Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Grabdenkmal Walter

Dienstag, 30. August 2022

Coronabedingt und anderer Umstände wegen wurde die schon vor über zwei Jahren angedachte Sanierung eines ausrangierten historischen Grabsteins auf dem Arterner Friedhof leider stark verzögert. Doch nun ist es endlich soweit: Die Wiederherstellung des dreiteiligen und übermannshohen Grabdenkmals der Marie Elisabeth Walter ist im Gange und befindet sich deswegen zur Wiederherstellung in einer Steinmetzwerkstatt (unser Bild). - Im Vorfeld ergaben sich jedoch Schwierigkeiten, die gemeistert werden mussten. Diese Probleme basierten auf dem Erhaltungszustand der Schriftzüge, die nach fast 175 Jahren teilweise erheblich verwittert waren, was zunächst zu Leseschwierigkeiten führte. Nach Stunden der Analyse am Bildschirm sowie nach der Inaugenscheinnahme des Steins in der Werkstatt konnte nun der komplette Text entziffert werden. Hierfür nötig waren verschiedene Dateivarianten der fotografierten Textblöcke, u. a. als Negative sowie unter Zuhilfenahme verschiedener Farbfilter. Erschwerend kam der aus heutiger Sicht etwas schwülstige Trauertext hinzu, der mit nicht mehr geläufigen Phrasen und Wortschöpfungen gespickt war. - Demnach war die Verewigte, eine geborene Bauer, am 4. Dezember 1796 in Bottendorf geboren worden und starb in Artern am 29. August 1850. Ihr Ehegatte war der hiesige Bürger, Einwohner, Schiffseigner und Besitzer der Ziegelei in der späteren Unstrutstraße Christian Walter. Grund des frühen Ablebens von dessen Frau war eine Cholera-Epidemie, die damals in Artern wütete. - Nach der Wiederherstellung des Grabdenkmals wird dieses nahe der Feierhalle wiedererrichtet, und zwar so, dass für Friedhofsbesucher die Texte auf den jeweils gegenüberliegenden Seiten des Steins lesbar werden. Das Denkmal der Marie Elisabeth Walter kann und soll künftig stellvertretend für eine einstmals auch in Artern reichhaltige, heute jedoch arg dezimierte Anzahl von Grabsteinen wahrgenommen werden, die die bürgerliche Sepulkral- und Gedenkkultur des 19. Jahrhunderts anschaulich werden lässt.


Artikel

Dienstag, 23. August 2022

Nach wie vor steht die regionale Eisenbahngeschichte im Fokus der Heimatforschung; in diesem Kontext ist natürlich auch die Kyffhäuser-Kleinbahn stets ein Thema. In einer neuen Veröffentlichung wird diese vormalige Bahnlinie zwischen Artern und Berga/Kelbra gewürdigt (unser Bild), nachzulesen in der 130. Fortsetzung des Sammelwerks „Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland einst und jetzt“, herausgegeben vom Dr. Lutz Münzer. Dort werden insgesamt sieben historische Eisbahnstrecken vorgestellt. Ins Auge sticht dabei das durchweg hervorragende Layout sämtlicher Artikel mit angemessen großen, attraktiven Abbildungen sowie Plänen und Skizzen. - Der Bericht zur Geschichte der Kyffhäuser-Kleinbahn umfasst zwölf Seiten und wurde vom Eisenbahnhistoriker Paul Lauerwald aus Nordhausen verfasst. Die Textaussagen werden eindrucksvoll mit 26 Illustrationen untermalt. Der Verfasser beginnt seine Darstellung mit der Planungsphase der Strecke und gleitet dann in die Bauzeit der Trasse über, die durch den Ersten Weltkrieg verzögert worden ist. Es folgt eine Kurzdarstellung der Stationen der Kleinbahn sowie deren Entwicklung bis 1945. Beachtung findet dann der Einsatz von Bussen als Ergänzung zum Bahnbetrieb sowie die Nutzung von Triebwagen. Der später hinzugekommene Haltepunkt Altendorf (Kelbra) wird separat beleuchtet, während danach die Übernahme der Strecke durch die Deutsche Reichsbahn behandelt wird. Das allmähliche Ende und die Stilllegung der Bahn nimmt etwas größeren Raum ein, ehe eine tabellarische Aufstellung der Betriebsstellen und Anschlüsse mit zugehörigen historischen Daten den Bericht beschließt. - Eisenbahnfreude dürften sich besonders über die Bebilderung des Artikel sfreuen, u. a. die Bahnhöfe Artern, Sittendorf und Kelbra, Landschaftsaufnahmen mit der Bahn als Teilmotiv, Lokomotiven, Brücken und Personal, weiterhin Zeichnungen und Fahrpläne.


Handbuch Flurnamen

Dienstag, 16. August 2022

Wolfram Voigt aus Schkölen ist vielbeschäftigt; wenn er sich nicht berufsbedingt der Garten- und Landschaftspflege widmet, forscht er u. a. über Flurnamen und -denkmale, und wenn die Zeit ausreicht, wird daraus die eine oder andere Veröffentlichung. Auf sein neuestes Werk, das „Handbuch der schönsten und spannendsten Flurnamen Mitteldeutschlands“ (unser Bild), soll an dieser Stelle sehr gern hingewiesen werden. - Auf 173 Seiten werden dort in alphabetischer Reihenfolge ausgewählte Flurbezeichnungen aus den fünf ostdeutschen sowie angrenzenden Bundesländern vorgestellt. Dieser Publikation gingen jahrelange Recherchen voraus, in deren Verlauf über 15 Millionen Flur- und Straßennamen durchgesehen worden sind. Drei Personen waren an der Erfassung beteiligt. - In der nunmehr dritten, erweiterten Auflage kommen seltene, kuriose und rätselhafte Flurnamen zur Vorstellung. Sechs Verbreitungskarten zählen Belege zu Thie-Stätten auf, weiterhin die Questenberge, Sperlingsberge Kuhtänze, Schenken- und Schwiegelberge. An eigentümlichen Flurnamen, die im Buch erklärt werden, soll nachstehende Auswahl genügen: Adam und Eva, Butterberg, Drachenberg, Eierkuchenberg, Froschweide, Gansberg, Heißer Stein, Königsstuhl, Lange Else, Melm, Orlas, Pfingstanger, Sackpfeife, Spielberg, Tumirnicht, Wurmberg und Zollstock. - Der aufmerksame und in der hiesigen Flurnamenslandschaft bewanderte Heimatfreund wird nicht wenige Flurnamen wiederfinden, die auch in unserer Region zu finden sind. Vor allem in diesem Sinne spricht das Handbuch sowohl „altgediente“ Forscher wie auch Neueinsteiger ein. Besonders letztere mögen sich angeregt fühlen, sich diesem faszinierenden Forschungsbereich zu widmen, denn was gibt es schöneres, als mit alten Landkarten, Flurbüchern und Katasterakten zu arbeiten und dabei Namenforschung zu betreiben. Das Arbeitsfeld ist nach wie vor groß und alles andere als abgeschlossen. Wolfram Voigts handliches Buch zum kleinen Preis macht jedenfalls richtig Appetit, sich (wieder) diesen alten Namensdenkmälern zu widmen!


Amtsgerichtgebäude

Dienstag, 9. August 2022

Wer Familienforschung betreibt, kann sich in der Retrospektive glücklich schätzen, Kriminelle unter seinen Vorfahren und Verwandten zu haben. Dann nämlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Missetaten dieser Diebe, Gauner und Betrüger in historischen Zeitungen ihren Niederschlag gefunden haben, wenn Reportagen aus den Gerichtssälen publiziert wurden. Oft sind dann detailliert die begangenen Straftaten wiedergegeben und die Urteile mitgeteilt worden. Jenseits von Eintragungen in Kirchenbüchern oder auf Standesämtern bringen solche Berichte „Leben“ in die Familienforschung, bringen diese doch wichtige Details der Lebensläufe der Verurteilten ans Licht. - Aus der eigenen Familiengeschichte soll ein solcher Fall nachstehend als Paradebeispiel für ungezählte ähnliche Pressemitteilungen veröffentlicht werden; diese hier zum vorläufigen Abschluss unserer kleinen Sommerserie über historische Kriminalfälle stammt vom März 1881: „Der Arbeiter Gustav Dunse von hier [Halle/S.] und der Arbeiter Gottfried Schmelling aus Eisleben, zwei alte Zuchthäusler [!], wurden gestern Vormittag in der Dunse’schen Wohnung durch Herrn Kriminal=Kommissar Grosse verhaftet, weil sie verdächtig sind, in der Nacht zum 22. v. M. bei dem Kaufmann Riecke in Roßla einen Einbruch verübt und dabei 120 Mk. baares Geld entwendet zu haben; außerdem wird ihnen ein anderer Einbruch zu Last gelegt, der in der Nacht zum 27. Febr. zum Nachtheile der Wittwe Großstück in Breitungen verübt wurde und bei dem die Diebe ca. 20 Mk. raubten. Außer Geld wurde nichts entwendet. Schmelling war kaum 2 Tage aus dem Zuchthause, wo er 4 Jahre zugebracht hatte, entlassen, als er den obenerwähnten ersten Einbruch begangen zu haben scheint. Dunse war im Herbst v. J. vom Zuchthause entlassen.“ - Unser Bild zeigt das Gebäudes des Amtsgerichts in Artern als historische Stätte der regionalen Rechtspflege.


Reinsdorf von Süden

Dienstag, 2. August 2022

Eine andere historische Meldung aus dem Gerichtssaal soll heute im Rahmen unserer kleinen Reihe während der Sommerpause mitgeteilt werden; die relevante Verhandlung fand 1884 in Nordhausen statt. Ein ganz besonderes „Früchtchen“ war demnach der 1869 in Reinsdorf (unser Bild) geborene Karl Friedrich Knoche, damals also noch ein Schuljunge. Dessen Anklage: Urkundenfälschung und versuchter Betrug. Obwohl eine guter Schüler und aus ordentlichem Elternhaus stammend, missbrauchte er seinen darauf beruhenden Vertrauensvorschuss wie folgt. Was heute vielen ihr Smartphone als Statuszeichen ist, war damals der Besitz einer Taschenuhr, denn mit einer solchen wollte Knoche prahlen. Allerdings hatte er kein Geld, um sich einen Chronometer auf redliche Weise zu beschaffen. Also musste die krumme Tour angewendet werden, und die ging richtig schief! - Am 21. Dezember 1868 ging der Angeklagte in das Geschäft von Uhrmacher Thieme in Artern und gaukelte diesem mit einem gefälschten Schreiben vor, für seinen Lehrer Köthe eine Taschenuhr abholen zu wollen, die der Pädagoge bei nächster Gelegenheit dann bezahlte würde. In einem anderen Fall wurde Knoche von Pfarrer Reichardt in Reinsdorf beauftragt, für arme Kinder Spenden zu sammeln. Das tat der Junge auch, änderte jedoch die Summe auf der Spendenliste ab, um einen namhaften Betrag für privat abzubiegen. Davon angespornt, entwarf Knoche eine weitere Liste, um nun zu hundert Prozent auf eigenen Profit Kollekten zu sammeln. Über 22 Mark erschwindelte dieser mit besagter Aktion. Weiterhin versuchte der Angeklagte, auch bei Uhrmacher Ungewitter in der Arterner Wasserstraße eine Taschenuhr zu ergaunern. - Es kam schließlich, wie es kommen musste: Aller Schwindel flog auf und Karl Friedrich Knoche kam vor den Kadi. Er war geständig und musste trotz seiner Jugend ins Gefängnis: für sechs lange Monate, „die der Knabe sofort antrat“. - Im alten Preußen hatte demnach Recht noch mit Strafe zu tun! Also keine Glaceehandschuhe, mit denen kriminelle Wiederholungstäter von der Justiz angefasst worden sind, und vor allem keine Sozialstunden im Tierheim. Im dunklen Karzer durfte der jugendliche Mehrfachbetrüger über seine Schandtaten nachdenken und nach Besserung streben!


Hochzeit Artern

Dienstag, 26. Juli 2022

Ein weiterer Fall von Justiz vergangener Zeiten soll heute unsere kleine Sommerserie über Kuriosa aus der Stadtgeschichte bereichern, wobei es um eine verdrängte Eheschließung und deren verheerende Auswirkungen geht. Die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal meldete 1865 folgendes: Der Arbeiter Andreas Becker aus Artern war ein unbescholtener Mann, ehelichte 1842 Marie Bärenklau und lebte mit dieser in Goldlauter, Südthüringen. Zwei Jahre später kam es zum großen Krach, und die Gattin verließ Becker klammheimlich. Dieser zog nach Artern zurück und heiratete 1857 die Witwe Regine Piller. Nach deren Tod 1863 ehelichte Andreas Becker die Friederike Bärwinkel. - Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte demnach zweifache Bigamie betrieben hätte, da er ja immer noch mit der ausgebüchsten Marie, geb. Bärenklau verehelicht war. Diese indes hielt Becker für tot, da seine Bemühungen, die erste Ehefrau aufzufinden, ohne Erfolg waren. Marie Becker starb allerdings erst 1864 und hatte bis dahin keine Anstalten gemacht, ihren Verflossenen wiederzusehen. Bei dessen späterer, d. h. zweiter Eheschließung hatte Andreas Becker jedoch einen entscheidenden Fehler gemacht, als er dem Pfarrer anlog, er sei noch Junggeselle. Zudem wäre er damals gedrängt worden, die Witwe Regine Piller zu heirateten, da man in seinem Umfeld eine wilde Ehe nicht dulden wollte. - Trotz dieser verzwickten Umstände hielt der Staatsanwalt seine Anklage aufrecht, und das Gericht verdonnerte schließlich den Bigamisten zu sage und schreibe zwei Jahren Zuchthaus! - Unser Bild zeigt Blumenkinder vor der Marienkirche um 1930, die auf das Hochzeitpaar warten.


Geschäft Engelhardt

Dienstag, 19. Juli 2022

Wie bereits angekündigt, soll die eher ereignisarme Zeit über den Sommer hinweg mit kurzen, aus heutiger Sicht kuriosen oder amüsanten Kurzmeldungen aus der Stadtgeschichte überbrückt werden. Heute wird über eine 1906 aufgeflogene Kinderbande berichtet, wobei Parallelen zur Gegenwart durchaus gezogen werden können. Die Presse meldete folgende Sachverhalte hierzu und gab zugleich die Strafmaß vor: „Artern. Ein vierblättriges sauberes Kleeblatt bilden in unserer Stadt vier Jungen im Alter von etwa 12 Jahren, welche schon seit fast einem Jahr das unsaubere Handwerk des Diebstahls betrieben haben, und zwar mit eine Raffiniertheit, die es ermöglichte, daß das Treiben der Bürschchen so lange unentdeckt bleiben konnte. Vernehmungen haben ergeben, daß die meisten Geschäftsleute heimgesucht worden sind, darunter solche, die die Diebstähle bis vor kurzem überhaupt nicht entdeckt hatten. Den jungen Dieben ist vieles in die Händen gefallen: Lebensmittel, Spielwaren, Zigaretten, Gebrauchsgegenstände usw. In der Regel verlangten die Jungen in den Geschäften solche Gegenstände, von denen sie wußten, daß diese dort nicht zu haben sind. Beim Verlassen des Ladens ließen sie dann die Ladentür angelehnt und während dann der Ladeninhaber den Laden verlassen hatte, betraten sie denselben schnell wieder und stahlen, was ihnen in die Hände fiel. Selbstverständlich mußte vor dem Laden einer „Schmiere“ stehen. Alle Tage eine gehörige Tracht Prügel wäre hier wohl angebracht.“ - Unser Bild zeigt den Blick in das Geschäft von Franz Engelhardt in die Leipziger Straße um 1900, der vielleicht auch damals Opfer der Kinderbande geworden ist.


Misthaufen vor Haus

Dienstag, 12. Juli 2022

Über die Umsetzung von Ordnung, Sicherheit und Hygiene im öffentlichen Raum in Artern und auch anderswo ließ und lässt sich trefflich streiten. Doch nicht nur in heutiger Zeit, auch bereits früher machten sich die Stadtväter Gedanken, wie die Bewohner zu mehr Reinlichkeit angehalten werden könnten. Eine vor knapp anderthalb Jahrhunderten in kraft getretene, diesbezügliche amtliche Verordnung sollte in Artern für Klarheit sorgen. Mit dieser, nachstehend beschriebener Richtlinie beginnt eine lose Folge von aus heutiger Sicht merkwürdigen oder kuriosen Begebenheiten aus der städtischen Geschichte, die zum Nachdenken und/oder Schmunzeln anregen soll: „Unsere hiesige [Arterner] Polizeiverwaltung erläßt [1884] nachstehende sehr lobenswerthe Anordnung: Jeder Eigenthümer oder Nießbraucher eines im hiesigen Stadtbezirke liegenden Grundstückes hat die vor demselben befindlichen Gossen oder Rinnsteine täglich gründlich zu reinigen und den Unrath fortzuschaffen [unser Bild]. Die Reinigung ist mit frischem Wasser vorzunehmen und von Zeit zu Zeit ist eine Desinficirung der Rinnsteine mit Carbolsäure zu bewirken. Die Aborte und Düngerstätten in jedem Gehöfte sind öfter als gewöhnlich auszufahren, Jauche oder ähnlicher Unrath, namentlich die Abgänge in Schlächtereien, Gerbereien sind wohlbedeckten Behältern oder den Düngerstätten zuzuführen und durch Aufstreuen von Torf oder anderer Asche, Gypskalk, Kehricht und dergleichen zu binden. Insbesondere sind die Besitzer von Gast- und Schankwirthschaften verpflichtet, Abtritte und Pissoirs regelmäßig und gründlich desinficiren zu lassen. Dünger, welcher aus den Gehöften auf die Straße geschafft wird, ist sofort aufzuladen und abzufahren, die Straße wieder zu reinigen bzw. abzuspülen und zu desificieren. Zugleich wird von dem Verkaufe ungesunder Nahrungs= und Genußmittel, namentlich unreifen Obstes, sauren Bieres u. s. w. gewarnt. - Wer den vorstehenden Anordnungen nicht nachkommt bezw. zuwiderhandelt, verfällt in die gesetzliche Strafe.“


Bauernstein

Dienstag, 5. Juli 2022

Für eine derzeit in Arbeit befindliche Materialsammlung im Vorfeld einer geplanten Buchveröffentlichung werden Heimatforscher, Ortschronisten und Interessierteren herzlich um Mithilfe gebeten! Gesucht werden „Die letzten Spuren der bäuerlichen Gerichtsbarkeit in Thüringen“, so der Arbeitstitel des Vorhabens. Gemeint sind insbesondere alte Bauernsteine, Gerichtsteine oder -tische, weiterhin vormalige Gerichtslinden oder andere Bäume mit Relevanz zur mittelalterlichen bäuerlichen Rechtsprechung. Neben heute noch vorhandenen dergleichen Objekte sind aber auch mittlerweile verschollene Steine und Bäume von Interesse, so Meldungen in Akten, alte Gerichtsverhandlungen, Ackerverzeichnisse oder Flurnamensregister (z. B. Namen wie Steinernes Gericht, Am Bauernstein, Am Gerichtsstein, Mahlstein, Alte Linde, An der Gerichtslinde, Mahllinde). Initiator ist ein Forscher aus dem Saale-Holzland-Kreises, der mit solchen Daten unterstützt werden soll. - Angelehnt an den prächtigen Sonderband von Archäologie in Sachsen-Anhalt „… ahnn den Stein, so uf den Anger stehet - Bauernsteine in Sachsen-Anhalt. Ein Inventar“ von Wernfried Fieber, Heiner Lück und Reinhard Schmitt soll ein Verzeichnis für Thüringen entstehen, das sich aber nicht nur auf alte Gerichtssteine konzentriert, sondern auch Gerichtsbäume einbezieht. Für dieses Projekt werden Hinweise jeglicher Art erbeten, gern auch Fotos oder Reproduktionen, die bitte an den Heimatverein ARATORA gemeldet werden möchten. Diese Informationen werden dann an den Autor weitergeleitet. - Unser Bild zeigt den Schulzenstein in Voigtstedt, ein vor einem halben Jahrhundert geretteter mittelalterlicher Gerichtsstein.


CG 2-2022

Dienstag, 28. Juni 2022

Und wieder ist ein Vierteljahr vorüber, denn die neue Ausgabe 2022 der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ liegt seit dem zweiten Quartalsende auf 42 Seiten druckfrisch vor (unser Bild). Im Fokus diesmal: Genealogische Nachlässe. Vier Artikel behandeln im aktuellen Magazin dieses allgegenwärtige, wenngleich stets gern beiseite geschobene Thema über den Umgang mit ererbten familiengeschichtlichen Sammlungen. Der Anspruch, solche oft über Jahrzehnte hinweg erstellten Stammbäume nebst Dokumenten nach Besitzerwechsel für künftige Generationen zu erhalten und zu pflegen, stellt sich als nicht einfach heraus. Jede der möglichen Varianten der Überlassung (Vorlass, Nachlass an Archive oder Vereine, Online-Präsentation im Internet) birgt ihre Tücken und ist meist mit viel Arbeit und großem Zeitaufwand verbunden. Auch die Option der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in Buchform oder auf Webseiten muss vorab gründlich überlegt werden. Nicht zuletzt sollte an eine genealogisches Testament gedacht werden, worin der Verbleib der Daten und Sammlung festgelegt wird. (Übrigens betrifft die angesprochene Nachlassverwaltung nicht nur genealogische, sondern viel öfter orts- und regionalgeschichtliche Sammlungen mit Texten, Bildern und Dokumenten, die nicht selten bei Haushaltsauflösung unbedacht im Container landen, womit so manches, oft über Jahrzehnte hinweg liebevoll gepflegtes Lebenswerk in Sekunden zerstört wird.) - Es schließen sich nützlichen Kurzmeldungen an, ehe genealogische Hilfsprogramme vorgestellt werden, so Software zur Transkription von digitalisierten Urkunden bzw. zur Literatur- und Quellenverwaltung oder Fotobearbeitung und -verwaltung. Vorgestellt werden hernach zwei neue Versionen von Anwendungsprogrammen zur Familienforschung. Besonders für Forscher, die Relationen in die USA haben, ist der Artikel über die Freigabe der Unterlagen zur Volkszählung 1950 in den Vereinigten Staaten von Interesse. Für Freunde der mehr und mehr in der Fokus rückenden DNA-Genealogie ist der Bericht über GEDmatch als Portal für diese Art der Familienforschung lesenswert. Erinnert wird dann über die Einführung der Maß- und Gewichtsordnung 1872 im Deutschen Reich, d. h. die Harmonisierung solcher gebräuchlichen Einheiten. Weitere Kurzmeldungen beenden die aktuelle Ausgabe der „Computer-Genealogie“. - Danke erneut an den Verein für Computer-Genealogie für eine inhalts- und abwechslungsreiche sowie hoch informative Broschüre, die ebendort zum Preis von 5,00 Euro bestellt bzw. abonniert werden kann – eine kleine Ausgabe mit hohem Nutzen für Familien- und Heimatforscher!


Brauerei und Unstrut

Dienstag, 21. Juni 2022

Der Erhalt zahlreicher Unterlagen aus der Vergangenheit der Brauerei und Malzfabrik in Artern, bereits als aktuelle Meldung vom 1. Februar 2022 mitgeteilt, bietet eine optimale Ausgangslage für eine potentielle Veröffentlichung. Diese Feststellung konnte nach intensiver Inaugenscheinnahme einer maschinenschriftlichen bebilderten Chronik aus den späten 1970er Jahren, angefertigt zum 100. Betriebsjubiläum, gemacht werden. Das Dokument müsste man lediglich abschreiben. Die Texte sind inhaltsreich und die Fotos außerordentlich gute Reproduktionen. Allein schon mit dieser Basis käme eine solide Geschichte der Arterner Brauerei in Druckform zustande, zumal besagte Chronik einen halben Ordner an Material umfasst. - Ergänzt werden könnte dieser originale Pulk mit einem Anhang weiterer alter Bilder und kurzer Texte zur Werksgeschichte. – Immer wieder werden Fragen betreffs der Geschichte der Betriebe im ehemaligen Industrieviertel an den Heimatverein ARATORA herangetragen. Oben geschilderte Situation lässt es zu, ohne allzu großen Aufwand eine gut recherchierte und illustrierte Broschüre entstehen zu lassen, die den geäußerten Wünschen entgegenkommen sollte. Auch über die Arterner Stadtgeschichte hinaus hätte diese Chronik Relevanz, werden doch u. a. deren Außenstellen angesprochen und abgebildet, so u. a. Sangerhausen, Kelbra, Allstedt und Uftrungen. - Das Jahr 2024 wäre als Veröffentlichungstermin optimal, weil dann der 145. Gründungstag des Werks relevant ist. Wir werden hier sukzessive über den Fortgang dieser Idee berichten, zumal noch große Teile mit unerschlossenem Material zur Arterner Brauerei gesichtet und sortiert werden müssen. - Unser Bild zeigt die Brauerei in leicht verfremdet gezeichneter Darstellung als Detail einer Ansichtskarte um 1900.


Arterner Kirchenchronik

Dienstag, 14. Juni 2022

Einen unschätzbaren historischen Hort an Dokumenten, Bildern und Informationen aus vier Jahrhunderten erhielt der Heimatverein ARATORA dieser Tage als Überlassung eines altgedienten, sehr aktiven Mitgliedes. In digitaler Form liegt nunmehr eine Sammlung mit sagenhaften 179 Gigabyte Umfang vor, was über 87.000 Dateien entspricht. Darunter befinden sich PDF-Bücher, fotografierte Archivakten, Urkunden, Aufzeichnungen, Bilder, Karten und Pläne. Diese Dateien berühren die Geschichte der Stadt Artern, benachbarte Gemeinden sowie Orte in der Goldenen Aue und im Südharz. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Kirchengeschichte, weiterhin Unterlagen zu historischen Steuern und Personendaten aus vergangenen Zeiten. - Im Laufe des Sommers wird ein detaillierter Überblick über den Fundus vorliegen, danach werden Prioritäten hinsichtlich der weiteren Bearbeitung vorgenommen. Aufgrund der Regionalität des Datenmaterials könnten dann auch befreundete Geschichtsvereine mit entsprechendem Material unterstützt werden. Unser Bild zeigt ein Dokument aus angesprochener Sammlung, nämlich das Titelblatt der „Historica und Nachrichtl. Beschreibung des vohrmaligen und itzigen Zustandes deren beyden Stadt=Kirchen zu Artern", gemeint sind die Marien- und Veitskirche.


Schönfeld um 1960

Dienstag, 7. Juni 2022

Eine Fleißarbeit sondergleichen leistete die vergangenen Jahren unser langjähriges Vereinsmitglied Dr. Axel Römer. Der einst in Artern wohnhafte und nun in Pulheim ansässige Chemiker nahm sich sämtlicher Grundstücke des Dorfes Schönfeld an und wies diesen deren einstige Besitzer zu, die er aus zahlreichen Archivalien recherchiert hat. Zudem finden sich eine größere Anzahl alter und jüngerer Notizen, die aus der Geschichte der einzelnen Gehöfte berichten, gleichfalls aus historischen Quellen geschöpft. Betitelt als „Geschichte der Hofstätten von Schönfeld - Besitzerfolgen seit dem 30jährigen Krieg“ liegt nun dem Heimatverein ARATORA eine digitale Kopie dieser Sammlung, bestehend aus über fünfzig Dateien bzw. mehr als 200 A4-Seiten, vor. - Der Autor erklärt im Vorwort über sein Werk: „Die Nummerierung der Hofstätten, die dem Gebäudebuch von Schönfeld von 1910 entnommen ist, wird auch jetzt noch benutzt. Die jeweilige Nummer steht im Titel eines jeden Beitrags vor dem Namen des Besitzers von 1910. In dieser Reihenfolge werden die Höfe mit ihren Besitzerfolgen beschrieben. Die im Titel zweite Namensnennung mit nachstehender Nummerierung geben die Besitzverhältnisse von 1691 wieder. Diese Nummerierung ist im Amtsbuch von Voigtstedt von 1691 benutzt worden. Bei Besitzerwechsel folgt auf die Jahreszahl der Name des neuen Besitzers im Großdruck. Die Quelle zu einem Eintrag ist immer an dessen Ende in Klammern angegeben. Genealogische Angaben stammen alle aus den Kirchenbüchern von St. Kilian in Schönfeld.“ - Mit der „Geschichte der Hofstätten von Schönfeld“ liegt nunmehr ein wichtiges ortsgeschichtliches und genealogisches Hilfsmittel vor, das in Kombination mit dem online erreichbaren Ortsfamilienbuch von Schönfeld (siehe dort unter Amt Voigtstedt) bei der Erforschung der Geschichte des kleinen Dorfes an der Unstrut sicher noch wichtige Dienste leisten wird. Allein das Quellenverzeichnis mit 88 Einträgen stellt eine hervorragende Erschließung der Dorfgeschichte der letzten 350 Jahre dar. Deren Transkription brachte zahlreiche neue Details zu den frühen Bewohnern und Besitzverhältnissen zutage. - Sicher ist die Erforschung der Vergangenheit Schönfelds noch längst nicht abgeschlossen, dafür liebt Dr. Axel Römer „sein“ Dörfchen zu sehr, als dass er jetzt aufhören würde. Zudem warten noch viele weitere Archivunterlagen darauf, aus der Geschichte von Schönfeld zu berichten. Unser Bild zeigt die dortige Kirche St. Kilian um 1960.


Promenade zur KHA

Dienstag, 31. Mai 2022

Die vor zwei Monaten erfolgte Veröffentlichung des historischen Bildbandes „Arterner Erinnerungen“ kam bei den Leserinnen und Leser sehr gut an, was sich an den Verkaufszahlen sowie an entsprechenden Reaktionen widerspiegelt. Dieses erfreuliche Interesse bildet die solide Grundlage für einen weiteren Bildband, der im kommenden Jahr erscheinen soll und an dem bereits gearbeitet wird. Der Stand hierzu ist, dass – vorbehaltlich noch zu erwartender weiterer Abbildungen aus der Vergangenheit unserer Heimatstadt – das Gros der zur Veröffentlichung vorgesehenen Fotos bereits ausgewählt und grob vorsortiert bzw. elektronisch bearbeitet worden ist. Aktuell stammen die vorgesehenen Bilder von mehr als 25 Personen aus Artern, der Umgebung sowie von außerhalb. Mehrheitlich handelt es sich dabei um private Aufnahmen. Erstmals können 2023 als Raritäten auch Aufnahmen der Ortslage von Kachstedt aus den 1930er Jahren gezeigt werden, weiterhin Motive aus dem Industrieviertel sowie überwiegend aus dem Stadtgebiet. Die zeitliche Zuordnung der Aufnahmen wird sich diesmal auf die erste Hälfte und die Mitte des 20. Jahrhunderts konzentrieren. - Unser Bild zeigt Fahrbahn und Fußweg An der Promenade hin zur Kyffhäuserhütte zur Mitte der 1960er Jahre.


Kachstedter Brüder

Dienstag, 24. Mai 2022

Während eines Besuches in Kachstedt vor einigen Tagen wurde eine höchst interessante Mitteilung eingeholt, nachdem ein offenbar noch nicht all zulange dort befindlicher Findlingsblock neben der Bushaltestelle in Augenschein genommen worden war (unser Bild). Ein Einwohner brachte nämlich diesen Stein mit der nachfolgenden, von Ewald Engelhardt erzählten Sage in Verbindung: „Unweit von Kachstedt wollten drei Brüder Gericht abhalten, wurden aber uneins und erschlugen sich am Ende. Auf der Stelle wurden sie bestattet, und über ihren Gräbern ruhn noch jetzt drei mächtige Findlingsblöcke.“ Fehlen allerdings noch die beiden anderen großen Steine des angesprochenen Trios, die nach Aussage des Gewährsmannes während der Sanierung der Brücke bis 2018 auf Höhe des Teiches gleichfalls zutage kamen. Der kleinste dieser bislang als verschollen geglaubten Blöcke wurde von der Baustelle gerettet und im Dorf aufgestellt, die anderen beiden waren zu groß für den Transport und würden sich nun im Bett unter der Fahrbahn befinden. - Der gemutmaßte Zusammenhang dieser Steine mit zitierter Sage ist gar nicht so weit hergeholt, denn oberhalb des Kirschberges befand sich tatsächlich eine mittelalterliche Rechtsstätte (Feldgericht). Möglich, dass die Steine, die wohl als Markierung eben dieses Platzes galten, irgendwann von dort als dem Ackerbau hinderlich bergab in die Nähe des Teiches verbracht worden sind. Diesen Faden weitergesponnen ist es sogar im Rahmen des Möglichen, dass die drei Steine noch viel eher eine ganz andere Funktion innehatten. Sie könnten als Bekrönung (Menhire?) auf längst eingeebneten Hügelgräbern gestanden haben, zumal nicht selten später Gerichtsstätten an derartigen urgeschichtlichen Anlagen angelegt wurden. Potentielle Hügelgräber gab es tatsächlich in unmittelbarer Nähe, so die urkundlich erwähnten, jedoch nicht mehr vorhandenen „7 Heug“ auf dem nahen Hutdeckel. - Erstrebenswerte Untersuchungen zu den Kachstedter Steinen dürften allerdings aus heutiger Sicht schwierig sein, zumal nur einer diese Blöcke gerettet ist. Zumal müsste die Luftbildarchäologie ehemalige Hügelgräber oberhalb des Teiches nachweisen. Aber auch, wenn sich diese nicht eruieren ließen, wäre die vormalige Funktion der drei Steine als Ortsmarkierung der erwähnten Rechtsstätte durchaus plausibel.