Artern

Zur freundlichen Beachtung & aktuelle Meldungen

Heimatglocken

Dienstag, 1. Mai 2018

Bereits fünf Jahre ist es her, dass der Heimatverein ARATORA mit zahlreichen digitalisierten Ausgaben der Zeitschrift „Heimatglocken – Evangelisches Gemeindeblatt für die Ortschaften um die Sachsenburg“ heimatkundlich Interessierten eine unschätzbare Quelle für historische Forschungen anbieten durfte. Der Inhalt unserer DVD: damals aktuelle Nachrichten aus dem christlichen Gemeindeleben sowie besonders Regional-, Orts-, Kirchen- und Familiengeschichte aus Bilzingsleben, Bretleben, Büchel, Etzleben, Griefstedt, Gorsleben, Harras, Hauteroda, Heldrungen, Hemleben, Kannawurf, Oberheldrungen, Reinsdorf und Sachsenburg. Die über 120 PDF-Dateien (1.054 Seiten) mit den Ausgaben Nr. 1 (Oktober 1928) bis Nr. 150 (März 1941) wurden auf Rohlinge gebrannt und Heimatfreunden angeboten. Mit den zeitgenössischen Darstellungen bzw. sehr zahlreichen historischen Abhandlungen stellen die „Heimatglocken“ qualitativ und quantitativ eine bedeutsame Datensammlung für die Geschichte der genannten Siedlungen an der Hainleite, Schmücke und Hohe Schrecke dar. – Allerdings wies die DVD von 2013 leider einige Lücken auf, weil damals nicht alle Hefte zur Digitalisierung vorlagen. Zumindest einige dieser fehlenden Ausgaben konnten kürzlich dank der Unterstützung eines Heimatfreundes aus Etzleben geschlossen werden. Er überließ freundlicherweise die Nr. 10 vom Juli 1929, Nr. 13 vom Oktober 1929, Nr. 22 vom Juli 1930 und Nr. 52 vom Januar 1933, die bislang nicht greifbar waren bzw. uns nur unvollständig vorlagen. Auch diese Hefte sind hochauflösend gescannt, wurden als neue Dateien chronologisch zugeordnet und in den bisherigen Ordner mit den „Heimatglocken“ zwecks Komplettierung der Altsammlung eingefügt. Diese erfreuliche Erweiterung um 43 Seiten wird zum Anlass genommen, Heimatfreunde, Interessierte sowie vor allem Neuhinzugekommene in der Heimatkunde nochmals auf die Zeitschrift „Heimatglocken“ als historische Fundgrube für die Unstrut-Region um die Thüringer Pforte aufmerksam zu machen. Die nunmehr komplettierte Fassung wird für weiterhin 10,00 Euro Spendenbetrag auf DVD abgegeben. Die dadurch eingenommenen Beträge fließen in das jeweils aktuelle Projekt des Heimatvereins ARATORA zur Sanierung von Kleindenkmalen in Artern, aktuell ist das die geplante Wiederherstellung des „Versteinerten Baums“ an der Veitskirche.


Hauschronik

Freitag, 27. Mai 2018

Eine der persönlichsten Umsetzungen familien- und lokalgeschichtlicher Abläufe ist die Erstellung einer Hauschronik. Die einfachste Methode der Darstellung einer solchen Chronik ist die Protokollierung von Ereignissen und Personen mittels Zeitstrahl. Unser im Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelde aufgenommenes Bild zeigt, wie dies graphisch umgesetzt werden kann. In der Mitte verläuft von links nach rechts ein horizontaler Zeitstrahl, auf dem von ober- und unterhalb Pfeile auf entsprechende Zeitpunkte weisen. Im Idealfall wird ganz links auf dem Strahl mit der Errichtung des Hauses begonnen. Die darüber befindlichen Kästchen zeigen mittels Pfeilen jene Jahre an, in denen bauliche Veränderungen vorgenommen worden sind, z. B. An- und Umbauten am Baukörper, Errichtungen von Nebengelassen, ggf. auch Zerstörungen durch Brand, Sturm oder Hochwasser, weiterhin Pflasterung der anliegenden Straße, Einrichtung eines Gartens, ggf. Veränderung des Straßennamens und/oder der Hausnummer usw. – Die Kästchen und zugehörigen Pfeile unter dem Strahl widmen sich ausschließlich den Besitzern, Bewohnern und Mietern des Hauses. Dort werden deren Wohn- und Verweildauer im Haus bzw. die Lebensdaten festgehalten. – Idealerweise können sogar die Daten über und unter der Zeitleiste mit Bildern belegt werden, so mit Fotos vom abgerissenen Vorgängerbau, historische Aufnahmen von der Errichtung des Neubaus, Bilder von deren früheren Bewohnern (ggf. auch Grabsteine), relevante Ausschnitte alter Stadtpläne, Mitteilungen in historischen Zeitungen, Kopien aus Grundbüchern sowie Auszüge aus in Archiven gelagerten Bauakten. – Auf elektronischem Wege erstellt, kann so mit relativ wenig Mühe eine stets ergänzbare Hauschronik angelegt werden. Unter dem Suchbegriff „Hauschronik“ können im Internet zudem weitere seriöse Anregungen, Informationen und Bücher zur Anlegung und Erweiterung solcher Datensammlungen ermittelt werden. – In Artern sind wir in der erfreulichen Lage, ein sehr umfangreiches Gebäudearchiv mit zahlreichen Originalunterlagen, Zeichnungen usw. von Wohnhäusern und Nebengelassen im Stadtarchiv aufbewahrt zu wissen. Weiterhin liegen beim Heimatverein ARATORA etliche Einwohner- und Adressbücher vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Davor wird die achtbändige handschriftliche Erhebung sämtlicher Wohnhäuser in Artern seit Ende des 18. Jahrhunderts mit zeitlicher Auflistung und Nachweisung der Besitzer und deren Familien, der Mieter mit Familien, den zweitweise sowie nur sporadisch dort Anwesenden als historische Quelle relevant. Ebenfalls vorliegende alte Stadtpläne können zudem die Forschungsarbeit erheblich erleichtern! Vororttermine bzw. Gespräche mit Nachbarn sind weitere Quellen von Nachrichten und Informationen für die Errichtung von Haus- und Hofchroniken.


Dreiherrenstein

Dienstag, 24. April 2018

Kooperative Beziehungen zu Geschichtsfreunden, die sich der Historie des Arterner Ortsteils Schönfeld widmen, erbrachten erst vergangene Woche neben anderem Material einen heimatgeschichtlich bedeutsamen Hinweis auf ein wohl nicht mehr existentes Kleindenkmal: den Dreiherrenstein. Zur besseren Orientierung und Auffindung von dessen Standort wurde auf der erhaltenen historischen Nachricht eine Kartenskizze angefertigt (unser Bild). Die Zeichnung zeigt die Unstrut zwischen Schönfeld und Bretleben, mittig der Anfang des nach Osten hin verlaufenden Flutkanals. Gleich westlich beider Fließgewässer ist der Verlauf eines noch immer bestehenden, schmalen Flutgrabens sichtbar, der von Norden her kommt und nach Bretleben umbiegt. Der Standort des Dreiherrensteins befindet sich demnach am linken Ufer der Unstrut, etwa auf Höhe der Einlassschleuse des Flusses in den von Bauingenieur Hermann Wurffbain geschaffenen Flutkanals. – Zur Erklärung des Namens teilt eine handschriftliche Notiz auf dem Blatt mit: „Der Dreiherrenstein ist eigentlich ein Vierherrenstein: Flur Ringleben (Schwarzburg-Rudolstadt), Flur Schönfeld (Kreis Sangerhausen), Fluren Reinsdorf und Bretleben (Kreis Eckartsberga) [alle drei im Königreich Preußen]. Ein idyllischer weltabgeschiedener Fleck! Dazu paßt die Warnungstafel: „Zigeunern ist das Lagern hier und in der Umgebung strengstens verboten. Reinsdorf, den 4. Juni 1918. Der Amtsvorsteher.“ Schöner Blick auf die [geologischen] Schnittstufen der Hainleite und der Schmücke. Der Name Entenecke [Flurname des Ackers, wo das Kleindenkmal stand] findet sich öfter. […] Über die 1924-1927 ausgeführte Entwässerung der benachbarten Ringleber Riethseite siehe die Chronik von Ringleben. Über den Flutkanal siehe die Reinsdorfer oder die Ritteburger Chronik.“ – Bekanntlich widmet sich auch der Heimatverein ARATORA der Erforschung und dem Erhalt von Kleindenkmalen in Artern und Umgebung. Heimatfreunde und Interessierte werden deshalb aufgerufen, mögliche Kenntnisse über den Dreiherrenstein mitzuteilen. Denn: nicht nur Pflege und Erhalt bestehender, sondern auch die Erfassung und Erforschung nicht mehr existenter Gedenksteine usw. sind Kernthemen der Kleindenkmalforschung. Bisher liegen aber lediglich oben beschriebene und gezeichnete Informationen vor, sodass weitere historische Erkenntnisse besonders aus Bretleben, Reinsdorf, Ringleben und Schönfeld zu erwarten sein dürften. Es kann derzeit nur vermutet werden, dass der Dreiherrenstein zu Beginn der preußischen Kreiseinteilung 1816 oder vielleicht später, im Zuge der Errichtung der Einlassschleuse des Flutkanals (also um 1860) errichtet worden ist. – Ein erster Abgleich mit dem Messtischblatt Artern (Nr. 2675, neue Nr. 4633, topografische Karte 1:25.000, hrsg. 1905 mit späteren Nachträgen, Reichsamt für Landesaufnahme, 1938) erbrachte leider keinen Erfolg: ein Denkmal an besagter Stelle war weder mit Symbol noch Schriftzug vermerkt. Weitere alte Landkarten müssen noch zurate gezogen werden. Ebenso steht ein Vororttermin an der Unstrut noch aus.


Kindergarten II

Freitag, 20. April 2018

Ein interessantes und in der Rückschau sogar recht lehr- und unterhaltsames Stück lokaler DDR-Bildungsgeschichte, in einer große Chronik verpackt, liegt seit kurzem als Leihgabe zur Digitalisierung vor. Der Inhalt des dickleibigen Folianten: Gründung und Entwicklung des Kindergartens II in der Saline Artern von 1965 bis Ende der 1980er Jahre, illustriert mit weit über hundert schönen Fotos des Gebäudes (vormals Saline-Kaue) und dessen Umfelds, des Spielgeländes, von Kindern und Erzieherinnen sowie diversen Anlässen. Mitte Mai 1965 startete die neue Einrichtung der Stadt Artern oberhalb des ein Jahr zuvor errichteten Sportstadions „15. Jahrestag“ mit einer Kapazität von 144 Kindern in sieben Gruppen. Als Gründe der Errichtung werden explizit genannt: „Steigende Kinderzahl - große Nachfrage nach einem Kindergartenplatz“. – Als Element der damaligen Volksbildung war auch der Kindergarten II in das sozialistische Bildungssystem involviert. Das schlägt sich in auf vielen Seiten der Chronik nieder, mindert aber deren Aussagegehalt nur wenig. Im Gegenteil: Neben zahlreichen handschriftlichen Schilderungen des abwechslungsreichen Alltages der Mädchen und Jungen gibt es vielfach Zeitungsartikel, Berichte über Feiern und Anlässe, über diverse Solidaritätsaktionen, Besuche von Sehenswürdigkeiten in Artern und Umgebung usw. Auch über die externe Position der achten Kindergruppe des Kiga II, die mehr provisorisch in einem Holzhaus nahe des Wannenbades der Saline residierte, wird textlich und bildlich berichtet. Volkskundlich von besonderen Interesse sind jene Abbildungen, die Einblicke in das tägliche Geschehen des Kindergartens erlauben: Spielen und Toben im Freien (unser Bild) und in den Räumlichkeiten, Sport, gemeinsames Essen, Körperpflege, Schlafen im Freien, Festlichkeiten usw. Und immer wieder werden auch die Verbundenheit der Erzieherinnen und der Kinder mit ihrer Heimatstadt Artern bildlich dokumentiert und schriftlich fixiert. Als besonders originelles Motiv auf den zahlreichen Fotos ist zunächst jenes zu nennen, das den „legendären“ Hugo Fiedler, weiland Erster Sekretär der SED-Kreisleitung Artern (im Amt 1958-1975), besucht von Kindern aus dem Kindergarten II, zeigt. Ein weiterer Schnappschuss stellt eine mehrere Meter große „Weltraumrakete“ made in „CCCP“ und versehen mit einem knallroten Sowjetstern dar, die vor dem alten Siedehaus der Saline als Spielgerät platziert worden war.


Solekästen

Dienstag, 17. April 2018

Der Nordthüringer Verband HeimatKultur e.V. lädt am kommenden Wochenende herzlich zum diesjährigen Tag der Heimatgeschichte im Kyffhäuserkreis nach Bad Frankenhausen ein. Anlass für die mittlerweile 13. Tagung ist das Jubiläum „200 Jahre Soleheilbad Frankenhausen“. Deshalb steht die Veranstaltung unter dem Titel „Salz – in all seinen Facetten, von der Salzgewinnung bis zum Heilmittel“. Der Tag der Heimatgeschichte spricht besonders Geschichts- und Heimatvereine, Ortschronisten, Heimatfreunde bzw. Interessierte an und findet am Sonnabend, 21. April 2018 im Festsaal des Regionalmuseums statt. Beginn ist 9.00 Uhr, Tagungsbeitrag: 4,00 Euro. – Das „weiße Gold“ hat bekanntlich den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt Frankenhausen seit dem Mittelalter entscheidend bestimmt. Heute wird die Sole als Heilmittel genutzt, und das Kurwesen sowie der Tourismus sind wichtige wirtschaftliche Zweige. Zur Geschichte des Salzwerks in Frankenhausen wird Dr. Ulrich Hahnemann sprechen, während sich Museumsleiterin a. D. Renate Weinert dem Leben und Wirken von Dr. Wilhelm August Gottlieb Manniske, dem Gründer des Krankenhauses in Frankenhausen (1799 in der Münze), widmet. Petra Wäldchen referiert dann über „200 Jahre Soleheilbad Frankenhausen“, ehe sich Reiner Seidel dem Thema „Kali in unserer Region“ annimmt und an dessen Abbau und Bedeutung erinnert. In der Kaffeepause laden die Ausstellungsräume des Regionalmuseums zu Erkundungen ein. Nach dem Mittagessen soll der neugestaltete Kurpark und der SoleWasser-VitalPark besichtigen, zudem kann beim Schausieden von Solewasser zu Rohsalz zugesehen werden. – Unser Bild zeigt eine Impression aus der Mitte des 20. Jahrhunderts von einem benachbarten Zentrum der Salzproduktion: hölzerne Solekästen in der Saline Artern.


Saline-Karte

Freitag, 13. April 2018

Eine 82 Jahre alte Karte mit äußerst detaillierter Darstellung des Betriebsgeländes der Arterner Saline ist bereits vor Ostern schenkungsweise dem Archiv des Heimatvereins ARATORA zugeführt worden und wird künftig bei der ortsgeschichtlichen Arbeit sicherlich gute Dienste leisten. Der Plan wurde 1936 gezeichnet und misst stolze 97 x 80 Zentimeter. Die farbige Zeichnung ist auf eine aufklappbare derbe Pappe mit Beschichtung aufgezogen. Das Hauptgelände der Saline zwischen Unstrut und der damaligen Hindenburg-, heute Breitscheid-Straße wurde im Maßstab 1:1.000, jenes am Mühlgraben mit der „Kunst“ neben der Mühle Liebe im Maßstab 1:500 gezeichnet. Diese hohen Auflösungen der bildlichen Wiedergabe werden künftige Recherchen erheblich begünstigen. Als nächster Schritt soll die Karte mit großer Pixelzahl eingescannt werden, um einerseits eine digitale Sicherung zu erhalten, andererseits um damit optimal am Bildschirm arbeiten zu können, ohne das Original unnötig strapazieren zu müssen. – Neben der ausführlichen Wiedergabe und Beschriftung der Bebauung der Saline mit diversen Gebäuden für die Produktion, für entsprechende Hilfsprozesse sowie die Wohn- und Stallbauten (alle mit Nummerierungen und Größenangaben der Grundstücksvermessung) sind weiterhin sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen eingezeichnet worden. Im Einzelnen können jetzt nachvollzogen werden: Verlauf der Quell-, Unstrut-, Soleleitungen, der Abwasser- sowie der elektrischen Kabelleitungen, zudem die Standorte der Motor- und Kübelspritzen, Nass- und Trockenlöscher sowie Sandkästen, letztere sämtlich zur Feuerabwehr. Interessant sind auch eingezeichnete, längst vergessene Namen, so Unstrut- und Pflaumenweg im Parkbereich. Detailliert wiedergegeben wurden auch die Dammanlagen der Unstrut, die Gleisführung der Eisenbahn zur Saline und viele weitere, sehr aufschlussreiche bauliche, technische und technologisch relevante Einzelheiten. – Der „Lageplan der Saline Artern“, in Staßfurt von einem Markscheider (Name unleserlich) angefertigt, ist eine hervorragende Ergänzung zum bereits beim Verein vorliegenden historischen Kartenmaterial mit Gesamt-, Teil- und innerstädtischen Darstellungen von Artern bzw. Flurkarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Unser hier nur sehr kleinflächiger Bildausschnitt zeigt den Bereich des oberen Salinentors, u. a. mit den vier Soletanks, Maschinenhaus, der Transformation, Wohnhäusern und Turnhalle.


Ausstellung Gerichte

Dienstag, 10. April 2018

Die Nahrungsforschung als volkskundliche Disziplin widmet sich der Erkundung der sozialen und kulturellen Bedeutung von Essen und Trinken in Geschichte und Gegenwart sowie der früher und jetzt verwendeten Küchengerätschaften bzw. jeweiligen Tischsitten. Als relevantes Thema steht die Ernährungsgeschichte auch im Fokus der aktuellen Sonderausstellung des Spengler-Museums in Sangerhausen. Schlaglichtartig werden dort die Speisen selbst, deren Zubereitung und Häufigkeit des Verzehrs sowie die hierzu benötigten Hilfsmittel in der Küche und am Esstisch präsentiert. Am vergangenen Sonnabend wurde die Schau mit dem Titel „Geschirr, Geschichte, Gerichte“ von Museumsleiterin Monika Frohriep (Mitte) unter Teilnahme zahlreicher Heimatfreunde aus Mansfeld-Südharz und dem Kyffhäuserkreis eröffnet (unser Bild). Den Grundstock der neuen Exposition lieferte der 1933 verstorbene Sangerhäuser Stadtchronist Friedrich Schmidt, der ebenso volkskundliche und kulturgeschichtliche Themen in seine Forschungen einbezog. So hat der bekannte Heimatforscher auch Informationen über die Ernährungsweise in unserer Region vor gut 200 Jahren hinterlassen. Als Archivar des alten Sangerhäuser Geschichtsvereins sammelte er zudem Objekte zur regionalen Ernährungsgeschichte. Die Ausstellung geht von Friedrich Schmidts Aufzeichnungen und Texten aus und zeigt vom historischen Küchenutensil bis zum Tafelgeschirr zahlreiche Objekte aus der Sammlung des Spengler-Museums. Dazu gibt es Informationen, was und wie früher gegessen wurde, und natürlich auch historische Kochrezepte. Von mittelalterlichen Kochstätten am offenen Feuer bis hin zum gutbürgerlichen Esstisch für den Sonntagsbraten reichen die Schaustücke, wobei auch näher auf Einzelthemen eingegangen wird: Kuchen, Zucker, Kaffee, Bier, Branntwein, Wasser. – Die gezeigten Objekte stehen durchaus stellvertretend für die Esskultur in vergangener Zeit und zugleich auch mit Abstrichen für einen weiteren regionalen Umkreis. Somit können Heimatkundler und Interessierte durchaus Schlüsse ziehen, wie früher auch in ihren Orten Essen zubereitet und verzehrt worden ist. – Die wiederum sehr aufschlussreiche und attraktive Sonderausstellung ist noch bis zum 16. September 2018 zu sehen – es ist also Zeit genug, dem Spengler-Museum mit seinen einmaligen Sammlungen zur heimischen Geologie, Paläontologie, Naturkunde, Archäologie, Mediävistik, Regional-, Stadt- und Zeitgeschichte einmal wieder einen Besuch abzustatten!


Keller Zuversicht

Freitag, 6. April 2018

Zwecks Illustration der zwischenzeitlich auf fast fünfzig A4-Textseiten angewachsenen Abhandlung „Braunkohlenbergbau am Hutdeckel während des 19. Jahrhunderts: Quellentextliche Beiträge zur Montangeschichte der südöstlichen Goldenen Aue“ für die nächste Jahresschrift „Heimatblätter“ des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue wurden im März erste Geländebegehungen vorgenommen. Der kaum bewölkte Himmel und die strahlend warme Lenzsonne waren beste Voraussetzungen für angenehme Nachmittage in der Natur und für schöne Fotos. Besucht wurden zunächst die oberirdischen Bauruinen der Grube „Zuversicht“ aus roten Backsteinen sowie Reste des Dammes der Kohlenbahn nördlich und östlich von Borxleben, weiterhin das Schachtloch nördlich der Kuhlöcher bei Voigtstedt. Neben diversem Bildmaterial mit historischen Überbleibseln aus der Bergbauzeit wurde vor allem die traurige Erkenntnis mitgenommen, dass diese alten Stätten der Förderung von heimischen Erdschätzen nur allzu oft als rezente Müllkippen dienen. Allerdings waren auch historisch nicht uninteressante Kleinfunde unter dem sicherlich nicht legal abgekippten Material, so in Voigtstedt einige alte Ziegeln mit dem Schriftzügen „Louisenwerk A.-G. Voigtstedt“ und „L. Bettega & Co. Zschakau“, letztere eine bekannte Dampfziegelei bei Torgau. Die herrliche Fernsicht nach Sangerhausen, zum Kyffhäuser und auf Schloss Allstedt kompensierte zumindest etwas den verlotterten Eindruck der vormaligen Bergbaustätten, ebenso wie die doch ansehnlicher als gedacht gewordenen Motive auf den Fotos. – Weitere „Feldtage“ vor Beginn der Vegetationsperiode werden demnächst folgen, so in die Kuhlöcher, zum Gelände der Altgrube „Segen Gottes“ sowie an die Dammreste der 1860 errichteten Feldbahn Artern-Voigtstedt-Borxleben. Gute Wegweiser hierfür sind diverse, sehr detaillierte Karten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Lage- und Situationsplänen der alten Bergwerke nördlich und westlich von Artern, die uns als große farbige Kopien vorliegen. Am Rande erwähnt sei, dass für den bereits fast fertig gestellten Aufsatz u. a. sehr wichtige zeitgenössische Abhandlungen zum heimischen Kohlenabbau aus der Feder von Bergrat Friedrich Wilhelm Heun , von Salineninspektor F. A. Senff in Jena, weiterhin von Bergassessor Carl Frank und Bergfaktor Emil Leo aus Esperstedt als Quellen zur Verfügung standen! Zur Bebilderung des Berichts werden aber besonders noch historische Aufnahmen gesucht: von Schachtanlagen, Zechen-, Revier- und Maschinenhäusern sowie der Kohlenbahn, Bilder von Bergleuten, von deren Wohnhäusern, auch persönliche Dokumente der Kohlekumpel usw. Über entsprechende Reaktionen und hoffentlich auch Unterstützungen, besonders aus Borxleben, Edersleben und Voigtstedt, ist der Heimatverein ARATORA sehr dankbar! Unser Bild zeigt Kellerreste aus Klinkersteinen vom obertägigen Ruinenfeld der Grube „Zuversicht“ zwischen Borxleben und Kachstedt.


Enthülling Provinzstein

Dienstag, 3. April 2018

Es gibt Tage, da spielen Wind, Wetter und alle anderen Unwägbarkeiten keinerlei Rolle, da zählen nur der Anlass und das Ergebnis! Der vergangene Donnerstag war so ein Datum, als nach bedeutend mehr Mühen und Anstrengungen als gedacht zwei Denkmale in Artern offiziell der Öffentlichkeit übergeben worden sind: das sanierte Original des „Provinzsteins“ in der Sangerhäuser Straße und eine Kopie dieses Denkmals in der Reinsdorfer Straße. Mit deren Errichtung wurde ein historischer Zusammenhang im preußischen Straßenwesen wieder sichtbar gemacht: die Verantwortlichkeit für diese Chaussee seitens der Preußischen Provinz Sachsen ab Sangerhausen bis zum Standort des originalen Steins in Artern sowie ab Unstrut-Brücke in der Reinsdorfer Straße weiter nach Süden. Die Inskription „Provinz“ unterstreicht diese Kompetenz, während die Gravur „Stadt Artern“ deren Verantwortlichkeit für die Wegeführung und -unterhaltung im Stadtgebiet manifestiert. – Der ARATORA-Vorsitzende berichtete vor den 25 Teilnehmern zunächst aus der Geschichte des regionalen Straßenbaus und über den Verlauf der Sanierung bzw. Neuschaffung beider Kleindenkmale, an deren nebenbei laufender Erforschung ebenso die Forschungsgruppe Meilensteine e.V., der Sangerhäuser Geschichtsverein sowie der Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue mitarbeiteten. Unter dem Applaus von über zwanzig Gästen, u. a. aus Bennungen, Berga, Erfurt, Sömmerda und Tilleda, zogen Bürgermeisterin Christine Zimmer und Volkmar Künne aus Artern sowie die langjährigen Heimatfreunde Manfred Schröter und Heinz Noack den bis dato mit einer Abdeckplane versteckt gewesenen Stein (unser Bild). Ausführung und neuer Standort fanden durchweg Lob und Anerkennung. Im Anschluss berichtete Volkmar Künne über seine Kindheitserinnerungen an die alte Chaussee, die heutige Sangerhäuser Straße. – Danach führte der Weg in die Reinsdorfer Straße, dorthin wo der Damm der Kyffhäuser-Kleinbahn die heutige Bundesstraße B 86 kreuzt: zum der Standort der Kopie des „Provinzsteins“. Dieser Platz befindet sich zwar etwa 100 Meter weiter südlich als der historisch verbürgte (direkt an der Unstrut-Brücke), doch ist diese lokale Verschiebung marginal und verschmerzbar (zumal befindet sich in unmittelbarer Nähe der Lutherstein als weiterer Anziehungspunkt für Radfahrer und Spaziergänger). Steinmetz Marko Gödicke hatte für den zweiten „Provinzstein“ einen besonders schön marmorierten Block ausgesucht und die Schriftzüge „Provinz“ und „Stadt Artern“ eingemeißelt bzw. mit schwarzer Farbe gemalt Auch dieses neue Denkmal fand in den Augen der Besucher fast durchweg gute Kritiken. Lediglich eine augenscheinlich historisch nur dürftig bewanderte Person hatte schon tags zuvor die Gravur „Provinz“ für das Ansehen der Stadt Artern, die obendrein auch noch rückseitig schriftlich benannt ist, als geringschätzend gedeutet und damit diesen Duktus völlig missverstanden. Weiterhin wurde das neue Denkmal seiner Form nach mit einem Grabstein assoziiert! (Merke: Zwar ist jeder Grabstein ein Denkmal, doch nicht jedes Denkmal ist ein Grabstein.) Jedenfalls ist das ominöse Corpus Delicti in der Reinsdorfer Straße vorsichtshalber beidseitig fotografiert und eilfertig ins Rathaus gemeldet worden! – Ungeachtet solcher Provinz(stein)-Possen harren noch weitere Kleindenkmale in Artern der Sanierung. Eine Auswahl (auch historische Grabsteine sind darunter) wurde vom Heimatverein ARATORA bereits zur künftigen Wiederherstellung ins Auge gefasst. Die finanzielle Absicherung vorausgesetzt, könnte bereits im nächsten Jahr ein weiteres Kleindenkmal restauriert werden. Mögen bis dahin und darüber hinaus besonders die Anwohner in der Sangerhäuser, Voigtstedter und Puschkin-Straße sowie die Kleingärtner und Hundesportler in der Reinsdorfer Straße auf „ihre“ beiden „Provinzsteine“ stets ein wachsames Auge haben! Übrigens ist die seit Aufstellung der beiden Steine Mitte März immer wieder geäußerte Meinung, diese würden um 180 Grad verkehrt herum stehen, unrichtig! Es handelt sich schließlich nicht um Festlegungen von Ortseingängen. Vielmehr zeigen die Schriftzüge an, in wessen Zuständigkeiten jene Straßenabschnitte fallen, in die die Gravuren zeigen, also die Preußische Provinz Sachsen bzw. die Stadt Artern.


Kruzifix

Freitag, 30. März 2018

Unseren Mitgliedern, Freunden sowie Besuchern der Homepage wünscht der Heimatverein ARATORA besinnliche Ostern! Das zentrale Fest der Christenheit, an dem des Todes und der Auferstehung Christi gedacht wird, steht auch im Fokus unserer heutigen aktuellen Meldung, denn keine andere christlich-religiöse Figur symbolisiert, auch über den Karfreitag und die Osterzeit hinweg, den Leidensweg und die Erfüllung des Lebens Jesu nachhaltiger als das Kruzifix. „Zu den künstlerisch wertvollsten Werken im Kreisgebiet zählt das in der Marienkirche Artern aufbewahrte Kruzifix“, stellte Rainer Müller 2014 in „Kulturdenkmale in Thüringen“ Kyffhäuserkreis, Überblicksdarstellungen 5.1.“ fest. In der an kulturhistorisch und religiös eher spartanisch ausgestatteten Marienkirche ist dieses Kunstwert mit Darstellung des Gekreuzigten das älteste. Es wird in die Zeit der Spätgotik um 1510/20 datiert. Ort, Werkstatt oder Meister dieses Objekts sind nicht bekannt. Die Figur im Langschiff ist unterlebensgroß, zeichnet sich aber durch hohe Wirklichkeits- und Detailtreue aus. Das Kreuz ist neueren Datums. – Der Opfertod des Gottessohnes als zentrales Motiv des christlichen Glaubens kommt über die Zeiten hinweg in verschiedensten Darstellungen bzw. Details zum Ausdruck. Beim Arterner Kruzifix hat sein Meister zunächst Wert auf die Ebenmäßigkeit und Unversehrtheit des Körpers gelegt. Die Wiedergabe der Marterschmerzen am Kreuz hält sich in Grenzen. Der Ausdruck dieser Figur verbreitet eher den des Erlösers der Menschheit von deren Sünden sowie die Überwindung des Todes durch Jesu. Zwar stellte der Künstler schon sehr bewusst einen leidenden Jesus dar, doch strahlt dieser zugleich die Verheißung der Auferstehung aus. Die Figur steht damit in deutlichem Gegensatz zu manch anderen Kruzifixen in Kirchen unserer Heimat, die die Leiden Jesu teils drastisch und sogar „blutig“ in den Mittelpunkt stellen. Die mittlerweile 500jährige und damit vorreformationszeitliche Figur des Gekreuzigten in Artern überbringt, trotz oder gerade wegen ihrer Gefasstheit und Milde, den Kern der christlichen Lehre somit auf ganz eigene Art und Weise. – Unser Bild aus den 1950er Jahren zeigt das Kruzifix noch im Ostschiff, früher als Winterkirche und heute als Chorkapelle bezeichnet, und zwar platziert direkt vor oder auch etwas neben dem großen Spitzbogenfenster. Über der Figur ist ein jetzt nicht mehr vorhandenes Spruchband (wohl mit Schriftzug „I.N.R.I.“) erkennbar. Erst nach der großen Renovierung Ende der 1970er Jahre wurde auch der Ort dieses Kreuzes geändert, heute hängt es an der Nordostseite des Westschiffes.


CG 1-2018

Dienstag, 27. März 2018

Stets zum Quartalsende ist die Herausgabe eines neuen Heftes des Magazins „Computer-Genealogie“ verbunden (unser Bild). In der vorliegenden, noch druckfrischen Zeitschrift 1/2018 wird sich schwerpunktmäßig der Ortsfamilienbücher (früher auch Dorf- oder Ortssippenbücher genannt) angenommen. Diese Aufstellungen resultieren aus zuvor notwendigen Verkartungen von Kirchenbüchern und der Splittung dieser Daten in einzelne Familien, Familienmitglieder und der Darstellung deren genalogischer Beziehungen untereinander. Derart können mit viel Arbeit zuvor familiengeschichtliche Relationen über Generationen hinweg analysiert und aufgedeckt werden. Entsprechende Hinweise und Leitfänden gibt der Leitartikel. Im zweiten Bericht zum Thema wird das Programm Gen_Winplus umfänglich vorgestellt, mit dessen Hilfe Ortsfamilienbücher elektronisch erstellt werden können. Selbiges wird auch der Software Omega (Organisationsmedium für genealogische Anwendungen) zugesprochen, die danach präsentiert wird. – In einem thematisch anderen Bericht wird über die technische Umstellung von genealogischen Datenträgern bei den Mormonen informiert. Gleichfalls zu diesem Schwerpunkt kann sich der Leser dann über „Alte Kirchenbücher im digitalen Zeitalter“ kundig machen. Gar kriminalistisch wird es mit dem Artikel „Forensische Genealogie“, wobei Möglichkeiten genealogischer Methoden zur Identifikation von Tätern vorgestellt werden. Kurzmeldungen über Software für Familienforscher sowie diverse andere Spots aus der Welt der Genealogie informieren auf den Punkt über Neuigkeiten und Änderungen. Nicht uninteressant scheint auch das vorgestellte Programm StepMap zu sein, mit dessen Hilfe Ortsveränderungen und Wanderungen von Vorfahren kartografisch dargestellt werden können. – Wieder einmal kann die Zeitschrift „Computer-Genealogie“ und deren Redaktion nur gelobt werden ob einer erneut hochinteressanten und informationsreichen Edition! Zu Sommerbeginn erscheint Heft 2/2018 der „Computer-Genealogie“, dann mit dem sehr spannend klingenden Schwerpunktthema „Fotos als genealogische Quellen“.


Provinzstein im Schnee

Freitag, 23. März 2018

Nach den in den vergangenen drei Jahren erfolgten Sanierungen des Luthersteins von 1819, des Friedenssteins von 1871 und des Wappensteins um 1735 war auch im laufenden Jahr die Wiederherstellung eines historischen Kleindenkmals Ziel des Heimatvereins ARATORA. – Im Fokus besonders der vergangenen Wochen stand deshalb die Wiederherstellung des „Provinzsteins“ in der Sangerhäuser Straße, der wohl in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert werden kann (unser Bild). Es handelt sich bei diesem preußischen Denkmal um ein sehr seltenes Objekt, das straßenrechtliche Konzessionen im Zusammenhang mit der Nutzung der seit 1830 errichteten Chaussee von Sangerhausen nach Kindelbrück regelte. – Nachdem fast zeitgleich und rein zufällig auf einem historischen Foto um 1955 ein weiterer „Provinzstein“ nahe der Unstrut-Brücke entdeckt worden war, fiel die umgehende Entscheidung zur Herstellung einer Kopie des vorhandenen Denkmals, um dieses Duplikat in der Reinsdorfer Straße wieder aufstellen zu können. – Nachdem beide „Provinzsteine“ – das restaurierte Original und eine Reproduktion – vom Städtischen Bauhof sowie vom Steinmetzbetrieb Marko Gödicke gesetzt worden sind, sollen die Kleindenkmale mit einem feierlichen Akt der Öffentlichkeit übergeben werden. Hierzu werden Interessierte herzlich wie folgt eingeladen: Grün-Donnerstag, 29. März 2018 um 13.00 Uhr in der Voigtstedter Straße (Einmündung in die Sangerhäuser Straße). Dort wird über die Bedeutung des Provinzsteins und aus dessen Geschichte berichtet sowie das Denkmal offiziell enthüllt. Im Anschluss wird in die Reinsdorfer Straße (Einfahrt zum Grundstück des Hundesportvereins) gebeten, wo die Kopie des Provinzsteins der Öffentlichkeit übergeben wird.


Schröder und Loth

Dienstag, 20. März 2018

Es ist stets erfreulich, wenn über neu erschienene lokal- und regionalgeschichtliche Literatur berichtet werden darf. So erschien Ende vergangenen Monats mit Ausgabe Nr. 25 die jüngste Veröffentlichung aus der Reihe „Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“. Diese wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 24. Februar 2018 erstmals angeboten. Einen erfreulich umfangreichen Seitenumfang aufweisend, mannigfach illustriert sowie vor allem in gut lesbarer Schriftgröße gesetzt darf sich der geschichtlich interessierte Leser auf 189 Seiten abwechslungsreichen Lesestoff aus unserer Heimat freuen. – Zunächst wird ein Rückblick auf das inzwischen 25jährige Wirken des Sangerhäuser Geschichtsvereins und dessen zahlreiche, oft sehr beeindruckenden Leistungen seither geworfen. Die sich anschließende Abhandlung „Heimat – Fremde – Welt: Gedanken zu Jubiläum“ von Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger schließt sich eben diesem Anlass an und betrachtet auf ganz eigene (persönliche bzw. geschichtsphilosophische) Art und Weise die Begrifflichkeit der Heimat. Der obligatorische, erneut detailreiche und inhaltlich sehr beeindruckende Rückblick auf die Vereinsarbeit für 2016 folgt danach. Ein Blick in die geschichtliche Frühzeit der Siedlung Sangerhausen wird nachher mit dem Bericht „1025 Jahre urkundlich datierte Erwähnung von Sangerhausen“ geworfen. Details aus der Personengeschichte hingegen bringt der Artikel „Johann Friedrich Trautscholdt, Pfarrerssohn aus Blankenheim und Leiter des Eisenwerkes in Lauchhammer“. Die Justizgeschichte steht dann mit „Streiflichter aus 270 Jahren Gerichtsbarkeit im Neuen Schloss in Sangerhausen“ im Mittelpunkt. Nicht nur Freunde des regionalen Schienenwesens dürfen sich auf den umfänglichen Rückblick „150 Jahre Eisenbahn im Raum Sangerhausen“ freuen, ehe die Buch-Würdigung „110 Jahre Geschichte der Stadt Sangerhausen von Friedrich Schmidt“ zum Tragen kommt. Ein bedeutsames Stück Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit wird mit „Die archäologischen Ausgraben im Alten Schloss zu Sangerhausen“ publiziert. Die folgenden beiden Artikel widmen sich der kleinen Marienkirche am Bahnhof: „Schriftstücke und Münze im Turmknopf“ sowie „Wiederaufsetzen des Knopf auf den Turm“. Ein Rückblick auf die „Eröffnung des Thomas-Müntzer-Weges in Allstedt“ beschließt den Textteil, ehe etliche historische Ansichten aus Sangerhausen zu Anschauen einladen. Eine Bücherschau weist zum Schluss auf Heimatliteratur der jüngeren Zeit hin. – Sich mehr und mehr von einer zuvor eher spartanischen Aufmachung lösend, vollbringt auch die aktuelle Ausgabe der „Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Sangerhausen und Umgebung“ wiederum gekonnt den Spagat zwischen ausschließlicher Darstellung von historischen Themen und der Transformation von städtischer Vergangenheit in die Jetztzeit. Fazit: In Sangerhausen ist Geschichte eben nicht nur Gewesenes, sondern immer auch Gegenwart – insbesondere durch das Wirken des dortigen Geschichtsvereins! Bedeutsame Buchpublikationen, wichtige Sanierungen von Bau- und Einzeldenkmalen, der Guss von vier Kirchenglocken im Vorjahr oder zahlreiche Veranstaltungen über Themen zur Geschichte und Heimatkunde machen dies anschaulich und begreifbar. – In absehbarer Zeit sind weitere Veröffentlichungen geplant: zur Vergangenheit der Feilenfabrik Sangerhausen, die zweite Auflage einer lokalen Broschüre für Wanderfreude, die Jahresschrift Nr. 26 sowie ein Dokumentarfilm über den Glockenguss für die Marienkirche von 2017. – Dank und Anerkennung unseren langjährigen Freuden aus der Berg- und Rosenstadt für solch hohes Engagement über die Jahre und Jahrzehnte hinweg! Unser Bild zeigt den Vereinsvorsitzenden Helmut Loth (links) mit dem sachsen-anhaltinischen Finanzminister André Schröder aus Sangerhausen, der als Mitglied des Geschichtsvereins zur Jahreshauptversammlung im „Herrenkrug“ anwesend war.


Provinzstein gesetzt

Freitag, 16. März 2018

Seit gestern steht er endlich wieder: der sanierte „Provinzstein“ in der Sangerhäuser Straße! Steinmetz Marko Gödicke brachte am frühen Nachmittag das Kleindenkmal aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von seiner Werkstatt zum neuen Standort, einem kommunalen Rasengrundstück an der Einmündung der Voigtstedter in die Sangerhäuser Straße, nur wenige Meter vom bisherigen Standort entfernt – dafür geschützter und viel besser sichtbar als bislang. Bereits am Dienstag hatte der Bauhof der Stadt Artern das Fundament vorbereitet, sodass die Aufstellung rasch vonstatten gehen konnte. Der nunmehr hell strahlende Stein dürfte sicherlich viele Blicke von Kraftfahrern sowie Fußgängern auf sich ziehen. Dies umso mehr, als der Arterner „Provinzstein“ ein mittlerweile sehr selten gewordenes Denkmal seiner Art ist. – Doch ist mit der gestrigen Aufstellung die Aktion „Provinzstein“ längst noch nicht beendet! Im Laufe der nächsten Woche wird eine Kopie dieses Denkmals in der Reinsdorfer Straße aufgestellt, womit ein historischer Kontext wieder hergestellt sein wird. Darüber und über weitere geschichtliche Aspekte rund um den „Provinzstein“ wird in einer offiziellen kleinen Feier zur Übergabe beider Denkmale berichtet, die noch nicht terminiert ist, aber spätestens in der Karwoche vonstatten gehen soll. Hierüber wird noch informiert, auch und besonders in der Presse, bzw. es werden gezielt Einladungen versendet.


Harzstraße 1886

Dienstag, 13. März 2018

Infolge der erfreulich hohen Resonanz unseres vorjährigen Bildbandes „Alte Heimat Artern – Die Bildersammlung des Buchbindermeisters Wilhelm Leibnitz (1898-1983)“ sowie der daraufhin als Schenkung erhaltenen zwei Fotoalben mit zahlreichen, überwiegend noch nie bzw. selten publizierten Aufnahmen, die unser langjähriges Vereinsmitglied Günther Burghardt aus Bad Frankenhausen zur Verfügung stellte, wurde seit Ende 2017 intensiv an einem weiteren Arterner Bildband gearbeitet. Die digitalen Vorbereitungen für dieses Buch sind mittlerweile abgeschlossen. Derzeit werden Layout und Satz des Buches besorgt. Der neue Band wird unter dem Titel „Alt-Artern in Bildern – Die Fotosammlung des Schlossermeisters Hans Burghardt (1897-1970)“ erscheinen. Interessierte dürfen sich auf eine wiederum 128seitige Veröffentlichung freuen, in der erneut 121 Aufnahmen aus der Arterner Stadtgeschichte zwischen ungefähr 1880 und 1980 zu sehen sein werden. Format und Layout werden 1:1 dem des letztjährigen, sich sukzessive dem Ausverkauf nähernden Bildband „Alte Heimat Artern“ angeglichen sein. Hinsichtlich der Fotos sind einige wirkliche „Schmankerln“ dabei: besonders die Motive der Aufnahmen von ca. 1880 bis 1910 haben es in sich, zumal etliche noch nie (!) auch nur irgendwo veröffentlicht worden sind. Aber auch die jüngeren Bilder sind wichtige und sehr interessante Zeitzeugen der städtischen Entwicklung von Artern. Zu gegebener Zeit wird hier der eine oder andere Blick ins Buch mit seinen überwiegend in A5-Größe wiedergegebenen Motiven vorab gewährt. – Nachdem nun, ohne dies auch nur geahnt zu haben, „Alte Heimat Artern“ eine sehr rasche „Fortsetzung“ finden wird, steht sogar die sehr reelle Möglichkeit im Raum, diese Bildbandreihe sogar zu einer Trilogie auszubauen. Hochinteressanter „Nachschub“ in Form von kompletten Sammlungen mit wiederum einmaligen und seltenen Motiven aus alten Tagen, die erst vor relativ kurzer Zeit in unser Vereinsarchiv kamen, bieten hierzu beste Voraussetzungen. Ob dies allerdings noch 2018 umgesetzt werden kann, ist derzeit offen. Zunächst jedoch wird „Alt-Artern in Bildern – Die Fotosammlung des Schlossermeisters Hans Burghardt (1897-1970)“ in absehbarer Zeit hoffentlich erneut viele Freunde finden. Deshalb bitte vorzumerken: Termin des Erstverkaufs ist Sonnabend, der 9. Juni 2018, und zwar ab 14.00 Uhr anlässlich des Vereinsfestes im Sole-Schwimmbad Artern. Weiterhin wird das Buch zum Tag des offenen Denkmals und zum Zwiebelmarkt (wenn bis dahin noch nicht ausverkauft, weil die Auflage nur 300 Exemplare umfasst) angeboten. Interessenten an der Geschichte unserer Stadt können den Bildband nach dem offiziellen Veröffentlichungstermin beim Heimatverein ARATORA und im Guten Buch Artern erwerben! – Infolge der noch in Arbeit befindlichen Umschlagseite, wie sich auch das gesamte Buch noch in der Herstellungsphase befindet, hier vorab eines dort veröffentlichten Bilder: Ansicht der Harzstraße im Jahr 1886 mit zahlreichen Geschäften.