Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Reinsdorf von Süden

Dienstag, 2. August 2022

Eine andere historische Meldung aus dem Gerichtssaal soll heute im Rahmen unserer kleinen Reihe während der Sommerpause mitgeteilt werden; die relevante Verhandlung fand 1884 in Nordhausen statt. Ein ganz besonderes „Früchtchen“ war demnach der 1869 in Reinsdorf (unser Bild) geborene Karl Friedrich Knoche, damals also noch ein Schuljunge. Dessen Anklage: Urkundenfälschung und versuchter Betrug. Obwohl eine guter Schüler und aus ordentlichem Elternhaus stammend, missbrauchte er seinen darauf beruhenden Vertrauensvorschuss wie folgt. Was heute vielen ihr Smartphone als Statuszeichen ist, war damals der Besitz einer Taschenuhr, denn mit einer solchen wollte Knoche prahlen. Allerdings hatte er kein Geld, um sich einen Chronometer auf redliche Weise zu beschaffen. Also musste die krumme Tour angewendet werden, und die ging richtig schief! - Am 21. Dezember 1868 ging der Angeklagte in das Geschäft von Uhrmacher Thieme in Artern und gaukelte diesem mit einem gefälschten Schreiben vor, für seinen Lehrer Köthe eine Taschenuhr abholen zu wollen, die der Pädagoge bei nächster Gelegenheit dann bezahlte würde. In einem anderen Fall wurde Knoche von Pfarrer Reichardt in Reinsdorf beauftragt, für arme Kinder Spenden zu sammeln. Das tat der Junge auch, änderte jedoch die Summe auf der Spendenliste ab, um einen namhaften Betrag für privat abzubiegen. Davon angespornt, entwarf Knoche eine weitere Liste, um nun zu hundert Prozent auf eigenen Profit Kollekten zu sammeln. Über 22 Mark erschwindelte dieser mit besagter Aktion. Weiterhin versuchte der Angeklagte, auch bei Uhrmacher Ungewitter in der Arterner Wasserstraße eine Taschenuhr zu ergaunern. - Es kam schließlich, wie es kommen musste: Aller Schwindel flog auf und Karl Friedrich Knoche kam vor den Kadi. Er war geständig und musste trotz seiner Jugend ins Gefängnis: für sechs lange Monate, „die der Knabe sofort antrat“. - Im alten Preußen hatte demnach Recht noch mit Strafe zu tun! Also keine Glaceehandschuhe, mit denen kriminelle Wiederholungstäter von der Justiz angefasst worden sind, und vor allem keine Sozialstunden im Tierheim. Im dunklen Karzer durfte der jugendliche Mehrfachbetrüger über seine Schandtaten nachdenken und nach Besserung streben!


Hochzeit Artern

Dienstag, 26. Juli 2022

Ein weiterer Fall von Justiz vergangener Zeiten soll heute unsere kleine Sommerserie über Kuriosa aus der Stadtgeschichte bereichern, wobei es um eine verdrängte Eheschließung und deren verheerende Auswirkungen geht. Die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal meldete 1865 folgendes: Der Arbeiter Andreas Becker aus Artern war ein unbescholtener Mann, ehelichte 1842 Marie Bärenklau und lebte mit dieser in Goldlauter, Südthüringen. Zwei Jahre später kam es zum großen Krach, und die Gattin verließ Becker klammheimlich. Dieser zog nach Artern zurück und heiratete 1857 die Witwe Regine Piller. Nach deren Tod 1863 ehelichte Andreas Becker die Friederike Bärwinkel. - Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte demnach zweifache Bigamie betrieben hätte, da er ja immer noch mit der ausgebüchsten Marie, geb. Bärenklau verehelicht war. Diese indes hielt Becker für tot, da seine Bemühungen, die erste Ehefrau aufzufinden, ohne Erfolg waren. Marie Becker starb allerdings erst 1864 und hatte bis dahin keine Anstalten gemacht, ihren Verflossenen wiederzusehen. Bei dessen späterer, d. h. zweiter Eheschließung hatte Andreas Becker jedoch einen entscheidenden Fehler gemacht, als er dem Pfarrer anlog, er sei noch Junggeselle. Zudem wäre er damals gedrängt worden, die Witwe Regine Piller zu heirateten, da man in seinem Umfeld eine wilde Ehe nicht dulden wollte. - Trotz dieser verzwickten Umstände hielt der Staatsanwalt seine Anklage aufrecht, und das Gericht verdonnerte schließlich den Bigamisten zu sage und schreibe zwei Jahren Zuchthaus! - Unser Bild zeigt Blumenkinder vor der Marienkirche um 1930, die auf das Hochzeitpaar warten.


Geschäft Engelhardt

Dienstag, 19. Juli 2022

Wie bereits angekündigt, soll die eher ereignisarme Zeit über den Sommer hinweg mit kurzen, aus heutiger Sicht kuriosen oder amüsanten Kurzmeldungen aus der Stadtgeschichte überbrückt werden. Heute wird über eine 1906 aufgeflogene Kinderbande berichtet, wobei Parallelen zur Gegenwart durchaus gezogen werden können. Die Presse meldete folgende Sachverhalte hierzu und gab zugleich die Strafmaß vor: „Artern. Ein vierblättriges sauberes Kleeblatt bilden in unserer Stadt vier Jungen im Alter von etwa 12 Jahren, welche schon seit fast einem Jahr das unsaubere Handwerk des Diebstahls betrieben haben, und zwar mit eine Raffiniertheit, die es ermöglichte, daß das Treiben der Bürschchen so lange unentdeckt bleiben konnte. Vernehmungen haben ergeben, daß die meisten Geschäftsleute heimgesucht worden sind, darunter solche, die die Diebstähle bis vor kurzem überhaupt nicht entdeckt hatten. Den jungen Dieben ist vieles in die Händen gefallen: Lebensmittel, Spielwaren, Zigaretten, Gebrauchsgegenstände usw. In der Regel verlangten die Jungen in den Geschäften solche Gegenstände, von denen sie wußten, daß diese dort nicht zu haben sind. Beim Verlassen des Ladens ließen sie dann die Ladentür angelehnt und während dann der Ladeninhaber den Laden verlassen hatte, betraten sie denselben schnell wieder und stahlen, was ihnen in die Hände fiel. Selbstverständlich mußte vor dem Laden einer „Schmiere“ stehen. Alle Tage eine gehörige Tracht Prügel wäre hier wohl angebracht.“ - Unser Bild zeigt den Blick in das Geschäft von Franz Engelhardt in die Leipziger Straße um 1900, der vielleicht auch damals Opfer der Kinderbande geworden ist.


Misthaufen vor Haus

Dienstag, 12. Juli 2022

Über die Umsetzung von Ordnung, Sicherheit und Hygiene im öffentlichen Raum in Artern und auch anderswo ließ und lässt sich trefflich streiten. Doch nicht nur in heutiger Zeit, auch bereits früher machten sich die Stadtväter Gedanken, wie die Bewohner zu mehr Reinlichkeit angehalten werden könnten. Eine vor knapp anderthalb Jahrhunderten in kraft getretene, diesbezügliche amtliche Verordnung sollte in Artern für Klarheit sorgen. Mit dieser, nachstehend beschriebener Richtlinie beginnt eine lose Folge von aus heutiger Sicht merkwürdigen oder kuriosen Begebenheiten aus der städtischen Geschichte, die zum Nachdenken und/oder Schmunzeln anregen soll: „Unsere hiesige [Arterner] Polizeiverwaltung erläßt [1884] nachstehende sehr lobenswerthe Anordnung: Jeder Eigenthümer oder Nießbraucher eines im hiesigen Stadtbezirke liegenden Grundstückes hat die vor demselben befindlichen Gossen oder Rinnsteine täglich gründlich zu reinigen und den Unrath fortzuschaffen [unser Bild]. Die Reinigung ist mit frischem Wasser vorzunehmen und von Zeit zu Zeit ist eine Desinficirung der Rinnsteine mit Carbolsäure zu bewirken. Die Aborte und Düngerstätten in jedem Gehöfte sind öfter als gewöhnlich auszufahren, Jauche oder ähnlicher Unrath, namentlich die Abgänge in Schlächtereien, Gerbereien sind wohlbedeckten Behältern oder den Düngerstätten zuzuführen und durch Aufstreuen von Torf oder anderer Asche, Gypskalk, Kehricht und dergleichen zu binden. Insbesondere sind die Besitzer von Gast- und Schankwirthschaften verpflichtet, Abtritte und Pissoirs regelmäßig und gründlich desinficiren zu lassen. Dünger, welcher aus den Gehöften auf die Straße geschafft wird, ist sofort aufzuladen und abzufahren, die Straße wieder zu reinigen bzw. abzuspülen und zu desificieren. Zugleich wird von dem Verkaufe ungesunder Nahrungs= und Genußmittel, namentlich unreifen Obstes, sauren Bieres u. s. w. gewarnt. - Wer den vorstehenden Anordnungen nicht nachkommt bezw. zuwiderhandelt, verfällt in die gesetzliche Strafe.“


Bauernstein

Dienstag, 5. Juli 2022

Für eine derzeit in Arbeit befindliche Materialsammlung im Vorfeld einer geplanten Buchveröffentlichung werden Heimatforscher, Ortschronisten und Interessierteren herzlich um Mithilfe gebeten! Gesucht werden „Die letzten Spuren der bäuerlichen Gerichtsbarkeit in Thüringen“, so der Arbeitstitel des Vorhabens. Gemeint sind insbesondere alte Bauernsteine, Gerichtsteine oder -tische, weiterhin vormalige Gerichtslinden oder andere Bäume mit Relevanz zur mittelalterlichen bäuerlichen Rechtsprechung. Neben heute noch vorhandenen dergleichen Objekte sind aber auch mittlerweile verschollene Steine und Bäume von Interesse, so Meldungen in Akten, alte Gerichtsverhandlungen, Ackerverzeichnisse oder Flurnamensregister (z. B. Namen wie Steinernes Gericht, Am Bauernstein, Am Gerichtsstein, Mahlstein, Alte Linde, An der Gerichtslinde, Mahllinde). Initiator ist ein Forscher aus dem Saale-Holzland-Kreises, der mit solchen Daten unterstützt werden soll. - Angelehnt an den prächtigen Sonderband von Archäologie in Sachsen-Anhalt „… ahnn den Stein, so uf den Anger stehet - Bauernsteine in Sachsen-Anhalt. Ein Inventar“ von Wernfried Fieber, Heiner Lück und Reinhard Schmitt soll ein Verzeichnis für Thüringen entstehen, das sich aber nicht nur auf alte Gerichtssteine konzentriert, sondern auch Gerichtsbäume einbezieht. Für dieses Projekt werden Hinweise jeglicher Art erbeten, gern auch Fotos oder Reproduktionen, die bitte an den Heimatverein ARATORA gemeldet werden möchten. Diese Informationen werden dann an den Autor weitergeleitet. - Unser Bild zeigt den Schulzenstein in Voigtstedt, ein vor einem halben Jahrhundert geretteter mittelalterlicher Gerichtsstein.


CG 2-2022

Dienstag, 28. Juni 2022

Und wieder ist ein Vierteljahr vorüber, denn die neue Ausgabe 2022 der Zeitschrift „Computer-Genealogie“ liegt seit dem zweiten Quartalsende auf 42 Seiten druckfrisch vor (unser Bild). Im Fokus diesmal: Genealogische Nachlässe. Vier Artikel behandeln im aktuellen Magazin dieses allgegenwärtige, wenngleich stets gern beiseite geschobene Thema über den Umgang mit ererbten familiengeschichtlichen Sammlungen. Der Anspruch, solche oft über Jahrzehnte hinweg erstellten Stammbäume nebst Dokumenten nach Besitzerwechsel für künftige Generationen zu erhalten und zu pflegen, stellt sich als nicht einfach heraus. Jede der möglichen Varianten der Überlassung (Vorlass, Nachlass an Archive oder Vereine, Online-Präsentation im Internet) birgt ihre Tücken und ist meist mit viel Arbeit und großem Zeitaufwand verbunden. Auch die Option der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in Buchform oder auf Webseiten muss vorab gründlich überlegt werden. Nicht zuletzt sollte an eine genealogisches Testament gedacht werden, worin der Verbleib der Daten und Sammlung festgelegt wird. (Übrigens betrifft die angesprochene Nachlassverwaltung nicht nur genealogische, sondern viel öfter orts- und regionalgeschichtliche Sammlungen mit Texten, Bildern und Dokumenten, die nicht selten bei Haushaltsauflösung unbedacht im Container landen, womit so manches, oft über Jahrzehnte hinweg liebevoll gepflegtes Lebenswerk in Sekunden zerstört wird.) - Es schließen sich nützlichen Kurzmeldungen an, ehe genealogische Hilfsprogramme vorgestellt werden, so Software zur Transkription von digitalisierten Urkunden bzw. zur Literatur- und Quellenverwaltung oder Fotobearbeitung und -verwaltung. Vorgestellt werden hernach zwei neue Versionen von Anwendungsprogrammen zur Familienforschung. Besonders für Forscher, die Relationen in die USA haben, ist der Artikel über die Freigabe der Unterlagen zur Volkszählung 1950 in den Vereinigten Staaten von Interesse. Für Freunde der mehr und mehr in der Fokus rückenden DNA-Genealogie ist der Bericht über GEDmatch als Portal für diese Art der Familienforschung lesenswert. Erinnert wird dann über die Einführung der Maß- und Gewichtsordnung 1872 im Deutschen Reich, d. h. die Harmonisierung solcher gebräuchlichen Einheiten. Weitere Kurzmeldungen beenden die aktuelle Ausgabe der „Computer-Genealogie“. - Danke erneut an den Verein für Computer-Genealogie für eine inhalts- und abwechslungsreiche sowie hoch informative Broschüre, die ebendort zum Preis von 5,00 Euro bestellt bzw. abonniert werden kann – eine kleine Ausgabe mit hohem Nutzen für Familien- und Heimatforscher!


Brauerei und Unstrut

Dienstag, 21. Juni 2022

Der Erhalt zahlreicher Unterlagen aus der Vergangenheit der Brauerei und Malzfabrik in Artern, bereits als aktuelle Meldung vom 1. Februar 2022 mitgeteilt, bietet eine optimale Ausgangslage für eine potentielle Veröffentlichung. Diese Feststellung konnte nach intensiver Inaugenscheinnahme einer maschinenschriftlichen bebilderten Chronik aus den späten 1970er Jahren, angefertigt zum 100. Betriebsjubiläum, gemacht werden. Das Dokument müsste man lediglich abschreiben. Die Texte sind inhaltsreich und die Fotos außerordentlich gute Reproduktionen. Allein schon mit dieser Basis käme eine solide Geschichte der Arterner Brauerei in Druckform zustande, zumal besagte Chronik einen halben Ordner an Material umfasst. - Ergänzt werden könnte dieser originale Pulk mit einem Anhang weiterer alter Bilder und kurzer Texte zur Werksgeschichte. – Immer wieder werden Fragen betreffs der Geschichte der Betriebe im ehemaligen Industrieviertel an den Heimatverein ARATORA herangetragen. Oben geschilderte Situation lässt es zu, ohne allzu großen Aufwand eine gut recherchierte und illustrierte Broschüre entstehen zu lassen, die den geäußerten Wünschen entgegenkommen sollte. Auch über die Arterner Stadtgeschichte hinaus hätte diese Chronik Relevanz, werden doch u. a. deren Außenstellen angesprochen und abgebildet, so u. a. Sangerhausen, Kelbra, Allstedt und Uftrungen. - Das Jahr 2024 wäre als Veröffentlichungstermin optimal, weil dann der 145. Gründungstag des Werks relevant ist. Wir werden hier sukzessive über den Fortgang dieser Idee berichten, zumal noch große Teile mit unerschlossenem Material zur Arterner Brauerei gesichtet und sortiert werden müssen. - Unser Bild zeigt die Brauerei in leicht verfremdet gezeichneter Darstellung als Detail einer Ansichtskarte um 1900.


Arterner Kirchenchronik

Dienstag, 14. Juni 2022

Einen unschätzbaren historischen Hort an Dokumenten, Bildern und Informationen aus vier Jahrhunderten erhielt der Heimatverein ARATORA dieser Tage als Überlassung eines altgedienten, sehr aktiven Mitgliedes. In digitaler Form liegt nunmehr eine Sammlung mit sagenhaften 179 Gigabyte Umfang vor, was über 87.000 Dateien entspricht. Darunter befinden sich PDF-Bücher, fotografierte Archivakten, Urkunden, Aufzeichnungen, Bilder, Karten und Pläne. Diese Dateien berühren die Geschichte der Stadt Artern, benachbarte Gemeinden sowie Orte in der Goldenen Aue und im Südharz. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Kirchengeschichte, weiterhin Unterlagen zu historischen Steuern und Personendaten aus vergangenen Zeiten. - Im Laufe des Sommers wird ein detaillierter Überblick über den Fundus vorliegen, danach werden Prioritäten hinsichtlich der weiteren Bearbeitung vorgenommen. Aufgrund der Regionalität des Datenmaterials könnten dann auch befreundete Geschichtsvereine mit entsprechendem Material unterstützt werden. Unser Bild zeigt ein Dokument aus angesprochener Sammlung, nämlich das Titelblatt der „Historica und Nachrichtl. Beschreibung des vohrmaligen und itzigen Zustandes deren beyden Stadt=Kirchen zu Artern", gemeint sind die Marien- und Veitskirche.


Schönfeld um 1960

Dienstag, 7. Juni 2022

Eine Fleißarbeit sondergleichen leistete die vergangenen Jahren unser langjähriges Vereinsmitglied Dr. Axel Römer. Der einst in Artern wohnhafte und nun in Pulheim ansässige Chemiker nahm sich sämtlicher Grundstücke des Dorfes Schönfeld an und wies diesen deren einstige Besitzer zu, die er aus zahlreichen Archivalien recherchiert hat. Zudem finden sich eine größere Anzahl alter und jüngerer Notizen, die aus der Geschichte der einzelnen Gehöfte berichten, gleichfalls aus historischen Quellen geschöpft. Betitelt als „Geschichte der Hofstätten von Schönfeld - Besitzerfolgen seit dem 30jährigen Krieg“ liegt nun dem Heimatverein ARATORA eine digitale Kopie dieser Sammlung, bestehend aus über fünfzig Dateien bzw. mehr als 200 A4-Seiten, vor. - Der Autor erklärt im Vorwort über sein Werk: „Die Nummerierung der Hofstätten, die dem Gebäudebuch von Schönfeld von 1910 entnommen ist, wird auch jetzt noch benutzt. Die jeweilige Nummer steht im Titel eines jeden Beitrags vor dem Namen des Besitzers von 1910. In dieser Reihenfolge werden die Höfe mit ihren Besitzerfolgen beschrieben. Die im Titel zweite Namensnennung mit nachstehender Nummerierung geben die Besitzverhältnisse von 1691 wieder. Diese Nummerierung ist im Amtsbuch von Voigtstedt von 1691 benutzt worden. Bei Besitzerwechsel folgt auf die Jahreszahl der Name des neuen Besitzers im Großdruck. Die Quelle zu einem Eintrag ist immer an dessen Ende in Klammern angegeben. Genealogische Angaben stammen alle aus den Kirchenbüchern von St. Kilian in Schönfeld.“ - Mit der „Geschichte der Hofstätten von Schönfeld“ liegt nunmehr ein wichtiges ortsgeschichtliches und genealogisches Hilfsmittel vor, das in Kombination mit dem online erreichbaren Ortsfamilienbuch von Schönfeld (siehe dort unter Amt Voigtstedt) bei der Erforschung der Geschichte des kleinen Dorfes an der Unstrut sicher noch wichtige Dienste leisten wird. Allein das Quellenverzeichnis mit 88 Einträgen stellt eine hervorragende Erschließung der Dorfgeschichte der letzten 350 Jahre dar. Deren Transkription brachte zahlreiche neue Details zu den frühen Bewohnern und Besitzverhältnissen zutage. - Sicher ist die Erforschung der Vergangenheit Schönfelds noch längst nicht abgeschlossen, dafür liebt Dr. Axel Römer „sein“ Dörfchen zu sehr, als dass er jetzt aufhören würde. Zudem warten noch viele weitere Archivunterlagen darauf, aus der Geschichte von Schönfeld zu berichten. Unser Bild zeigt die dortige Kirche St. Kilian um 1960.


Promenade zur KHA

Dienstag, 31. Mai 2022

Die vor zwei Monaten erfolgte Veröffentlichung des historischen Bildbandes „Arterner Erinnerungen“ kam bei den Leserinnen und Leser sehr gut an, was sich an den Verkaufszahlen sowie an entsprechenden Reaktionen widerspiegelt. Dieses erfreuliche Interesse bildet die solide Grundlage für einen weiteren Bildband, der im kommenden Jahr erscheinen soll und an dem bereits gearbeitet wird. Der Stand hierzu ist, dass – vorbehaltlich noch zu erwartender weiterer Abbildungen aus der Vergangenheit unserer Heimatstadt – das Gros der zur Veröffentlichung vorgesehenen Fotos bereits ausgewählt und grob vorsortiert bzw. elektronisch bearbeitet worden ist. Aktuell stammen die vorgesehenen Bilder von mehr als 25 Personen aus Artern, der Umgebung sowie von außerhalb. Mehrheitlich handelt es sich dabei um private Aufnahmen. Erstmals können 2023 als Raritäten auch Aufnahmen der Ortslage von Kachstedt aus den 1930er Jahren gezeigt werden, weiterhin Motive aus dem Industrieviertel sowie überwiegend aus dem Stadtgebiet. Die zeitliche Zuordnung der Aufnahmen wird sich diesmal auf die erste Hälfte und die Mitte des 20. Jahrhunderts konzentrieren. - Unser Bild zeigt Fahrbahn und Fußweg An der Promenade hin zur Kyffhäuserhütte zur Mitte der 1960er Jahre.


Kachstedter Brüder

Dienstag, 24. Mai 2022

Während eines Besuches in Kachstedt vor einigen Tagen wurde eine höchst interessante Mitteilung eingeholt, nachdem ein offenbar noch nicht all zulange dort befindlicher Findlingsblock neben der Bushaltestelle in Augenschein genommen worden war (unser Bild). Ein Einwohner brachte nämlich diesen Stein mit der nachfolgenden, von Ewald Engelhardt erzählten Sage in Verbindung: „Unweit von Kachstedt wollten drei Brüder Gericht abhalten, wurden aber uneins und erschlugen sich am Ende. Auf der Stelle wurden sie bestattet, und über ihren Gräbern ruhn noch jetzt drei mächtige Findlingsblöcke.“ Fehlen allerdings noch die beiden anderen großen Steine des angesprochenen Trios, die nach Aussage des Gewährsmannes während der Sanierung der Brücke bis 2018 auf Höhe des Teiches gleichfalls zutage kamen. Der kleinste dieser bislang als verschollen geglaubten Blöcke wurde von der Baustelle gerettet und im Dorf aufgestellt, die anderen beiden waren zu groß für den Transport und würden sich nun im Bett unter der Fahrbahn befinden. - Der gemutmaßte Zusammenhang dieser Steine mit zitierter Sage ist gar nicht so weit hergeholt, denn oberhalb des Kirschberges befand sich tatsächlich eine mittelalterliche Rechtsstätte (Feldgericht). Möglich, dass die Steine, die wohl als Markierung eben dieses Platzes galten, irgendwann von dort als dem Ackerbau hinderlich bergab in die Nähe des Teiches verbracht worden sind. Diesen Faden weitergesponnen ist es sogar im Rahmen des Möglichen, dass die drei Steine noch viel eher eine ganz andere Funktion innehatten. Sie könnten als Bekrönung (Menhire?) auf längst eingeebneten Hügelgräbern gestanden haben, zumal nicht selten später Gerichtsstätten an derartigen urgeschichtlichen Anlagen angelegt wurden. Potentielle Hügelgräber gab es tatsächlich in unmittelbarer Nähe, so die urkundlich erwähnten, jedoch nicht mehr vorhandenen „7 Heug“ auf dem nahen Hutdeckel. - Erstrebenswerte Untersuchungen zu den Kachstedter Steinen dürften allerdings aus heutiger Sicht schwierig sein, zumal nur einer diese Blöcke gerettet ist. Zumal müsste die Luftbildarchäologie ehemalige Hügelgräber oberhalb des Teiches nachweisen. Aber auch, wenn sich diese nicht eruieren ließen, wäre die vormalige Funktion der drei Steine als Ortsmarkierung der erwähnten Rechtsstätte durchaus plausibel.


Reichsfleischkarte

Dienstag, 17. Mai 2022

Passend zum Wonnemonat Mai bringen wir heute eine historische Meldung aus dem damaligen Kreis Sangerhausen, dem bekanntlich auch Artern als dessen zweitgrößte Stadt angehörte. In der Sangerhäuser Zeitung vom 19. Mai 1883 war folgendes zu lesen und wurde gewiss begierig von zahlreichen Hausfrauen in der Kyffhäuser-Region aufgenommen und sogleich nachgeahmt: „Maikäfersuppe. Die Maikäfer, welche jetzt massenhaft hervorbrechen, geben uns Veranlassung, an die nützliche Verwendung zur - Suppe zu erinnern. Mancher wird sich vor Abscheu schütteln, aber wenn man Krebse, die doch viel weniger appetitlich aussehen, verspeist, so sind auch die reinlichen Maikäfer nicht zu verachten. Man rechnet 30 Stück auf die Portion, befreit sie von den Flügeldecken, Füßen u.s.w., wäscht und zerstößt sie. Der Brei wird mit Butter aufgebraten und dann mit Mehl u.s.w. einer Kalbsfleischbrühe durch ein Haarsieb zugesetzt. Die Suppe wird dadurch kräftig und wohlschmeckend und gleicht der Krebssuppe, nur ist sie pikanter und nahrhafter. Uebrigens wird die Maikäfersuppe in manchen Gegenden Deutschlands, z. B. im Hannöverschen, schon vielfach genossen. Es gilt also nur ein Vorurtheil abzulegen, bei Speisen freilich eine schwierige Sache.“ - Dankeschön an Christine Stadel in Sangerhausen, die diese lukullische Spezialität aus der heimatlichen Kuriositätensammlung, die sich hier bekanntlich aber nicht durchsetzen konnte, aufgetrieben hat. Unser Bild zeigt eine Reichsfleischkarte für eine Bürgerin aus Artern vom Oktober 1916. Dieser Coupon beinhaltete ganz bestimmt keine Zuteilung heimischen Krabbelgetiers, trotz arger Notzeiten infolge des Ersten Weltkrieges.


Stsammbaum

Dienstag, 10. Mai 2022

Als im Sommer 2019 erste zaghafte Versuche zur Ermittlung der Herkunft und Vergangenheit der Familie Schmölling aus der Region zwischen Südharz, Kyffhäuser und Goldener Aue vorgenommen worden sind, war nicht abzusehen, dass bis dato viele, viele hunderte Arbeitsstunden für die Erforschung geleistet werden würden. Die pandemiebedingte Internierungszeit der letzten zwei Jahre ausgiebig dafür nutzend, konnte dieser Tage die 5.000ste historische Person ermittelt und ins Genealogie-Programm eingetragen werden (Pfeil auf unserem Bild). Diese Ehre gebührte dem Arterner Bürgermeister Salomon Wagner aus dem späten 17. Jahrhundert. - Interessant ist die umfängliche statistische Auswertung der bislang vorliegenden Personensammlung, die die hierfür benutzte Software bereitstellt. Demnach beziehen sich 45 Prozent der vorliegenden genealogischen Nachweise auf die Stadt Artern, in weiterem Abstand gefolgt von den Dörfern Großleinungen, Tilleda und Oberröblingen/Helme. Insgesamt werden über 425 Jahre (1597-2022) hinweg diverse Verwandte und Vorfahren in mehr als 150 Orten in Deutschland und Mitteleuropa bzw. den USA nachgewiesen. Bemerkenswert ist jedoch die über Jahrhunderte feststellbare, relative Standorttreue der untersuchten Kernfamilie, die sich größtenteils auf die heutigen Kreise Mansfeld-Südharz und Kyffhäuserkreis konzentriert. Von Ausnahmen abgesehen (Übersee-Auswanderer) sind die am entferntesten verwandten Namensträger gerade einmal in Erfurt, Halle und Leipzig feststellbar; auch diese stammen sämtlich aus dem Südharz bzw. der Goldenen Aue. - Interessante genealogische Beziehungen ergaben sich zu Familien, die teils mehr oder weniger bedeutsame Einzelpersonen vorgebracht haben, so u. a. in Artern Barthel, Bertram, Engelhardt, Gänsehals, Göthe, Haake, Heinroth, Heintzschel, Jahn, Keßler, Leuchte, Liebau, Obstfelder, Poppe, Radecker, Teuthorn, Trautmann, Wächter, Weidler, Weise, Wicht, Ungewitter und Zeise. - Der erste Nachweis eines Schmölling in Artern resultiert aus einer Eheschließung von 1785, als die Witwe eines hiesigen Schuhmachermeisters von einem jungen Huf- und Waffenschmied aus Hainrode im Harz geheiratet wurde. Dieser übte sein Handwerk übrigens in der vormaligen Schmiede von Hans Christian Göthe in der Harzstraße aus! - Im Laufe der Forschungen wurden Kontakte zu Genealogen verknüpft, die oftmals von beiderseitigem Nutzen waren. Dass die Arbeit am Stammbaum auch künftig weitergeht, versteht sich von selbst, denn viele Daten sind vorerst nur grob vorbereitet, müssen somit noch aufgearbeitet bzw. ins System gebracht werden. Hinzu kommen mehr als genug aktuelle genealogische „Baustellen“, die es zu beheben gilt. Es ist deshalb damit zu rechnen, dass noch eine große Zahl von Personen die aktuelle, bereits hohe Quantität von Verwandten und Vorfahren ergänzen wird!


Novalis

Dienstag, 3. Mai 2022

Ob Lonicerus, Goethe und seine Ahnen, Borlach, Novalis, Kunze, Krause, Geyer, Rasch, Ungewitter, Buttenstedt oder Engelhardt – die Arterner haben seit je ein distanziertes Verhältnis zu ihren historischen Prominenten. Diese sind zwar allgemein bekannt und es besteht ein gewisser Stolz über ihre Herkunft, dennoch ist die intensivere Beschäftigung mit Leben und Werk und damit den Lehren, die man aus deren Wirken ziehen könnte, eher die Ausnahme. Der gestrige 200. Geburtstag von Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg (1772-1801, unser Bild) alias Novalis wird das sicher auch nicht grundlegend ändern, im Gegensatz zu seinem Geburtsort Oberwiederstedt oder dessen Wirkungsstätte in Weißenfels, wo der Dichter omnipräsent ist. - Hardenbergs historische Unterkunft in der Saline Artern hingegen ist längst abgerissen, immerhin erinnern ein Straßenname sowie zwei Kleindenkmale im Salinepark und auf dem Friedhof an seine einstigen Verbindungen zu unserer Stadt. Mit der sich nunmehr „Novalis-Bücherei“ nennenden Stadtbibliothek kam eine weitere Würdigung in Artern hinzu! - Als Reminiszenz zum 250. Geburtstag folgt hier ein kurzer Artikel aus dem Jahrgang 1904 der Fortsetzungsreihe „Heimatsklänge“. wo über den Salinenbeamten und Dichter folgendes berichtet wird: „Der Romantiker Novalis wurde am 2. Mai 1772 zu Oberwiederstedt in der Grafschaft Mansfeld geboren. Den größten Teil seiner Jugend verlebte er in Weißenfels, wo sein Vater Salinendirektor war. Nach vollendeten Universitätsstudien begab er sich nach Tennstedt, um daselbst unter der Leitung des Kreisamtsmanns Just sich der Verwaltung zu widmen. Hier lernte er zu Grüningen Sophie v. Kühn kennen, mit der er sich 1795 verlobte, die ihn aber 1797 durch den Tod entrissen wurde. Nachdem er auf der Bergakademie zu Freiberg 1798-1799 studiert hatte, wurde er 1799 als Salinenassessor und Amtshautmann des thüringischen Kreises Weißenfels angestellt, wo er 1801 im 29. Lebensjahre starb. - Den Winter 1799-1800 verlebe Novalis auf der Saline Artern, wo er in dem westlichen Haus der untersten südlichen einstöckigen Parterre-Häuserreihe, südlich von den Kothen stehend, worin seit 1795 die „alte Kasse“ [nordöstlich des Stadions] gebaut worden war, wohnte, wo der Dirigent [Leitungsbeamter] immer seit Borlach gewohnt hatte. Hier in Artern schrieb er seinen unvollendet gebliebenen Roman „Heinrich von Ofterdingen“, welchem er die Hauptidee der romantischen Schule prophetisch verkündete und diese poetische Richtung verherrlichte.“


Partie auf dem Weinberg

Dienstag, 26. April 2022

Zu treuen Händen befand sich neulich eine sehr attraktive, umfangreiche und kostbare Privatsammlung mit historischen Abbildungen der Stadt Artern zur Sichtung beim Heimatverein ARATORA: über 600, in drei großen Fotoalben aufbewahrte historische Ansichtspostkarten aus der Zeit ab ca. 1880 bis in die Neuzeit. Erwartungsgemäß war das Gros dieser Motive bereits in der Vereinssammlung vorhanden, dennoch fanden sich einige echte Raritäten. Diese wurden zur Bereicherung des nächsten Bildbandes (erscheint voraussichtlich 2023) gescannt und bereichern nun die dafür bereits aggregierten Fotos motivisch erheblich! - Angesprochene Sammlung, bestehend aus Lithografien, schwarzweißen, kolorierten und farbigen Fotos, wurde systematisch nach Straßen und Örtlichkeiten sortiert. Allerdings wurde auch hier die Feststellung gemacht, dass – so schön die Fotos auf den historischen Postkarten auch ausschauen – sich nach deren hochauflösenden Scannen oftmals deren Unzulänglichkeiten offenbaren (Bildfehler, Verschmutzung, starke Pixelung, schwammige Details oder zu geringe Bildtiefe). Das heißt: Es steht noch viel Arbeit an, um diese Unzulänglichkeiten elektronisch auszubessern. - Noch nicht ausgewertet wurden die postalischen Angaben auf den Karten, also Poststempel, Empfänger, Nachrichteninhalte und ggf. Absender. Diese Arbeit wird einen großen zeitlichen Rahmen erfordern, soll aber noch vorgenommen werden, was dann den ortsgeschichtlichen Wert der Sammlung erheblich bereichern dürfte - Zu den angesprochenen bildlichen Raritäten zählt auch die Darstellung des Gaststättenbetriebs im Außenbereich des Hotels zur Krone, der sog. Kronengarten. Diese farbige lithografische Wiedergabe wird das noch ausstehende Buch zur Geschichte dieses Arterner Gasthauses in der Alten Poststraße und seines Umfeldes erheblich bereichern! - Unser hier beigefügtes Bild zeigt eine Partie auf dem Weinberg nahe der Gaststätte.