfried Thiele aus Schloßvippach. Die Schönfelder Orgel dürfte nach Ansicht des Autors die heute einzig erhaltene dieses thüringischen Orgelbaumeisters sein. Albrecht Lobenstein weist Thiele als enges Mitglied der Erfurter Schule, das ist ein Kreis von bedeutenden Orgelbauern in Mitteldeutschland, aus. - Ein anderthalb seitiger Quellenapparat, wichtig besonders auch für Heimatforscher sowie lokal- und kirchengeschichtlich Interessierte, beschließt den achtseitigen und mit sechs Abbildungen versehenen Artikel, der vielleicht (und hoffentlich) der erste Anstoß für die Wiederherstellung dieses Tasteninstrument in der Kirche St. Kilian am Arterner Ortsteil Schönfeld werden könnte!


Bahnsteighäuschen

Dienstag, 18. Mai 2021

Keinen Pfifferling hätte auch ein wohlwollender Betrachter des Wracks des vormaligen Bahnsteighäuschens vom Arterner Bahnhof gegeben, als dieses am 30. Oktober 2018 aus einem Privatgarten am Weinberg, wo es 30 Jahre und länger als Unterstand für Werkzeug diente, zum städtischen Bauhof verbracht worden ist. Dort stand das hölzerne Bauwerk noch rund ein halbes Jahr, ehe späte Rettung nahte. Unser Vereinsmitglied Hans-Joachim Büchner aus Weißwasser erbarmte sich als versierter Handwerker der Ruine, verbunden mit dem Versprechen, den Zustand zur Zeit der Nutzung (ab ca. 1930) wieder herzustellen. Dass ihm das glänzend gelungen ist, war spätestens beim Abladen bzw. Aufstellen am vergangenen Freitag feststellbar, als das Häuschen, aus der Oberlausitz kommend, für dauerhaft in die Veitskirche verbracht wurde. Um die 400 Arbeitsstunden stecken in dem Objekt, wobei es Anspruch war, soviel wie möglich an Originalsubstanz zu erhalten. Zur Zeit seiner Nutzung entwerteten Bahnmitarbeiter, im Häuschen ihren Dienst verrichtend, mittels einer Knipszange Fahr- bzw. Bahnsteigkarten und achteten penibel darauf, dass nur Berechtigte den Bahnsteig betraten. Ältere erinnern sich noch an diese Situation bzw. auch des grünen hölzernen Zaunes als Bahnsteigabsperrung, der nur durch eine Pforte an besagtem Bahnsteighäuschen passiert werden konnte. Die damals dort auf einem Quadratmeter Fläche Beschäftigten waren natürlich wichtige Amtspersonen und übten nicht nur im Eigenverständnis eine entscheidende Tätigkeit aus (Ordnung und Sicherheit). - Optisch in den Farben grün und weiß gehalten, bietet die 2,5 Meter hohe Bude sogar Funktionalitäten: die Tür lässt sich öffnen und verriegeln, ein klappbares Sitzbrett mit Stütze bietet Möglichkeit zum Hinsetzen, während die Beleuchtung über teils zeitgenössische Elektrik erfolgt. Die Einladung an junge Paare steht, das Häuschen bei Eheschließungen in der Veitskirche als Fotomotiv zu nutzen. In naher Zeit wird das hölzerne Denkmal der jüngeren Arterner Verkehrs- und Eisenbahngeschichte noch mit einer Info-Tafel versehen sowie durch eine Dokumentation ergänzt. Eine Eisenbahner-Uniform sowie eine Fahrkartenzange sollen zudem beigefügt werden. - Nach über zwei Jahren hat die „Knipserbude“ nun einen dauerhaften Platz in der Veitskirche gefunden. Dank für Unterstützung bei der Wiederherstellung, beim Transport sowie der historischen Erklärung sagen wir außer nochmals an Hans-Joachim Büchner, der viel Herzblut in die Sanierung eingebracht hat, der Firma SPIEGEL ART Steffen Noack GmbH & Co. KG in Weißwasser, Wir für Artern e.V., der Stadtverwaltung Artern, Bürgermeister Torsten Blümel sowie dem Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue. Unser Bild zeigt das Objekt kurz nach der Aufstellung, nachdem sich sogleich eine erste „Hilfskraft“ gefunden hatte, um imaginäre Fahrkarten zu entwerten.