Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Tharandt

Dienstag, 10. März 2020

Das Städtchen Tharandt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat gemäß allgemeiner Wahrnehmung und Kenntnis aktuell keinerlei Beziehungen zur Stadt Artern. Vor gut 200 Jahren war das anders, vor allem weil der seit 1799 in Tharandt wirkende Seelenhirte Dr. Christian Friedrich Traugott Voigt (1770-1814) als erster Oberpfarrer und Superintendent von dort nach Artern berufen worden ist. Allerdings war ihm hier nur noch eine kurze Lebenszeit beschieden. Ein halbes Jahr nach seiner 1813 erfolgten Versetzung nach Artern segnete Voigt bereits das Zeitliche. Das war umso bedauerlicher, als Christian Friedrich Traugott Voigt nicht nur als außergewöhnlich tüchtiger Pfarrer in Tharandt bekannt war, er wirkte darüber hinaus u. a. in der Dichtung. Somit entging der Bürgerschaft Arterns eine Persönlichkeit, die auf geistlichem und schöngeistigen Gebiet sicher noch einiges hätte leisten können. - Doch wie es im Leben und besonders im Tode zugeht, das Lebenswerk von Voigt geriet in Vergessenheit, sogar in Tharandt. Hiergegen ist Dr. Christoph Richter, vormals wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Forstnutzung in Tharandt, während der vergangenen Jahre aktiv eingetreten und hat den großen Sohn der sächsischen Kleinstadt aus diesem historisch unhaltbaren Zustand geholt. Er veröffentlichte 2016 den nachträglich illustrierten und auch deswegen sehr eindrucksvollen Reprint „Tarants schöne Natur in geselligen Liedern gefeiert von C. F. T. Voigt“ (unser Bild) und reichte erst dieser Tage die Biografie „Christian Friedrich Traugott Voigt – ein Tharandter Dichter der Romantik – Leben und Werk anlässlich seines 250. Geburtstages“ nach. Auf 54 Seiten wird das Wirken dieses vielseitigen Mannes nachgezeichnet und mit zeitgenössischen Abbildungen illustriert (der Heimatverein ARATORA hatte vor drei Jahren Zuarbeiten für den Autor vorgenommen). Neben dem dichterischen Werk steht z. B. Voigts Eintreten als Wegbereiter der neuen Parkgestaltung in der Zeit der Aufklärung im Fokus. Der Wikipedia-Eintrag zu Christian Friedrich Traugott Voigt stammt gleichfalls aus der Feder von Dr. Christoph Richter. In einem Brief teilt uns der Verfasser mit, dass Voigts humanistische Gesinnung „eigentlich darin gipfelt, dass er sich vor die Arterner Bürger gestellt hat, als die Kosaken [hier] das Regiment nach der Völkerschlacht [1813] übernahmen.“ – Man wünscht sich viel mehr solcher Gelegenheitsschriften, die auf überschaubaren Seitenzahlen Leben und Arbeit von Persönlichkeiten präsentieren. In fast jeder Gemeinde gäbe es Männer und Frauen, die ähnlicher Schriften würdig wären.


Natur und Heimat

Dienstag, 3. März 2020

Aus einem Nachlass erhielt der Heimatverein ARATORA kürzlich eine knapp 4.000 (!) Seiten umfassende Sammlung der Zeitschrift „Natur und Heimat“ der Jahrgänge 1955 bis 1962, durchweg vorzüglich erhalten und in Leinen gebunden (unser Bild). Fast komplett aus dem Sichtwinkel der Heimatkunde und des Naturschutzes werden dort diverse Themen umfänglich behandelt, dies größtenteils noch unter mäßiger ideologischer Beeinflussung. So werden durchweg Artikel zur Ur- und Frühgeschichte, Archäologie, Kulturgeschichte, Denkmalpflege, Museums- und Archivwesen, Ausstellungen, Völker- und Volkskunde, Architektur, Dichtung, Literatur, Landschafts- und Siedlungsforschung, Industrie, Zoologe, Botanik, Astronomie, Geologie, Paläontologie, Meteorologie, Klimatologie, Hydrologie usw. in populärwissenschaftlicher Weise präsentiert. - Sämtliche Ausgaben der Zeitschrift haben ein zeitgenössisches und damit sehr ansprechendes Layout und sind mit Schwarzweißfotos, einigen Farbbildern, Zeichnungen und Skizzen reich illustriert. Etliche Artikel in den überlassenen acht Jahrgängen von „Natur und Heimat“ greifen auf Themen aus der näheren Umgebung zu, so über den Kyffhäuser, die Pfalz Tilleda, den Südharz und Nordthüringen. Entsprechend treten auch in der hiesigen Heimatforschung bekannte Namen auf, z. B. der Burgenforscher Hermann Wäscher und der Archäologe Paul Grimm; letztgenannter arbeitete zudem im Redaktionskollegium mit. - „Natur und Heimat“ ist eine Zeitschrift, die noch echte Begeisterung hervorrufen kann. Kein Wunder, denn die Redaktion hatte der bekannte DDR-Natur- und Umweltschützer, Autor und Menschenrechtsaktivist Reimar Gilsenbach (1925-2001) inne. Beinahe jeder einzelne Artikel ist lesenswert und informationsreich. Das betrifft auch jene Themen, die nicht unmittelbar mit unserer Gegend zusammenhängen. Dennoch war 1962 Schluss, und diese abwechslungsreiche Veröffentlichung des Kulturbundes wurde mit der Zeitschrift „Wissen und Leben“ vereinigt.


Karte  Kronengarten

Dienstag, 25. Februar 2020

In den vergangenen Wochen standen sehr zeitintensive Arbeiten für die bereits angekündigte Broschüre über den Arterner Kronengarten an. Zwischenzeitlich wurden fast 50Artikel verfasst, die aus der Geschichte dieses Areals zwischen Alter Poststraße, Leipziger Straße und Neuer Straße erzählen. Der historische Zeitraum der Berichterstattung umfasst schwerpunktmäßig anderthalb Jahrhunderte, von der Einrichtung des Gasthauses zur goldenen Krone 1810 bis zum Abriss zwecks Errichtung des Hotels 1964 bzw. des Kultur- und Versorgungszentrums und der Kaufhallen 1969. Mit Hilfe von Archivgut sowie Unterlagen aus privaten Beständen konnten schlaglichtartig wichtige Momente aus der Vergangenheit des Kronengartens und dessen Umfeldes ermittelt sowie Texte erarbeitet bzw. alte Bilder zugeordnet werden. Im Fokus standen vor allem Baugeschichte, Personengeschichte sowie Einzelbetrachtungen zu ausgewählten Objekten oder Zeitabschnitten. Hierbei wurde besonderen Wert auf umfängliche Illustration gelegt, um die vor einem halben Jahrhundert abgerissene Wohngegend auch Nachgeborenen so gut wie möglich visualisieren zu können. Dem Thema angemessen, wurden die Texte in einem eher lockeren Schreibstil verfasst, zugleich aber angestrebt, so viele historische Informationen wie möglich zu integrieren. - Unter anderem wurden bislang näher untersucht und sind zu Papier gebracht: Geschichte des Gasthofs zur Krone und dessen Inhaber, Verlauf und Bebauung der verschwundenen Sackgasse, alte Gartenanlagen an der Stadtmauer, Goethe-Tafel, die Krone als Rat des Kreises, das vormalige Wehrkreiskommando, diverse Bauten und Umbauten, kleine Wohnsiedlung und deren Bewohner im Kronengarten, über den legendären Kronen-Esel, Abriss des Viertels und Neubebauung bis 1969. - Besonderen Wert legen die drei Verfasser auf die Bebilderung, die möglichst großflächig reproduziert werden soll. Aus diesem Grund wird die Broschüre auch im Format A4 erscheinen. Aus heutiger Sicht wird mit einem Umfang von 100 Seiten gerechnet, wobei sicherlich mehr als 120 Abbildungen den Text veranschaulichen könnten. Als Veröffentlichungstermin wird das vierte Quartal 2020 angestrebt. Im Laufe der kommenden Monate soll an dieser Stelle über den Fortgang dieser neuesten Veröffentlichung des Heimatvereins ARATORA berichtet werden. Nach wie vor sind die Autoren an Informationen, Unterlagen und Fotos interessiert, die dazu dienen, die Geschichte der Krone und des Kronengartens zu veranschaulichen und bitten um entsprechende Mithilfe! Bis jetzt haben bereits fast 30 Personen und Einrichtungen an der Gestaltung des neuen Buches direkt bzw. indirekt mitgewirkt. - Unser Bild zeigt das Adressfeld einer Postkarte aus dem Jahr 1925, die aus Berlin an eine Bewohnerin des Kronengartens in Artern geschickt worden war.


Oldisleben Niedrigwasser

Dienstag, 18. Februar 2020

Mit der heutigen aktuellen Meldung möchten möglichst zahlreiche Heimatfreunde vor allem in Thüringen angesprochen und zugleich um deren Unterstürzung gebeten werden. Um was geht es? Für eine derzeit in Arbeit befindliche Abhandlung zur Klimageschichte Thüringens, an der unser Vereinsmitglied Dr. Mathias Deutsch aus Erfurt arbeitet und die 2021 publiziert werden soll, fehlen noch wichtige historische Bilddokumente. Die angesprochene Arbeit behandelt extreme Niedrigwasser- bzw. Dürre-Ereignisse in Thüringen von etwa 1700 bis um 1950. Während Berichte und Quellentexte sowie Informationen über Dürrezeiten, trockene Bäche und Flüsse in ausreichendem Umfang vorliegen, sind relevante Fotografien oder grafische Darstellungen, z. B. aus den Hitzejahren 1904, 1911 oder den 1930er Jahren, 1947, zur Not auch von 1976, leider rar. Deshalb soll auch auf diesem Wege an Ortschronisten, Heimatforscher und Geschichtsvereine mit der Bitte um Unterstützung herangetreten werden. Von Interesse sind Fotos und ggf. Zeichnungen (auch Karikaturen) mit der Wiedergabe der Auswirkungen extremer Hitze, z. B. Niedrigwasser führende oder ausgetrocknete Bäche und Flüsse, Auswirkungen hoher Temperaturen auf die Vegetation o. ä. in Thüringen. Bekannt ist z. B. vom Niedrigwasser der Elbe 1904, dass aus gegebenem Anlass postalische Erinnerungskarten gedruckt worden sind, teils mit Gedichten oder humorvollen Texten über die damalige Hitzebewältigung. Möglich, dass es ähnliche lokale Dokumente auch aus Orten in Thüringen gibt. - Wer rasch und unkompliziert helfen kann und will: Es werden keine Originale der Fotografien benötigt. Es reichen Scans aus, die wenigstens in Auflösung von 300 dpi vorliegen. Weiterhin sollte die jeweils korrekte Quellenangabe mitgeteilt werden. Hilfswillige nehmen bitte mit dem Heimatverein ARATORA Kontakt auf. Hinweis: Fotos der Dürren der letzten Jahre werden nicht benötigt! - Unser Bild zeigt die Niedrigwasser führende Unstrut am Wehr bei Oldisleben im Sommer 2015.


Sömmerdaer Heiamtheft 18

Dienstag, 11. Februar 2020

Wie das Kreisarchiv Sömmerda mitteilt, ist soeben die Ausgabe Nr. 18 der Sömmerdaer Heimathefte erschienen (unser Bild). Die Broschüre kostet sechs Euro und kann wie folgt bezogen werden: bei der Stadtinformation, im Schmöcker-Eck und im Kreisarchiv (alle in Sömmerda). Interessierte Heimatfreunde können Bestellungen zudem per Mail (Kontakt siehe Link unten) oder telefonisch (03634/354856) an genanntes Archiv richten. - Auch das neue Heft widmet sich historischen Themen, die das Areal unseres südlich gelegenen Nachbarkreises betreffen und zwar mit folgenden Artikeln: Zühlsdorff, Cornelia: Archäologische Grabung in Sömmerda im Gewerbegebiet „Am Unterwege“ im Jahr 2011 / Klippstein, Peter-Jürgen: Die Familien Dreyling und Bendleb und ihre Beziehungen zu Sömmerda / Schulz, Andreas: Zum Anteil der Ortschaften des Amtsgerichtsbezirks Großrudestedt an der Kartoffelversorgung der Residenzstadt Weimar im I. Weltkrieg während der Jahre 1915-1916 / Sieler, Wolfgang: Landwirtschaftliche Produktion in Weißensee (Thüringen) 1945 bis 1978, Zur Entwicklung der Landwirtschaft der DDR am Beispiel von Weißensee (Thüringen) unter heimatkundlichen Aspekten – von der LPG „7. Oktober“ zur „LPG Tierproduktion Weißensee“ / Boblenz, Frank: Vorschlag des Pfarrers Johann Rudolph Gottlieb Beyer zur Errichtung eines Salzmann-Denkmals in Sömmerda von 1812 / Lehmann, Rüdiger: Rede zur Einweihung des Gedenksteins für Thomas Maynard Draper (1920-1945) in Schloßvippach am 8. März 2019 / Boblenz, Frank: Zum Titelbild - Gedenkstein von 2014 zum Mittelpunkt des Landkreises Sömmerda / Mann, Constanze: Laudatio zur Verleihung des Archivpreises 2018 an das Kreisarchiv Sömmerda / Jacob, Klaus Jürgen(†) und Hoffmann, Wolfgang: Nachruf: Joachim Kuhles (1936-2017) / Stark, Ilona: Kreisarchiv Sömmerda stellt seine neue Internetseite für Familienforscher vor / Hildebrand, Thomas und Liebermann, Cornelia: Chronik des Landkreises Sömmerda für die Jahre 2011 bis 2014 / Boblenz, Frank: Bibliographie zur Unstrut-Finne-Region 2005. - Glückwunsch, dass es wiederum gelungen ist, ein neues Sömmerdaer Heimatheft publiziert zu haben. Wer sich über die abwechslungsreichen Inhalte der bereits erschienenen Heimathefte informieren möchte, diese sind online abrufbar auf https://www.lra-soemmerda.de/lx11332.libx.


Goetheplatz Titel Kalender 2021

Dienstag, 4. Februar 2020

Auch wenn es noch acht Monate bis zur Veröffentlichung dauert, der (N)Ostalgie-Kalender für das kommende Jahr 2021 wurde dieser Tage bereits fertiggestellt und wird in absehbarer Zeit zum Layouter gebracht! Die mittlerweile siebente Ausgabe steht unter dem Titel „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ und zeigt Aufnahmen aus den 1970er und 1980er Jahren. Diesmal stehen Motive aus dem nördlichen Bereich der Stadt, zu DDR-Zeiten bekannt als Wohnbezirk IV, im Mittelpunkt unserer 24 Kalenderblätter. - Von der Titelseite grüßt der Goetheplatz (unser Bild), es folgen nachstehende Motive: älterer Teil mit Zweifamilienhäusern in der Franz-Schubert-Straße, Karl-Hühnerbein-Straße, Ansicht der damaligen Leninstraße in der Siedlung, PKW-Waschanlage der AWG in der Franz-Schubert-Straße, Hausbau in der Schillerstraße, AWG-Blocks in der Karl-Liebknecht-Straße im Rohbau, Wohnhäuserzeile am Goetheplatz, Wohnblock in der Karl-Hühnerbein-Straße, Vorgärten in der Schillerstraße, Treppe zum Weinberg in der Lindenstraße, Wohnbebauung in der Hermann-Franke-Straße, Blick in die Voigtstedter Straße, AWG-Wohnblocks in der Karl-Liebknecht-Straße, Ecke Karl-Liebknecht und Karl-Hühnerbein-Straße, Pestalozziplatz, Wohnhaus in der Schillerstraße, Franz-Schubert-Straße vom Wohnhäusern und Blocks, Einfamilienhaus in der Schillerstraße, AWG-Blocks und Vorgärten in der Franz-Schubert-Straße, Leichtbau-Wohnunghäuser in der Schillerstraße, die Konsum-Verkaufsstelle in der Karl-Liebknecht-Straße, Blick in die Rosa-Luxemburg-Straße, Zweifamilienhäuser in der August-Bebel-Staße sowie Altbebauung in der Franz-Schubert-Straße. Weitere historische Fotos aus Artern schmücken die Seiten mit dem Vorwort und den Jahreskalendern. - Wie gehabt, umfasst auch der Kalender für 2021 28 Seiten und zeigt 32 Abbildungen. Zum Zwiebelmarkt Anfang Oktober wird dieses Druckwerk erstmals angeboten.


Heimatblätter 2020

Dienstag, 28. Januar 2020

Die vor zwei Wochen erschienene Ausgabe 4 der seit 2017 vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue publizierten Heimatblätter (unser Bild) widmet sich erneut historischen Themen aus der Region um Kyffhäuser, Südharz und Goldener Aue. Diesmal informieren neun Autoren über folgenden Themen: Betrachtungen über die einstige Kalkhütte nahe Gonna / Die von Birkau – ein niederes Adelsgeschlecht am Südharz / Spurensuche nach der Stolberger Straße / Braunkohlenbergbau am Hutdeckel (2. Teil) / Rundwanderung südlich von Breitenbach / Abriss zur Geschichte der Orgel von Wettelrode / Die Grabenanlage von Tilleda / Erinnerungen an zwei Kriegstage in Tilleda / Vereinsaktivitäten. – Der Herausgeber hat auch in diesem Heft einem heimatgeschichtlich eher spekulativen Thema Raum gegeben, wie die Betrachtungen und Überlegungen zur vorgeschichtlichen Kreisgrabenanlage von Tilleda nahelegen. Von diesem Relikt gibt es lediglich die Luftaufnahme eines kleinen Kreisausschnitts mit Toranlage. Aufgrund dieses Fotos versucht nun Autor Jürgen Sander aus Sangerhausen bestimmte Peilungen und Peilmarken zu Aufgangs- und Untergangsterminen von Gestirnen zu ermitteln. Dass solche archäoastronomischen Spekulationen nicht aus der Luft gegriffen sind, legen relevante Kreisgräben mit sternenkundlichen Relationen aus der Jungsteinzeit bei Nordhausen und Goseck nahe, die gleichfalls kalendarisch bzw. kultisch verwendet worden sind. Da archäologische Untersuchungen bei Tilleda in absehbarer Zeit kaum stattfinden, sei diese Untersuchung zudem Anregung, auch an anderen Stellen Nachweise zu suchen, die ur- und frühgeschichtliche Astronomie im mitteldeutschen Raum nahelegen. – Die neuen Heimatblätter umfassen 132 Seiten, neun Artikel mit 84 Abbildungen und Reproduktionen. Die Titelseite wird von der Zeichnung einer historischen Gipskalkhütte geziert. Interessierte können das Druckerzeugnis über den Herausgeber erwerben, über den Buchhandel oder den Verlag und Versand Rockstuhl in Bad Langensalza. Der Preis beträgt 9,90 Euro. – Auch in den Heimatblättern des nächsten Jahres wird, wie schon für die Bücher von 2019 und 2020, ein Artikel aus Artern zugearbeitet. Dieser soll Beschreibungen eines geologischen Phänomens im Südharz vom 16. bis 18. Jahrhundert zum Inhalt haben. Zu gegebener Zeit wird hier darüber berichtet.


Novum Castrum

Dienstag, 21. Januar 2020

„novum castrum“ = neue Burg, diesen Titel trägt die mittlerweile altgediente Schriftenreihe des Vereins zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg e.V. Im vergangenen Monat erschien die neuste Ausgabe dieser Periodika, die sich diesmal monothematisch mit jenem Fluss beschäftigt, der sich unterhalb der Burg bzw. am Städtchen Freyburg entlang schlängelt – die Unstrut. Sieben Autoren haben mit zehn Artikeln am 212 Seiten starken Werk „Freyburg & die Unstrut“ im Format A5 mitgewirkt: Mathias Deutsch gibt zunächst allgemeine Informationen zum Fluss, während sich Jörg Peuckert danach Unstrut-Sagen widmet. Historische Ansichten des Flusses und dessen Landschaft widmet sich Cordula Ebert, ehe Bernd W. Bahn dann die Unstrut als Wasserweg und Verkehrshindernis beleuchtet. Bauwerke am Fluss nimmt sich dann Reinhard Schmitt vor, gefolgt von Tobias Reeh und Mathias Deutsch, die die Unstrut als historischen Verkehrsweg unter die Lupe nehmen. Mit hübschen Bildern untermalt ist die „Herzogliche Lustschifffahrt auf Unstrut und Saale um 1700“ von Joachim Säckl. Noch einmal Tobias Reeh und Mathias Deutsch als Autorenduo nehmen sich danach historischen Hoch- und Niedrigwassern der Unstrut an. Die Fischerei auf dem Fluss folgt thematisch in einem Aufsatz von Joachim Säckl. Eine mehrseitige Zeittafel zur Unstrut-Geschichte mit Schwerpunkt der Region um Freyburg beschließt das Buch. - Die Neuveröffentlichung „Freyburg & die Unstrut“ ist ein reich illustriertes Werk und spricht in dieser Hinsicht besonders Freunde der Kartografie sowie historischer Stiche und Abbildungen an. Positiv hervorzuheben ist die oftmalige Wiedergabe alter Landkarten über die volle Seitengröße. Bereits an der Autorenliste ist die Qualität der Aufsätze zu erahnen, die sich beim Lesen erwartungsgemäß bestätigt. Inhaltlich schließt sich das inhaltsreiche wie kurzweilige Buch relevanten Veröffentlichungen zur Flussgeschichte aus den letzten Jahren an und ist daher eine sachlich sehr positive Ergänzung z.B. für „Die Unstrut - Geschichte(n) vom Fluss zwischen der Sachsenburger Pforte und dem Wendelstein“ (2015). - Perspektivistisch wird auch im neuen Jahr die Unstrut im Fokus stehen, besonders in deren Abschnitt um die Stadt Artern. Grund hierfür sind zwei aktuelle Projekte, die Details aus der Flussgeschichte (hier Hochwasser und Verkehrstechnik) denkmalgerecht zu präsentieren gedenken. Hierüber folgen zu gegebener Zeit auch an dieser Stelle interessante Informationen!


Ausmalung Kirche

Dienstag, 14. Januar 2020

Beim Sichten von Unterlagen aus der Vergangenheit der Arterner Marienkirche fielen bereits im Herbst vorigen Jahres zwei längst in Vergessenheit geratene, etwa plakatgroße Abbildungen auf derber Pappe auf, die perspektivisch den Blick in eben diese Kirche eröffnen und deren gewünschte farbliche Ausgestaltung um 1910 nahebringen. Zu dieser Zeit gab es nämlich umfangreiche Pläne zur Sanierung, die sich im Verlauf des Ersten Weltkriegs aber zerschlugen. In diesem Kontext sind die beiden Blätter wohl zu sehen. - Nach dem leider nur eingeschränkten Kunstverständnis der beiden Erstbetrachter wurden hier mittels teils noch sichtbarem Bleistiftstrichen skizzierte Darstellungen mit Wasserfarben ausgemalt. Blatt 1 gibt die Ansicht des Westschiffes mit Blick nach Osten wieder, also mit Doppelemporen, Kanzel und Fresko „Verklärung Christi“ (unser Bild). Das zweite Blatt gibt die Ansicht zum Altarraum frei, links die Kanzel und im Hintergrund die damals völlig andere Anordnung im Bereich der heutigen Chorkapelle (Winterkirche). - Beide leicht verblasste Darstellungen des renommierten Kunst- und Kirchenmalers Fritz Braue aus Halle/S. sind auf den ersten Blick noch gut erhalten, allein die Ränder wurden Opfer von Mäusefraß und wohl auch von anderen hungrigen Tierchen. - Wenngleich der kunsthistorische Wert sicherlich nicht allzu hoch anzusetzen sein dürfte, sollen die beiden Gemälde als historisch wichtige Zeitzeugen dennoch nicht nur erhalten werden, sondern nach angedachter Sanierung einen Dauerplatz bekommen. Aus diesem Grund wurde Ende vergangenen Jahres vom Heimatverein ARATORA eine entsprechende Anfrage an die Kunsthochschule auf Burg Giebichenstein in Halle/S.initiiert. Von dort aus erfolgte die Vermittlung an eine Fachwerkstatt für Restaurierung und Konservierung von Papier in Berlin. Wenn alles klar geht, sollen die beiden Bilder dort in absehbarer Zeit wiederhergestellt und gerahmt werden, wobei der Heimatverein ARATORA gern den finanziellen Part der jeweils 74 x 52 Zentimeter messenden Blätter übernimmt! Im Laufe des Jahres kann wohl mit der Rückführung gerechnet werden.


Wappenglocke

Dienstag, 7. Januar 2020

Eine sehr aufschlussreiche Bereicherung unserer Vereinssammlung mit Fotos aus der Vergangenheit der Stadt Artern erfolgte seitens der evangelischen Kirchengemeinde Artern. Hierfür hatte Pastorin Lena Burghardt einen großen Karton mit diversen historischen Aufnahmen und Unterlagen aus der Geschichte der Marienkirche bereitgestellt. Zunächst wurden ausschließlich die Fotos leihweise entgegengenommen, alles in allem um die hundert Bilder! Diese zeigen die Kirche im ausgehenden 19. und während des 20. Jahrhunderts in Gesamtaufnahmen und im Detail. Historisch von besonderem Interesse ist deren Ausstattung vor der großen Sanierung ab Mitte der 1970er Jahre, also noch mit Kanzel, dem Fresko „Christi Verklärung“, Altar-Antependium sowie „Lettner“ im Chorbereich. Weitere Fotos um 1900 zeigen die im Krieg geopferte Wappenglocke (unser Bild) sowie den Glockenstuhl. Alte Postkarten stellen den Marktplatz mit Kirchturm, das Gebäude der Unstrut-Sozietät und das Kriegerdenkmal vor dem Rathaus dar, hinzu kommen eine Grußpostkarte vom Brunnenfest, ein Bild mit Blick vom Weinberg, Blick in den Saal des „Goldenen Ankers“ sowie eine zweiteilige Panoramaansicht der Stadt Artern, auch um 1900. - Eine umfangreiche Fotodokumentation der feierlichen Einweihung der sanierten und innen neu eingerichteten Kirche am 16. April 1978 führt dann in jüngere Zeit. Bilder von der Ausstellung mit kirchlichen Objekten anlässlich der Feierlichkeiten zum 1200jährigen Jubiläum Arterns im Jahr 1986 komplettieren die Bildersammlung aus dem Pfarrhaus. An die hundert Dias und ein Negativfilm müssen allerdings noch gescannt bzw. entwickelt werden. Dies wird in absehbarer Zeit geschehen; vor allem, um auch kirchliches Bildmaterial in den für 2020 geplanten Bildband zur Stadtgeschichte einfließen lassen zu können. - Der „Clou“ in angesprochener Pappkiste aber waren zwei historische Aquarelle von etwa Plakatgröße mit Wiedergabe der Innenräume der Marienkirche. Leider sind die beiden farbenprächtigen Werke verblasst bzw. durch Mäusefraß an den Rändern geschädigt. Der Heimatverein ARATORA wird sich daher gemeinsam mit der Pfarrerin um die Einleitung der alsbaldigen Restaurierung in einer Fachwerkstatt kümmern.


Kronengarten

Dienstag, 31. Dezember 2019

Die letzte aktuelle Meldung in 2019, verbunden mit dem Wunsch an unserer Homepage-Besucher nach einem fröhlichen Jahreswechsel und einem gesunden neuen Jahr, nimmt sich einer derzeit in Arbeit befindlichen Veröffentlichung zur jüngeren Stadtgeschichte an. Im Vorfeld der Recherchen für die Publikation einer historischen Abhandlung zum Arterner Kronengarten und seines Umfeldes sind bereits Vorarbeiten im Stadtarchiv absolviert bzw. etliche Kontaktaufnahmen zu ehemaligen Bewohnern vorgenommen worden. Darüber hinaus wurden weitere Unterlagen in überregionalen Stellen eruiert bzw. bestellt. – So kam vom Sächsischen Hauptstaatsarchiv eine für obige Thematik sehr wichtige Akte aus dem dort betreuten historischen Finanzarchiv: die vor mehr als zweihundert Jahren ausgestellte Konzession für den Kaufmann Johann Andreas Zeise zur Errichtung eines Gasthofes in Artern, der späteren „Goldenen Krone“ in der Alten Poststraße. Die 22seitige Kanzleiakte muss nun zwecks inhaltlicher Auswertung transkribiert werden. – Besagte Unterlagen aus Dresden bilden quasi den historisch-bürokratischen Unterbau der avisierten neuen Publikation, da nur wenige Jahre nach Inbetriebnahme des Gasthofes „Zur goldenen Krone“ an diesen ein gastronomischer Freibereich (Biergarten und Tanzfläche) angegliedert wurde: der spätere Kronengarten! Die diese markante Bezeichnung übernehmende Bebauung mit Notstandswohnungen datiert allerdings erst in die Zeit des ausgehenden ersten Weltkrieges, also hundert Jahre später. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre erfolgte dann der Abriss dieser Wohnhäuser, um Platz für die beiden Kaufhallen und das Kultur- und Versorgungszentrum zu erhalten (unser Bild). Besagter Zeitraum, also rund anderthalb Jahrhunderte, werden im Mittelpunkt der Veröffentlichung über die „Krone“ und den Kronengarten stehen; natürlich inklusive zeitlichen Abweichungen in die ältere bzw. jüngere Vergangenheit. Die drei Verfasser freuen sich, in etwa einem Jahr den Kronengarten als interessantes Kapitel der Arterner Stadtgeschichte als Broschüre präsentieren zu dürfen. 


CG 4-2019

Dienstag, 24. Dezember 2019

Verbunden mit herzlichen Wünschen zum Weihnachtsfest wird nachstehend die jüngste Veröffentlichung des Vereins für Computer-Genealogie im Mittelpunkt stehen. Erst vorige Woche erschienen, bietet die neue Zeitschrift „Computer-Genealogie“ 4/2019 (unser Bild) wiederum ein buntes Kaleidoskop interessanter Artikel und nützlicher Informationen für Familien- und Heimatforscher. Als Fortsetzung aus Zeitschrift 3/2019 werden zunächst jene Hilfswissenschaften behandelt, deren sich die genealogische Forschung bedient. Der erste Artikel widmet sich mit „Die Entwicklung unserer Schrift“ der Paläografie und damit einem Kernthema der Familienforschung. Als nächstes wird die Onomastik angerissen, die die Herkunft und Bedeutung von Namen untersucht. Danach wird kurz auf die Hausmarken eingegangen, oftmals über Generationen vererbte Zeichen zur Markierung von familiärem Eigentum. Mit der historischen Geografie als weiterer Hilfswissenschaft werden Hinweise auf die Eruierung von Wohnorten und deren Umfeldern gegeben, die sich aus Kartenbildern erschließen lassen. - Diverse aktuelle Kurzmeldungen zu genealogisch relevanten Themen folgen, ehe die Problematik der kommunalen Archive angesprochen wird; diese sind hoch bedeutsam für die Orts- und Familienforschung und dennoch oft nur fünftes Rad am Wagen im Komplex städtischer Verwaltungen. Speziell wird es anschließend mit Indexierungsprojekten bei FamilySearch. Ein kurzer Rückblick auf hundert Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge berichtet aus der Arbeit dieses auch familienhistorisch wichtigen Vereins. Zwei größere Berichte widmen sich nun der Online-Erfassung mittels Daten-Eingabe-System (DES), dem sich die Vorstellung einer neuen GEDCOM-Version als Datenaustauschformat anschließt. Software-Informationen, die Vorstellung einer historischen Urkunde, Quellenkunde mittels Verlustlisten und Gedenktafeln (Kriegsgefallene) sowie die Präsentation einer Hauschronik runden das aktuelle Heft der „Computer-Genealogie“ ab. - Quartal für Quartal gelingt es der Redaktion, inhaltlich wie optisch hervorragende Magazine zu publizieren, die Anfänger wie Fortgeschrittene ansprechen und unterstützen. In diesem Sinne freuen wir uns bereits auf die kommende Ausgabe im Frühjahr 2020 mit dem Schwerpunktthema „Die liebe Verwandtschaft“.


Knipserbude

Dienstag, 17. Dezember 2019

Früher alltägliches Geschäft bei der Bahn, fiel die Entwertung von Zugbillets bzw. der sog. Bahnsteigkarten vor Betreten des Gleisgeländes wohl in den 1960er Jahren weg. Mit dieser Einsparung hatten zugleich die für eben diesen Zweck auf beinahe jeden Bahnhof errichteten Holzhäuschen ihre Bedeutung verloren. Bis dato wurden dort durch einen Bahnbeamten die Fahrkarten aus Hartpappe mittels Lochzange entwertet. Kaum bemerkt von Reisenden und Bahnsteigbesuchern wurde gleichzeitig eine Registriernummer in den Fahrschein eingeprägt, sodass der Ort der Entwertung der Karten feststellbar war. - Glücklicherweise hat sich solch ein Häuschen der Deutschen Reichsbahn erhalten, nämlich das aus Artern, weil dieses nach Abtransport vom hiesigen Bahngelände über Jahrzehnte hinweg als Unterstand für Gartengeräte am Weinberg genutzt worden ist. Wenngleich während dieser Zeit kaum bis gar nicht gepflegt, blieb die Holzbude dennoch erhalten, kam im Herbst 2018 zum Heimatverein ARATORA und wird derzeit in Weißwasser durch Vereinsmitglieder Hans-Joachim Büchner von Grund auf saniert (unser Bild). – Es ist anzunehmen, dass kaum mehr ein vergleichbares Objekt in der Region existiert. Deswegen schien eine Sanierung ratsam. Bei der Übernahme war der desolate Zustand des Häuschens sehr augenscheinlich. Im Laufe der Restaurierung stellte sich jedoch heraus, dass bei dessen Herstellung einst sehr gute Arbeit geleistet worden ist. Nach dem Abtransport von Artern wurde die Bude zunächst zur Trocknung in Weißwasser eingelagert. Danach ist die Farbschichtenreihenfolge bis auf die Grundierung ermittelt worden. Die Fensterrahmung war noch einigermaßen stabil und wurde zunächst für die weitere Bearbeitung gesichert. Nicht zu erhalten war leider das Dach, das abgenommen werden musste; selbiges gilt auch für die Grundplatte, die sehr verwittert war. Beide Elemente werden komplett erneuert. Dabei muss improvisiert werden, da die genauen Maße der geborgenen originalen Hölzer kaum noch zu ermitteln sind. - Unser Bild zeigt bereits abgeschlossene Arbeiten bzw. weist auf noch zu erledigende Schritte hin. Der Dachraum ist konserviert, die rechte Seite des Häuschens ebenfalls. Der mittlerweile dritte Voranstrich ist erfolgt (der unbekannte originale Konservierungsanstrich führte zuvor zur Verdunklung der weiteren Farbgebung). Nach Drehung der Hütte erfolgte die Grundsanierung der linken Seite und die Farbgebung der Rückwand, anschließend die Wiederherstellung von Dach und Grundplatte. Nach Aufrichtung der Hütte ging es an die Innensanierung sowie den Farbanstrich mit „Bleiweiß“. Die Verglasung stellt dann das handwerkliche Finale dar. Gewisse künstlerische Freiheit hingegen wird bei der Eingangspforte und der klappbaren Sitzmöglichkeit walten müssen, doch werden auch hier größere „Stilabweichungen“ vermieden!


Gagarin-Stein saniert

Dienstag, 10. Dezember 2019

In diesem Jahr hätte er seinen 85. Geburtstag feiern können, wäre Juri Gagarin nicht 1968 bei einem Testflug mit einer MiG 15 unter nie gänzlich geklärten Umständen tödlich verunglückt. Immerhin war der Flieger zu diesem Zeitpunkt längst eine Legende, nämlich seit dem 12. April 1961, als er mit dem Raumschiff Wostock 1 einige Erdumrundungen hinter sich gebracht hatte. Diese welthistorische Tat widmete Gagarin zuvor mit einer schriftlichen Erklärung jedoch lediglich „den Menschen des Kommunismus“. Wieder aus dem All zurück, hatte der Held der Sowjetunion dann mit recht irdische Problemen zu tun: von wegen hohen Wodka-Konsums oder peinlichen Verletzungen nach einem Sprung vom Balkon nach Fremdgehen mit einer Krankenschwester im Kosmonauten-Erholungsheim. Das makellose Image von Staatschef Nikita Chruschtschows Vorzeige-Sowjetmenschen blätterte also schon zu Lebzeiten Gagarins. - Dessen ungeachtet erfährt dieser noch heute die ihm zustehende Ehre als erster Mensch im Kosmos. Auch in Artern war man vom bemannten Raumflug 1961 derart begeistert, dass kurzerhand die altehrwürdige Sangerhäuser Straße in Juri-Gagarin-Allee umbenannt und dem Fliegerkosmonauten ein pyramidales Denkmal gesetzt worden ist. Das war am 15. Juli 1961 im Rahmen eines Bürgerfestes. - Seither erfuhr der mannshohe Gedenkstein allerdings kaum Pflege, und nach fast sechs Jahrzehnten stand das Denkmal insofern vor dem Aus, als es nicht mehr auf der angestammten Rasenfläche an der Sangerhäuser Straße geduldet wurde. Im Frühjahr 2019 abgebaut und auf dem Bauhof stationiert, ist der auch zwischenzeitlich in seiner Substanz ramponierte Stein auf Initiative des Heimatvereins Aratora bzw. in Absprache mit der Stadt Artern während der vergangenen Wochen in der Werkstatt von Steinmetz Marko Gödicke (unser Bild) wiederhergestellt worden (Denkmalkörper, Schriftzüge, Farbe und kaputte Pyramidenspitze). Den krönenden Sowjetstern fertigt die Schmiede Fister. Nach dieser Restaurierung wird das Juri-Gagarin-Denkmal am heutigen 10. Dezember 2019 wieder aufgestellt und offiziell übergeben: etwas südlich des bisherigen Standortes auf einer kommunalen Grünfläche. Die anfallenden Kosten übernimmt der Heimatverein ARATORA erneut komplett aus eigenen Mitteln und hat somit auch in diesem Jahr ein historisches Arterner Kleindenkmal, seit 2015 bereits das sechste (!), wiederherstellen lassen. - Zum Schluss (und ohne Lokalkolorit) noch etwas zum Schmunzeln: Als vor rund zehn Jahren die 1983 gegründete Space Foundation eine Umfrage zum einflussreichsten „Weltraumhelden“ initiierte, landete Neil Armstrong als erster Mann auf dem Mond ganz oben. Gagarin schaffte einen respektablen sechsten Rang, gemeinsam mit James T. Kirk, Kapitän der Enterprise im Jahr 2200!


Impflisten

Dienstag, 3. Dezember 2019

Eine unerwartet vorweihnachtliche Bescherung traf kürzlich aus dem Ruhrgebiet in Form von hunderten Kopien beim Heimatverein ARATORA ein (unser Bild). Jeweils im Format A3 abgedruckt, befinden sich auf angesprochenen Bögen historische Impflisten aus Artern mit tausenden Namen. Diese medizin-, orts- und familiengeschichtlich bedeutsamen Dokumente beginnen mit dem Geburtsjahr 1801 und umfassen sämtliche bis 1843 geborenen Kinder, die für Impfungen (die ältesten sind jene gegen Pocken) vorgesehen waren bzw. an denen Immunisierungen vorgenommen wurden. – Besonders in genealogischer Hinsicht sind diese Impfbelege bedeutsam, da mittels vorliegenden Unterlagen z. B. Abgleiche mit den Geburtseintragungen bzw. Sterbemitteilungen in den Kirchenbüchern vorgenommen werden können. Darüber hinaus sind auch weitere Forschungen möglich, die besonders die Sozial- und Hygienegeschichte der Stadt Artern aufzuhellen vermögen. Bis es soweit ist, müssen aber noch umfangreiche Sichtungen und darauf aufbauend Detailanalysen vorgenommen werden. Schon jetzt kann jedoch festgestellt werden, dass es bei der Erstellung der Impflisten enge Zusammenarbeit mit dem hiesigen Pfarramt gegeben haben muss, weil nur dort die Geburtsdaten von Kindern in den Kirchenbüchern verzeichnet waren (standesamtlich erst ab 1875/76). Weiterhin finden sich in den Kirchenbüchern und den Impflisten oftmals dieselben Handschriften, was die zuvor geäußerte Feststellung unterstreicht. – Noch unklar ist, ob bzw. wo das Original dieses großen Verzeichnisses heute noch auffindbar ist. Hierzu gegebene mündliche Mitteilungen harren noch der Untersuchung.