Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Heimatblätter 2021

Dienstag, 8. Dezember 2021

Erst vor wenigen Tagen per Post gekommen, liegt die neueste Ausgabe der „Heimatblätter“ als Schriftenreihe des befreundeten Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue somit noch vor dem Weihnachtsfest als Lesestoff vor (unser Bild mit Zeichnung der Kirche St. Nicolai zu Bösenrode). Auf 114 Seiten und illustriert mit zahlreichen Fotos, Karten und Faksimiles nehmen sich zehn Autoren mit nachstehenden Artikeln verschiedensten Themen der regionalen Geschichtsforschung zwischen Kyffhäuser, Südharz und Goldener Aue an, die von erdgeschichtlicher Vergangenheit bis in 20. Jahrhundert reichen: Aus der Geschichte der Breitunger Kupferhütte; Ein frühmittelalterliches Gräberfeld bei Brücken; Der Bauerngraben bei Breitungen in Druckwerken des 16. bis 18. Jahrhunderts; Der Kampf der Einwohner von Bösenrode gegen herrschaftliche Willkür im 18. Jahrhundert; Rundwanderung nordwestlich von Rotha; Der Maler Paul Behrens-Havemann; Der Gedenkstein von Johanna Westpfahl im Kyffhäusergebirge; Anfang und Ende des NS-Zeit in Oberröblingen; Spurensuche nach der Stolberger Straße; Vereinsaktivitäten 2020 und Autorenverzeichnis. Die in letztgenanntem Register genannten Verfasser kommen aus Artern, Bennungen, Erfurt, Kassel, Kelbra, Nienstedt, Oberröblingen, Roßla und Sangerhausen. - Besonders auf den Bericht zum frühmittelalterlichen Gräberfeld bei Brücken soll hier aufmerksam gemacht werden, da diese spektakuläre Entdeckung vom Sommer 2020 sehr wichtige frühgeschichtliche Einblicke auch in die überregionale Vergangenheit zulässt. Aber ebenso die anderen Artikel berichten über wichtige Themen aus der Geschichte der Goldenen Aue und ihrer Randbezirke. Der Bericht über den Bauerngraben wurde vom Heimatverein ARATORA beigesteuert, dessen Bebilderung wurde mit reichlich vierzig Jahre alten Aufnahmen des besagten Areals von Vereinsmitglied Hans-Joachim Büchner aus Weißwasser vorgenommen. - Besonderer Dank ergeht an Redaktion, Herausgeber und Autoren der „Heimatblätter“, die es wiederum geschafft haben, ein ansprechendes und abwechslungsreiches Druckwerk zur Vergangenheit unserer Heimat zuwege zu bringen. Möge auch das bereits fünfte Büchlein aus der Schriftreihe des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue möglichst viele Leser finden und hoffentlich das Interesse an der Heimatforschung wecken! Interessenten können die Zeitschrift für 9,95 Euro bestellen auf http://goldeneaue.net oder beim Thüringer Literaturversand Rockstuhl in Bad Langensalza.


Artern um 1900

Dienstag, 1. Dezember 2020

Älteren Arternern ist sicherlich noch Bäckermeister Paul Löbnitz am Goetheplatz in Erinnerung, der infolge Denunzierung wegen angeblichen Waffenbesitzes zu Beginn der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in die Fänge von Stalins Häschern kam und dessen Spur sich danach komplett verlor. Aus einem Nachlass erhielt der Heimatverein ARATORA kürzlich ein von Paul Löbnitz verfasstes Gedicht, in dem dieser seine große Liebe zur Heimatstadt (unser Bild) zu Papier gebracht hatte. Fast zwei A4-Seiten umfasst dieser auf den September 1941 datierte „Gruß an Artern“ und beschreibt in gekonnten Versen das Leben in unserer Stadt. Der Leser bemerkt sofort die innige Verbundenheit des Bäckermeisters mit Artern bzw. seinen Bewohnern und wundert sich vielleicht, wie Paul Löbnitz als berufsbedingter Frühaufsteher nach langem Arbeitstag noch Lust verspürt hat, diese Empfindungen in Reimen zu Papier zu bringen. Gewisse Ähnlichkeiten und Anleihen dieses Gedichts mit dem einst sehr bekannten „Arterner Heimatlied“ von Karl Brückner und Walter Jäger sind sicher nicht unbeabsichtigt. - Auch um das Andenken des nie mehr in seine Heimatstadt Artern heimgekehrte Paul Löbnitz nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, wird überlegt, ob dieses Gedicht ggf. im nächsten Bildband als Beigabe veröffentlicht wird.


Gerholz-Datei

Dienstag, 24. November 2020

Ob professioneller Historiker, Regionalforscher, Genealoge oder historisch Interessierter, sie alle stoßen auf kurz oder lang auf alte, oft längst ausgestorbene Berufsbezeichnungen. Nicht immer erschließen sich auf den ersten Blick die einst damit verbundenen Tätigkeiten; vielmehr ist es die überwiegende Anzahl einstiger Professionen, die heute unbekannt geworden sind! Umfängliche Abhilfe schafft hier die „Gerholz-Kartei - Eine Sammlung alter Berufsbezeichnungen“, die vom Verein für Familienforschung in Lübeck, aktuell in vierter Auflage, herausgegeben wurde (unser Bild). Ein Exemplar wurde jetzt vom Heimatverein ARATORA erworben. - Die nach ihren Schöpfer Heinrich Gerholz (1896-1997), Lehrer und Mitbegründer des Vereins für Familienforschung e.V. Lübeck, benannte Sammlung ist das Ergebnis seiner dreißigjährigen Arbeit mit Kirchenbüchern und historischen Akten und umfasst nahezu 6.000 Begriffe aus der Arbeitswelt des Mittelalters und der Frühneuzeit, sämtlich quellenmäßig belegt. Mit jeweils nur wenigen Zeilen werden dort alte Handwerke, Berufe und Ämter dargestellt und beschrieben – als Erläuterungen völlig ausreichend und doch unverzichtbar für die Geschichtsforschung und Genealogie. In der Retrospektive ist es allerdings schon erschreckend, wie relativ wenige Bezeichnungen sich bis heute erhalten haben bzw. die zugehörigen Gewerbe längst ausgestorben sind! - Die jüngste, unveränderte Ausgabe der „Gerholz-Kartei“ wurde erst in diesem Jahr gedruckt! Das Buch kostet 18,50 Euro zzgl. 2,50 Euro Porto und ist beim genannten Verein zu bestellen. Wer sich selbst, einem historisch interessierten Familienmitglied oder Freund ein gelungenes Weihnachtsgeschenk machen möchte, ist damit aller bestens bedient, weil die „Gerholz-Kartei“ aus der Vielzahl der Literatur zu historischen Berufen monolithisch herausragt; und das ohne jegliche Illustration.


Goethe-Broschüre

Dienstag, 17. November 2020

Unverhofft kommt oft – so auch dieser Tage, als sich im Briefkasten ein größerer Umschlag fand. Selbigen geöffnet, lag eine druckfrische Broschüre auf dem Tisch, herausgegeben von der Ortsvereinigung Sondershausen der Goethe-Gesellschaft zu Weimar; womit auch schon andeutungsweise die Thematik des 40seitigen Heftchens nahe liegt. Dessen etwas umständlicher Titel „Die unbekannten Vorfahren. Was Kirchenbücher verraten – Genealogische Forschungen zur Familie Göthe in Nordthüringen“ löst sich beim weiteren Blättern auf, denn zunächst werden die Grundbegriffe der Familienforschung dargelegt, um dann auf die Ahnen des großen Dichters einzugehen. Beim Umfang von dessen Verwandten und Vorfahren musste auf entsprechende Software zurückgegriffen werden, was die Autorin Dr. Barbara Heuchel aus Sondershausen auch getan hat. Ohne dieses Hilfsmittel sind die inzwischen 1.600 relevanten historischen Personen nämlich überhaupt nicht mehr zu fassen. Es folgt eine Auflistung der Wohnorte der hiesigen Goethe-Ahnen von Allstedt bis Wiehe. Im Anschluss werden die Nordthüringer Göthes näher betrachtet sowie deren Leben und Wirken auch illustriert; etliche Faksimiles aus alten Zeitungen ergänzen das Manuskript. Ein Quellenverzeichnis mit teils kaum bekannten Texten beschließt die neue Broschüre, die – trotz des geringen Umfangs – ungeahnte Zeit in Anspruch genommen hat, wobei besonders die Forschungen in den Kirchenbüchern und Archiven genannt seien, weiterhin die Zuordnung der Personen in den Stammbaum. - Als gedruckte Beilage hat Edith Baars aus Sondershausen noch eine vierseitige Biografie von Goethes Großvater Friedrich Georg aus Artern initiiert. Zudem in der Broschüre befindlich ist eine CD mit nachfolgenden PDF-Dateien: Darstellung der Gesamtverwandtschaft von Johann Wolfgang Goethe, Stammtafel von Johann Wolfgang Goethe als sog. Sanduhrdarstellung, vollständige Ortsliste aus dem Genealogie-Programm Ahnenblatt sowie die Stammtafel von Otto Goethe. Besonders diese Informationen dürften Familien- und Heimatforscher vorrangig interessieren, weil dort tausende von Daten im Kontext zusammengestellt worden sind.


Goethehaus

Dienstag, 10. November 2020

Heute vor 290 Jahren starb Goethes Arterner Großvater Friedrich Georg, später Schneidermeister bzw. seit 1705 Gastwirt des Weidenhofs in Frankfurt/M. Ein gemaltes Porträt, das mutmaßlich Friedrich Georg Göthe, den Sohn des hiesigen Hufschmieds und Ratsherrn Hans Christian, zeigt, ist heute verschollen; lediglich die Fotografie dieses Gemäldes existiert noch. Anders dessen Elternhaus in der Harzstraße, das seit 1929 mit einer Gedenktafel geschmückt ist (unser Bild). Dieses Haus aus dem 17. Jahrhundert wurde 1888 komplett verputzt und kündet, derart optisch verändert, noch heute von den Ahnen des Dichters in Artern. Von seinem einst markanten Äußeren als Fachwerkbau zeugen noch einige zeitgenössische Fotografien sowie eine nachträglich geschaffene Zeichnung von Otto Engelhardt-Kyffhäuser als Postkartenmotiv. – Aufgrund einer historisch relevanten Anfrage seitens einer großen Kulturstiftung erhielt der Heimatverein ARATORA dieser Tage Kenntnis von zwei weiteren, bislang unbekannten Darstellungen des Arterner Ahnenhauses. Eine dieser Zeichnungen datiert in das Jahr 1875 und liegt bereits als Kopie vor, eine weitere soll noch folgen. Besonders hervorstechend darauf ist die zweiflügelige Eingangstür sowie der darüber befindliche Türstein. An der Giebelseiten sind Taubenschläge erkennbar. – Dieser unerwartete Fund zur jüngeren Stadtgeschichte wurde äußert freudig aufgenommen; ggf. bereits im nächsten Bildband, der 2021 erscheinen soll, könnten nach Klärung rechtlicher Sachverhalte Reproduktionen dieses einmaligen Fundes erstmals veröffentlicht werden.


Springbrunnen Saline

Dienstag, 3. November 2020

In jüngster Zeit erreichten uns verschiedentlich Anfragen, den vormaligen Springbrunnen am Badehaus in der Arterner Saline betreffend. Es wurde gebeten, von diesem eine Abbildung zu veröffentlichen, was hiermit gern getan wird. Beigefügter Ausschnitt einer Ansichtskarte von vor dem Zweiten Weltkrieg (Verlag Johannes Bräuer) zeigt die mit Blumen umrundete Wasserfläche des Brunnens, aus dessen Zentrum eine einfache Fontäne in wohl mehr als doppelter Mannshöhe emporsteigt. Das links sichtbare Badehaus ist mit dem Schriftzug „Solbad Artern“ gekennzeichnet. Über der Eingangstür wurde eine Halbrosette als Ziermotiv angebracht. Im Hintergrund rechts erhebt sich das Inhalierhäuschen.


Rathaus Artern

Dienstag, 27. Oktober 2020

Die Mutmaßung, zur Vergangenheit des Rathauses in Artern (unser Bild) wäre nicht allzu viel mehr zu erforschen, wurde kürzlich wieder einmal ad absurdum geführt, nachdem uns Heimatfreundin Christine Stadel aus Sangerhausen einen interessanten Artikel aus der Sangerhäuser Zeitung (Jahrgang 1906) zugesandte hatte. Demnach standen im Herbst besagten Jahres die Vorbereitungen zur feierliche Eröffnung an, zu der u. a. der Regierungspräsident aus Merseburg und der Landrat des Kreises Sangerhausen erwartet wurden. Zu dieser Zeit konnte auch das Modell des künftiges Bismarck-Denkmals über dem Ratskeller in Augenschein genommen werden. Zudem trafen Geschenke zur Ausschmückung des neuen Amtsgebäudes ein. Ein solches hatte auch die Schwester des damaligen Sangerhäuser Landrates Werner von Doetinchem de Rande (1860-1918) beigesteuert, was die erwähnte Zeitung besonders betonte, denn Besagte hatte „ein von ihr selbst gemaltes Kaiserbild gespendet, welches seinen Platz im Sitzungszimmer des Rathauses erhalten hat und sehr zur Ausschmückung desselben mit beiträgt. Das Bild stellt unseren Kaiser in der Uniform der Gardekürassiere in Lebensgröße dar.“ - Wo mag dieses Gemälde von Wilhelm II. wohl hingekommen sein, nachdem es mutmaßlich nur ein reichliches Jahrzehnt an der Wand hing? Denn: Spätestens im Herbst 1918 war mit der Abdankung des Monarchen bzw. Ausrufung der Republik bekanntlich Schluss mit der Kaiserherrlichkeit, so wohl auch im Arterner Rathaus. Wieder einmal mussten Kunstwerke politischer Bilderstürmerei weichen! Umso schlimmer, dass sich von diesem gemalten Bekenntnis zur Kaisertreue nicht einmal ein Foto erhalten hat. Dennoch hier unsere Frage: Kann jemand über das verschollene Wilhelm-Bildnis nähere Angaben machen?


Dienstag, 20. Oktober 2020

Ein altes Objekt lokaler Eisenbahnromantik kehrt in absehbarer Zeit nach Artern zurück: in Gestalt der „legendären“ Knipserbude vor dem Hautgebäude des hiesigen Bahnhofes! So primitiv sich dieser hölzerne Unterstand zu Betriebszeiten auch präsentiert haben mochte, es handelte sich um eine bedeutsame Einrichtung der Deutschen Reichsbahn. Denn dort saß ein (schon von Amts wegen wichtiger) Kontrolleur, um mit der Lochzange die Fahrkarten vor der Abfahrt der Züge zu entwerten. Auch die Inhaber von sog. Bahnsteigkarten mussten einst an besagtem Häuschen zur Entwertung derselben vorbei defilieren. Das Prinzip war so einfach wie effektiv: Ohne Karte kein Betreten der in Artern mit einem Holzzaun abgesperrten Bahnsteige bzw. Züge – und der Fahrkartenknipser hatte natürlich eine ausschlaggebende Tätigkeit im Bahnverkehr inne, die sicherlich nicht selten von diesem „herausgekehrt“ worden ist. – Nachdem das Häuschen vom Arterner Bahnhof, das zuvor drei Jahrzehnte lang als Unterstand für Gartenwerkzeuge diente, zum Zeitpunkt der Abholung im Sommer 2019 noch ein Bild des Jammers bot und viele keinen Pfifferling auf dessen erfolgreiche Sanierung gegeben hätten, steht die erfolgreiche Wiederherstellung nun kurz vor dem Ende. Dies aber auch nur durch einen Glücksgriff! Hunderte ehrenamtliche Arbeitsstunden, viel Farbe und Leim, Holz und Glas hatte nämlich seither unser Vereinsmitglied Hans-Joachim Büchner in Weißwasser investiert, um dieses unikale eisenbahngeschichtliche Relikt seiner Heimatstadt an der Unstrut unter Beibehaltung möglichst vieler Originalteile wieder detailgetreu herzustellen. Nunmehr kaum wiederzuerkennen ist jetzt die vormalige Ruine der Knipserbude, die sich in sattem Moosgrün präsentiert. Bald kehrt diese nach Artern zurück. Wenn es soweit ist, womöglich noch in diesem Quartal, wird das Häuschen in einem vor Wind und Wetter geschützten Raum Platz finden und, soweit es die Umstände zulassen, mit einer kleinen Feier der Öffentlichkeit übergeben. Immerhin dürfte Artern dann ein auch überregional einmaliges, originales Relikt aus der guten alten Eisenbahnzeit besitzen. – Unser beigefügtes Fotos zeigt einen Bildausschnitt mit Darstellung des Arterner Bahnhofes um 1900 mit einem Vorgängerbau der besagten Knipserbude aus späteren DDR-Zeiten.


Pfalzkirche Tilleda

Dienstag, 13. Oktober 2020

Die die Sanierung der Arterner Veitskirche begleitenden archäologischen Grabungen vor rund einem Vierteljahrhundert brachten zahlreiche, bislang unbekannte Aspekte aus der baulichen Vergangenheit dieses Bauwerks zutage. Neben mittelalterlichen Estrichen war die Erschließung eines vom Grundriss her völlig abweichenden, steinernen Vorgängerbaus eine kleine Sensation! Diese Kirche beeindruckte mit einem mächtigen Westturm, einem langen Schiff sowie dem Halbrund einer Apsis als östlichen Abschluss. Die Fundamente wurden damals ausgegraben, dokumentiert und als Aufriss sichtbar gemacht. Im Nachgang wurde die Lage des vormaligen Turms im neuzeitlichen Bodenbelag mittels veränderter Pflasterung optisch hervorstechend gestaltetet. Was allerdings fehlt, war die bildliche Wiederherstellung des Altbaus der Veitskirche in Komplettansicht. - Eine annähernde Rekonstruktion ist nun bei einem neuerlichen Besuch des Freilichtmuseums Königspfalz Tilleda (Ausgrabungen 1935 und 1939 sowie 1958 bis 1976) „entdeckt“ worden: Vor den Grundmauern der dortigen Pfalzkirche befindet sich eine Info-Tafel, die u. a. dieses mittelalterliche Bauwerk als Rekonstruktion zeigt. Wird dieses Bild nun gespiegelt, zeigt es in ziemlicher Übereinstimmung jene markanten Merkmale, die den Baukörper des ersten Steinbaus der Arterner Veitskirche ausmachten (hier in der gedachten Ansicht der Südseite): hoher Turm im Westen, sich daran anschließendes Langschiff sowie Apsis als Abschluss im Osten (unser Bild). Weitere Details (Fenster, Pforte sowie Innenbereich) sind bei den Kirchen zu Tilleda bzw. Artern allerdings höchst verschieden. Soweit bekannt, wurden die Ergebnisse der Grabungen in der Veitskirche (noch) nicht veröffentlicht.


Bürstenbinder Vogel

Dienstag, 6. Oktober 2020

Dem ominösen Virus fiel auch die Jahresplanung des Heimatvereins ARATORA zu großen Teilen bzw. zwei geplante Bücher sogar komplett zum Opfer, als da in 2020 gewesen wären: ein weiterer Bildband mit zumeist noch unpublizierten Fotos aus der Stadthistorie sowie eine Darstellung zur Geschichte des Arterner Kronengartens. Diese Veröffentlichungen werden nun auf das kommende Jahr verschoben, so sich denn die pandemischen Umstände und damit verbundenen Maßnahmen bis dahin hoffentlich wieder normalisiert haben. Die Manuskripte beider Bücher sind schließlich zu großen Teilen fertig und werden im Herbst und Winter mit jenen interessanten Unterlagen und Fotos ergänzt, die in der Zwischenzeit dafür zur Verfügung gestellt worden sind. Als Erscheinungstermine sind das Frühjahr und der Hochsommer 2021 avisiert, im vierten Quartal kommt noch der Nostalgie-Kalender für 2022 hinzu. Schon jetzt kann resümiert werden dass sich die Zwangspause aber keineswegs nachteilig auf die Inhalte auswirken wird – im Gegenteil! Während der gewonnenen Zeit haben sich nämlich die einen oder anderen Bildperlen eingefunden, die nun gezeigt werden können, so z. B. das hier beigefügte Foto vom abgerissenen Geschäft des Bürstenbinders Vogel in der Leipziger Straße, aufgenommen im November 1968.


Zippelmarkt

Freitag, 2. Oktober 2020

Lange Zeit war es unklar, nun aber ist es gewiss: Der Zwiebelmarkt 2020 in Artern findet ab dem morgigen ersten Oktober-Wochenende statt, wenngleich in abgespeckter Form. Wie schon während der vergangenen sieben Jahre wird auch diesmal dort der Arterner Nostalgie-Kalender angeboten, der aktuell unter dem Titel „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ steht. Dieser beinhaltet 32 Abbildungen auf 28 Seiten aus der Zeit der 1950er bis 1980er Jahre. Zu sehen sind u. a. Schillerstraße, Franz-Schubert-Straße, Siedlung, Pestalozziplatz, Weinberg und weitere Motive aus dem Norden unserer Stadt. Interessenten können sich am Sonnabend, den 3. und Sonntag, den 4. Oktober 2020 von jeweils 9 bis 15 Uhr am Verkaufsstand des Heimatvereins ARATORA vor dem Wohn- und Geschäftshaus Wasserstraße 12 zu Erwerb einfinden. Unter Umständen ist auch nach dem Zwiebelmarkt noch Zeit, denn potentielle Restexemplare gibt es dann im „Guten Buch“ in der Leipziger Straße. Darüber hinaus werden Bestellungen gern auch telefonisch oder schriftlich entgegengenommen. - Unser Bild zeigt einen tatsächlich als postalische Anschrift existierenden Zwiebelmarkt in unserer weiteren Heimat (Altstadt von Aschersleben). Auf diesem mundartlich zu „Zippelmarkt“ verschliffenen Areal wurden einst die namensgebenden Lauchgewächse auch im östlichen Harzgebiet gehandelt.


CG 3-2020

Dienstag, 29. Septenber 2020

Wie rasch ein Vierteljahr vergeht, kann auch an der Veröffentlichung der Quartalsschrift „Computer-Genealogie“ des Vereins für Computer-Genealogie nachvollzogen werden, deren aktuelle Ausgabe Nr. 3/2021 soeben eingetroffen ist. Wie nicht anders zu erwarten war, ist auch dieses Heft wieder rundum gelungen und ansprechend für Einsteiger wie „alte Hasen“ der Familienforschung gleichermaßen. - Das Titelthema sind diesmal maßgeblich feminin geprägt; hierzu schreibt der Herausgeber: „Die klassische Genealogie konzentrierte sich auf die männlichen Stammlinien, Frauen waren nur „angeheiratet“. Oft wurde von ihnen in den Kirchenbüchern auch nur der Vorname genannt. Aber es hat sich viel getan in den letzten Jahrzehnten – inzwischen interessieren sich viele Forscher, und natürlich die wachsende Zahl der Forscherinnen, auch für die Frauen in ihrer Familiengeschichte. Die hatten oft eine ganz andere Biografie als Männer – etwa als Folge nichtehelicher Geburten. Und es gab auch schon früher mutige Frauen, die ganz anders lebten als wir ihnen heute zutrauen: Schon im 17., 18. Jahrhundert gingen einige protestantische Frauen ihre eigenen Wege und ließen sich scheiden. Frauen in der Familiengeschichte – das ist das Thema von Ausgabe 3/2020 der Computer-Genealogie.“ Die Kapitel des Hauptthemas lauten: Frauenschicksale. Die Rechte der Frauen in der frühen Neuzeit. Die Wege des X-Chromosoms. Chance für die Mutterstammforschung. Hochschwanger auf dem Feld.) - Weitere Schwerpunkte des neuen Magazins sind die Vorstellung der Software „My Famlily Tree“, zwei Berichte zur DNA-Analyse in der Familienforschung und der Rückblick auf das Groß-Berlin-Gesetz von 1920 (Eingemeindung zahlreicher Gemeinden in der Umgegend von Berlin). Abgerundet wird das Heft von vielen Kurzmeldungen und Neuigkeiten aus der Welt der Genealogie. - Die nächste Ausgabe der „Computer-Genealogie“ erscheint im Dezember und wird sich schwerpunktmäßig den Familienchroniken annehmen. Bis dahin sei die Vereinshomepage https://www.compgen.de/ empfohlen.


140 Jahre Brauerei

Dienstag, 22. September 2020

Artern und Bier, das gehört historisch ebenso zusammen wie Artern, Saline und Salz, wenngleich die Historie des industriell hergestellten Gerstensaftes weit jünger ist und erst in die Jahre 1879/1880 datiert. Zudem ist beiden, einst die Stadt bekannt gemacht habenden Produkten gleich, dass jetzt nur noch wenig Vorzeigbares von den einstigen Bausubstanzen ihrer Herstellung gezeigt werden kann. - Nachdem über Jahrhunderte hinweg in Artern Bier nur in brauberechtigten Häusern hergestellt und ausgeschenkt werden durfte, lieferte die Brauerei an der Chaussee nach Querfurt heute auf den Tag genau heute vor 140 Jahren erstmals Bier aus eigener Produktion! Aus diesem Anlass nachstehend einige Daten zur Betriebsgeschichte, wie sich auf der Festurkunde von 1979, dem hundertsten Jubiläum der Gründung bzw. des Baubeginns (unser Bild), abgedruckt waren, in Auszügen: 1898 neue Eisfabrikationsanlage, 1904 neues Sudhaus, 1907 Abfüllung als Flaschenbier, 1921 Verschmelzung der Brauereien Allstedt, Frankenhausen, Sondershausen, Kelbra und Artern zur „Vereinigten Thüringer Brauerei in Artern“, 1925 Ankauf von LKW zum Biertransport, 1927 Einstellung der eigenen Malzfabrikation und Übernahme von Malz aus der Malzfabrik Artern, 1933 Anlage für Kunsteis, 1936 automatische Anlage zur Fassreinigung, 1938 Großfeuer in der Brauerei Artern, 1946 Brauerei Artern wird VEB, 1948 neue Bezeichnung als VEB Venag Brauerei Artern, nach 1947 sukzessive umfassende Modernisierung des Werkes, 1967 Großbrand in der Malzfabrik, 1971 Zuordnung des VEB Brau- und Malzkombinat Sangerhausen mit der Brauerei Artern zum VEB Getränkekombinat Dessau, 1979 versorgt die Brauerei Artern sieben Kreise mit Bier und alkoholfreien Getränken, rund 200 Beschäftigte arbeiten im hundertsten Jahr der Brauerei ebendort.


Bäckerei Herold

Dienstag, 15. September

Begleitend zur umfänglichen Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses Wasserstraße 12 vor über anderthalb Jahrzehnten erarbeitete der Kunsthistoriker Dietrich Wiegand aus Hemleben eine detaillierte  baugeschichtliche Untersuchung dieses Objekts. Bereits in dieser Abhandlung wurden einige frühere Besitzer bzw. Nutzer benannt und zeitlich zugeordnet. Um die rund 400jährige Geschichte dieses opulenten Hauses künftig besser zu verstehen, werden aktuell intensivere Recherchen zu dessen Eigentümern aus vier Jahrhunderten vorgenommen. Hilfreiche personenbezogenen Daten und Informationen können z. B. aus erst in den vergangenen Jahren entdeckten und seither digitalisierten Arterner Steuer- und Einwohnerakten des 19. Jahrhunderts entnommen werden. Bereits zu Beginn der Recherchen wurde die Bedeutung dieses Hauses und Grundstücks auch für die Stadt-, Familien-, Handwerks- und Militärgeschichte der Stadt Artern erkennbar. Nach Fertigstellung der Abhandlung „Geschichte der Eigentümer, Mieter und Bewohner des Wohn- und Geschäftshauses Wasserstraße 12 seit dem 17. Jahrhundert“ gegen Ende dieses Jahres wird dann den derzeitigen Besitzern sowie dem Stadtarchiv Artern eine Ausgabe überlassen, ggf. auch öffentlich vorgestellt. Die hier beigefügte, auf 1908 datierte Illustration zeigt die im Haus Wasserstraße 12 ansässig gewesene Bäckerei von Otto Herold, der sich erst wenige Jahre zuvor dort eingerichtet hatte.


Kalender 2021 Vorwort

Dienstag, 8. September 2020

Der Publikumszuspruch zum 2. Heimattag in Artern am vergangenen Wochenende war erfreulich rege, haftete dieser Veranstaltung doch mehr als nur ein Hauch jener Normalität an, die das vergangene halbe Jahr so schmerzlich vermisst worden ist: Händler aus der Region boten Waren an, hiesige Geschäftstreibende warben für ihre Läden und Firmen, ebenso Vereine, Essen und Trinken wurden ausgereicht und die Arterner Schalmeien musizierten in der Innenstadt. - Zwischen den beiden örtlichen Schwerpunkten des Heimattages, vor dem ehemaligen Hotel und dem Geschwister-Scholl-Platz, hatte sich der Heimatverein ARATORA mit einem Stand vor dem „Guten Buch“ platziert und bot am Freitag bzw. Sonnabend erstmals den mittlerweile sehr beliebten Nostalgie-Kalender, hier jenen für das kommende Jahr, an. Entgegen allen Erwartungen hinsichtlich der Frequentierung sollten die dafür absolvierten 15 Arbeitsstunden ein voller Erfolg werden, denn bereits die Hälfte der Gesamtauflage, also 150 Exemplare, ist nun schon veräußert (das sind rechnerisch alle sechs Minuten ein Kalender, der über den Ladentisch ging!). Sogar aus Bad Frankenhausen, Sangerhausen und Voigtstedt waren Gäste extra deswegen nach Artern gekommen. - Nachdem jetzt auch die bürgermeisterliche Zusage betreffs der Durchführung des Zwiebelmarktes in vier Wochen vorliegt, werden die verbliebenen Exemplare dort angeboten bzw. danach der Rest im „Guten Buch“. Der Heimatverein ARATORA sagt Dankeschön für dieses große Interesse sowie die guten Kritiken betreffs der inhaltlichen Gestaltung unseres neuen Druckerzeugnisses „Artern zwischen Goetheplatz und Siedlung“ mit noch nie veröffentlichten Bildern unserer Heimatstadt aus den 1950er bis 1980er Jahren (unser Bild). Auch perspektivisch wird die Kalenderreihe weitergeführt; das Manuskript der Ausgabe für 2022 ist bereits so gut wie fertig!