Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Grabenstraße

Freitag, 11. Januar 2019

Eine der leichteren Übungen von zahlreichen, über die vergangenen Feiertage angefangenen bzw. erledigten Tätigkeiten war die Erarbeitung, Komplettierung und Fertigstellung des (N)Ostalgie-Kalenders für das Jahr 2020, der diesmal essentiellen Bezug nimmt auf die bevorstehende dreißigste Wiederkehr der Einheit Deutschlands und deshalb unter dem Titel „Artern zu Beginn der 1990er“ steht. In den nächsten Wochen wird der Kalender vom Layouter digital gesetzt, danach nochmals korrekturgelesen und für den Druck vorbereitet. Das Erscheinungsbild des Kalenders wird analog denen der vergangenen fünf Jahre sein: also erneut 24 Kalenderblätter, für jeden Monat deren zwei. Zur Bebilderung genutzt wurden diesmal ausschließlich Fotos, die der spätere Ehrenbürger Walter-Wilhelm Funcke aus Einbeck bei Besuchen in genanntem Zeitraum in Artern erstellt hat (unser Bild zeigt die untere Gabelstraße mit Blick zum Salzdamm). Insgesamt sind dann 32 historische Abbildungen zu sehen, die das komplette Kalendarium schmücken. – Wenngleich erneut nur beispielhafte Augenblicke und Situationen aufgezeigt werden können, war es nur allzu notwendig, auch Motive abzubilden, die den heutigen Ansprüchen der Attraktivität und vorteilhaften Präsentation einer Kommune nicht (mehr) genügen. Besonders dadurch sollen aber die Augen geöffnet werden, welche Fortschritte sich seither im Stadtbild vollzogen und damit die Lebensqualität in Artern verbessert haben. – Zu gegebener Zeit wird an dieser Stelle erneut über den Kalender für das kommende Jahr zu sprechen sein, dann werden auch die zur Publikation ausgesuchten Motive näher vorgestellt. Die Erstveröffentlichung findet am 5. und 6. Oktober 2019 zum Zwiebelmarkt in Artern statt. Wie immer wird die Auflage nicht allzu hoch angesetzt. Im Verkaufspreis ist erneut ein Spendenbetrag zugunsten der Sanierung der Orgel in der Arterner Marienkirche eingegliedert.


Graf Hermann

Dienstag, 8. Januar 2019

Ein Ende vergangenen Jahres zugestellter Brief der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen in Erfurt macht einen ersten Anlauf zur Schaffung einer längst überfälligen, arbeitsintensiven und inhaltlich interessanten Institution: Es soll ein thüringisches Sagenarchiv entstehen! Da ein solches bislang fehlt, steht man noch am Anfang. Geschaffen werden sollen deshalb zunächst ein aussagefähiger Materialfundus sowie eine zeitgemäße Verzeichnung der Quellen aus Thüringen. Aufgrund des Umfangs dieses Vorhabens sind zunächst fünf Jahre vorgesehen. Erster Schritt ist die Sammlung und Zusammenstellung von Biografien der Sagensammler und -herausgeber. Hierzu sollen zunächst sämtliche erreichbaren Editionen sowie Zeitschriften- und Zeitungsartikel katalogisiert, weiterhin Bestände in öffentlichen und privaten Archiven sowie Museen durchforstet, Porträts, Gedenktafeln und Begräbnisstätten von Sagensammlern eruiert werden. Die Manuskriptfassung zu diesen Aufgaben wird von der Volkskundlerin Dr. Gudrun Braune in Erfurt übernommen. Um Wortmeldungen zu diesem Projekt seitens der Heimatvereine, von Ortschronisten und Interessierten wird bis zum 31. März 2019 erbeten an: gudrun.braune[at]web.de. – Es wäre für obiges Projekt eine große Unterstützung, wenn auch aus unserer Gegend möglichst viele Unterstützer teilnehmen würden, denn auch in der Kyffhäuserlandschaft haben einst Sammler alte Sagen zusammengetragen und oft auch veröffentlicht.  Der Heimatverein ARATORA wird sich diesbezüglich besonders um die Sammler Gustav Poppe und Ewald Engelhardt bemühen und sich deren Sagenwerk annehmen. – Unser Bild zeigt den geköpften Grafen und Raubritter Hermann von Stolberg-Voigtstedt, der als spukende Sagengestalt nachts auf dem alten Feldweg zwischen Artern und Voigtstedt umhergehen soll.


Nutzgarten

Freitag, 4. Januar 2019

Herzlich willkommen bei den aktuellen Meldungen, die nach der Pause zum Jahreswechsel heute wieder aufgenommen werden. Zuvor unsere besten Wünsche für das neuen Jahr an unsere hoffentlich wieder zahlreichen Besucher. Die erste Meldung beschäftigt sich mit einem 2019 besonders in den Fokus gestellten Thema: die historische Kultur der Nutzgärten. – Der Bund Heimat und Umwelt Deutschland e.V. ist der Bundesverband der Heimat- und Bürgervereine. Erhalt, Vermittlung sowie Entwicklung der Vielfalt des Kultur- und Naturerbes sind dessen zentrale Aufgaben. Hierzu wird jährlich auf ein besonders gefährdetes Element in der Landschaft aufmerksam gemacht und dieses zum Kulturdenkmal des Jahres erklärt. Hierzu schreibt der BHU: „Bundesweites Kulturdenkmal des Jahres 2019 sind historische Nutzgärten. Nutzgärten stellen die Urform der Gärten dar und haben eine lange Tradition. Ebenso vielseitig wie ihre Erscheinungsformen, beispielsweise Bauern-, Schloss-, Amts-, Pfarr- oder Arzneigärten, sind die in ihnen angebauten und kultivierten Nutz- und Zierpflanzen. Mit Arten- und Sortenvielfalt der Nutzpflanzen, aber auch mit der begleitenden Fauna sind die Gärten Orte hoher biologischer Vielfalt. Das Wissen um Anbautechnik und Sortenvielfalt ist immaterielles Kulturerbe, das über Generationen hinweg weitergegeben wird. Nutzgärten spiegeln in Gestaltung und Nutzung regionale Besonderheiten wider und sind so Zeugen einer jahrhundertelangen Garten- und Ernährungskultur. In den letzten Jahrzehnten sind Nutzgärten jedoch seltener geworden. [...] Historische Nutzgärten sind als Teil unseres Kultur- und Naturerbes besonders erhaltenswert.“ – Auch in unserer Heimat finden sich noch zahlreiche solcher Gartenanlagen, überwiegend aus dem späten 19. sowie dem 20. Jahrhundert. Auch diese werden somit in 2019 im Mittelpunkt bundesweiten Interesses stehen. Zugleich wird auf deren Gefährdungen hingewiesen (brachliegende Gärten durch Mitgliederschwund in Gartenvereinen, Desinteresse an der Eigenversorgung infolge Überangeboten im Handel, mangelnde vorausschauende Vorsorge für potentielle Notzeiten usw.). – Unser Bild zeigt einen noch immer bestehenden Nutzgarten in der Karl-Hühnerbein-Straße in Artern, wohl zur Mitte der 1930er Jahre. Im Hintergrund zieht sich der westliche Abhang des Weinbergs mit Kirschplantagen zu Tal.


Winternacht

Freitag, 21. Dezember 2018

Weihnachten, das schönste Fest der Christenheit, ist traditionell verbunden auch mit dem wohligen Gefühl von Heimat und Zuhause. Das ist heute noch genauso wie früher, auch wenn derzeit wieder einmal die Heimat als Begrifflichkeit und in ihrer althergebrachten Definition infrage gestellt, inhaltlich aufgeweicht bzw. umgedeutelt werden soll. Wie einhellig war die Ansicht darüber noch im 19. Jahrhundert! Wenngleich nicht unbedingt weihnachtlich, so doch um so mehr heimatlich, soll deshalb zum Jahresausklang nachstehender Text aus der Feder des Autors August Trinius (1851-1919) wiedergegeben werden. Er widmet sich darin dem schönsten Begriff, den deutsche Zunge je hervorgebracht hat: „Heimat“ und ist somit ein würdiges Zitat zum Ende des Jahres 2018! Trinius, der große Verehrer und Schriftsteller der Natur, Kultur und Landeskunde Alt-Thüringens, schreibt dazu: „Dieses wundersame Wort gehört uns Deutschen ganz allein, ist eine Perle in dem reichem Wortschatze unserer Sprache, die so herrlich zu malen weiß, die mit allen Wurzeln aus deutscher Erde herausgesprossen ist, aus der es uns heraufklingt wie Abendsäuseln und dann wieder wie einherbrausendes Sturmeswetter. Kein Volk dieser Erde besitzt ein gleiches Wort, es ahnt aber auch nicht, was aus ihm für das deutsche Gemüt hindurchzittert. Alle versonnene Innigkeit, die ganze Verträumtheit unseres eigensten Wesens, das Bodenständige, die heiße Liebe zur Scholle, die uns geboren, dies alles flutet in diesem kleinen Worte zusammen: Heimat! Jauchzen und Wehmut, Mutterliebe und verhallendes Abendgeläut, so umweht es uns, wenn dieses Wort an unser Ohr schlägt.“ – Beigefügtes Bild versucht, Heimatgefühle und Weihnachtsstimmung miteinander zu verbinden! Es zeigt die Wassermühle an der Unstrut bei Oldisleben, aufgenommen in einer Winternacht um 1960. Rechts erstreckt sich das Gelände des sich südlich anschließenden Parkgeländes, vorn fließt der Mühlgraben entlang. – Unseren Vereinsmitgliedern und Freunden, allen Interessierten sowie den zahlreichen Besuchern dieser Homepage ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen fröhlichen Jahreswechsel. Die aktuellen Meldungen aus der Vereinsarbeit, zur Arterner Ortsgeschichte sowie über die Vergangenheit unserer Heimat werden am Freitag, 4. Januar 2019 wieder aufgenommen.


AiD

Dienstag, 18. Dezember 2018

Ob es schon im vierten Jahrtausend vor Christus, ähnlich wie im Mittelalter, ein „Berggeschrey“ gab, als man zwischen dem später (Arterner) Weinberg benannten Hügel und dem Tal der Helme fündig geworden war, kann heute nicht mehr gesagt werden. Allerdings gab in der Fachwelt durchaus als überrascht freudige Aufschreie zu bezeichnende Bekundungen, als ebendort 2016 archäologische Grabungen stattfanden und aufsehenerregende, weil völlig unerwartete Funde zutage kamen. Das Resultat: Östlich von Artern, das es damals natürlich noch nicht gab, wurde während der Jungsteinzeit Bergbau nach Feuersteinen betrieben. Eine wissenschaftliche Sensation! Vorträge u. a. in Artern und Bad Frankenhausen sowie Präsentationen wichtiger Funde brachten diese großartigen Ergebnisse auch populärwissenschaftlich „unters Volk“. – Indessen wird fachspezifisch und interdisziplinär intensiv an diesen montanarchäologischen Funden weitergearbeitet. So müssen z. B. die Art und Weise der Auffindung dieser glazial abgelagerten Rohstoffe oder die Organisation und der Ablauf des Abbaus noch detailliert geklärt und in Kontext mit anderen Fundstellen (so auch bei Helfta/Eisleben) gesetzt werden. Zudem dürfte in der Nähe der Abbaustellen eine Siedlung mit zugehörigem Friedhof bestanden haben, die beide aber noch nicht aufgefunden worden sind. – Eine erste größere und bebilderte Publikation über den Altbergbau bei Artern war bereits Anfang dieses Jahres als sechsseitiger Artikel in der Fachzeitschrift „Archäologie in Deutschland“ Nr. 1/2018 unter dem Titel „Jungsteinzeitliche Bergleute in Nordthüringen“ von Dr. Mario Küßner, Karin Schwerdtfeger und Jan Novacek erschienen. In derselben Zeitschriftenreihe, hier in der aktuellen Ausgabe Nr. 6/2018 (unser Bild), werden auch diese Funde und Befunde im Titelthema „Bergbau in der Steinzeit“ wieder aufgegriffen sowie weitere Aspekte aus der Gesamtthematik der neolithischen Feuersteingewinnung beleuchtet. Interessierte melden sich bei diesbezüglichem Interesse bitte beim Heimatverein ARATORA, bzw. es können oben genannte Zeitschriften unter aid-magazin.de bestellt werden. – Noch zeichnet sich die archäologische Bedeutung der jungsteinzeitlichen bergbaulichen Gruben bei Artern nur schemenhaft ab, doch ist bereit jetzt klar, dass diese Befunde sehr bedeutsame Stellenwerte in der modernen Urgeschichtsforschung und Montanarchäologie einnehmen werden!


Radpartie Schönfeld

Freitag, 14. Dezember 2018

Während eines Besuchs im Vorfeld der Erstellung des nächstjährigen Bildbandes „Damals in Artern“ vor einigen Tagen in Sangerhausen wurde das bislang für dieses Buch vorgesehene fotografische Material durch unerwarteten Zuwachs erweitert (unser Bild). Nach Begutachtung und bereits erfolgter Digitalisierung eines überlassenen, dicken Briefumschlages voll mit Arterner Fotos aus den 1930er Jahren muss die mental bereits umrissene Gestaltung für besagtes Buch nun jedoch geändert bzw. erweitert werden, weil dies die Qualität der neuen Motive erfordert, die unbedingt veröffentlicht werden sollen. Urheber ist ein Angestellter der Stadt Artern, der damals als Amateurfotograf wirkte. Neben zahlreichen, aus dieser Tätigkeit resultierenden Bildern, die bereits seit längerem vorliegen, wird „Damals in Artern“ nun voraussichtlich um folgende Wiedergaben ergänzt: Büroarbeiten im Rathaus, Ausstellung von Bildern Otto Engelhardt-Kyffhäusers im Sitzungssaal des Rathauses, Rummelplatz (!) um die Marienkirche, Blick in die Harzstraße, Brücke über den Mühlgraben, Häuserzeile am Markt, Blick von den Weinbergtreppen auf Artern, Stadtansicht von Schönfeld aus, Friedhof und Solebach, Voigtstedter und Harz-Straße sowie weitere. Als ganz besondere historische „Leckerbissen“ zu bezeichnen sind zwei bislang unbekannte Bilder vom Absturz eines Flugzeuges in den Kindergarten Magdalenenstraße sowie die bildliche Wiedergabe eines offenen Durchflusses des Solebaches in einem gemauerten Graben an der Schönfelder Straße hin zur Unstrut. – Der avisierte Bildband „Damals in Artern“ wird aus zwei großen Fotosammlungen bestehen, die Motive während der 1930er und 1960er Jahre zeigen. Gegebenenfalls könnten bei noch freier Platzkapazität einige weitere Fotos dieser Zeit aus einer anderen Kollektion hinzukommen. Als Termin der Veröffentlichung ist der Sommer 2019 geplant.


Versand Kleinbahn

Dienstag, 11. Dezember 2018

Nachdem auch in diesem Jahr erfreulich hohes Interesse an aktuellen Erzeugnissen zur publizierten Stadtgeschichte verzeichnet werden konnte, war der Weihnachtsmarkt in Artern am vergangenen Wochenende eine erneute Bestätigung dessen. So lauerten die ersten Käufer am Sonnabend bereits eine Dreiviertelstunde (!) vor Markteröffnung ungeduldig an unserer Verkaufsbude, die natürlich noch geschlossen war. Und so ging's beide Nachmittage munter weiter: viel Publikum trotzdem Wind und Regen! Im Mittelpunkt stand natürlich die erst einen Tag zuvor ausgelieferte Neuveröffentlichung der inzwischen sechsten Auflage der Broschüre „Die Kyffhäuser-Kleinbahn Artern – Berga/Kelbra 1916-1966“ als definitiv letzte Charge, die gedruckt wird. – Während sich auf dem Weihnachtsmarkt die Mehrzahl der Käufer aus Artern und der näheren Umgebung rekrutierten, waren etliche auch aus dem Kreis Mansfeld-Südharz und von anderswoher gekommen, um Broschüren zu erwerben. Seit gestern kann die „Kleinbahn“ nun auch im Guten Buch in Artern sowie über den Heimatverein ARATORA zum Preis von 7,00 Euro erworben werden. Andere Bezugsmöglichkeiten gibt es nicht! – War der Handverkauf am Wochenende schon sehr beachtlich, war die bisherige Anzahl der Besteller via Telefon und Internet (teilweise im Stundentakt und kürzer) beinahe überwältigend. Deshalb war prozentual schon vor Erscheinen ein Drittel der Gesamtauflage reserviert und mittlerweile zur Postverschickung gegeben worden (unser Bild)! – Die auf dem Arterner Weihnachtsmarkt häufig gestellte Frage, ob die proklamierte letztmalige Auflage der „Kleinbahn“ nur ein Werbetrick sei, muss verneint werden. Grund ist, dass die bisherige Herstellungsweise modernen Anforderungen im Druckwesen nur noch sehr bedingt entspricht. Mit Schließung der Druckerei Möbius in Artern zum Jahresende 2018 kann deshalb dieses Buch mit der bislang benutzten Vorlage nicht mehr weiterverwendet werden. Hierzu müssten ein kompletter Neusatz sowie auch textliche und bildliche Erweiterungen erfolgen, wozu aber mittelfristig die Kapazitäten fehlen. Deshalb ist die aktuelle Auflage der „Kyffhäuser-Kleinbahn“ definitiv leider die letzte! So, wie sich aktuell Nachfragen, Bestellungen und Verkauf präsentieren, wird auch diese Charge in absehbarer Zeit schnell wieder ausverkauft sein!


Schwimmbad

Freitag, 7. Dezember 2018

Etliche „zarte Fräuleins“, angetan mit sicherlich nur damals als schick empfundenen Badeanzügen sowie markanten Pneumant-Badekappen über der Haarpracht, zieren als Blickfang eine kleine Sammlung von Dokumenten über die feierliche Übergabe des Arterner Sole-Schwimmbades am 24. Juni 1967, die dieser Tage dem Heimatverein ARATORA überlassen worden ist. Weitere privat aufgenommenen Fotos zeigen die große Gästeschar am Rande des Schwimmerbeckens mit auf Startblöcken stehenden Jungs; bereit zum ersten Sprung ins Wasser (unser Bild). Ebenso, wie diese jungen Hüpfer von damals inzwischen zu gestandene Damen und Herren gereift sein dürften, haben auch die beigefügten gedruckten Dokumente zwischenzeitlich etwas mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. – Denn komplettiert wird die Sammlung durch etliche Zeitungsausschnitte mit Berichterstattungen über die Errichtung des neuen Bades. Detailliert werden die in lediglich 128 Tagen vollzogene Erbauung geschildert sowie maßgebliche, am Bau beteiligte Personen benannt. Damals hatte sogar der Bürgermeister noch Zeit, Leserbriefe zu schreiben, wie ein solcher von Karl Rumpf beweist, der die Bauarbeiten beschreibt und die Beteiligten lobt. Im Nachgang der Arbeiten jubelte eine Zeitung, die Organisation und der Bau des Bades in Artern wären „lexikonwürdig“! Eine andere übertitelt „... so machen wir Geschichte“. – Die wohl interessanteste Abbildung aus der damaligen Presse zeigt das Gelände an der Unstrut vor Beginn des Umbaus. Die weiteren Zeitungsfotos bilden Bauarbeiten ab: Bagger im Einsatz sowie Handwerker beim Betonmischen, Kiesfahren und während der Pflasterarbeiten. Von den damaligen Koryphäen auf der Baustellen werden mit Porträt gewürdigt: Paul Degenhardt, Karl Schünzel, Paul Schröder sowie Kurt Schönerstedt. Letzterer, ein hervorragender Turner, war – vielen ehemaligen Schülern noch als Sportlehrer bekannt – aufgrund seines strengen Regiments im Unterricht unbeliebt; deswegen hatten ihm seine Zöglinge einen „treffenden“ Spitznamen verpasst.


Ernst Schröder

Dienstag, 4. Dezember 2018

Das trübe und regnerische Wetter am ersten Advent lud so gar nicht ein, dem an diesem Tag anberaumten Flohmarkt in der vormaligen Kyffhäuserhütte einen Besuch abzustatten. Dennoch wurde der vorgestrige Vormittag eben dafür genutzt; zum Glück! Leicht fröstelnde Händler boten dort ihre „Antikwaren“ an, bzw. es wühlten sich Besucher durch die Auslagen. Dem inzwischen auch auf Flohmärkten geübten Auge nach lokalen und regionalen Historien aller Art entging dabei nicht, dass auf einem Tisch in der äußersten Ecke der Halle ein überdimensionales altes Foto herausragte. Und tatsachlich, die Hoffnung trog nicht: Es war eine historische Aufnahme aus Artern. Das leicht bestaubte Glas ließ auch sogleich das schon etwas verblasste Motiv erkennen: der Altbau des Geschäftes von Handelsmann Ernst Schröter am westlichen Ausgang des Salzdamms mit der Hausnummer 2 (unser Bild). Die Aufnahme muss um 1900 von einem professionellen Fotograf gemacht worden sein; darauf lassen die Qualität und der Detailreichtum des 40 x 30 Zentimeter großen Fotos schließen. In der Tür ist wohl der Hausherr zu sehen, daneben stehen bzw. sitzen sechs Kinder bzw. Jugendliche. Links und rechts vom Hauptmotiv wurden noch Teile der beiden Nachbargebäude abgebildet. Ein unerwarteter und sehr schöner Fang – mit diesem fröhlichen Gedanken ging es zum Bezahlen. „Und das andere Bild willst Du wohl gar nicht haben?“, fragte der Händler beiläufig und wies auf eine vor lauter Aufregung ignorierte Aufnahme, die sichtlich jünger war und um 1920 aufgenommen worden sein muss. Diese zeigt, in gleichen Abmessungen wie das andere Bild, ebenfalls das Grundstück von Ernst Schröter, diesmal jedoch im Hochformat und mit zwischenzeitlich gemachten baulichen Veränderungen (Anbau eines weiteren Wohngeschosses). Auch die zwei Nachbarhäuser waren erneut mit auf dem Bild. Leider ist dieses Foto mit einem erheblichen Riss versehen, was jedoch dessen historische Aussagekraft nicht mindert. – So waren es letztlich sogar zwei sehr schöne Alt-Arterner Abbildungen, die den Weg ins Archiv des Heimatvereins ARATORA antraten, erworben für einen äußerst fairen Preis! Aufgefunden worden waren beide Fotos bei einer Haushaltsauflösung in der Altstadt. In der kommenden Zeit werden entsprechende Recherchen zur Hausgeschichte vorgenommen, um etwas mehr Licht in die Vergangenheit dieses markanten Wohn- und Geschäftshauses zu bringen.


Winterspaziergang

Freitag, 30. November 2018

Die in gut drei Wochen beginnenden Weihnachtsferien sind für ebenso umfangreiche wie zeitintensive Vorbereitungsarbeiten (Texterstellung, Scannen und Layouten) zu zwei Veröffentlichungen im nächsten Jahr vorgesehen: Neben der angestrebten kompletten Fertigstellung des (N)Ostalgie-Kalenders 2020, der dann zum Zwiebelmarkt 2019 erscheint, wird vor allem der Bildband „Damals in Artern“ als letzter Teil einer Trilogie mit bildlichen Wiedergaben von alten Stadt- und Einzelansichten angegangen. – Nach der erfreulich hohen Resonanz der beiden vorherigen Bildbände „Alte Heimat Artern“ (2017) und „Alt-Artern in Bildern“ (2018) ist mit der Herausgabe des „Damals in Artern“ betitelten Buches im Sommer nächsten Jahres eine Edition vollendet, die eine hervorragende stadthistorische Bilddokumentation seit den 1880er Jahren darstellt. Das neue Buch beschränkt sich diesmal auf rund vier Jahrzehnte bildlicher Wiedergaben von Stadt- und Einzelansichten, nämlich von ca. Mitte der 1930er Jahre bis um 1965. Waren bei den beiden zuvor veröffentlichen Bücher die überlassenen Fotokollektionen aus Privatbesitz noch derart umfangreich, dass damit je ein Buch mühelos gefüllt werden konnte, müssen nun mehrere mittelgroße Sammlungen mit alten Ansichten bemüht und zusammengeführt werden, wobei die Bildergeber in Berlin, Sangerhausen und Artern wohnen. Im Laufe des kommenden Halbjahres wird hier immer wieder über den Fortschritt bei der Herstellung des neuen Buches berichtet, das in Umfang und Layout „Alte Heimat Artern“ und „Alt-Artern in Bildern“ angeglichen sein wird, ehe die Veröffentlichung entweder zum Tag der Vereine oder anlässlich des Tages des offenen Denkmals 2019 erfolgen soll. Vorab hier schon ein der Jahreszeit angepasstes Bild aus dem neuen Buch, einen Spaziergang im winterlichen Salinepark um 1960 zeigend.


Spinnrad

Dienstag, 27. November 2018

Neulich auf dem Nachhauseweg: „Guten Tag, Herr Schmölling!“, rief eine Dame aus einer dem Blickwinkel des Fußgängers tatsächlich nur schwer zugänglichen Ecke ihres Grundstücks. „Warten Sie mal“, und war sogleich wieder verschwunden. Zurück kam sie mit einer sichtlich alten Papiertüte im Format etwas kleiner als DIN A5, die sich als Werbeträger der Arterner Löwen-Apotheke wohl von Ende des 1930er Jahre entpuppte, als Apotheker Dr. Ernst Lohr dieses Geschäft führte. Als Blickfang der vormaligen Medikamententüte dient eine sehr akkurate und detailreiche Zeichnung der Apotheke mit Ansicht der Vorderfront in der Nordhäuser Straße. Darüber die Werbung für „Capsicum-Pflaster auf dehnbarem Stoff“, das ist ein Wärmepflaster gegen Rückenschmerzen. – Nachdem auch der Ehemann hinzugekommen war und „Komm mal mit“ äußerte, ist das erfahrungsgemäß das Zeichen dafür, dass noch etwas Spannendes nachkommt. Den großen Hofhund so gut es ging ignorierend, führte der Weg aufs Grundstück. Und da stand es: Ein offensichtlich gut erhaltendes Spinnrad, dessen noch immer funktionierende Mechanik den historischen Vorgang des Fadenspinnens sogleich nahebrachte. Dieses hübsche Exemplar alter Volkskunst kann sogar datiert werden, denn mit roter Farbe aufgemalt worden sind darauf die Initialen „F. H. 1867“. Das inzwischen über 150 Jahre alte Spinnrad ist allerdings nicht in Artern genutzt worden, es stammt aus Frankenhausen. Mithilfe der Jahreszahl und des Namenkürzels könnte mit etwas Mühe dort sogar der damalige Besitzer ermittelt werden. Dass mit dem Spinnrad früher offenbar oft gearbeitet wurde, zeigt dessen Trittbrett, an dem merklicher Abrieb feststellbar ist. Die Bemalung des Objekts überwiegend in Grün, Rot und Blau ist zwar mittlerweile etwas blass geworden (unser Foto täuscht etwas, weil das Blitzlicht die Farben kräftiger erscheinen lässt), doch der Gesamtzustand dieses Zeugnisses häuslicher Technikgeschichte ist gut. In der kommenden Zeit soll das Spinnrad mithilfe der Literatur sowie der Volkskundeforschung möglichst näher deklariert werden. Wohl bereits im kommenden Jahr soll diese Schenkung im Oberen Hof, zusammen mit dem noch beim Heimatverein ARATORA befindlich Ölgemälde von Ewald Engelhardt aus 1944 mit der Unstrut bei Artern als Motiv (siehe Aktuelle Meldung vom 21. August 2017), öffentlich ausgestellt werden.


Versteinerte Baum

Freitag, 23. November 2018

Möglichst im kommenden Jahr, spätestens aber 2020, möchte der Heimatverein ARATORA die Sanierung eines weiteren Kleindenkmals in Artern angehen lassen: der versteinerte Baum auf dem Areal des vormaligen Friedhofes der St. Veitskirche (unser Bild). Im Vorfeld der Eröffnung des Heimatmuseums ebendort im Sommer 1937 wurde auch dieses übermannshohe Denkmal, bestehend aus oberkarbonen Kieselhölzern der Kyffhäuser-Region, errichtet. (Eine weitere damalige Installation, eine in Anlehnung an das rätselhafte Rasenlabyrinth in Steigra im heutigen Saalekreis errichtete sog. Trojaburg, hat die Zeiten leider nicht überstanden.) Die seitdem verflossenen acht Jahrzehnte sieht man dem Denkmal an, auch ist dessen Standort alles andere als optimal. Daher sollen, wenn die Finanzierung steht, die einst zum Ausflicken von fehlenden Kieselhölzern behelfsmäßig eingefügten Steine entfernt und wieder durch originales verkieseltes Holz ersetzt werden. Zudem muss über einen neuen Kern, ein neues Fundament bzw. eine alternative Rahmung des Fußes nachgedacht werden. Der Standort könnte dahin positive Veränderung erfahren, dass das Denkmal vor dem Langschiff der Kirche platziert wird. Zur Umsetzung dieses Vorhabens werden aber noch Unterstützungen benötigt, die als Spenden eruiert werden sollen! Deshalb hierzu nochmals unser Aufruf, verbunden mit der Bitte um Hilfe. Der aktuelle Spendenstand beläuft sich auf derzeit knapp 2.000 Euro; eine hübsche Summe, die aber leider längst noch nicht ausreicht. – Weniger bekannt ist, dass der versteinerte Baum in Artern noch einige „Brüder“ in der Region hat, so jene beiden aus zahlreichen Einzelstücken fossiler Kieselhölzer vom Kyffhäuser gefertigten in bzw. bei Kelbra: ein pyramidales Denkmal im Kirchtal, anderthalb Kilometer südlich dieses Ortes sowie eines in kegelförmiger Ausführung zu Ehren von Brauereigründer Eduard Joch. Monolithisch hingegen ist jener mächtige Rest eines Baumstammes aus der Steinkohlenzeit vor dem Regionalmuseum in Bad Frankenhausen sowie nicht wenige weitere, teils recht große Kieselstämme in verschiedenen Vorgärten der Kyffhäuser-Region.


Karte

Dienstag, 20. November 2018

Eine erst kürzlich erhaltene, undatierte farbige Landkarte aus dem vormaligen Archiv der Saline Artern spiegelt die erdkundliche Situation im weiteren Umfeld der Stadt Artern wieder, so wie sie 1875 der Geologe Emanuel Kayser (1845-1927) bei Prospektionen aufgenommen hat. Offiziell lautet der Kartentitel in der Literatur „Geologische Karte von Preußen und benachbarten Bundesstaaten, Blatt Artern“, herausgegeben von der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt. Bedingt durch zweifache Faltung der Karte entstanden nachstehende vier Bereiche mit geologischen Informationen: Ichstedt, Borxleben und Ringleben, Voigtstedt, Schönfeld und Artern (unser Bild), Esperstedt, Bretleben, Oldisleben und Heldrungen sowie Ritteburg, Reinsdorf und Gehofen. Anhand einer Legende am unteren Rand können die farblichen Nuancen den entsprechenden Erdzeitaltern und deren Sedimenten zugeordnet werden. Für den Bereich westlich und nördlich von Artern (sog. Arterner Hochscholle) sind demnach verschiedene Stufen des Buntsandsteins erkennbar, darin in Nestern befindlich tertiäre Ablagerungen (zwischenzeitlich ausgebeutete Braunkohlengruben), weiterhin Zechstein nördlich des Friedhofes. Der Bereich um die Gewässer Unstrut und Helme hingegen sind geprägt von glazialen und alluvialen Sedimenten. – Hochauflösend gescannt sind zahlreiche Details auf der Karte noch viel besser einsehbar: Verlauf der Pferdebahn zu den Kohlegruben am Hutdeckel, Kalksteinbruch am Friedhof bei Artern, Windmühle auf dem Weinberg, Altverlauf der Unstrut mit zahlreichen Mäandern, diverse inzwischen eingeebnete Anhöhen usw. Aufgrund des eher mangelhaften Erhaltungszustandes infolge wohl starker Nutzung bzw. unsachgemäßer Lagerung (Bruchkanten an den Faltungen) wird eine Digitalisierung im Ganzen schwierig, sodass in oben erwähnten vier Segmenten separat gescannt werden muss. Trotz dieser Einschränkungen wird das Blatt Artern der geologischen Karte von Preußen aber künftig sicherlich gute Dienste in der erdkundlichen Heimatforschung leisten.


Denkmalsweihe 1925

Freitag, 16. November 2018

Am bevorstehenden Sonntag werden wieder landauf, landab an Denkmalen, Gedenkstätten und auf Friedhöfen Veranstaltungen anlässlich des Volkstrauertages stattfinden. Ob die dort gehaltenen, meist politisch korrekten Reden die Herzen der zahlenmäßig sukzessiv schwindenden Teilnehmer erreichen, sei dahingestellt! Im Gegenzug müht sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge tatkräftig um den Erhalt von zahllosen Grabstätten bzw. die würdige Umbettung der Gebeine von Gefallenen in Deutschland und Europa. – Wie völlig anders und vor allem patriotisch überzeugt wurde diese Thematik z. B. auch in Artern angegangen, so im Hochsommer 1925, kurz vor der Errichtung des Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Bismarckplatz (unser Bild). Autorin Christine Stadel aus Sangerhausen hat uns kürzlich zwei Artikel darüber aus der Sangerhäuser Zeitung vom 16. und 24. August 1925 zukommen lassen: „Artern. Aufrichtung der Heldenfigur. Sonnabend in den ersten Morgenstunden wurde die bronzene Heldenfigur „Treuschwur“ mit Lastauto nach hier gebracht und auf dem Sockel des Unterbaues aufgestellt und befestigt. Das Abladen und Aufstellen war eine ziemlich saure Arbeit, wiegt doch diese Figur über 30 Zentner. Zur Erleichterung der Arbeit hatte man aus starken Balken eine Rutsche gebaut, auf der Kolos [sic!] mittels Flaschenzug hinaufbewegt wurde. Trotz der frühen Morgenstunde sahen viele Neugierige dem schwierigen Kunststück zu. Herr Professor [Paul] Juckoff-Skopau [Schkopau] leitete persönlich diese Aufbauarbeiten. Fast den ganzen Vormittag konnte das nunmehr fertiggestellte Heldendenkmal in seiner ganzen Größe bewundert werden, es ist ein wahres Kunstwerk, wie es weit und breit nicht zu finden ist. Nachdem es noch im Auftrage der Denkmalskommission für die Herstellung von Ansichtskarten photogaphiert worden ist, wurde die Heldenfigur verhüllt. Das Denkmal wird am nächsten Sonntag der Oeffentlichkeit übergeben, den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Nacheiferung.“ – „Artern. Denkmalsweihe. Hier wird jetzt in allen Kreisen fieberhaft gearbeitet, um alles für die Denkmalsweihe gut vorzubereiten. Fuhren Grünes sind aus den nahen Wäldern geholt werden, und jeden Tag war man im Oberhof dabei, Girlanden und Kränze zu winden. Jeder darf sich Grünes zur Schmückung holen. Die Bürgerschaft will doch ihren lieben Gefallenen noch einen Ehrentag bereiten, und dazu will doch ein jeder mithelfen. Großzügig hat die Denkmalskommission alles organisiert, gilt es doch u. a. an diesem Tage mehr als zweitausend auswärtige mittrauernde Kameraden zu begrüßen und zu verpflegen. Bis in kleinste ist auch dazu alles vorbereitet, so daß zu hoffen ist, daß die Heldenfeier ohne Hemmung der Würde des Tages entsprechend verlaufen wird. Alle Fahnen in der Stadt werden an diesem Sonntag auf Halbmast gesetzt sein. Während der Feier werden Angehörige der Gefallenen, für die besondere Plätze reserviert sind, am Denkmal Kränze niederlegen; dasselbe werden auch diese hiesigen Vereine und Verbände für ihre Toten tun. Das Denkmal ist seit Sonnabend dicht verhüllt; erst morgen Sonntag wird es der Bürgerschaft vor Augen geführt werden. Doch der Name des Erbauers, des Bildhauers Juckoff-Skopau, bürgt dafür, daß ein Kunstwerk geschaffen ist, das sich sehen lassen kann und das jeden etwas zu sagen hat [...]“ – Gerade einmal zwei Jahrzehnte hob der monumentale Krieger in Artern seine Schwurhand gen Himmel, denn kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er abgeholt, um noch für den „Endsieg“ eingeschmolzen zu werden. Manche sagen, dass eben dies geschehen wäre, andere hingegen meinen, die Figur wäre nicht abtransportiert worden und läge noch irgendwo in Artern versteckt!?


Glockenvertrag

Dienstag, 13. November 2018

Als unerwartete und damit umso willkommenere Dokumente aus der Stadtgeschichte sind am Rande des Verkaufsstandes des Heimatvereins ARATORA zum vergangenen Zwiebelmarkt zwei originale Akten aus dem 18. Jahrhundert überlassen worden, die interessante Details zur Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Artern beinhalten. Vorbehaltlich einer noch ausstehenden Transkription der handschriftlichen Texte wäre zunächst das „Inventarium über das Kirchen=Brauhaus“ zu nennen. Hierbei handelt es sich um ein Gebäude an der Unstrut in der Reinsdorfer Straße, heute Standort des dortigen Hauses Nr. 1. Zuvor eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Brückenkapelle, wurde dieses Gebäude (oder dessen Nachfolger) später als Brauhaus und Salpeterhütte genutzt, ehe letztere Anwendung 1821 eingestellt worden ist. Mit vorliegender, vier Seiten umfassenden Akte kann nun der Status Quo des Kirchen-Brauhauses von 1737 mit sämtlichen dortigen Mobilien festgestellt werden. Besagtes Dokument ist somit ein wichtiger Baustein zur Bier- und Brauereigeschichte Arterns, neben Nachrichten zu den vormals brauberechtigten Häusern, den Gaststättenbrauereien sowie der Werksbrauerei seit 1879. – Die zweite Akte ist umfänglicher und wurde betitelt als „Contract Wegen Gießung einer neüen Glocke. 1743 den 1. julü“ (unser Bild). Kernstück dieser Schriftstücke ist der detaillierte Vertrag mit dem Leipziger Glockengießer Martin Hentze im Vorfeld des Gusses für die Marienkirche in Artern. Als Unikum wäre ein Wiegebeleg zu erwähnen, der folgendermaßen lautet: „Gottlob! Anno 1744 den 10. Juniö in Leipzig / Für die Kirche zu Artern ist gewogen worden. Eine Neue Glocke [Zentner] 15 ¼ : [Pfund] 10 ½. 5 gr. [Groschen] Aus der Waage allhier." Ein als „Glockenarchiv“ bezeichnetes und im Archiv des Heimatvereins ARATORA befindliches historisches Schriftstück berichtet über eben diese, im Ersten Weltkrieg wieder abgegebene Glocke u. a.: „Nach Norden zu [im Glockenstuhl] die sog. Leipziger [Glocke] fast 1 Meter hoch 792 kg. [...] Sie soll einen besonders süssen Klang gehabt haben. Oberer Rand Doppelfries Blumengewinde. Durchmesser, 1,055 [Meter]. Nach unten dreifache Schnurverzierung. Eiserne Tragebänder mit Schlängellinien und Rollwerk.“