Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Harz-Zeitschrift 2022

Dienstag, 10. Januar 2023

Die Veröffentlichung ist seitens des verantwortlichen Lukas-Verlages noch für diesen Monat angekündigt – gemeint ist die neue Ausgabe der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde e.V., 74. Jahrgang für 2022 (unser Bild). Auf 160 Seiten und illustriert mit einigen Abbildungen werden dort erneut ausgewählte Aspekte aus der Kulturgeschichte des Harzes vorgestellt; diesmal leider ohne Artikel mit explizitem Bezug zum Süd- oder Ostharz. - Der Leitartikel von Rolf Bielau (†) widmet sich u. a. phänomenalen und onomastischen Schwerpunkten: „Die Quedlinburger Feldflur im Wandel der letzten 300 Jahre. Besonderheiten und Flurnamen“. Der sich anschließenden Aufsatz von Ludwig Christian Bamberg widmet sich dem Frankfurter Patrizier und Reiseschriftsteller Zacharias Conrad von Uffenbach (1683-1734) und stellt einen „Zeitzeugenbericht des frühen 18. Jahrhunderts zum Goslarer Dom“ in den Fokus. Bergbaufreunde werden sich auf den Bericht „Neues zum ersten Finder von Mercurium Ertz im ›wiedischen‹ Walkenrieder Forst“ aus der Feder von Erhard Jörn (†) freuen dürfen. Orts- und baugeschichtlich wird es danach mit Fritz Reinboths Mitteilungen über „Zeichnungen in der Walkenrieder Chronik von 1661“. Ulrich Feldhahn referiert hingegen über „Physis und Eros“ und stellt serielle Kleinplastiken des in Ilsenburg gebürtigen Bildhauers Walter Schott (1861-1938) vor. Archäologische Daten bringt ein Artikel von Jörg Brückner über die Schlichtenburg bei Benzingerode, deren Wallreste heute noch erkennbar sind. Bauhistorischem Thema widmet sich Fritz Reinboth mit der Untersuchung zum „Gipsmörtel als Ursache der Fundamentschäden des Klosters Walkenried.“ Zur Geschichte der Einführung des Begriffes bzw. des Prinzips der Nachhaltigkeit durch den Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) referieren schließlich Karl-Friedrich Weber und Friedhart Knolle. Zum Abschluss nimmt sich die neue Harzzeitschrift eines weiteren künstlerischen Themas an, wenn Fritz Reinboth über Janus Genelli (1761-1813), „ein Berliner Maler im Bodetal“ schreibt. Literaturschau, Nachrufe und Berichte beschließen den Band 2022 der Zeitschrift des Harzvereins.


CG 4-2022

Dienstag, 3. Januar 2023

Ein kaiserlicher Soldat mit Pickelhaube und Gewehr schmückt die Titelseite der noch druckfrischen Ausgabe 4/2022 der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ und weist damit bereits auf den thematischen Schwerpunkt dieses Magazins hin: Militär und Familienforschung (unser Bild). - Bereits im Leitartikel wird auf die Vielzahl von potentiellen militärischen Quellen eingegangen, auf deren archivarische Stand- und Fundorte. Artikel zwei geht auf das Militärportal im GenWiki ein. Danach werden beispielhaft württembergische Musterungslisten des 16./17. Jahrhundert unter die Lupe genommen, anschließend die einst separat geführt Militärkirchenbücher. Danach wird sich der österreichischen Militärgeschichte gewidmet bzw. relevanten Aufzeichnungen und Dokumenten in Archiven. - Nach Beschluss des Titelthemas steht das quelloffene Genealogie-Programm Gramps im Fokus, hier in der neuen, webbasierten Version. Diverse, stets nützliche Neuigkeiten und Kurzmeldungen auf der Welt der Familienforschung sind auf den nächsten vier Seiten nachzulesen. Als Zeitreise wird hernach der Gründung der „Königlich-Preußischen Gewehrfabrique“ vor 300 Jahren gedacht, dem sich vier Seiten interessante Interna des Vereins CompGen anschließen. - Bezüglich der Familienforschung in Übersee wird auf ein Schicksal in Australien eingegangen, danach Hinweise zur Präsentation von Forschungsergebnisse mitteilt sowie als Familienerbstück ein Kriegstagebuch vom Frankreich-Feldzug 1940 vorgestellt. - Dank an Redaktion und Autoren für die erneute Bereicherung des populären Schrifttums zur Familienforschung, die schon in einem Vierteljahr ihre Fortsetzung findet. Ende März 2023 wird sich das Magazin für Familienforschung thematisch den Konfessionen widmen und damit in der Genealogie wesentliche religiöse Charakteristika tangieren.


Saale-Unstrut-Jahrbuch 2023

Dienstag, 20. Dezember 2022

Auch in diesem Jahr veröffentlichte der Saale-Unstrut-Verein für Kulturgeschichte und Naturkunde e.V. im renommierten Mitteldeutschen Verlag das Saale-Unstrut-Jahrbuch; der soeben erschienene Band für 2023 trägt mittlerweile die fortlaufende Nr. 27 (unser Bild). Dort werden auf 128 Seiten abermals geschichtliche und naturwissenschaftliche Themen aus dem benachbarten Burgenlandkreis und dessen Umfeld in diversen Aufsätzen vorgestellt. In vier thematische Blöcke gegliedert wird in den Kulturgeschichtlichen Beiträgen Nachstehendes behandelt: Stephan Kujas: Die Saalecker Werkstätten – Vermächtnis und Zukunft eines „unbequemen Denkmals“; Petrik Wittwika: Industrieschauplatz von Weltruf – Zeitz als Stadt der Kinderwagen am Beispiel der Opel & Kühne AG; Jonas Lengenfeld und David Wendland: Großes im Kleinen: Die Steinplanung des Bergfriedes der Schönburg im Kontext der Naumburger Dombauhütte um 1200; Dieter Riemer: Uta von Naumburg – eine Prinzessin aus Kiew?; Matthias Ludwig: Das Naumburger Hospital St. Laurentius und das Waisenhaus der Domfreiheit; Ralph Steinmeyer: Als die Kultur laufen lernte. 30 Jahre „Die Ideenschmiede“ und „Der Naumburger“; Bruno Kaiser (†): Zur Geschichte des Naumburger Domplatzes; Dirk Heinecke: Johannes Lepsius (1858-1926) und die deutsch-armenische Schulpartnerschaft Naumburg - Jerewan. Dem schließt sich ein Bericht von Kirsten Reichert: Neues vom Welterbe an. - Aus der Naturkunde werden zwei Berichte publiziert, nämlich Andreas Löb: Die „Wunderbuche“ im Gutspark Dehlitz – Trauer- oder Süntelbuche? sowie Michael Unruh: Klima und Umwelt vor 35.000 Jahren am Mittellauf der Weißen Elster. Zur fossilen Schneckenfauna des Quartärs bei Breitenbach/Schneidemühle. - Als besonderes Kunstwerk wird abschließend die Ergänzung und Wiederaufstellung des Marienretabels auf dem Altar des Westchores im Naumburger Dom von Holger Kunde vorgestellt. - Bereits seit 1996 erscheint das Saale-Unstrut-Jahrbuch und zählt damit zu den langlebigen heimischen Periodika mit regionalgeschichtlichen Themen. Im Laufe der Jahre ist so eine beachtliche Sammlung von Artikeln und Fotos zustande gekommen, die geeignet sind, „die regionale Identität der Menschen in den alten Kultur- und Naturlandschaften ihrer Heimat zu stärken“, so der Verein in einer Selbstdarstellung. Dieser Feststellung kann uneingeschränkt beigepflichtet werden, verbunden mit dem herzlichen Wunsch nach Naumburg, auch künftig diese attraktiven und abwechslungsreichen Jahrbücher aus der mitteldeutschen Welterbe-Region veröffentlichen zu können! - Unseren Vereinsmitgliedern, Freunden und Homepage-Besuchern ein besinnliches Weihnachtsfest und einen fröhlichen Jahreswechsel sowie für das neue Jahr besonders Gesundheit und Durchhaltevermögen! Die aktuellen Meldungen machen über die Feiertage kurz Pause und werden am 3. Januar 2023 wieder aufgenommen, wie gehabt mit Informationen aus der Stadt-, Regional- und Landesgeschichte, über Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt sowie Veranstaltungen. Bis dahin alles Gute!


Dittichenrode – Bilder aus der Ortsgeschichte

Dienstag, 13. Dezember 2022

Neben naturschutzrechtlichen, landschaftspflegerischen und pädagogischen Aufträgen tritt das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz in Roßla sporadisch auch als Herausgeber einer ebenso inhalts- wie abwechslungsreichen Schriftenreihe mit heimatkundlichen Themen aus der Region Kyffhäuser, Südharz und Goldene Aue in Erscheinung. Nachdem bereits zu Jahresbeginn 2022 die vorzügliche Darstellung „Roßla 1025 Jahre“ erschien, ist nun ein weiteres attraktives Buch als Band 4 der Schriftenreihe erhältlich: „Dittichenrode – Bilder aus der Ortsgeschichte“, von dessen Titelblatt die dortige Kirche St. Marien und Anna grüßt (unser Bild). Auf knapp 200 A4-Seiten wird von Autor Heinz Noack aus Bennungen ein üppig illustrierter Querschnitt aus Vergangenheit und Gegenwart dieses Dorfes präsentiert. - Wanderfreunde kennen den Ort, von dem sich eine herrliche Aussicht zum Kyffhäuser eröffnet, historisch Interessierte hingegen sicherlich das Adelsgeschlecht von Tütcherode, das im Mittelalter eine regionale Rolle spielte. Beide Themen werden im Buch angerissen, das zunächst mit einem Rückblick auf die 750-Jahrfeier des Ortes 2011 beginnt, gefolgt von der Retrospektive auf die 1000-Jahrfeier 2013. Dieses rechnerische Unding resultierte aus der zwischenzeitlichen Auffindung einer Urkunde Kaiser Heinrich II., die die Ersterwähnung des Dorfes gleich um ein Vierteljahrtausend zurückdatierte. - Die Tage des offenen Denkmals 2010 und 2011 werden im dritten Bericht ausführlich gewürdigt und mit interessanten Fotos untermalt. Thematische Schwerpunkte damals waren die Kirche sowie die alte Kalkhütte. - Als Lebensbeschreibung wird das Wirken von Lehrer Rudi Worch gewürdigt, der im kulturellen Metier seiner Heimat zuhause war. - Chronistisch im klassischen Sinne wird es dann mit der umfänglichen „Chronik des Pfarrortes Dittichenrode“, die 1833 angelegt worden ist. - Zwangsläufig wird anschließend über den Gipsabbau und dessen Verarbeitung in Dittichenrode referiert, wovon noch heute eindrucksvolle Reste zeugen. - Die Vorstellung des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz mit seinen Naturschönheiten und kulturgeschichtlichen Objekten schließt sich an, ehe Betrachtungen zur Flora und Fauna in der Gemarkung Dittichenrode folgen. - Fazit: Das Buch „Dittichenrode – Bilder aus der Ortsgeschichte“ zeigt repräsentative Einblicke in die Ortsgeschichte, berichtet über ausgewählte Personen sowie zum natürlichen Umfeld eines kleinen Südharz-Dorfes. Das abwechslungsreiche und optisch sehr gelungene Werk sticht darüber hinaus mit einer starken Auswahl historischer und aktueller Fotos hervor, die in ansprechender Größe reproduziert worden sind. Schön auch, dass zwei verdiente, leider bereits verstorbene Heimatfreunde aus der Goldenen Aue, Helmut Landmann aus Roßla und Steffen Döring aus Sangerhausen, mehrfach bildlich verewigt worden sind. - Gefunden wurde allerdings kein Hinweis auf einen der bekanntesten Söhne Dittichenrodes: Wilhelm Heinrich Christoph Schmölling (1828-1908), später Musiker und Chorleiter in Haarlem (Niederlande). Doch an dessen ausführlicher Biografie wird ohnehin schon gearbeitet, nämlich in Artern! Die Veröffentlichung seines Lebensbildes wird voraussichtlich in einem regionalen Medium aus der Goldenen Aue erfolgen.


Heft 31

Dienstag, 6. Dezember 2022

Mit 416 Seiten Umfang ist die neue Ausgabe (Heft 31) von „Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt“ erneut schwergewichtig - sowohl von der Eigenmasse her, besonders aber von der Qualität der Autoren, vom Inhalt der Abhandlungen sowie den beigefügten Illustrationen; von der Titelseite prangt Burg Falkenstein im Harz (unser Bild). Beinahe der gesamte Lesestoff befasst sich diesmal mit Burgen unserer weiteren Heimat zwischen Harzgebirge und Unstruttal. Daher wird an dieser Stelle umso lieber ein Blick ins Buch geworfen: Heinz Noack aus Bennungen und Reinhard Schmitt aus Halle widmen sich mit einem stark bebilderten, essentiellen Aufsatz auf fast 50 Seiten der „Baugeschichte der Burg Questenberg im Südharz“, der sich in die detaillierte Beschreibung der Burg sowie die breitgefächerte Historie derer Errichtung gliedert. - Erneut Heinz Noack und als Koautor Jürgen Pichl aus Erfurt sind die Verfasser eines aufschlussreichen Berichts zur Geschichte der Burg zu Kelbra. Mit diesem Artikel wurde nämlich erstmals überhaupt intensiver in die Vergangenheit dieser leider eher unbekannten und bislang kaum erforschten Burg in der Goldenen Aue eingedrungen. - Manfred Linck aus Bad Dürrenberg hat sich thematisch den Steinkugeln auf der Burg Querfurt angenommen, gemeint sind historische Geschosse von Belagerungsgeschützen. Um diese in Querfurt allerdings ortsfremden Objekte entwickelt der Autor einen mittelalterlichen Krimi. - Auch die Neuenburg bei Freyburg hat einen Bericht abbekommen: Tobias Knobelsdorf aus Dresden widmet sich einer neu entdeckten Ansichtszeichnung des Neuen Flügels von 1775. - Nicht zuletzt nahm Reinhardt Schmitt den Burgfried als Bauwerk und Statussymbol ins Visier und berichtet in einem großen Artikel über dessen damalige Funktionen innerhalb von diversen Burgen in Sachsen-Anhalt. Eine Rezension über die Veröffentlichung zum bekannten Burgenforscher Otto Piper beschließt das neue Jahrbuch von „Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt“, das nahtlos an die hohe Qualität seiner Vorgänger anschließt, verbunden mit besonderem Dank an Reinhardt Schmitt als langjährige gute Seele dieser bedeutenden regionalgeschichtlichen Periodika sowie deren sachlich und fachlich unbestrittenen Autoren.


Mundartfragebogen

Dienstag, 29. November 2022

Die Bearbeitung eines bereits seit etlichen Wochen vorliegenden, zweiseitigen Fragebogens (unser Bild) ist dieser Tage vorgenommen worden, wobei der Bitte eines Linguisten vom Sprachwissenschaftlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen nachgekommen wurde. Dieser beschäftigt sich mit den Dialekten Mittel- und Norddeutschlands und forscht zur Verwandtschaft und der Entwicklung der hiesigen Mundarten. Entsprechende Mundartproben werden u. a. anhand eines standardisieren Fragebogens erhoben, der für die in Artern gesprochene Regionalsprache nun „transkribiert“ worden ist. Dessen Inhalt besteht aus einfachen Sätzen mit ganz bestimmten Schlüsselworten sowie ausgesuchter Grammatik. Besagte Sätze in Mundart zu übersetzen war eine ebenso angenehme wie belustigende Angelegenheit – besonders dann, wenn die gesprochenen bzw. niedergeschriebenen Worte und Sätze sowie die Beugung von Verben teils erheblich vom Hochdeutschen bzw. dessen sprachlichen Regelungen abweichen. Hintergrund der Aufnahme auch der Arterner Mundart ist allerdings eher ernster Natur, weil in absehbarer Zeit, oft schon mit der nächsten Generation, Dialekte mutmaßlich verschwinden werden! Daher müssen Sprachproben für die wissenschaftliche Forschung dokumentiert werden. Selbstverständlich sind die vorgenommen Übersetzungen individuell geprägt, sodass Abweichungen vorkommen können. - Nachstehend einige Probesätze und deren Übertragung in charakteristische heimische Worte: 1. Morgen gehen wir in die Schule. Dort lernen wir, wie man Briefe schreibt. (Morjen jehn mer in de Schule. Dort lern mer, wie me Briefe schreiwet.) 32. Wir wollen die Hunde aus dem Garten lassen. Könnt ihr uns dabei helfen oder wollt ihr das nicht? (Wir wolln de Hunne ausm Jarden lassn. Kennt ihr uns dabei helfe oder wollte das nich?) 35. Mutter sagt: „Kinder, überall laßt ihr eure Kleidung liegen! Ihr kommt jetzt her und hebt sie auf!‟ (Mutter saacht: „Ginger, iwwerall lasst ihr eire Kleidung lehn. Ihr gommet jetz här und hebt se off!“).


Klinkermauer Kiga

Dienstag, 22. November 2022

Zum Jahresende 1897, mithin vor 125 Jahren, kursierten weitreichende Planungen zum Umbau der innerstädtischen Verkehrsverbindungen. An diese letztlich auch umgesetzten Vorhaben soll nachstehend kurz erinnert werden; es handelt sich um den damals avisierten Bau des südlichen Abschnitts der späteren Magdalenenstraße (Höhe Kindergarten), eine Trasse also, die seither den direkten Weg in die Arterner Innenstadt ermöglicht. - Die Sangerhäuser Zeitung berichtet über dieses umfängliche Bauvorhaben: „(Straßendurchbruch.) Der Magistrat hat die Absicht, zur Verbindung der unterhalb des Weinbergs gelegenen Wilhelm- (heute Puschkin-) und Louisenstraße mit der inneren Stadt ein Fahrstraße zur schaffen und zu diesem Zweck die Johannisstraße nach der nördlichen Richtung zu durchbrechen. Gegenwärtig findet die Verbindung nur mittelst einer engen und dumpfen Gasse [neben Hillmers Gasttätte] statt, die im Winter bei Glätte wegen zu starken Gefälles nicht immer ohne Gefahr zu passiren ist. Deshalb muß die Schaffung einer ordentlichen Verbindungsstraße zwischen besagten Straßen und der eigentlichen Stadt als ein dringendes Bedürfniß angesehen werden, umsomehr, als die Entnahme des Trinkwassers in der Hauptsache aus Brunnen stattfindet, die hinter der Stadt liegen. Die jetzt bestehende enge Verbindungsgasse ist daher sehr frequentirt. Um die geplante Straßenanlage bewirken zu können, müssen allerdings einige Gehöfte in der Johannisstraße angekauft werden; die Kosten der Straßenanlage werden daher nicht unbedeutend sein. In ihrer nächsten Sitzung wird sich die Stadtverordnetenversammlung mit der Sache beschäftigen und es darf wohl im allgemeinen Interesse erwartet werden, dass die Vorlage angenommen wird.“ - Unser Bild zeigt die einst markante Klinkersteinmauer in der Magdalenenstraße vis-a-vis des Kindergartens am 25. März 2012, ein Tag vor deren Abriss.


Offline-Webseite Brauerei

Dienstag, 15. November 2022

Eine erfreuliche Überraschung kam in der vergangenen Woche in Form eines elektronisch Überblicks lokaler Sammlertätigkeit beim Heimatverein ARATORA an, erarbeitet von einem langjährigen Vereinsmitglied aus dem Erzgebirge. Zusammengebastelt als Offline-Webseite in Uralt-HTML hat sich der Verfasser mit der Geschichte der Brauerei Artern und deren Erzeugnissen beschäftigt bzw. diese in diverse Systematiken gebracht. Nach einleitenden Worten mit Daten zur Vergangenheit des Werks schließen sich als Hauptteil diverse Sammlerobjekte aus der über hundertjährigen Geschichte der Arterner Brauerei an, als da wären: Flaschen mit und ohne Prägungen, Kronkorken aus Porzellan und Blech, Bauch-, Hals- und Rückenetiketten für diverse Bierflaschen und alkoholfreie Getränke (auch Fehldrucke), Preisangaben, Bieruntersetzer, Biergläser und Krüge, Emailleschilder, Aktien und sonstiges; je mit hunderten Abbildungen versehen! - Sämtliche Objekte wurden vom Autor mit relevanten Daten, Jahreszahlen, Wertstellungen, Texten und Bemerkungen, die für Sammler und Historiker von Bedeutung sind, versehen. Erst in vorliegender, sicherlich nicht kompletter Präsentation ist die Vielfalt der Werbeträger auf Bierflaschen bzw. rund um den Arterner Gerstensaft zwischen 1879 und Mitte der 1990er Jahre ersichtlich bzw. nachvollziehbar. Die Fortführung dieser Sammlung auf selbem Niveau wäre angebracht und erstrebenswert, möglichst angepasst an moderne Möglichkeiten der elektronischen Erfassung und Darstellungen derartiger Kollektionen.


Denkmal Marktplatz

Dienstag, 8. November 2022

Ehe mit Beginn der Adventszeit zu Ende dieses Monats Lichter und bunte Weihnachtsreklame das spätherbstliche Stimmungstief zu heben versuchen, steht die Erinnerung an die Verstorbenen im Mittelpunkt, beginnend mit dem Volkstrauertag am kommenden Wochenende und sieben Tage später dem Totensonntag. Am Volkstrauertag wird seit 1952 den Kriegstoten und Opfern von Gewaltherrschaften gedacht. In eben diesen Kontext passt eine Meldung aus der Sangerhäuser Zeitung vom Jahr 1897, als unter dem Schlagwort „Todtgesagt“ folgende makaber-kuriose Geschichte aus Artern mitgeteilt worden ist: „Ein von hier stammender Herr besuchte neuerdings seine Vaterstadt und unterwarf dabei auch das neuerbaute Kriegerdenkmal [von 1895 auf dem Marktplatz, unser Bild] einer Besichtigung. Auf der Rückseite des letzteren ist eine Gedenktafel angebracht, auf welcher die Namen der in den letzten Kriegen [Deutsch-Dänischer Krieg (1864), Deutsch-Österreichischer Krieg (1866) und dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71)] gefallenen Söhnen Arterns verzeichnet stehen. Wie erstaunte und erschrak der Herr, als er beim Lesen dieser Namen auch den seinigen aufgeführt fand! Nachdem er sich von der Bestürzung einigermaßen erholt, soll er sich sofort aufs Rathaus begeben und sich dort als noch lebend vorgestellt haben. Dem Vernehmen nach ist eine Verwechslung mit seinem Bruder vorgekommen. Soll der Name nun geändert werden, so bedarf es eines vollständigen Umgusses der Tafel.“ Dies ist offenbar nicht geschehen, und auch die angesprochene Verwechslung ist längst der Vergessenheit anheimgefallen. Ein Grund mehr, diese retrospektiv schwarzhumorige Begebenheit in der jetzigen stillen Zeit wieder ins Bewusstsein zu rufen, verbunden mit herzlichem Dank an Christine Stadel in Sangerhausen, die obigen Presseartikel (neben mittlerweile zighundert weiteren, Artern betreffend) für uns entdeckt hat.


Geopfade

Dienstag, 1. November 2022

Mit dem Slogan „Der Natur auf der Spur – Geologie zum Erleben & Anfassen“ wirbt der Geopark Kyffhäuser online für die im Einzugsbereich eingerichteten Geopfade, auf denen sich Wanderer mit erdgeschichtlich bedeutsamen und lokal markanten Objekten vertraut machen sollen. Und von solchen geologischen Hotspots gibt es schließlich etliche! Allerdings bedürfen diese Routen der Überarbeitung, besonders hinsichtlich deren Präsentation im zugehörigen Handbuch. Dieses erschien nämlich letztmalig 2008 unter dem Titel „ GeoPfade - unerwartete Begegnungen auf steinigen Wegen. Wandern und Radwandern auf GeoPfaden im GeoPark Kyffhäuser“ (unser Bild). In der Zwischenzeit hat sich in den örtlichen Gegebenheiten dies und das geändert bzw. wird nun das Wegenetz auch quantitativ erweitert. Diese Änderungen werden in der erweiterten Neuauflage der sehr informativen und attraktiven, bislang 128seitigen Broschüre berücksichtigt. - Auch der Geopfad in Artern wird in seiner Routenführung und hinsichtlich der anzusprechenden, geologisch relevanten Objekte Änderungen erfahren. Aus diesem Grund befindet sich der Text von 2008 aktuell in der Überarbeitung durch den Heimatverein ARATORA und soll Mitte Monat als druckreifes Manuskript vorliegen bzw. dem Geopark Kyffhäuser zur Verfügung stehen. Neu hinzu kommen sollen jetzt als Stationen bzw. Hinweise z. B. der Natur- und Kräutergarten an der Sole, der Wappenstein der ehemaligen Saline auf dem Salzdamm, der Versteinerte Baum an der Veitskirche und der Gipsaufschlussl nahe der Solequelle. Über die Erweiterung der Vorort-Beschilderung der in der Broschüre beschriebenen bzw. erwähnten geologische relevanten Objekt muss dann im Nachgang entschieden werden.


Sporthaus Hindenburg

Dienstag, 25. Oktober 2022

Eine absolute bildliche Rarität fand kürzlich als Schenkung den Weg von Berlin nach Artern: eine postalisch nicht gelaufene Ansichtspostkarte mit fünf farbigen Einzelfotos, schätzungsweise gedruckt um 1900. In bislang mehr als vierzig Jahren der Beschäftigung mit bzw. der Sammlung von historischen Postkarten ist diese Edition noch nie aufgetaucht! Es dürfte sich daher um eine damals nur in sehr geringer Auflage publizierte Edition handeln. Besonders der Herausgeber der Karte ist bemerkenswert: das „Sporthaus Hindenburg“, das die Geschwister Unger in Artern betrieben, über deren Wirken allerdings noch keine Details ermittelt werden konnten. - Die Einzelbilder zeigen diverse Situationen an der Unstrut meist nahe dem Glinz, wobei das erste Foto den Eingangsbereich zum einem Gelände zeigt, das Wassersportlern zu eigen war. Das Eingangstor dorthin schmückt der Schriftzug „Sporthaus Hindenburg“, dahinter ein Fachwerkwohnhaus. Das daneben sichtbare Bild zeigt eben dieses Fachwerkgebäude in Gänze, im Hintergrund Schornsteine des Industrieviertels. Das dritte Fotos stellt Ruderer in der Schleuse dar, das vorletzte Bild dann Ruderer auf der Unstrut, womöglich am Unstrut-Bogen nahe dem Aschewall der Saline. Das letzte Einzelbild ist als „Ruderstation“ tituliert; im Hintergrund die Bahnbrücke und die Zuckerfabrik. Auffällig sind hier die Bauformen der abgebildeten Ruderkähne, welche gar nicht zum in der Schleuse aufgenommenen Bild passen. Diese Boote am Glinz verfügten schon über Luftkästen am Bug und Heck. - Über den Winter sollen Recherchen auf Landkarten und in Archivalien erfolgen, die die auf der Postkarte dargestellten Situationen hoffentlich besser zu erklären vermögen.


Blaskapelle

Dienstag, 18. Oktober 2022

Eine unerwartet erfreuliche Bereicherung des Vereinsbilderarchivs erfolgte kürzlich aus Halle/S., als sich von dort Besuch einstellte und zwei alte Fotoalben sowie diverse lose Bilder mitbrachte. Diese Abbildungen datierten sämtlich aus der Zeit um 1970 und zeigen bislang kaum veröffentlichte historische Motive aus Artern. Zu sehen sind u. a. die Schloßstraße aus verschiedenen Perspektiven, die Schönfelder sowie Sangerhäuser Straße, hier noch mit Resten des Wasserschlosses, und die Eröffnung der Freilichtbühne. Der Clou aber sind Fotos aus dem Wirken der Blaskapelle der POS „Maxim Gorki“ unter Leitung von Musiklehrer Erich Keßler (unser Bild). Das attraktivste dieser Bilder zeigt die Musiker auf dem Weg über die Straße der Jugend in Richtung der Saline, noch mit der damaligen Altbebauung im Hintergrund (später Abriss wegen Errichtung eines Wohnblocks). Ein anderer Schnappschuss wurde am Werkseingang der Kyffhäuserhütte Artern gemacht, der Werktätige zeigt, die aus dem Betrieb strömen. – Diese und weitere Fotos aus besagter Sammlung werden eine optisch und historisch wertvolle Bereicherung der nächsten Bildbände des Heimatvereins ARATORA sein, die für 2023 und 2024 vorgesehen sind.


Umschlag BB6

Dienstag, 11. Oktober 2022

Eigentlich war der zur Veröffentlichung im kommenden Jahr vorgesehene Bildband mit weiteren historischen Stadtansichten redaktionell so gut wie abgeschlossen – eigentlich! Doch weil während der vergangenen Wochen noch derart zahlreiche, attraktive und seltene Motive überbracht worden sind, muss nun im Interesse unserer Leser eine extensive Umarbeitung des Manuskripts vorgenommen werden. „Schuld“ daran sind einmalige Fotos, die aus Berlin, Halle/S. und Pritzwalk sowie aus einem großen heimischen Nachlass kamen und nun zur Verfügung stehen. Viele dieser Bilder wurden als qualitativ dermaßen gut und historisch wichtig eingeschätzt, dass die Umgestaltung des bisherigen Schriftsatzes gerechtfertigt ist (die nunmehr übrig gebliebenen alten Abbildungen werden dann sicherlich 2024 in einem weiteren Band verarbeitet). - Schlicht mit dem Arbeitstitel „Unterwegs in Artern - Reise durch die Stadtgeschichte anhand historischer Fotos“ versehen, umfasst das kommende Buch wiederum 128 Seiten, auf denen 124 historische Abbildungen präsentiert werden. Diese datieren zumeist in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, weitere überwiegend in die 1950/60er Jahre. Es handelt sich durchweg um noch nie oder bislang nur selten veröffentlichte Aufnahmen von mehr als 25 Bildgebern. Vorbehaltlich eines möglicherweise noch attraktiveren Fotos soll die hier beigefügte Aufnahme mit Blick von der Schönfelder Straße zum Rathaus die Titelseite des nächsten Buches schmücken. Bis Jahresende wird noch an dessen Schlussfassung gefeilt. Danach werden Fotos und Texte zum Layout und Satz sowie zum Druck gegeben. Die Veröffentlichung wird für das Frühjahr 2023 angestrebt.


CG3-2022

Dienstag, 4. Oktober 2022

Mit der soeben erschienenen Ausgabe 3/2022 der Quartalszeitschrift „Computer-Genealogie“ liegt erneut spannender Lesestoff nicht nur für Familienforscher vor. Schwerpunktmäßig wird sich diesmal dem Thema „Bauern, Siedler, Landgebräucher“ gewidmet, d. h. es werden Leben und Arbeiten im historisch-agrarischen Bereich näher untersucht (unser Bild). Das macht generell insofern Sinn, als die meisten unserer Vorfahren ebendort Beschäftigung fanden. Sieben Artikel widmen sich dieser vergangenen Lebenswelt: ausgehend vom Mittelalter, dann auf die verschiedenen gesellschaftlich relevanten Schichten der früheren Bauernschaft schwenkend, um schließlich den Alltag der bäuerlichen Bevölkerung darzustellen. Es folgt ein Bericht zur allgemeinen bäuerlichen Quellenforschung (Register, Protokolle, Verzeichnisse usw.), weiterhin eine Abhandlung zur Familien- und Hofforschung. Dem schließt sich eine Darstellung über süddeutsche Kolonisten im Herzogtum Schleswig an, ansonsten noch eine Biografie des „Bauernforschers“ Arno Lange. - Aus der Welt der Computer-Genealogie wird das Programm „Ahnenblatt“ umfänglich vorgestellt, gefolgt von aktuellen nationalen und internationalen Meldungen zur Familienforschung. - Das vorliegende Heft hebt sich aus der ohnehin stets hohen Qualität der Inhalte der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ besonders ab und ist daher für Anfänger und Fortgeschritten wärmstens zu empfehlen. Dies umso mehr, als bei der historischen und genealogischen Forschung die bäuerliche Bevölkerung in der Regel stets im Fokus von Recherchen steht. Das vierte Heft in 2022, das vor Weihnachten erscheint, steht dann unter dem Titel „Opa war beim Militär“ und verspricht ein gleichfalls interessantes und oft tangiertes genealogisches Thema.


Infotafel Knipserbude

Dienstag, 27. September 2022

Eine in mehrerer Hinsicht schwergewichtige eisenbahnhistorische Überraschung gelangte dieser Tage aus dem Harz nach Artern: Mehrere Kilogramm (!!!) historische Akten über regionale Bahnstecken, so zur Kyffhäuser-Kleinbahn, der Unstrut-Bahn und der Linie zwischen Sangerhausen und Artern. Aufgrund der Fülle des Materials kann eine Sichtung aber erst im Laufe dieses Herbstes stattfinden, weswegen hier nur sehr grob die Inhalte angesprochen werden können: viele Zeichnungen und Skizzen sowie Schriftverkehr und Karten. Besagte Akten waren während eines Wohnungswechsels aufgetaucht, und der Besitzer, der bereits vor drei Jahren dem Heimatverein ARATORA Material zur Kyffhäuser-Kleinbahn überlassen hatte, erinnerte sich erneut unseres Interesses an solchen Archivalien, für die er eigens den Harz durchquerte und diese persönlich übergab. Mitte oder Ende des vierten Quartals können an dieser Stelle genauere Mitteilungen zu den überlassenen Aktenpaketen gemacht werden. - Eine weitere bahngeschichtliche Episode soll gleichfalls löblich erwähnt werden: Seit Anfang Oktober 2022 ist an der sanierten „Knipserbude“ vom Bahnhof Artern eine Info-Tafel angebracht, damit sich Interessenten über dieses mittlerweile sehr selten gewordene bzw. seit 2021 in der Veitskirche befindliche Konstrukt belesen können. Der Erläuterungstext wurde auf einen unbedruckten Plan der Ankunfts- und Abfahrtszeiten für Personenzüge aufgebracht und vermittelt somit stilecht historische Bahnhofsatmosphäre (unser Bild). Initiiert hat die Tafel unser langjähriges und aktives Mitglied Hans-Joachim Büchner aus Weißwasser, der außerdem eine weitere wichtige Zuarbeit ablieferte: In penibler Arbeit hat er die Wiederherstellung des Fahrkartenhäuschen fotografisch dokumentiert und die Bilder der einzelnen Phasen der Sanierung mit entsprechenden Texten versehen. Herausgekommen ist eine sehr attraktive, kurzweilige und aussagekräftige Informationsmappe, die die „Knipserbude“ als liebenswertes Detail der Arterner Eisenbahngeschichte gebührend gewürdigt. Die generalisierende Anerkennung für die Wiederherstellung der „Knipserbude“ wird vermutlich aber erst in fernerer Zukunft geschehen, wenn sich auch an höherer Stelle die Erkenntnis eingestellt hat, welch rares verkehrsgeschichtliches Kleinod sich in der Veitskirche zu Artern befindet!