Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Kartenhäuschen

Freitag, 2. November 2018

Für manche mag es lediglich eine lädierte Bretterbude sein, bestenfalls als Brennstoffquelle geeignet, für andere ist es Eisenbahn-Nostalgie pur: ein altes Holzhäuschen vom Bahnhof Artern (unser Bild). So unscheinbar und provisorisch dieses auch scheint, es hatte früher eine wichtige Funktion zu erfüllen: Passagiere, die im Bahnhof ihre Fahrkarten erworben hatten, konnten nämlich nur bis zu einem etwa hüfthohen „Gartenzaun“ westlich dieses Gebäudes gelangen und mussten dort zunächst warten. Erst wenn ein Schaffner in besagter Holzbude Stellung genommen hatte, wurden von dort aus die Billets kontrolliert und mit der Fahrkartenzange entwertet. Zugleich wurde die Tür zum Bahnsteig und damit zum Zug geöffnet. Danach wurden Bude und „Gartentür“ wieder geschlossen, und der Zug konnte mit den in Artern zugestiegenen Reisenden losfahren. Ein unkontrolliertes Betreten der Bahnsteige war damals also nicht möglich. – Eben dieses Jahrzehnte alte Holzhäuschen als Relikt der lokalen Personenabfertigung der Deutschen Reichsbahn hatte sich tatsächlich bis dato erhalten und wurde am vergangenen Dienstag von privat abgeholt. Sicherlich sieht man dem Zweckbau sein Alter an und war dessen Standort bis jetzt auch nicht unbedingt optimal, doch gerade die hinsichtlich der bereits langen Nutzungsdauer und der generellen Vergänglichkeit seines Baustoffs ist dieser vormalige „Amtsraum“ doch noch relativ gut in Schuss. Nach dem Abtransport durch den städtischen Bauhof ist die Bude zunächst ebendort eingelagert. In absehbarer Zeit soll entschieden werden, was künftig mit dem kaum einen Quadratmeter großen und knapp zwei Meter hohen Teil geschehen soll. Wenn möglich, soll dieses Überbleibsel der DDR-Verkehrsgeschichte natürlich erhalten bleiben. Hierzu muss es jedoch in fachmännische Hand gegeben werden. Ein pensionierter Tischler oder ein Amateurhandwerker mit entsprechenden Ambitionen könnte sich am Erhalt bzw. der Wiederherstellung versuchen. Interessierte mögen sich bitte beim Heimatverein ARATORA (Tel. 03466 / 320139) melden. Als Optionen nach der Wiederherstellung kämen der Verbleib und die öffentliche Präsentation in Artern infrage oder aber die Überführung in eine eisenbahnaffine bzw. museale Einrichtung unserer Region.


Zufa Oberröblingen

Dienstag, 30. Oktober 2018

Wenn der Heimatverein Oberröblingen/H. zum allherbstlichen Heimatabend einlädt, wird es erfahrungsgemäß zeitlich lang. So wiederum geschehen am vergangenen Sonnabend im dortigen Ratskeller, wo unter den rund fünfzig Besuchern auch Geschichtsfreunde aus Sangerhausen, der Goldenen Aue und Artern weilten. Zunächst referierte Ortschronist Hartmut Müller faktenreich über die Geschichte des Schlösschens, des Rittergutes und der Mühle in Oberröblingen. Kriminell wurde es anschließend mit dem Vortrag von Hans Wagner, der sich einer Reihe von Diebstählen in Eisenbahnen annahm, die einige Oberröblinger 1906 durchführten. Nach der Pause ging es musikalisch zu. Kein Wunder, wenn Götz Schneegaß, vormals Leiter der Musikschule Sangerhausen (damals mit Artern), ein Thema aus der Geschichte aufgreift: Diesmal berichtete er aus Vergangenheit und Gegenwart des weithin bekannten Blasorchesters der FFW Oberröblingen, gegründet 1971. Der Clou des Abends aber war eine rund viertelstündige filmische Dokumentation der letzten Kampagne der Zuckerfabrik in Oberröblingen (unser Bild, Foto: Frank Laffin, Oldisleben) mit Wiedergabe der Rübenannahme, des Rübenkellers, des Steinefängers, der Wäsche und der Schneidemaschinen, auch der ZUP-Extraktionsanlage und Trocknung. Weiteres Videomaterial harrt noch der Aufarbeitung und soll möglichst im kommenden Jahr präsentiert werden. – Aus publizistischer Sicht stand die neueste Ausgabe des Oberröblinger Jahrbuches, in der fortlaufenden Zählung für das Jahr 2017, im Mittelpunkt des Interesses. Darin wiederum zahlreiche Artikel, Geschichten, Sagen und Bilder aus der Ortsgeschichte sowie zwei der zuvor präsentierten Vorträge. Im Nachgang der Veranstaltung wurde dem Heimatverein ARATORA noch eine 180seitige unveröffentlichte Dokumentation zur Geschichte, Technik und Technologie der Zuckerfabrik Oberröblingen zwischen 1871 bis 1991, verfasst von einem vormaligen Betriebsingenieur, leihweise überlassen. Für die Besucher aus Artern wurde der diesjährige Heimatabend in Oberröblingen zu einer wiederum angenehmen und lehrreichen Veranstaltung mit erneuter Eruierung von wichtigem geschichtlichem Material. Danke dafür an die Heimatfreunde an der Große Helme!


Hotel Weinberg 1962

Freitag, 26. Oktober 2018

Ein Anruf aus Berlin am Freitag letzter Woche „versüßte“ das vergangene Wochenende, denn im Nachlass seines vormals in Artern beheimatet gewesenen Vaters hatte der in der Hauptstadt wohnhafte Sohn insgesamt 41 Fotos aus den Endfünfzigern und beginnenden 1960er Jahren entdeckt und befunden, dass diese zu schade wären, entsorgt zu werden. Deshalb suchte er die Homepage des Heimatvereins ARATORA auf und rief in Artern an. Nach einem sehr angenehmen Telefonat wurde vereinbart, dass die privaten Aufnahmen den Weg hierher zurückfinden sollen. Bereits am Montag lag ein Brief mit eben diesen Bildern im Briefkasten. Die erste Sichtung offenbarte u. a. folgendes: Unstrut-Motive von der Reinsdorfer Straße aus, Dämme, Ufer und Kleingärten am Fluss, Mühlgraben, Flussschwimmbad, vom Hochwasser überschwemmte Gleise der Kyffhäuser-Kleinbahn, auch das Badehaus im Salinepark, weiterhin Ansichten vom Weinberg mit Pionierhaus, Weinberg-Gaststätte (unser Bild von 1962), Obstplantagen am Westhang, Schillerstraße, Goetheplatz sowie Blicke auf die Stadt Artern und nicht zuletzt Fotos von Einschulungen, Kindertagen und Demonstrationen zum 1. Mai. Als regionale „Zugaben“ lagen Aufnahmen vom Kyffhäuser, der Barbarossa-Höhle, von der Hainleite und aus Bad Frankenhausen bei. Nachdem die Bilder hochauflösend gescannt worden waren, zeigte sich dann noch das eine oder andere interessante historische Detail aus der Stadtgeschichte. Alles in allem fand eine für Amateuraufnahmen sehr ansprechende DDR-zeitliche Bildersammlung den Weg zurück, die sich zu großen Teilen sehr gut z. B. im Arterner (N)Ostalgie-Kalender für 2021 verarbeiten ließe (2020 ist thematisch bereits verplant). – Neben der erfreulichen Tatsache, dass damit wiederum einmalige Aufnahmen vor der endgültigen Entsorgung gerettet worden sind, steht dieser Fall inzwischen exemplarisch für eine ganze Reihe ähnlicher Vorkommnisse in jüngerer Zeit, in deren Verlauf alte Bilder, Unterlagen und Akten aus Artern und Umgebung gesichert worden konnten. Dieser Trend zeigt, dass sich erfreulicherweise mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzt, altes Material nicht achtlos wegzuwerfen, sondern dort abzugeben, wo dieses bewahrt, bearbeitet, teils öffentlich gezeigt und ggf. auch publiziert wird!


Heinz Noack

Dienstag, 23. Oktober 2018

Breitungen: Der Name dieses Dorfes im schönen Südharz dürfte vor allem bei ehemaligen Beschäftigten der Kyffhäuserhütte Artern so manche Assoziationen an Urlaubswochen in werkseigenen Bungalows oberhalb des Waldbades wecken. Am vergangenen Freitag standen ebendort aber keine Träumereien über verflossene Ferienzeiten auf dem Programm, vielmehr handfeste, ja sogar steinharte Objekte! Denn während der Jahre 2012 bis 2018 wurde von einigen Mitgliedern des befreundeten Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue umfangreiche Feldarbeit geleistet, die zur Grundlage eines Buches geworden ist, das sich nun als „Historische Grenzsteine in den ehemaligen Fürstlich Schwarzburg-Rudolstädter Forstdistrikten Borntalsberg, Kleine Maaße und Eichenleite bei Breitungen“ manifestiert hat. Dafür sind Erfassungen von Grenzstein-Standorten, Eruierung ehemaliger Grenzverläufe und Recherchen in Akten vorgenommen worden. In der Folge konnten von vormals knapp 400 gesetzten Grenzsteinen noch 234 dieser Denkmale nachgewiesen werden. – Zur Buchpräsentation fuhr auch eine kleine Delegation aus Artern ins altehrwürdige Gasthaus „Zum grünen Zweig“, wohin der Breitunger Heimatverein, das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz sowie der Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue eingeladen hatten. Der Saal der schmucken Gaststätte war mit rund fünfzig erwartungsfrohen Besuchern gut gefüllt (unter diesen Olaf Kürbis, zuständiger Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Halle/S. und Frank Störzner als thüringischer Spezialist für Kleindenkmale), als Autor Heinz Noack aus Bennungen, langjähriger Heimatforscher und Bodendenkmalpfleger, das Wort ergriff. Er berichtete von zahllosen Besuchen in den Wäldern um Breitungen, Gesprächen mit Förstern, Heimatfreunden und Einwohnern sowie von umfangreichen Recherchen, u. a. im Staatsarchiv Rudolstadt. Nicht selten musste bei der Geländearbeit Buschwerk entfernt und der Spaten angesetzt werden, um Grenzsteine auszuheben und deren Beschriftung zu ermitteln. Die so ermittelten Zeitzeugen des 18. und 19. Jahrhundert wurden dann fotografiert, gezeichnet, vermessen und ihre heutige Position digital vermerkt. Trotz des nun vorliegenden Inventariums bleiben aber noch immer genügend Fragen offen – aus der Vergangenheit der Steine bis hin zu deren Einstufung und Behandlung in der Gegenwart sowie Möglichkeiten der Erhaltung dieser Denkmale. – Resümee: Das 392 Seiten, 962 Fotos und 703 Zeichnungen beinhaltende Werk „Historische Grenzsteine in den ehemaligen Fürstlich Schwarzburg-Rudolstädter Forstdistrikten Borntalsberg, Kleine Maaße und Eichenleite bei Breitungen“ dürfte Maßstäbe in der regionalen Erforschung, Darstellung und Beschreibung derartiger Kleindenkmale setzen. Glückwunsch an den Verfasser und seine Mitstreiter für deren unschätzbare Arbeit bzw. für ein optisch wie inhaltlich sehr ansprechendes Buch. Die damit begonnene Reihe „Zwischen Harz und Kyffhäuser. Heimatkundliche Schriften für das Gebiet des Biosphärenreservats Karstlandschaft Südharz“ lässt demnach auf weitere interessante Veröffentlichungen aus der regionalen Geschichte hoffen! – Unser Bild zeigt Autor Heinz Noack während der Buchvorstellung in Breitungen, hier bei Erläuterungen anhand einer Landkarte.


Dekanei

Freitag, 19. Oktober 2018

Während der Abrissarbeiten des Hauses Fräuleinstraße 20 zu Anfang vorigen Monats kam in Gesprächen mit Anwohnern und Schaulustigen auch immer wieder das zuvor auf dem Schulgelände befindlich gewesene Fräuleingut zur Sprache (das nicht, wie mitunter angenommen, auf dem Grundstück der Fräuleinstraße 17 zu finden ist). Nachstehender Text von 1894 sowie beigefügte Skizze von Gustav Poppe sollen hierüber etwas Aufklärung bringen. Demnach befindet sich auf der Zeichnung links die Marienkirche (hier nicht sichtbar) und rechts an der Richtungsangabe „West“ die Fräuleinstraße, unten ist die Kirchstraße und oben die Herrnstraße. Das Kürzel mit dem Buchstaben c links markiert die alte Dekanei (Superintendentur), deren Revier bis dd hinreichte. Darunter als e ist das in den 1880er Jahren erbaute Schulhaus aus roten Klinkern zu erkennen. Der Buchstabe f markiert das frühere „Revier des Trebra’schen, später Fräuleinguts, jetzt auch das Gerichtshaus einschließend“. Der Bereich g, wo der 1977 erbaute DDR-Schulneubau steht, war das „frühere Amtshausrevier bis ca. 1810, dann Esbachs, jetzt (1894) Karoussellbesitzer H. Scherbe’s Haus. 1589 heißt es „das kleine Vorwerk“ im gräfl. Besitze“. Der Buchstabe h befindet sich dort, wo 1835 die seit Jahren leerstehende Bürgerschule westlich der Marienkirche errichtet worden war. Der hohe Anbau mit Wetterfahne von 1905 westlich vom roten Schulhaus sowie das oben angesprochene, kürzlich abgerissene Eckhaus sind auf der Zeichnung nicht vermerkt, da diese Gebäude ein Jahrzehnt jünger als die hier wiedergegebene Zeichnung sind.


Stadtarchäologie Einbeck

Dienstag, 16. Oktober 2018

Petrus meinte es am vergangenen Wochenende besonders gut, als eine Delegation des Heimatvereins ARATORA auf Einladung des Einbecker Geschichtsvereins in der niedersächsischen Partnerstadt weilte. Dafür hatten die Geschichtsfreunde dort interessante und historisch bedeutsame Ziele ausgewählt. Am Treffpunkt in der Innenstadt Einbecks angekommen, führte die gemeinsame Fahrt zunächst ins Jagdschloss Rotenkirchen, südlich der Bier- und Fachwerkstadt gelegen. Als fachkundiger Führer erwies sich Dr. Thomas Kellmann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, der den gesamten Vormittag sehr sach- und fachkundig der Geschichte und Baugeschichte dieses kulturhistorisch bedeutsamen Objekts unterhalb der Burg Grubenhagen widmete. Zum Schloss gehörte auch große Domäne, eine Fasanerie und ein Park, weiterhin ein auswärtigen eine im schweizerischen Stil errichtete „Schweizerei“ im Wald. – Nach dem Mittagessen mit Blick auf das sonnenüberflutete Tal der Leine ging die Fahrt zeitlich ins Mittelalter. Der beabsichtigte Besuch der Ausgrabungen der Töpferei- und Siedlungswüstung Kugenhusen bei Einbeck konnte infolge vorfristiger Beendigung der dortigen archäologischen Untersuchungen aber leider nicht stattfinden. Stattdessen lud Stadtarchäologe Markus Wehmer ins Depot der Stadtarchäologie Einbeck ein, wo er Einblicke in die zahlreichen Funde aus Stadt und Flur gewährte. Besonders diese Station unseres Besuchs war nachhaltig, weil Besucher bekanntlich nicht allzu oft Zutritt in die „Asservatenkammern“ haben. Unser Bild zeigt Marks Wehmer mit dem Schädel eines Einbeckers aus dem 18. Jahrhunderts. Im Biergarten des stilecht hergerichteten Café- Bistro Panaché klang dann für die rund zwanzig Teilnehmer ein abwechslungsreicher und sonnig-warmer Herbsttag in der Partnerstadt aus. Im nächsten Jahr, wenn die Einbecker nach Thüringen kommen, könnte die museale Zuckerfabrik Oldisleben als potentieller Weltkulturerbe-Kandidat das gemeinsame Besuchsziel sein; dann mit dem zeitlichen Maximalprogramm einer Führung. Immerhin war auch die Gegend um Einbeck einst Anbaugebiet von Zuckerrüben, sodass agronomische, technische und technologische Bezüge herzustellen kein Problem ist.


Skizze Schönfeld

Freitag, 12. Oktober 2018

Aufgrund einer 1817 von Heinrich Knebusch (späterer Wege- bzw. Baukondukteur im Regierungsbezirk Merseburg) gezeichneten Karte, die Lage der Häuser und Gehöfte sowie die Flur Schönfeld mit der Unstrut und dem damaligen Wegenetz darstellend, möchte unser Vereinsmitglied Dr. Axel Römer aus Pulheim (NRW) vor allem die Bewohner dieses Dorfes animieren, ihm diesbezüglich historisch relevante Informationen mitzuteilen oder alte Bilder bereitzustellen. Hierzu sollen im Dorf Kopien besagter Karte verteilt werden. Im Einzelnen geht es um familien-, häuser- und grundstücksgeschichtliche Details, denn auf Basis der Karte sowie weiterer historischer Unterlagen und Daten soll versucht werden, eine möglichst lückenlose Geschichte der Häuser Schönfelds und deren Bewohner zu erstellen. Angesprochene Karte von 1817 ist betitelt mit „II. Brouillon von den in der Schönfelder Fluhr belegenen zum Königlichen DomainenAmte Artern gehörenden Ländereien“, wobei als Brouillon solche Karten bezeichnet worden sind, die im Vorfeld der Separation (Feldneueinteilung zur Abschaffung der Dreifelderwirtschaft) angefertigt worden sind. Interessant für die Flurnamenforschung sind nebenbei die dort eingezeichneten Benennungen von Äckern. – Die überschaubare Anzahl der Grundstücke und Gebäude in Schönfeld wird hoffentlich die avisierte Arbeit erleichtern, wiewohl sich bereits frühere Heimatforscher grundlegend über die Bebauung, Wohnverhältnisse sowie die Altbewohner mitgeteilt haben (Schäffer, Poppe u. a.). Gesucht werden im aktuellen Projekt sämtliche Daten über frühere Bewohner, Neu-, Um- und Ausbauten auf den Grundstücken bzw. weitere relevante Informationen. Gern übermittelt der Heimatverein ARATORA die erbetenen historischen Angaben an den Verfasser, der bereits an einer ähnlichen Aufstellung für die Stadt Artern tätig ist, nämlich die Häuserzeile zwischen der ehemaligen Bäckerei Braune am „Pfützenplatz“ und dem vormaligen Uhrengeschäft Ziehme in der Leipziger Straße betreffend. Auch über diesen Abschnitt werden noch Daten über vormalige Bewohner sowie Informationen zur Häusergeschichte gesucht. – Unsere hier abgebildete Skizze zeigt eine weitere Darstellung der baulichen Situation von Schönfeld, basierend auf Mitteilungen von Chronist Gottfried Schäffer von 1830.


Adressbuch 1924

Dienstag, 9. Oktober 2018

Nachdem im Sommer 2018 bereits ein Vortrag über den Wohnbezirk IV in Artern, zudem zwei Vorträge über die Stadt Artern in den 1990er Jahren zum Tag des offenen Denkmals sowie erst kürzlich bei der THINKA auf dem Königstuhl eine weitere Präsentation mit älteren Abbildungen unserer Heimatstadt gezeigt worden sind, könnte es im Herbst oder spätestens Anfang 2019 noch eine öffentliche Präsentation mit historischen Unterlagen geben. Der Termin hierfür ist zwar noch nicht fixiert, die Thematik jedoch schon! Gezeigt werden Teile des Rüstzeuges für Familienforscher, die in Artern Verwandte und Vorfahren suchen, nämlich Adress-, Einwohner und Telefonbücher aus der Zeit von 1812 bis 1940. Hierfür wurden jetzt über 150 Dokumente digitalisiert, das sind acht Bücher mit relevanten historischen Daten zur Arterner Personenforschung. Gezeigt werden diesmal also keine Fotos, sondern sämtliche Seiten aus genannten Verzeichnissen. Die Besucher können bestenfalls anhand dieser Belege bereits beim Betrachten die Wohnstätten ihrer Ahnen ermitteln. – Aber auch darüber hinaus können die Daten von alten Adressbüchern genutzt werden, d. h. als Hilfsmittel zur Aufstellung von Häuserchroniken, wie solche derzeit von unserem Mitglied Dr. Axel Römer in Pulheim für die Häuserreihe Leipziger Straße 37 -42 sowie Geschwister-Scholl-Platz 11-15 erarbeitet werden. Mittels vom Heimatverein ARATORA in jüngerer Zeit sichergestellter Kämmereiakten des 17. bis 19. Jahrhunderts bzw. handschriftlicher Verzeichnissen zur Einwohnerschaft ab dem späten 18. Jahrhundert konnte bereits tief in die Vergangenheit auch dieser Straßenabschnitte eingedrungen werden. Voraussichtlich im kommenden Jahr könnte Dr. Axel Römer hierüber vor Ort berichten. – Der Termin über den angekündigten Vortrag zu den Arterner Adressbüchern wird rechtzeitig bekanntgegeben, als Ort ist das Gemeindezentrum der evangelischen Kirche in der Harzstraße 16 vorgesehen. – Unser Bild zeigt die Titelseite eines Telefonbuches von 1924, aus dem für das Vereinsachriv jene Seiten mit Daten aus Artern extrahiert worden sind.


Rat des Kreises

Freitag, 5. Oktober 2018

Über einige Umwege kam kürzlich eine bislang in Berlin befindlich gewesene Sammlung mit historischen Abbildungen aus Artern zurück in die alte Heimat, wo der Heimatverein ARATORA eben diese Kollektion vom aktuellen Eigentümer u. a. für Veröffentlichungszwecke abscannen durfte. Es handelt sich um ein Fotoalbum mit 112 Aufnahmen in Schwarz-Weiß sowie diversem losen Bild- und Zeitungsmaterial. Die ältesten Fotos dürften wohl um 1920 zu datieren sein, die jüngsten Bilder wurden in den späten 1970er Jahren gemacht. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden Stadtansichten auf alten Ansichtskarten (darunter auch durchaus seltenere Ausgaben sowie offensichtlich private Postkarten), jedoch sind auch etliche, teils sehr detailreiche und vor allem qualitätsvolle Amateuraufnahmen darunter. Diese zeigen u. a. Straßenzüge und Häuser in der Altstadt, die längst abgerissen sind, weiterhin Blicke von der Steilen Hohle in die Landschaft, Spaziergänge am Aratora-See, an der Sole, der Unstrut und dem Mühlgraben. Weiterhin befinden sich Motive in der Sammlung, die für die Fortsetzung von „Die Unstrut – Geschichten(n) vom Fluss“ relevant werden könnten (z. B. Personenkahn am Salinepark). Ein paar schöne Bilder vom Kyffhäuser-Denkmal sowie einem winterlichen Besuch ebendort mit PKW Wartburg komplettierten die unerwartet erhaltene Sammlung, weiterhin einige DDR-Zeitungsausschnitte mit Themen aus Artern, u. a. zum Bau der beiden Kaufhallen. – Es wird derzeit geprüft, ob wenigstens noch einige der privaten Abbildungen bzw. selteneren Ansichtskarten aus obiger Sammlung für den 2019 geplanten dritten Bildband „Damals in Artern“ in unserer querformatigen A5-Buchreihe genutzt werden können. In einem der nächsten Bildervorträge des Heimatvereins ARATORA mit alten Arterner Ansichten werden die in letzter Zeit überlassenen Fotosammlungen, so auch jene soeben beschriebene aus Berlin, auf jeden Fall öffentlich gezeigt. – Unser hier abgebildetes Foto zeigt die Neubauten des Rates des Kreises Artern in der Bergstraße im Jahr 1972 von der oberen Steilen Hohle aus.


Nostalgie-Kalender 2019

Dienstag, 2. Oktober 2018

Ein optisch attraktiver Begleiter durch das Jahr 2019 wird am Zwiebelmarkt-Wochenende 6. und 7. Oktober 2018 mit dem beliebten Arterner (N)Ostalgie-Kalender veröffentlicht, der bereits seit fünf Jahren vom Heimatverein ARATORA herausgegeben wird. Der Verkauf findet an beiden Tagen vor dem Wohn- und Geschäftshaus in der Wasserstraße 12 statt, und zwar jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr (kostenlose Tragebeutel werden bei Bedarf ausgegeben). Der neue Kalender für das kommende Jahr im Format A4 mit Ringbindung steht unter dem Titel „Artern zwischen 1945 und 1985“ und bildete auf 24 Kalenderblättern ebenso viele historische Fotos ab, wobei pro Monat je zwei Kalenderblätter anfallen. Hinzu kommen acht weitere Bilder aus Arterns Vergangenheit im Vorwort und auf zusätzlichen kalendarischen Seiten. Das Titelblatt ziert der Parkplatz auf dem Markt zu DDR-Zeiten. Als Monatsansichten werden u. a. zu sehen sein: Wasserturm der Deutschen Reichsbahn, Stadtansicht im Winter, altes Unstrut-Bad, Karl-Liebknecht-Straße, Geschäft Röhkel am Markt, Genex-Trabbis auf dem Königstuhl, Ruine der Veitskirche, Gaststätte Hillmer, Blick vom Hotel Weinberg, obere Wasserstraße, Bau des Schwimmbades, Sicht vom Weinberg nach Allstedt, Goetheplatz, Markt- und Geschwister-Scholl-Platz, Friedhof und vereister Mühlgraben. Die Auflage des Kalenders ist auf 300 Exemplare begrenzt! Der Stückpreis beträgt 10,00 Euro, von denen je 2,00 Euro zugunsten der Sanierung der Orgel in der Marienkirche der evangelischen Gemeinde Artern zugeleitet werden. Ab Montag, 8. Oktober 2018 wird der Kalender auch im „Guten Buch“ Artern angeboten. – Die Planung unseres Kalenders für 2020 (Verkauf zum Zwiebelmarlt 2019) sieht vor, diesen aus Anlass der 30. Wiederkehr der Deutschen Einheit durchweg mit Arterner Motiven aus den frühen 1990er Jahren zu illustrieren.


Wasserstraße 13

Freitag, 28. September 2018

Pünktlich vor dem Arterner Zwiebelmarkt in einer Woche wurde ein markantes historisches Wohn- und Geschäftshaus in der Wasserstraße einer Verjüngungskur unterzogen. Seit Mitte September waren Handwerker im Gange, um das Eckhaus Wasserstraße 13 / Ecke Alte Poststraße malermäßig mit einem hellen Blaugrau aufzufrischen. Mitte der 1990er Jahre hatte das Ehepaar Christine und Frank Zimmer dieses Grundstück erworben und unter großen Aufwendungen das bis dahin völlig abgewirtschaftete Wohngebäude mit Nebengelassen modernisieren und sanieren sowie vor allem den verputzten alten Fachwerkschmuck wieder sichtbar werden lassen. Seither ist ebendort auch das gleichnamige Sanitätshaus ansässig. – Nach der kürzlich erfolgten farblichen Instandsetzung erstrahlt das alte Gebäude nun wieder in neuem Glanz, ist jedoch nur noch bedingt dem Altbau ähnlich, wie unser beigefügtes Bild, aus dem Jahre 1896 beweist, das die westliche Front darstellt. Damals schon hatte das Gebäude wenigstens 120 Jahre auf dem Buckel, will man dem nicht öffentlich zugänglichen, datierten Türstein im Innenbereich des Grundstücks Glauben schenken. Besonders auffällig auf unserem Bild ist der im Gegensatz zu heute völlig veränderte Eingansbereich mit Tür sowie doppeltem Türstein. Auch der nördliche Giebel in der Alten Poststraße offenbart seit damals diverse Veränderungen. Die sich daran anschließenden Baukörper sind gleichfalls im Vergleich zu heute modifiziert worden. Als einer der früheren Bewohner dieses Grundstückes sei Klempnermeister Richard Fister erwähnt, der neben seinem Handwerk dort auch Handel mit Lampen, Geschirr, Blechwaren sowie Dächern aus verschiedenen Metallen betrieb. – Unser Foto wurde dem aktuellen Bildband „Alt-Artern in Bildern“ des Heimatvereins ARATORA entnommen, der noch in geringen Mengen vorhanden ist bzw. erworben oder bestellt werden kann. In diesem Buch sind noch weitere attraktive und zugleich seltene Arterner Aufnahmen aus dem späten 19. Jahrhundert abgedruckt.


CG 3-2018

Dienstag, 25. September 2018

Unter dem thematischen Schwerpunkt „Die Berufe unserer Ahnen“ mit dem neugierig machenden Untertitel „Urinwäscher, Glacémacher und Peruquiers“ erschien dieser Tage die aktuelle, wiederum sehr lehrreiche sowie optisch anspruchsvolle Ausgabe der Zeitschrift „Computergenealogie“ (unser Bild). Darin werden im ersten Artikel historische Berufe analysiert und Schlussfolgerungen über familiale Strukturen sowie soziale Entwicklungen gezogen. Danach kommen alte Berufe zur Vorstellung, deren sich wandelnde Bezeichnungen sowie diesbezügliche historische Veränderungen von Arbeitstechniken und Fertigkeiten. In „Mein Uropa war…“ werden ausgewählte ungewöhnliche Berufs bzw. Berufsbezeichnungen untersucht. Im Software- Abschnitt der Zeitschrift ist eine „Hitparade“ der „besten“ Genealogie-Programm unter Windows aufgeführt; Spitzenreiter ist demnach „Ahnenblatt“ – ein ansprechendes und einfach zu bedienendes (Noch-) Freeware-Programm (bis Version 2.99b). Danach werden in zwei Artikeln der Dreißigjährige Krieg und dessen Auswirkungen auf die Genealogie dargelegt (zumeist fehlende Archivalien vor 1618-1648) sowie die Friedenskirche von Schweidnitz vorgestellt. Das Historische Datenzentrum Sachsen-Anhalt bittet anschließend in einem Bericht um Unterstützung dahingehend, historische und deutschsprachige Amts- sowie Berufsbezeichnungen mitzuteilen, um diese dann wissenschaftlich weiterverarbeiten zu können. Wichtige Tipps nicht nur für Anfänger gegeben, genealogische Daten richtig einzuordnen bzw. korrekte Schlüsse aus diesen zu ziehen, stehen dann im Fokus eines weiteren Aufsatzes. Diverse Kurzmeldungen und Informationen aus der Welt der Familienforschung runden die jüngste Ausgabe der „Computergenealogie“ schließlich ab. In der nächsten Zeitschrift wird dann speziell auf die Thematik „DNA-Genealogie“ eingegangen.


Buch Notgeld

Freitag, 21. September 2018

Mit seinem kürzlich erschienenen Buch „Aus vergangenen Zeiten... Papiergeld, Notgeld, Notmünzen, betriebliches Verrechnungsgeld und Wertmarken 1850-1990“ (unser Bild) hat Vereinsmitglied Ringo Staudt aus Schlettau in Sachsen (zuvor in Reinsdorf wohnhaft) ein nicht nur für Numismatiker wichtiges regionalhistorisches Werk in Katalogform vorgelegt, das akribisch recherchiert und reich bebildert aus der jüngeren Geldgeschichte der Gebiete des heutigen Kyffhäuserkreises und des Landkreises Sömmerda berichtet. Nachdem die erste (Klein-)Auflage erwartungsgemäß in kurzer Zeit vergriffen war, steht nun eine Nachauflage an. Der Untertitel „Ein numismatischer Baustein zur Geldgeschichte Thüringens“ ist, betrachtet man das Buch intensiver, fast schon tiefgestapelt, denn der Autor hat enormes Wissen, basierend auf seiner Sammelleidenschaft sowie ungezählten Stunden während Ermittlungen, Analysen und Zusammenstellungen, zu Papier gebracht. – Den Anfang machen drei Artikel: zum Thema Notgeld allgemein, zur Einteilung sowie zur Arbeit mit dem Katalog. Dieser ist als Hauptteil in zwei Abschnitte gegliedert, jeweils identisch für die beiden genannten Kreise. Mit folgenden Überschriften wurde besagtes Inventarverzeichnis aufgebaut: Papiernotgeld 1914-1923, Orts- und Privatnotmünzen, Wert- und sonstige Marken, sonstige Belege mit Geldbezug, auswärtiges Notgeld mit Lokalbezügen, weiterhin Betriebsgeld, Wert- und sonstige Marken und sonstige Belege mit Geldbezügen. – Was sich hier vielleicht noch wie knochentrockene Speziallektüre für introvertierte Forschergreise aus der Numismatiker-Gilde liest, wird bereits beim Blättern im Buch rasch als Vorurteil hinfällig. Sicherlich beinhaltet dieses Werk Spezialthemen, nach numismatischen Gesichtspunkten beschrieben, aber: Hunderte Abbildungen in sehr erfreulicher Größe lassen das Buch zu einer Augenweide werden und erleichtern den sachlichen Einstieg in die regionale Geldgeschichte auch für bislang Unkundige, Anfänger und Laien. Für unseren Bereich besonders wichtig sind die detaillierten Beschreibungen und Darstellungen der von den Motiven her attraktiven Notgeldscheine z. B. aus Artern, (Bad) Frankenhausen, Kalbsrieth und Oberheldrungen; selbiges gilt natürlich auch für weitere Emissionen. – Ringo Staudt hat es geschafft, eine umfängliche und attraktive Monografie zu schaffen, die Numismatiker, Historiker, Heimatkundler und Interessierte gleichermaßen anspricht und begeistern wird. Zudem hat er eine bislang bestehende Lücke in der Aufarbeitung der regionalen Geldgeschichte geschlossen. Großes Kompliment ins Erzgebirge für dieses Werk – und möge die angesprochene Nachauflage nicht die letzte sein! Das 200-seitige Buch „Aus vergangenen Zeiten...“ kann beim Autor bestellt werden, der Heimatverein ARATORA vermittelt gern hierzu den Kontakt. Der Preis beträgt 25,00 Euro inklusive Versand.


Stadel und Schmölling

Dienstag, 18. September 2018

Im Rahmen der erneut rundum gelungenen heimatgeschichtlichen Jahresveranstaltung „Zu Gast bei Spenglers“ am 31. August 2018 im musealen Grundstück der gleichnamigen Regionalforscher-Familie in der Hospitalstraße wurden vom gastgebenden Sangerhäuser Geschichtsverein zwei Neuerscheinungen vorgestellt. Neben der hier kürzlich bereits besprochenen Broschüre „Die Feilenfabrik Sangerhausen“ wurde auch die Druckschrift „Die Straßen der Stadt Sangerhausen“ von Christine Stadel erstmals präsentiert. Darin stellt die Autorin aus unserer vormaligen Kreisstadt insgesamt 448 Straßennamen vor (inklusive natürlich jener der 14 Ortsteile von Breitenbach bis Wolfsberg) und beleuchtet deren Bedeutung und Geschichte. Unser Bild zeigt die Verfasserin Christine Stadel, gemeinsam mit dem ARATORA-Vorsitzenden auf der Treppe im Innenhof des alten Spengler-Grundstücks beim ersten Blättern in der Neuveröffentlichung (Foto: Heinz Noack, Bennungen). – Die 82-seitige Broschüre (Preis: 6,00 Euro) wird eröffnet mit bildlichen Impressionen aus den insgesamt 15 Kommunen, danach werden deren aktuelle Straßennamen bzw. soweit bekannt die vormaligen Bezeichnungen alphabetisch benannt sowie kurz und prägnant erläutert. In der Regel handelt sich hierbei um Personennamen, Bezeichnungen von örtlichen Gegebenheiten sowie alte Wege- und Flurnamen. Wie anderswo gleichfalls, sind bei der Vielzahl der Benennungen auch Namen darunter, die sich aufgrund ihres hohen Alters bzw. ehemals ganz spezifischer örtlicher Gegebenheiten oder Zustände einer eindeutigen Zuordnung verschließen und daher vage bleiben müssen. Die interessante und lehrreiche Schrift von Christine Stadel ist eine Fleißarbeit, der auch insoweit Verbreitung über interessierte Kreise in der Bevölkerung hinaus zu wünschen ist, als diese Broschüre z. B. im schulischen Heimatkunde- und Geschichtsunterricht angewendet werden sollte. Auch als Grundlage für evtl. weitergehende historische, onomastische, germanistische oder philologische Forschungen bietet sich die Neuveröffentlichung an. Zudem können sich Heimatfreunde in der Umgebung, die eine ähnliche Publikation planen, inhaltlich an „Die Straßen der Stadt Sangerhausen“ orientieren. – Am Rande obiger Veranstaltung war auch zu erfahren, dass demnächst ein umfangreiches und stark bebildertes Buch über die Grenzsteine und Grenzen in den Wäldern um Breitungen-Uftrungen, zwischen Schwarzburg und Stolberg bzw. der Breitunger Gemeinde erscheint. Die öffentliche Vorstellung dieses 400-seitigen Werkes findet am Freitag, 19. Oktober 2018 um 19.00 Uhr in Breitungen (Gaststätte zum grünen Zweig) statt.


Tagung Kindelbrück

Freitag, 14. September 2018

Ein alljährlich regionalhistorischer Höhepunkt, zu dem erneut Vertreter des Heimatvereins ARATORA teilnahmen, fand vorige Woche mit der Tagung der Heimatforscher und Ortschronisten des Kreises Sömmerda statt, diesmal in der Grundschule Kindelbrück. Als Ausrichter fungierten diesmal die dortige Stadtverwaltung, der Sport- und Spielverein Kindelbrück, weiterhin die Interessengruppe Heimatgeschichte sowie das Landratsamt und Kreisarchiv Sömmerda. Die Schwerpunkte dieser Tagung zur Industrialisierung schlugen zugleich eine Brücke zum aktuellen Themenjahr „Industrialisierung und soziale Bewegungen in Thüringen“. Knapp sechzig Geschichtsfreunde fanden den Weg an das freundliche Städtchen an der Wipper, um sich über die historische Industriekultur in Thüringen sowie an authentischen Orten zu informieren. – Für thematisch lokales Kolorit sorgte zunächst Klaus Günther, der seinen Heimatort im 19. Jahrhundert beleuchtete, als sich bisherige Ackerbürgerstädtchen Kindelbrück zum Industristandort entwickelte (unser Bild). Ein sehr gehaltvolles und inhaltreiches Referat hielt danach Dr. Stefan Geber von der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit „Industrialisierung in Thüringen im 19. Jahrhundert“. Er hatte die Entwicklung und Komplexität dieser Prozesse in den thüringischen Kleinstaaten bzw. dem preußischen Anteil Thüringens untersucht sowie mit statistischem Datenmaterial untermauert. Ein bislang kaum erforschtes Thema brachte dann Dr. Frank Boblenz vom Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar den Gästen nahe, nämlich die Auswirkungen der Industrialisierung in Sömmerda auf das Umland im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Pendler, d. h. der aus den Nachbardörfer zur Arbeit nach Sömmerda einpendelnden Arbeiter und deren Situation (Arbeitszeit, Fahrzeiten und -wege, soziales Umfeld). Als industriegeschichtliches Paradebeispiel vor Ort stellte abschließend Hartmut Stöpel die Kofferfabrik Kindelbrück in Wort und Bild vor: ehemalige Papiermühle, seit 1888 in Besitz der Schuhfabrik Baumann und Neufeld in Sangerhausen, von 1908 Elektrizitäts-Werk an und ab 1914 Kofferfabrik mit internationalen Absatzgebieten. Noch heute kündet eine Brandruine vom Ende dieses Industriezweiges in Kindelbrück. – Zum Abschluss wurde der langjährige Ortschronist Horst Haupt aus Alperstedt für seine Arbeit als Heimatforscher geehrt. Ein Rundgang durch Kindelbrück rundet die erneut gelungene Veranstaltung ab, die im nächsten Jahr in Rudestedt Station macht. Nicht zuletzt muss erwähnt werden, dass das Kreisarchiv Sömmerdas im Herbst 2018 mit dem Thüringischen Archivpreis ausgezeichnet wird. Auch unseren herzlichen Glückwunsch zu dieser hohen und verdienten Ehrung!