Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Saline-Karte

Freitag, 13. April 2018

Eine 82 Jahre alte Karte mit äußerst detaillierter Darstellung des Betriebsgeländes der Arterner Saline ist bereits vor Ostern schenkungsweise dem Archiv des Heimatvereins ARATORA zugeführt worden und wird künftig bei der ortsgeschichtlichen Arbeit sicherlich gute Dienste leisten. Der Plan wurde 1936 gezeichnet und misst stolze 97 x 80 Zentimeter. Die farbige Zeichnung ist auf eine aufklappbare derbe Pappe mit Beschichtung aufgezogen. Das Hauptgelände der Saline zwischen Unstrut und der damaligen Hindenburg-, heute Breitscheid-Straße wurde im Maßstab 1:1.000, jenes am Mühlgraben mit der „Kunst“ neben der Mühle Liebe im Maßstab 1:500 gezeichnet. Diese hohen Auflösungen der bildlichen Wiedergabe werden künftige Recherchen erheblich begünstigen. Als nächster Schritt soll die Karte mit großer Pixelzahl eingescannt werden, um einerseits eine digitale Sicherung zu erhalten, andererseits um damit optimal am Bildschirm arbeiten zu können, ohne das Original unnötig strapazieren zu müssen. – Neben der ausführlichen Wiedergabe und Beschriftung der Bebauung der Saline mit diversen Gebäuden für die Produktion, für entsprechende Hilfsprozesse sowie die Wohn- und Stallbauten (alle mit Nummerierungen und Größenangaben der Grundstücksvermessung) sind weiterhin sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen eingezeichnet worden. Im Einzelnen können jetzt nachvollzogen werden: Verlauf der Quell-, Unstrut-, Soleleitungen, der Abwasser- sowie der elektrischen Kabelleitungen, zudem die Standorte der Motor- und Kübelspritzen, Nass- und Trockenlöscher sowie Sandkästen, letztere sämtlich zur Feuerabwehr. Interessant sind auch eingezeichnete, längst vergessene Namen, so Unstrut- und Pflaumenweg im Parkbereich. Detailliert wiedergegeben wurden auch die Dammanlagen der Unstrut, die Gleisführung der Eisenbahn zur Saline und viele weitere, sehr aufschlussreiche bauliche, technische und technologisch relevante Einzelheiten. – Der „Lageplan der Saline Artern“, in Staßfurt von einem Markscheider (Name unleserlich) angefertigt, ist eine hervorragende Ergänzung zum bereits beim Verein vorliegenden historischen Kartenmaterial mit Gesamt-, Teil- und innerstädtischen Darstellungen von Artern bzw. Flurkarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Unser hier nur sehr kleinflächiger Bildausschnitt zeigt den Bereich des oberen Salinentors, u. a. mit den vier Soletanks, Maschinenhaus, der Transformation, Wohnhäusern und Turnhalle.


Ausstellung Gerichte

Dienstag, 10. April 2018

Die Nahrungsforschung als volkskundliche Disziplin widmet sich der Erkundung der sozialen und kulturellen Bedeutung von Essen und Trinken in Geschichte und Gegenwart sowie der früher und jetzt verwendeten Küchengerätschaften bzw. jeweiligen Tischsitten. Als relevantes Thema steht die Ernährungsgeschichte auch im Fokus der aktuellen Sonderausstellung des Spengler-Museums in Sangerhausen. Schlaglichtartig werden dort die Speisen selbst, deren Zubereitung und Häufigkeit des Verzehrs sowie die hierzu benötigten Hilfsmittel in der Küche und am Esstisch präsentiert. Am vergangenen Sonnabend wurde die Schau mit dem Titel „Geschirr, Geschichte, Gerichte“ von Museumsleiterin Monika Frohriep (Mitte) unter Teilnahme zahlreicher Heimatfreunde aus Mansfeld-Südharz und dem Kyffhäuserkreis eröffnet (unser Bild). Den Grundstock der neuen Exposition lieferte der 1933 verstorbene Sangerhäuser Stadtchronist Friedrich Schmidt, der ebenso volkskundliche und kulturgeschichtliche Themen in seine Forschungen einbezog. So hat der bekannte Heimatforscher auch Informationen über die Ernährungsweise in unserer Region vor gut 200 Jahren hinterlassen. Als Archivar des alten Sangerhäuser Geschichtsvereins sammelte er zudem Objekte zur regionalen Ernährungsgeschichte. Die Ausstellung geht von Friedrich Schmidts Aufzeichnungen und Texten aus und zeigt vom historischen Küchenutensil bis zum Tafelgeschirr zahlreiche Objekte aus der Sammlung des Spengler-Museums. Dazu gibt es Informationen, was und wie früher gegessen wurde, und natürlich auch historische Kochrezepte. Von mittelalterlichen Kochstätten am offenen Feuer bis hin zum gutbürgerlichen Esstisch für den Sonntagsbraten reichen die Schaustücke, wobei auch näher auf Einzelthemen eingegangen wird: Kuchen, Zucker, Kaffee, Bier, Branntwein, Wasser. – Die gezeigten Objekte stehen durchaus stellvertretend für die Esskultur in vergangener Zeit und zugleich auch mit Abstrichen für einen weiteren regionalen Umkreis. Somit können Heimatkundler und Interessierte durchaus Schlüsse ziehen, wie früher auch in ihren Orten Essen zubereitet und verzehrt worden ist. – Die wiederum sehr aufschlussreiche und attraktive Sonderausstellung ist noch bis zum 16. September 2018 zu sehen – es ist also Zeit genug, dem Spengler-Museum mit seinen einmaligen Sammlungen zur heimischen Geologie, Paläontologie, Naturkunde, Archäologie, Mediävistik, Regional-, Stadt- und Zeitgeschichte einmal wieder einen Besuch abzustatten!


Keller Zuversicht

Freitag, 6. April 2018

Zwecks Illustration der zwischenzeitlich auf fast fünfzig A4-Textseiten angewachsenen Abhandlung „Braunkohlenbergbau am Hutdeckel während des 19. Jahrhunderts: Quellentextliche Beiträge zur Montangeschichte der südöstlichen Goldenen Aue“ für die nächste Jahresschrift „Heimatblätter“ des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue wurden im März erste Geländebegehungen vorgenommen. Der kaum bewölkte Himmel und die strahlend warme Lenzsonne waren beste Voraussetzungen für angenehme Nachmittage in der Natur und für schöne Fotos. Besucht wurden zunächst die oberirdischen Bauruinen der Grube „Zuversicht“ aus roten Backsteinen sowie Reste des Dammes der Kohlenbahn nördlich und östlich von Borxleben, weiterhin das Schachtloch nördlich der Kuhlöcher bei Voigtstedt. Neben diversem Bildmaterial mit historischen Überbleibseln aus der Bergbauzeit wurde vor allem die traurige Erkenntnis mitgenommen, dass diese alten Stätten der Förderung von heimischen Erdschätzen nur allzu oft als rezente Müllkippen dienen. Allerdings waren auch historisch nicht uninteressante Kleinfunde unter dem sicherlich nicht legal abgekippten Material, so in Voigtstedt einige alte Ziegeln mit dem Schriftzügen „Louisenwerk A.-G. Voigtstedt“ und „L. Bettega & Co. Zschakau“, letztere eine bekannte Dampfziegelei bei Torgau. Die herrliche Fernsicht nach Sangerhausen, zum Kyffhäuser und auf Schloss Allstedt kompensierte zumindest etwas den verlotterten Eindruck der vormaligen Bergbaustätten, ebenso wie die doch ansehnlicher als gedacht gewordenen Motive auf den Fotos. – Weitere „Feldtage“ vor Beginn der Vegetationsperiode werden demnächst folgen, so in die Kuhlöcher, zum Gelände der Altgrube „Segen Gottes“ sowie an die Dammreste der 1860 errichteten Feldbahn Artern-Voigtstedt-Borxleben. Gute Wegweiser hierfür sind diverse, sehr detaillierte Karten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Lage- und Situationsplänen der alten Bergwerke nördlich und westlich von Artern, die uns als große farbige Kopien vorliegen. Am Rande erwähnt sei, dass für den bereits fast fertig gestellten Aufsatz u. a. sehr wichtige zeitgenössische Abhandlungen zum heimischen Kohlenabbau aus der Feder von Bergrat Friedrich Wilhelm Heun , von Salineninspektor F. A. Senff in Jena, weiterhin von Bergassessor Carl Frank und Bergfaktor Emil Leo aus Esperstedt als Quellen zur Verfügung standen! Zur Bebilderung des Berichts werden aber besonders noch historische Aufnahmen gesucht: von Schachtanlagen, Zechen-, Revier- und Maschinenhäusern sowie der Kohlenbahn, Bilder von Bergleuten, von deren Wohnhäusern, auch persönliche Dokumente der Kohlekumpel usw. Über entsprechende Reaktionen und hoffentlich auch Unterstützungen, besonders aus Borxleben, Edersleben und Voigtstedt, ist der Heimatverein ARATORA sehr dankbar! Unser Bild zeigt Kellerreste aus Klinkersteinen vom obertägigen Ruinenfeld der Grube „Zuversicht“ zwischen Borxleben und Kachstedt.


Enthülling Provinzstein

Dienstag, 3. April 2018

Es gibt Tage, da spielen Wind, Wetter und alle anderen Unwägbarkeiten keinerlei Rolle, da zählen nur der Anlass und das Ergebnis! Der vergangene Donnerstag war so ein Datum, als nach bedeutend mehr Mühen und Anstrengungen als gedacht zwei Denkmale in Artern offiziell der Öffentlichkeit übergeben worden sind: das sanierte Original des „Provinzsteins“ in der Sangerhäuser Straße und eine Kopie dieses Denkmals in der Reinsdorfer Straße. Mit deren Errichtung wurde ein historischer Zusammenhang im preußischen Straßenwesen wieder sichtbar gemacht: die Verantwortlichkeit für diese Chaussee seitens der Preußischen Provinz Sachsen ab Sangerhausen bis zum Standort des originalen Steins in Artern sowie ab Unstrut-Brücke in der Reinsdorfer Straße weiter nach Süden. Die Inskription „Provinz“ unterstreicht diese Kompetenz, während die Gravur „Stadt Artern“ deren Verantwortlichkeit für die Wegeführung und -unterhaltung im Stadtgebiet manifestiert. – Der ARATORA-Vorsitzende berichtete vor den 25 Teilnehmern zunächst aus der Geschichte des regionalen Straßenbaus und über den Verlauf der Sanierung bzw. Neuschaffung beider Kleindenkmale, an deren nebenbei laufender Erforschung ebenso die Forschungsgruppe Meilensteine e.V., der Sangerhäuser Geschichtsverein sowie der Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue mitarbeiteten. Unter dem Applaus von über zwanzig Gästen, u. a. aus Bennungen, Berga, Erfurt, Sömmerda und Tilleda, zogen Bürgermeisterin Christine Zimmer und Volkmar Künne aus Artern sowie die langjährigen Heimatfreunde Manfred Schröter und Heinz Noack den bis dato mit einer Abdeckplane versteckt gewesenen Stein (unser Bild). Ausführung und neuer Standort fanden durchweg Lob und Anerkennung. Im Anschluss berichtete Volkmar Künne über seine Kindheitserinnerungen an die alte Chaussee, die heutige Sangerhäuser Straße. – Danach führte der Weg in die Reinsdorfer Straße, dorthin wo der Damm der Kyffhäuser-Kleinbahn die heutige Bundesstraße B 86 kreuzt: zum der Standort der Kopie des „Provinzsteins“. Dieser Platz befindet sich zwar etwa 100 Meter weiter südlich als der historisch verbürgte (direkt an der Unstrut-Brücke), doch ist diese lokale Verschiebung marginal und verschmerzbar (zumal befindet sich in unmittelbarer Nähe der Lutherstein als weiterer Anziehungspunkt für Radfahrer und Spaziergänger). Steinmetz Marko Gödicke hatte für den zweiten „Provinzstein“ einen besonders schön marmorierten Block ausgesucht und die Schriftzüge „Provinz“ und „Stadt Artern“ eingemeißelt bzw. mit schwarzer Farbe gemalt Auch dieses neue Denkmal fand in den Augen der Besucher fast durchweg gute Kritiken. Lediglich eine augenscheinlich historisch nur dürftig bewanderte Person hatte schon tags zuvor die Gravur „Provinz“ für das Ansehen der Stadt Artern, die obendrein auch noch rückseitig schriftlich benannt ist, als geringschätzend gedeutet und damit diesen Duktus völlig missverstanden. Weiterhin wurde das neue Denkmal seiner Form nach mit einem Grabstein assoziiert! (Merke: Zwar ist jeder Grabstein ein Denkmal, doch nicht jedes Denkmal ist ein Grabstein.) Jedenfalls ist das ominöse Corpus Delicti in der Reinsdorfer Straße vorsichtshalber beidseitig fotografiert und eilfertig ins Rathaus gemeldet worden! – Ungeachtet solcher Provinz(stein)-Possen harren noch weitere Kleindenkmale in Artern der Sanierung. Eine Auswahl (auch historische Grabsteine sind darunter) wurde vom Heimatverein ARATORA bereits zur künftigen Wiederherstellung ins Auge gefasst. Die finanzielle Absicherung vorausgesetzt, könnte bereits im nächsten Jahr ein weiteres Kleindenkmal restauriert werden. Mögen bis dahin und darüber hinaus besonders die Anwohner in der Sangerhäuser, Voigtstedter und Puschkin-Straße sowie die Kleingärtner und Hundesportler in der Reinsdorfer Straße auf „ihre“ beiden „Provinzsteine“ stets ein wachsames Auge haben! Übrigens ist die seit Aufstellung der beiden Steine Mitte März immer wieder geäußerte Meinung, diese würden um 180 Grad verkehrt herum stehen, unrichtig! Es handelt sich schließlich nicht um Festlegungen von Ortseingängen. Vielmehr zeigen die Schriftzüge an, in wessen Zuständigkeiten jene Straßenabschnitte fallen, in die die Gravuren zeigen, also die Preußische Provinz Sachsen bzw. die Stadt Artern.


Kruzifix

Freitag, 30. März 2018

Unseren Mitgliedern, Freunden sowie Besuchern der Homepage wünscht der Heimatverein ARATORA besinnliche Ostern! Das zentrale Fest der Christenheit, an dem des Todes und der Auferstehung Christi gedacht wird, steht auch im Fokus unserer heutigen aktuellen Meldung, denn keine andere christlich-religiöse Figur symbolisiert, auch über den Karfreitag und die Osterzeit hinweg, den Leidensweg und die Erfüllung des Lebens Jesu nachhaltiger als das Kruzifix. „Zu den künstlerisch wertvollsten Werken im Kreisgebiet zählt das in der Marienkirche Artern aufbewahrte Kruzifix“, stellte Rainer Müller 2014 in „Kulturdenkmale in Thüringen“ Kyffhäuserkreis, Überblicksdarstellungen 5.1.“ fest. In der an kulturhistorisch und religiös eher spartanisch ausgestatteten Marienkirche ist dieses Kunstwert mit Darstellung des Gekreuzigten das älteste. Es wird in die Zeit der Spätgotik um 1510/20 datiert. Ort, Werkstatt oder Meister dieses Objekts sind nicht bekannt. Die Figur im Langschiff ist unterlebensgroß, zeichnet sich aber durch hohe Wirklichkeits- und Detailtreue aus. Das Kreuz ist neueren Datums. – Der Opfertod des Gottessohnes als zentrales Motiv des christlichen Glaubens kommt über die Zeiten hinweg in verschiedensten Darstellungen bzw. Details zum Ausdruck. Beim Arterner Kruzifix hat sein Meister zunächst Wert auf die Ebenmäßigkeit und Unversehrtheit des Körpers gelegt. Die Wiedergabe der Marterschmerzen am Kreuz hält sich in Grenzen. Der Ausdruck dieser Figur verbreitet eher den des Erlösers der Menschheit von deren Sünden sowie die Überwindung des Todes durch Jesu. Zwar stellte der Künstler schon sehr bewusst einen leidenden Jesus dar, doch strahlt dieser zugleich die Verheißung der Auferstehung aus. Die Figur steht damit in deutlichem Gegensatz zu manch anderen Kruzifixen in Kirchen unserer Heimat, die die Leiden Jesu teils drastisch und sogar „blutig“ in den Mittelpunkt stellen. Die mittlerweile 500jährige und damit vorreformationszeitliche Figur des Gekreuzigten in Artern überbringt, trotz oder gerade wegen ihrer Gefasstheit und Milde, den Kern der christlichen Lehre somit auf ganz eigene Art und Weise. – Unser Bild aus den 1950er Jahren zeigt das Kruzifix noch im Ostschiff, früher als Winterkirche und heute als Chorkapelle bezeichnet, und zwar platziert direkt vor oder auch etwas neben dem großen Spitzbogenfenster. Über der Figur ist ein jetzt nicht mehr vorhandenes Spruchband (wohl mit Schriftzug „I.N.R.I.“) erkennbar. Erst nach der großen Renovierung Ende der 1970er Jahre wurde auch der Ort dieses Kreuzes geändert, heute hängt es an der Nordostseite des Westschiffes.


CG 1-2018

Dienstag, 27. März 2018

Stets zum Quartalsende ist die Herausgabe eines neuen Heftes des Magazins „Computer-Genealogie“ verbunden (unser Bild). In der vorliegenden, noch druckfrischen Zeitschrift 1/2018 wird sich schwerpunktmäßig der Ortsfamilienbücher (früher auch Dorf- oder Ortssippenbücher genannt) angenommen. Diese Aufstellungen resultieren aus zuvor notwendigen Verkartungen von Kirchenbüchern und der Splittung dieser Daten in einzelne Familien, Familienmitglieder und der Darstellung deren genalogischer Beziehungen untereinander. Derart können mit viel Arbeit zuvor familiengeschichtliche Relationen über Generationen hinweg analysiert und aufgedeckt werden. Entsprechende Hinweise und Leitfänden gibt der Leitartikel. Im zweiten Bericht zum Thema wird das Programm Gen_Winplus umfänglich vorgestellt, mit dessen Hilfe Ortsfamilienbücher elektronisch erstellt werden können. Selbiges wird auch der Software Omega (Organisationsmedium für genealogische Anwendungen) zugesprochen, die danach präsentiert wird. – In einem thematisch anderen Bericht wird über die technische Umstellung von genealogischen Datenträgern bei den Mormonen informiert. Gleichfalls zu diesem Schwerpunkt kann sich der Leser dann über „Alte Kirchenbücher im digitalen Zeitalter“ kundig machen. Gar kriminalistisch wird es mit dem Artikel „Forensische Genealogie“, wobei Möglichkeiten genealogischer Methoden zur Identifikation von Tätern vorgestellt werden. Kurzmeldungen über Software für Familienforscher sowie diverse andere Spots aus der Welt der Genealogie informieren auf den Punkt über Neuigkeiten und Änderungen. Nicht uninteressant scheint auch das vorgestellte Programm StepMap zu sein, mit dessen Hilfe Ortsveränderungen und Wanderungen von Vorfahren kartografisch dargestellt werden können. – Wieder einmal kann die Zeitschrift „Computer-Genealogie“ und deren Redaktion nur gelobt werden ob einer erneut hochinteressanten und informationsreichen Edition! Zu Sommerbeginn erscheint Heft 2/2018 der „Computer-Genealogie“, dann mit dem sehr spannend klingenden Schwerpunktthema „Fotos als genealogische Quellen“.


Provinzstein im Schnee

Freitag, 23. März 2018

Nach den in den vergangenen drei Jahren erfolgten Sanierungen des Luthersteins von 1819, des Friedenssteins von 1871 und des Wappensteins um 1735 war auch im laufenden Jahr die Wiederherstellung eines historischen Kleindenkmals Ziel des Heimatvereins ARATORA. – Im Fokus besonders der vergangenen Wochen stand deshalb die Wiederherstellung des „Provinzsteins“ in der Sangerhäuser Straße, der wohl in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert werden kann (unser Bild). Es handelt sich bei diesem preußischen Denkmal um ein sehr seltenes Objekt, das straßenrechtliche Konzessionen im Zusammenhang mit der Nutzung der seit 1830 errichteten Chaussee von Sangerhausen nach Kindelbrück regelte. – Nachdem fast zeitgleich und rein zufällig auf einem historischen Foto um 1955 ein weiterer „Provinzstein“ nahe der Unstrut-Brücke entdeckt worden war, fiel die umgehende Entscheidung zur Herstellung einer Kopie des vorhandenen Denkmals, um dieses Duplikat in der Reinsdorfer Straße wieder aufstellen zu können. – Nachdem beide „Provinzsteine“ – das restaurierte Original und eine Reproduktion – vom Städtischen Bauhof sowie vom Steinmetzbetrieb Marko Gödicke gesetzt worden sind, sollen die Kleindenkmale mit einem feierlichen Akt der Öffentlichkeit übergeben werden. Hierzu werden Interessierte herzlich wie folgt eingeladen: Grün-Donnerstag, 29. März 2018 um 13.00 Uhr in der Voigtstedter Straße (Einmündung in die Sangerhäuser Straße). Dort wird über die Bedeutung des Provinzsteins und aus dessen Geschichte berichtet sowie das Denkmal offiziell enthüllt. Im Anschluss wird in die Reinsdorfer Straße (Einfahrt zum Grundstück des Hundesportvereins) gebeten, wo die Kopie des Provinzsteins der Öffentlichkeit übergeben wird.


Schröder und Loth

Dienstag, 20. März 2018

Es ist stets erfreulich, wenn über neu erschienene lokal- und regionalgeschichtliche Literatur berichtet werden darf. So erschien Ende vergangenen Monats mit Ausgabe Nr. 25 die jüngste Veröffentlichung aus der Reihe „Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“. Diese wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 24. Februar 2018 erstmals angeboten. Einen erfreulich umfangreichen Seitenumfang aufweisend, mannigfach illustriert sowie vor allem in gut lesbarer Schriftgröße gesetzt darf sich der geschichtlich interessierte Leser auf 189 Seiten abwechslungsreichen Lesestoff aus unserer Heimat freuen. – Zunächst wird ein Rückblick auf das inzwischen 25jährige Wirken des Sangerhäuser Geschichtsvereins und dessen zahlreiche, oft sehr beeindruckenden Leistungen seither geworfen. Die sich anschließende Abhandlung „Heimat – Fremde – Welt: Gedanken zu Jubiläum“ von Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger schließt sich eben diesem Anlass an und betrachtet auf ganz eigene (persönliche bzw. geschichtsphilosophische) Art und Weise die Begrifflichkeit der Heimat. Der obligatorische, erneut detailreiche und inhaltlich sehr beeindruckende Rückblick auf die Vereinsarbeit für 2016 folgt danach. Ein Blick in die geschichtliche Frühzeit der Siedlung Sangerhausen wird nachher mit dem Bericht „1025 Jahre urkundlich datierte Erwähnung von Sangerhausen“ geworfen. Details aus der Personengeschichte hingegen bringt der Artikel „Johann Friedrich Trautscholdt, Pfarrerssohn aus Blankenheim und Leiter des Eisenwerkes in Lauchhammer“. Die Justizgeschichte steht dann mit „Streiflichter aus 270 Jahren Gerichtsbarkeit im Neuen Schloss in Sangerhausen“ im Mittelpunkt. Nicht nur Freunde des regionalen Schienenwesens dürfen sich auf den umfänglichen Rückblick „150 Jahre Eisenbahn im Raum Sangerhausen“ freuen, ehe die Buch-Würdigung „110 Jahre Geschichte der Stadt Sangerhausen von Friedrich Schmidt“ zum Tragen kommt. Ein bedeutsames Stück Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit wird mit „Die archäologischen Ausgraben im Alten Schloss zu Sangerhausen“ publiziert. Die folgenden beiden Artikel widmen sich der kleinen Marienkirche am Bahnhof: „Schriftstücke und Münze im Turmknopf“ sowie „Wiederaufsetzen des Knopf auf den Turm“. Ein Rückblick auf die „Eröffnung des Thomas-Müntzer-Weges in Allstedt“ beschließt den Textteil, ehe etliche historische Ansichten aus Sangerhausen zu Anschauen einladen. Eine Bücherschau weist zum Schluss auf Heimatliteratur der jüngeren Zeit hin. – Sich mehr und mehr von einer zuvor eher spartanischen Aufmachung lösend, vollbringt auch die aktuelle Ausgabe der „Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“ wiederum gekonnt den Spagat zwischen ausschließlicher Darstellung von historischen Themen und der Transformation von städtischer Vergangenheit in die Jetztzeit. Fazit: In Sangerhausen ist Geschichte eben nicht nur Gewesenes, sondern immer auch Gegenwart – insbesondere durch das Wirken des dortigen Geschichtsvereins! Bedeutsame Buchpublikationen, wichtige Sanierungen von Bau- und Einzeldenkmalen, der Guss von vier Kirchenglocken im Vorjahr oder zahlreiche Veranstaltungen über Themen zur Geschichte und Heimatkunde machen dies anschaulich und begreifbar. – In absehbarer Zeit sind weitere Veröffentlichungen geplant: zur Vergangenheit der Feilenfabrik Sangerhausen, die zweite Auflage einer lokalen Broschüre für Wanderfreude, die Jahresschrift Nr. 26 sowie ein Dokumentarfilm über den Glockenguss für die Marienkirche von 2017. – Dank und Anerkennung unseren langjährigen Freuden aus der Berg- und Rosenstadt für solch hohes Engagement über die Jahre und Jahrzehnte hinweg! Unser Bild zeigt den Vereinsvorsitzenden Helmut Loth (links) mit dem sachsen-anhaltinischen Finanzminister André Schröder aus Sangerhausen, der als Mitglied des Geschichtsvereins zur Jahreshauptversammlung im „Herrenkrug“ anwesend war.


Provinzstein gesetzt

Freitag, 16. März 2018

Seit gestern steht er endlich wieder: der sanierte „Provinzstein“ in der Sangerhäuser Straße! Steinmetz Marko Gödicke brachte am frühen Nachmittag das Kleindenkmal aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von seiner Werkstatt zum neuen Standort, einem kommunalen Rasengrundstück an der Einmündung der Voigtstedter in die Sangerhäuser Straße, nur wenige Meter vom bisherigen Standort entfernt – dafür geschützter und viel besser sichtbar als bislang. Bereits am Dienstag hatte der Bauhof der Stadt Artern das Fundament vorbereitet, sodass die Aufstellung rasch vonstatten gehen konnte. Der nunmehr hell strahlende Stein dürfte sicherlich viele Blicke von Kraftfahrern sowie Fußgängern auf sich ziehen. Dies umso mehr, als der Arterner „Provinzstein“ ein mittlerweile sehr selten gewordenes Denkmal seiner Art ist. – Doch ist mit der gestrigen Aufstellung die Aktion „Provinzstein“ längst noch nicht beendet! Im Laufe der nächsten Woche wird eine Kopie dieses Denkmals in der Reinsdorfer Straße aufgestellt, womit ein historischer Kontext wieder hergestellt sein wird. Darüber und über weitere geschichtliche Aspekte rund um den „Provinzstein“ wird in einer offiziellen kleinen Feier zur Übergabe beider Denkmale berichtet, die noch nicht terminiert ist, aber spätestens in der Karwoche vonstatten gehen soll. Hierüber wird noch informiert, auch und besonders in der Presse, bzw. es werden gezielt Einladungen versendet.


Harzstraße 1886

Dienstag, 13. März 2018

Infolge der erfreulich hohen Resonanz unseres vorjährigen Bildbandes „Alte Heimat Artern – Die Bildersammlung des Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz (1898-1983)“ sowie der daraufhin als Schenkung erhaltenen zwei Fotoalben mit zahlreichen, überwiegend noch nie bzw. selten publizierten Aufnahmen, die unser langjähriges Vereinsmitglied Günther Burghardt aus Bad Frankenhausen zur Verfügung stellte, wurde seit Ende 2017 intensiv an einem weiteren Arterner Bildband gearbeitet. Die digitalen Vorbereitungen für dieses Buch sind mittlerweile abgeschlossen. Derzeit werden Layout und Satz des Buches besorgt. Der neue Band wird unter dem Titel „Alt-Artern in Bildern – Die Fotosammlung des Schlossermeisters Hans Burghardt (1897-1970)“ erscheinen. Interessierte dürfen sich auf eine wiederum 128seitige Veröffentlichung freuen, in der erneut 121 Aufnahmen aus der Arterner Stadtgeschichte zwischen ungefähr 1880 und 1980 zu sehen sein werden. Format und Layout werden 1:1 dem des letztjährigen, sich sukzessive dem Ausverkauf nähernden Bildband „Alte Heimat Artern“ angeglichen sein. Hinsichtlich der Fotos sind einige wirkliche „Schmankerln“ dabei: besonders die Motive der Aufnahmen von ca. 1880 bis 1910 haben es in sich, zumal etliche noch nie (!) auch nur irgendwo veröffentlicht worden sind. Aber auch die jüngeren Bilder sind wichtige und sehr interessante Zeitzeugen der städtischen Entwicklung von Artern. Zu gegebener Zeit wird hier der eine oder andere Blick ins Buch mit seinen überwiegend in A5-Größe wiedergegebenen Motiven vorab gewährt. – Nachdem nun, ohne dies auch nur geahnt zu haben, „Alte Heimat Artern“ eine sehr rasche „Fortsetzung“ finden wird, steht sogar die sehr reelle Möglichkeit im Raum, diese Bildbandreihe sogar zu einer Trilogie auszubauen. Hochinteressanter „Nachschub“ in Form von kompletten Sammlungen mit wiederum einmaligen und seltenen Motiven aus alten Tagen, die erst vor relativ kurzer Zeit in unser Vereinsarchiv kamen, bieten hierzu beste Voraussetzungen. Ob dies allerdings noch 2018 umgesetzt werden kann, ist derzeit offen. Zunächst jedoch wird „Alt-Artern in Bildern – Die Fotosammlung des Schlossermeisters Hans Burghardt (1897-1970)“ in absehbarer Zeit hoffentlich erneut viele Freunde finden. Deshalb bitte vorzumerken: Termin des Erstverkaufs ist Sonnabend, der 9. Juni 2018, und zwar ab 14.00 Uhr anlässlich des Vereinsfestes im Sole-Schwimmbad Artern. Weiterhin wird das Buch zum Tag des offenen Denkmals und zum Zwiebelmarkt (wenn bis dahin noch nicht ausverkauft, weil die Auflage nur 300 Exemplare umfasst) angeboten. Interessenten an der Geschichte unserer Stadt können den Bildband nach dem offiziellen Veröffentlichungstermin beim Heimatverein ARATORA und im Guten Buch Artern erwerben! – Infolge der noch in Arbeit befindlichen Umschlagseite, wie sich auch das gesamte Buch noch in der Herstellungsphase befindet, hier vorab eines dort veröffentlichten Bilder: Ansicht der Harzstraße im Jahr 1886 mit zahlreichen Geschäften.


Richard Henrion

Freitag, 9. März 2018

Das Jahr 2018 markiert als wichtiges historisches Datum die hundertste Wiederkehr der Beendigung des Ersten Weltkrieges sowie das Ende der Kaiserzeit in Deutschland. Ausgerechnet mit Bezug auf letzteres Ereignis hat das Städtchen Artern sogar eine gewisse Rolle gespielt, nämlich die, dass am heutigen Tag des Jahres 1854 ebendort ein Junge geboren wurde: Richard Henrion (unser Bild). Dieser wurde später Militärmusiker und Komponist. Sein bekanntestes Stück, der Fehrbelliner Reitermarsch von 1893, erreichte damals und verstärkt gegen Ende des Ersten Weltkrieges vor einem nunmehr einem Jahrhundert hohe Popularität, weil ein noch heute bekannter, volkstümlicher Text auf die schmissige Melodie gedichtet worden war: „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben, wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben, aber den mit’m Bart, mit’m langen Bart“. Gemeint war damit der populäre und erfolgreiche Wilhelm I., der seit 1896 monumental als Reiterstandbild auf dem Kyffhäuser thront, währenddessen sein Nachfolger, der eher glücklose Wilhelm II., im Schatten des preußischen „Weißbarts“ stand. – Auch wenn Richard Henrion später keinerlei bekannten Kontakte mehr zu Artern hatte und auch in seiner Geburtsstadt das Andenken des Musikers vergessen worden ist, sein bekanntester Marsch als ironischer Gassenhauer blieb im Gedächtnis, besonders auch in der Kyffhäuser-Region. Dabei war der Grund, weshalb Wilhelm Ludwig Carl Richard Henrion in Artern das Licht der Welt erblickte, rein zufällig. Hierüber ist im Arterner Taufbuch 1839-1857 folgendes zu lesen. Eltern: „Carl Jacob Henrion, Schauspieler [und] Amalie Friederike Henriette Mariane, geb. Boldtmann. Haben angeblich keinen festen Wohnort. Dieselben sind angeblich zu Berlin in der französischen Kloster=Kirche [1726 in der dortigen Klosterstraße errichtet] am 30. Mai 1841 getraut und befinden sich gegenwärtige einige Wochen in Artern, um schauspielerische Darstellungen zu geben.“ Die Taufe des kleinen Richard fand am 14. März 1854 in der Marienkirche Artern statt. Mangels Verwandten und Bekannten stellen sich als Taufpaten zur Verfügung: Diakon Sickel, Richard Dinsel und Hebamme Lüdecke, alle aus Artern. – Am heutigen Geburtstag Richard Henrions soll an diese eher ungewöhnlichen Konstellationen aus dessen ersten Lebenstagen erinnert werden. Der Fehrbelliner Reitermarsch aus seiner Feder indes ist heute noch der Regimentsmarsch verschiedener Verbände der Bundeswehr! Sicherlich wäre es kein Kraftakt, künftig in der Stadt Artern dessen Schöpfer das ihn würdigende Andenken zuzugestehen. Und bestimmt sind obige historische Fakten auch für die Arterner Patenkompanie in der Kyffhäuser-Kaserne Bad Frankenhausen von Interesse. Im Jahr 2020 jährt sich der Todestag Richard Henrions zum 80. Male. Das wäre doch ein gefundener Anlass für eine musikalisch-historische Veranstaltung!


Sanierter Provinzstein

Dienstag, 13. März 2018

Was mit einer vom Aufwand her als sehr überschaubar eingeschätzten Sanierung eines historischen Denkmals (Arterner „Provinzstein“) begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit fast zu einem Selbstläufer. Allerdings mit einigen unvorhersehbaren Problemen! In Stichpunkten: Zunächst war der Stein in der Sangerhäuser Straße viel länger als gedacht. Dann wurde festgestellt, dass dessen bislang in der Erde verborgen gewesener Fuß aus eher minderwertigem Beton, der nicht gerade von großer Haltbarkeit und Stabilität kündet, besteht. Im Verlaufe der steinmetzgemäßen Aufarbeitung dieses seltenen Denkmals wurde zudem ein Foto um 1955 ermittelt, das einen weiteren „Provinzstein“ zeigt, nämlich an der Brücke über der Unstrut in der Reinsdorfer Straße. Daraus resultierend wurde die Idee der Herstellung einer Kopie des Originalsteins geboren, um diese dann an besagte Stelle zu setzen, damit der historische Zusammenhang wieder hergestellt wird. Dieser bestand darin, die frühere Zuständigkeit bei der Bewirtschaftung, Pflege, Reparatur usw. dieses Abschnittes der Chaussee zwischen Sangerhausen und Kindelbrück öffentlich zu manifestieren, nämlich einerseits seitens der Preußischen Provinz Sachsen, andererseits durch die Stadt Artern. Die auf dem Originalstein in der Sangerhäuser Straße vermerkte Zahl „12,1 Kilometer“ dokumentiert mutmaßlich die Strecke des Beginns der Chaussee am damaligen Stadtrand von Sangerhausen über Oberröblingen und Edersleben bis nach Artern. Die ursprünglich beabsichtigte Anbringung einer exakten Kilometerzahl auf der Kopie des „Provinzsteins“ kam leider nicht zustande, da der historisch korrekte innerstädtische Straßenverlauf mangels fehlender Aktenlage nicht ermittelt werden konnte. Auch etliche zurate gezogene historische Landkarten verzeichneten die Chaussee immer nur bis zum nördlichen bzw. ab dem südlichen Stadtrand, nicht aber im Stadtgebiet von Artern. – Die nun fehlende Kilometerangabe ist aber auch der einzige Wermutstropfen im Zuge der eben beschriebenen Aktion des Heimatvereins ARATORA. Denn nachdem zunächst der sanierte Originalstein gestern in der Werkstatt von Steinmetz Marko Gödicke in Augenschein genommen worden ist, waren all die Mühen im Vorfeld dann doch ad acta gelegt (unser Bild)! In absehbarer Zeit ist auch die Kopie des Denkmals fertig (rechts im Bild noch als Rohling). Dann werden beide Kleindenkmale die Stadt Artern wieder zieren, allerdings verkehrsbedingt leicht versetzt von den historisch übermittelten Standorten. Zur feierlichen Übergabe wird noch gesondert eingeladen. Zuvor schon unser sehr herzlicher Dank für wiederum gute Zusammenarbeit und Unterstützung an die ausführende Firma, die Stadtverwaltung und den Bauhof sowie nicht zuletzt an unsere Spender, die kräftig zu Mitfinanzierung beigetragen haben.


Provinzstein Eisleben

Freitag, 2. März 2018

Entlang der seit 1830 errichteten preußischen Kunststraße zwischen Sangerhausen und Kindelbrück hat der Arterner „Provinzstein“ aufgrund der Seltenheit eben solcher Denkmäler ein äußerst beachtliches Alleinstellungsmerkmal. Ob und wie viele andere solcher einst amtlicher Steine früher errichtet worden waren, ist aber nach wie vor unklar. Dessen ungeachtet hat sich an einer anderen Chaussee in gar nicht allzu weiter Entfernung ein weiteres, wenngleich jüngeres Kleindenkmal dieser Art erhalten, das einst wohl denselben Zweck erfüllte: und zwar in Eisleben, an der Grenze zum Stadtteil Helfta an der Bundesstraße B 80. Auf diesen „Bruder“ des Arterner Steins soll hier kurz näher eingegangen werden, nachdem freundlicherweise der stets rührige Heimatfreund Hilmar Burghardt aus der Lutherstadt dem Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue neuere Fotos davon hat zukommen lassen (unser Bildausschnitt). – Der Standort dieses Steins markiert den Verlauf der in den 1820 Jahren erbauten Preußische Staatschaussee Nr. 60 Berlin-Halle-Kassel am Stadtrand von Eisleben. Seine Form mit abgerundetem Kopf ähnelt dem des Arterner Denkmals. Es besteht aus grobkörnigem Betonwerkstein. Die Grundmaße sind 34x34 Zentimeter, die sichtbare Höhe beläuft sich auf 74 Zentimeter. Auf den jeweils gegenüberliegenden Seiten sind die Inschriften „Provinz“ sowie „Eisleben“ eingeschlagen worden, wenngleich heute teils nur noch schlecht leserlich. Interessant ist die Datumsangabe „30.8.1939“. Leider ist der Stein längsseits durchgerissen. Nähere Details zu Geschichte und Bedeutung müssen noch ermittelt werden. – In diesem Zusammenhang hier noch einige Grundlagen und Details, die bei den Kunststraßen des preußischen Chaussee-Bauprogramms nach den Befreiungskriegen Anwendung fanden: Demnach mussten die Straßen 8,80 Meter Breite aufweisen. Neben der leicht gewölbten, steinernen Fahrbahn sollten unbefestigte Sommerwege für Vieh errichtet sein und jenseits der Straße Abwassergräben zur Regulierung der natürlichen Nässe. Zudem sollten die Chausseen beidseitig mit Baumreihen bepflanzt werden. Etliche solch mächtiger Pappeln nördlich von Artern an der Alt-Chaussee nach Sangerhausen, heute Bundesstraße B 86, wurden erst kurz nach 1900 gefällt. Jene heute noch jenseits des Kreisverkehrs an dieser Straße befindlichen alten Bäume müssen als Rest- oder Folgebestände besagter Chaussee-Baumbepflanzung angesprochen werden.


Kelch

Dienstag, 27. Februar 2018

Am Rande der Anfang dieses Monats erfolgten Schenkung der Kirchen-Agenda von 1580 an das Archiv der evangelischen Gemeinde Artern wurde auch der goldene Abendmahlskelch von 1550 in der Marienkirche näher inspiziert (unser Bild). Ziel ist es, den Herstellungsort bzw. die Werkstatt oder sogar den Goldschmiedemeister dieses religiösen Kunstwerks zu ermitteln. Zunächst wurden die sichtbaren Merkmale des Kelchs untersucht und darüber recherchiert. Ins Auge fällt ein mehrfarbiges markantes Doppel-Wappen: das gevierte Gesamtwappen der Grafen von Mansfeld-Vorderort seit 1481 mit Querfurter Balken, Mansfelder Rauten, Arnsteiner Adler sowie Heldrunger Löwen. Das Wappen der Grafen von Solms-Lich ist gleichfalls geviert und zeigt im ersten und dritten goldenen Feld einen blauen, rot-bezungter Löwen sowie in zweiten und dritten goldenen Feld ein rotes Schildhaupt. Über beiden Emblemen steht die Jahreszahl 1550 in zeitgenössischer Ausführung. Diese einmalige Wappenkonstellation hatte wohl seit 1512 Bestand, dem Jahr der Eheschließung zwischen Graf Ernst II. von Mansfeld (1479-1531) und seiner zweiten Ehefrau Dorothea, geb. Gräfin von Solms-Lich (1493-1578). Da Ernst, herzoglicher Rat und Oberster Kriegshauptmann sowie entschiedener Gegner Luthers und der Reformation, aber bereits 1531 starb, kann der Kelch von 1550 nur während der Zeit der Witwenschaft von Dorothea entstanden sein. Dies geschah vermutlich in ihrem Auftrag bzw. mit deren Einwilligung zur Nutzung dieses Doppelwappens. – Ob der Abendmahlskelch zunächst in der längst abgerissenen Kapelle des Arterner Wasserschlosses (heute Gelände um die Volksbank) genutzt worden ist und später erst in die Marienkirche kam, muss offen bleiben. Vielleicht wurde das Gefäß auch explizit für die Marienkirche angefertigt oder aber: es kam dieser Kelch von außerhalb nach Artern, vielleicht aus Mansfeld. Denn dort (Schloss Mansfeld-Vorderort) lebte Gräfin Dorothea in bescheidenen Verhältnissen, widmete sich der Medizin und hatte einen eigenen Kräutergarten. Vor dem Schloss ließ die als Wunderheilerin angesehene Gräfin eine Apotheke errichten, wo Arme unentgeltlich Arzneien erhielten. Aber auch Adelige ließen sich Dorotheas Arzneien zukommen. Mit ihrer Gönnerin, Kurfürstin Anna von Sachsen (1532-1585), stand sie in regemäßigem Kontakt. Für den Hof in Dresden stellte Dorothea auf Schloss Mansfeld Aquavit aus Alkohol her, den ihr „Mutter Anna“ eigens aus Sachsen zukommen ließ. Mit diesem „Wasser des Lebens“ (eine Spirituose mit Kümmelextrakt) wurde dann explizit der Hof in Dresden beliefert. – Die beiden weiteren am Arterner Kelch zu erkennenden Darstellungen sind bereits altersschwach gewordene Gravuren mit in der religiösen Kunstgeschichte oft dargestellten Szenen aus dem Alten und Neuen Testament (Stammvater Abraham bei der versuchten Opferung seines Sohns Isaak sowie die Kreuzigung Jesu auf Golgatha). Aufgrund dieser sichtbaren Merkmale sollen nun Möglichkeiten nach Herkunft und Meister des wertvollen Arterner Abendmahlskelches gesucht werden. Ersten Hinweisen zufolge wird die Spur zunächst in den Südharz führen!


Adressbuch 1906

Freitag, 23. Februar 2018

Ein wichtiges Hilfsmittel zur Identifizierung von Personen, von deren Adressen bzw. Wohnhäusern und/oder Wohnungen in Artern für die Zeit des späten 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde kürzlich für die heimatgeschichtlich und genealogisch relevante Arbeit zusammengestellt. Kopien fast sämtlicher erreichbarer Adress- und/oder Einwohnerbücher sind dafür ermittelt, erfasst und ausgedruckt bzw. quellenbezogen und chronologisch in einem Ordner abgelegt worden, der für entsprechende Anfragen nun stets greifbar ist. Es handelt sich um sechs, jeweils gedruckte Ausgaben von Verzeichnissen bzw. Büchern unterschiedlichsten Umfangs aus den Jahren 1866, 1871, 1894, 1906, 1930 und 1939/40. Einzig das Arterner Einwohnerbuch von 1925/26 konnte bislang noch nicht aufgetrieben werden. Das ist umso bedauerlicher, da deswegen zwischen 1906 (unser Bild) und 1930 über fast ein Vierteljahrhundert hinweg eine gedruckte Dokumentation zur Einwohnerschaft in Artern fehlt! Doch können hier, wie natürlich auch für weiter zurückliegende Abschnitte, immer noch die Digitalisate der hiesigen Kirchenbücher bzw. die Kirchennachrichten (Taufen, Ehen, Beerdigungen) in den drei historisch maßgeblichen Zeitungen des 19./20. Jahrhunderts für die Stadt Artern befragt werden. – Hingegen liegen für die Zeit von ca. 1780 bis um 1860 handschriftlich die detaillierten Belegungen (Hausbesitzer, Mieter, auch nur zeitweise Wohnhafte) der Arterner Wohnhäuser mit den laufenden (damals gültigen) Nummern 50 bis 458 in neun Bänden vor; diese sind gleichfalls sämtlich fotografisch erfasst worden. Leider fehlt hierzu Band 1, d. h. die Wohnhäuser Nr. 1 bis 49. Deswegen sind Teile der Harzstraße, der Nordhäuser Straße und der Alten Poststraße nicht nachweisbar. Weitere alte Einwohnerverzeichnisse sind in derzeit Arbeit, d. h. sie werden noch abfotografiert, so die jährlichen Steuerlisten der Alt- und Neustadt mit namentlichen Nennungen aller Zahlungspflichtigen sowie deren Besitzungen (Häuser, Nebengelasse, Land) ab ca. 1780.