Artern

Zur freundlichen Beachtung (neue Publikationen, Spendenaktionen, Archivwesen) & Aktuelle Meldungen zur heimatkundlichen Arbeit (einmal wöchentlich)

Samstag, 13. August 2011

Unsere kleine Fragerunde Anfang des Monats mit bislang nicht identifizierten fotografischen „Archivperlen“ aus den Beständen des Heimatvereins ARATORA brachte durchwachsene Resonanz und Ergebnisse. Immerhin war Klaus Enterlein aus Schönfeld der erste freundliche Informant und teilte betreffs unseres Bildes vom 1. August 2011 mit, dass es sich hierbei um das vor ca. fünfzehn Jahren abgerissene Haus in der Neuen Straße 30 in Artern handele. Heute steht dort, leicht eingerückt, ein Neubau. Die beiden anderen historischen Bilder harren nach wie vor der Identifizierung. Da diese aber auch künftig auf unserer Homepage abrufbar sind, bleibt die Hoffnung, dass späterhin Informationen dazu eintreffen. - Ein weiteres historisches Foto, verbunden mit der Frage nach der Örtlichkeit dieser Aufnahme, wird heute beigegeben. Es zeigt eine wasserbauliche und/oder eisenbahntechnische Anlage (Brücke?). Da auf der Rückseite des Bildes um 1940 eine (nicht lesbare) Notiz von Heimatforscher Ewald Engelhardt vermerkt wurde, ist davon auszugehen, dass es sich um ein Objekt in Artern bzw. der nächsten Gegend handelt. Bitte helfen Sie mit!


ADAC

Donnerstag, 11. August 2011

Ein eher ungewöhnliches und bislang auch noch nicht gekanntes Relikt aus heimischer Vergangenheit fand kürzlich von Frankfurt/Main den Weg zurück nach Artern. Unter dem Titel „3. Gauwanderung“ und datiert auf den 3. und 4. September 1932 wurde damals eine massive Metallplakette als Erinnerungsstück für den „Gau II Sachsen-Anhalt“ angefertigt. Bei näherer Betrachtung offenbart sich auch der Urheber dieses schön gearbeiteten Reliefstückes mit Abbildung des Arterner Rathauses nebst Bismarck-Roland. Es ist der Allgemeine Deutsche Automobil-Club, kurz ADAC. 1903 in Stuttgart als Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung gegründet, wurde der Verein bereits 1911 in den noch heute bestehenden Allgemeinen Deutschen Automobil-Club umformiert. Aufgrund Förderung durch Kaiser Wilhelm II. wählten die frühen Automobilisten den preußischen Adler zu ihrem Vereinswappentier, umsäumt mit den Kürzeln ADAC. Und eben dieser Adler befindet sich auch auf unserer Plakette von 1932 – mittig rechts, während das damals noch junge Arterner Stadtwappen von 1929 links unten prangt. Von beiden Wappenbildern ist leider bereits etwas Farbe abgeplatzt. Das ist nicht weiter verwunderlich, kennt man die Geschichte dieses Erinnerungsstückes: Vor etwa vierzig Jahren wurde es von einem Kleingärtner in den Anlagen nahe der Schönfelder Straße im Erdreich gefunden, gesäubert und aufbewahrt. Infolge familiärer Umstände kam die Plakette schon vor Jahren von Artern an den Main und jetzt wieder retour. Herzlichen Dank an unser Mitglied Ursula Kibach für die Überlassung dieses hübschen Stückchens Zeitgeschichte.


Dienstag, 9. August 2011

Mit einer Überraschung wartete kürzlich Druckermeister Jürgen Puchta aus Artern auf, als er unserem Vereinsarchiv vier sehr attraktive Farbdias aus der Zeit um 1935 überließ. Drei der Lichtbilder befinden sich in alten Metallrahmen, ein weiteres ist in einem Papprahmen eingefasst. Auf den Gläsern befinden sich unzählige Fingerabdrücke und Kratzer, die Dias an sich sind unversehrt. Mangels Diaprojektors konnte aber noch nicht deren Qualität optisch überprüft werden. – Ein Foto zeigt den Blick vom Weinberg auf die Stadt, im Vordergrund noch relativ junge Bäume der Kirschplantage, dahinter die Hainleite (unser Bild). Ein weiteres Dia bringt die damals noch intakte Brücke über die Sole auf dem Friedhof zur Ansicht. Historisch am interessanten sind jedoch zwei Ansichten der vormaligen Freigutes Stange bzw. Bösel in der Grabenstraße, dort wo sich seit Mitte der 1980er Jahre ein großer Parkplatz befindet. Zu sehen sind u. a. die wuchtigen und beinahe wehrhaft wirkenden Gebäude des vormals landwirtschaftlichen Objektes sowie dessen große Toreinfahrt. Zwischenzeitlich wurden die Dias aus ihren Rahmen entnommen und zur Fotoentwicklung gebracht – herausgekommen sind durchaus imponierend Bilder und weil Amateuraufnahmen doppelt interessante. Wenigstens die beiden letztbeschriebenen Fotos sollten aufgrund ihres historischen Wertes und ihrer Ästhetik in eine künftige Veröffentlichung des Heimatverein ARATORA aufgenommen werden. Ideen gehen derzeit dahin, 2012 eine zwar nicht sehr umfangreiche, wenngleich äußerst wichtige Ergänzung zur Stadtchronik des 19. Jahrhunderts, die am 11. September 2011 erscheint, zu publizieren und auch an dieses historische Werk (1929) von Otto Wagner einen Bildteil mit relevanten historischen Aufnahmen anzuhängen. In dieser Schrift werden fast alle Arterner Handwerke und deren Meister während des 19. Jahrhunderts benannt und größtenteils mit kurzen Lebensbeschreibungen sowie Geschichte deren Firmen versehen.


Geoparks

Sonntag, 7. August 2011

Als jüngste Veröffentlichung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie fand jetzt die Publikation „Das Netzwerk Thüringer Geoparks“ als Nr. 98 der Schriftenreihe der TLGU den Weg zum Heimatverein ARATORA. Besonders der erdgeschichtlich Interessierte dürfte an dem 110seitigen und reich bebilderten Werk seine Freude finden. Im Mittelpunkt der Publikation stehen die vier thüringischen Geoparks „Harz, Braunschweiger Land, Ostfalen“ (Anteil Thüringen) - „Kyffhäuser“ - „Inselsberg, Drei Gleichen“ sowie „Schieferland“ im Thüringisch-Fränkischen Schiefergebirge (Anteil Thüringen) mit erdkundlichen und geologischen Besonderheiten bzw. touristischen Zielen. Auf 25 Seiten präsentiert sich der „Nationale Geopark Kyffhäuser“ mit seinen elf Geopfaden Gesteinsgarten (Rathsfeld), Kyffhäuserdenkmal, Tilleda, Kyffhäusergebirge, Artern, Unstrut und Hohe Schrecke, Bad Frankenhausen, Steinrinne (Bilzingsleben), Südkyffhäuser, Bendeleben und Kalibergbau (Sondershausen). Glanzstück dieser Abhandlung ist eine sehr detaillierte geologische Karte des Kyffhäuserkreises mit Darstellung der vorkommenden sedimentären Gesteine aus Perm, Trias und Quartär sowie Granite und Metamorphite. Doch auch der Blick zum westlich benachbarten Geopark bringt für den Regionalforscher Erkenntnisgewinn, besonders die Gesteinswelt im Großraum um die Stadt Nordhausen und den Südharz bis Stausee Kelbra betreffend. - Näheres zur Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie sowie deren umfangreichen und interessanten Publikationen bzw. kostenlosen Downloadangeboten unter http://www.tlug-jena.de/de/tlug/.


Freitag, 5. August 2011

Mit dem heutigen Foto eines historischen Hauses um 1900 aus dem ARATORA-Vereinsarchiv, dessen Standort uns leider nicht bekannt ist, bitten wir unsere Besucher um erneute Unterstützung. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein eingeschossiges niedriges Wohnhaus mit Satteldach und Fledermausgauben. Seiner Bauart nach könnte es in der Altstadt gestanden haben – oder aber überhaupt nicht in Artern, sondern in einem Ort der näheren bzw. auch ferneren Umgebung. Anhaltspunkte dafür fehlen bislang. Daher nochmals unsere ganz herzliche Bitte um Mitteilung, wer dieses als auch die in den vergangenen Tagen vorgestellten Häuser und deren Standorte kennt. Wenn Sie selbst interessante Bilder haben und diese auf unserer Homepage veröffentlichen möchten, kontaktieren Sie uns gleichfalls.


Mittwoch 3. August 2011

In unserer kleinen Sommer-Rätselreihe über bislang nicht identifizierte Gebäude in (oder um?) Artern auf historischen Fotos wird heute ein zweites Bild um 1900 vorgestellt, dessen Identifikation sich bislang unseren Recherchen entzogen hat. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Wohnbau, zugleich Eckhaus, mit einer Giebelwand aus Fachwerk oberhalb des Parterres. Eine Eingangtür ist nicht erkennbar, befindet sich wahrscheinlich rechts, außerhalb des Bildes. Das niedrige, links im Bild befindliche Wohnhaus scheint in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem großen Nachbarbau zu stehen. Das Umfeld deutet darauf hin, dass unser Haus in der Arterner Altstadt oder einem relevantem Bereich anderenorts gestanden hat. Wer kann Hinweise geben, wer kennt den Standort des alten Hauses?


Montag, 1. August 2011

In der Heimatforschung wiederholen sich sehr oft immergleiche Situationen: Entweder es tauchen Fotografien oder Ansichtskarten mit stets sich ähnelnden und somit gleichförmigen Motiven auf oder eben solche, die schlecht oder gar nicht einzuordnen sind. Letztere Aufnahmen können z. B. Hinterhöfe, Nebengelasse oder eben längst abgerissene Häuser wiedergeben. Besonders katastrophal gestalten sich Versuche der Personenidentifizierung auf alten Familien- oder Hochzeitfotos. Die Bequemlichkeit unserer Ahnen, die Namen der Abgebildeten auf der Rückseite zu vermerken, lässt den historischen Wert solcher Bilder heute meist gegen Null sinken, zumal wenn nicht einmal der kleinste Anhaltspunkt zu ermitteln ist, wo das Fotos einst geschossen worden ist. Auch im Archiv des Heimatvereins ARATORA findet sich eine nicht geringe Anzahl solcher Bilder. – Bedeutend besser ist die Situation bei historischen Häusern, wenngleich sich auch mit diesen ab und an Fragen verbinden. Dieses Umstand aufgreifend, sollen heute und die nächsten Tage historische Aufnahmen vorgestellt werden, von denen bislang nicht ermittelt werden konnte, wo sich die darauf abgebildeten Häuser befinden. Dass sich diese Bilder im Archiv des Arterner Heimatvereins befinden bedeutet aber nicht, dass diese Ansichten auch Artern in alten Tagen zeigen; genauso gut könnten die gezeigten Häuser auch in den Dörfern der Umgebung gestanden haben bzw. noch stehen. – Wir rufen die Besucher unserer Homepage herzlich auf uns zu helfen und ihr Wissen über die demnächst folgenden Häuser mitzuteilen. Den Anfang macht dieses zweigeschossige Wohnhaus mit Torfahrt. Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie dieses Haus kennen (Mail oder Tel. 03466 / 320139). Vielen herzlichen Dank für Ihre Mühe!


Fossilienbuch

Samstag, 30. Juli 2011

Der engagierte Heimatforscher sollte auch auf geologischem sowie paläontologischem Gebiet bewandert sein und Gesteine bzw. Fossilien seines „Beritts“ kennen. Zahlreiche Bücher zur Geologie unserer Grenzregion zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt geben dazu interessante Einblicke in die Erdgeschichte von Südharz, Goldener Aue, Kyffhäuser und Thüringer Becken und unterstützen die heimatkundlichen Forschungsarbeit. Dieser Tage fiel uns hierzu eine sehr interessante Schrift in die Hände, quasi als regionaler Wegweiser durch die Versteinerungen der Meeresablagerung der mittleren Triaszeit vor rund 243 bis 235 Millionen Jahren. Obgleich der Titel „Fossilien des Muschelkalks aus Weimarer Umgebung“ annehmen lässt, lediglich die Gegend um die Klassikerstadt stünde im Mittelpunkt, ist diese 64seitige Veröffentlichung mit zahlreichen Fotos, Zeichnungen, Karten bzw. Tabellen darüber hinaus auch für den heimischen Fossiliensammler eine sehr gute Stütze seiner Arbeit. Immerhin sind es gerade die Ablagerungen des Muschelkalks, die großflächig auch in unserer unmittelbaren Nähe präsent sind (Hainleite, Hohe Schrecke). Neben Möglichkeiten der Fossilienentstehung sowie Schilderung der regionalen geologischer Situation widmen sich die Autoren Peter Gensel, Siegfried Günther, Hartmut Neye, Dieter Rumpf besonders der prähistorischen Lebewelt im Muschelkalkmeer, das auch unsere Heimat bedeckte: Seelilien, Muscheln, Schnecken, Brachiopoden, Seesterne, Ammoniten aber auch Reste von Fischen und Wasser bewohnenden Sauriern kann der aufmerksame Hobbypaläontologe mit etwas Glück finden. Mittels des Bildteils können die wichtigsten Fossilien bestimmt und zugeordnet werden. Die empfehlenswerte Broschüre (Preis 6,00 Euro) kann über die Homepage http://www.mineralienundfossilien-weimar.de/ bestellt oder direkt im Geschäft in Weimar, Schillerstraße 18 käuflich erworben werden.


Oberbösa

Donnerstag, 28. Juli 2011

Immer wieder gern wird an dieser Stelle über Buchneuerscheinungen aus unserer Umgebung mit heimathistorischem Inhalt aus berichtet. Denn besonders das Wissen auch um die Geschichte unserer Nachbarorte bringt neben Erkenntnisgewinn Abwechslung und Kurzweil in die ehrenamtliche Heimatgeschichtsforschung. Ein Gang durch die Gemeinde Oberbösa ist mit ganz besonderem geschichtlichen Genuss verbunden, zumal beim Schlendern durch das Unterdorf: An vielen der sanierten Gebäude finden sich sehr zahlreich alte Torbögen, Fachwerk, Bauinschriften, Spolien und Kleindenkmale – also wahrlich Potential genug, diese in einer Heimatbroschüre für Bürger und Geschichtsinteressierte - zu Recht und mit Stolz - zu präsentieren. Trotz vorhandenem und teils sehr alten Potentials im Ortsbild kann die anlässlich der 1.225-Jahrfeier von Oberbösa seitens der Gemeinde herausgegebene, vierzigseitige Broschüre inhaltlich leider nur bedingt überzeugen. Neben den heute (scheinbar unvermeidlichen) Grußworten und Vereinspräsentationen kommen der den Heimatforscher interessierende historische Teil sowie die Dorfchronik viel zu knapp daher und unterscheidet sich so spürbar von Heimatheften anderer Orte im Kyffhäuserkreis oder dem Kreis Sangerhausen, die aus selbigem Anlass publiziert worden sind. Etwas kompensiert wird dieser Mangel durch teils sehr schöne alte Fotos und Ansichtskarten des Ortsbildes im Vergleich mit aktuelle Ansichten. Immerhin soll doch die Mühe honoriert werden, überhaupt eine Broschüre auf die Beine gebracht, mit fast fünfzig Abbildung gefüllt und somit eine gedruckte Erinnerung an das 1.225jährige Jubiläum der Ersterwähnung zu haben. Gute geschichtliche Ergänzung zur Broschüre bietet die Homepage www.oberboesa.de/ unter „Ex Libris“. - Eine weitere Schrift zur Geschichte des hübschen Dorfes an der Hainleite, in größerem Format und auch umfangreicher, erschien gleichfalls zur 1.225-Jahrfeier, liegt uns aber leider noch nicht vor. Wir besprechen diese Veröffentlichung zu einem späteren Zeitpunkt auf unserer Homepage.


Jahrbuch 2011

Dienstag, 26. Juli 2011

Das neue Saale-Unstrut-Jahrbuch 2011, Jahrbuch für Kulturgeschichte und Naturkunde der Saale-Unstrut-Region ist soeben erschienen! Das vom Saale-Unstrut-Verein für Kulturgeschichte und Naturkunde e.V. publizierte Werk (16. Jahrgang, Format 24 x 17 cm, Broschur, Preis 9,50 Euro) umfasst diesmal 160 Seiten, ist illustriert mit Farb- und Schwarzweißabbildungen. Dazu vermeldet der herausgebende Mitteldeutsche Verlag in Halle/S. auf seiner Homepage www.mitteldeutscherverlag.de: „Die Landesausstellung „Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen“, die vom 29. Juni bis 2. November 2011 in Naumburg stattfindet, ist Schwerpunktthema des Saale-Unstrut-Jahrbuchs 2011. Es erscheint zum 16. Mal und ordnet sich – wie auch der nunmehrige Internetauftritt des Vereins – ein in die Bemühungen der Region, im Jahre 2016 den Welterbetitel zu erlangen. Den Chancen, Welterbestätte der UNESCO zu werden, widmet sich auch ein Beitrag. Im Kontext der Landesausstellung sind die Beiträge über König Childebert I., eine französische Stifterfigur des 13. Jahrhunderts, die gemeinsam mit Uta die Ausstellungsplakate ziert, über die Geschichte des „Schlösschens“ am Naumburger Markt wie über die denkmalgerechte Wiederherstellung des Domgartens und die Einrichtung eines Gartens des Naumburger Meisters zu verstehen. Um die ältesten Bildnisse des Markgrafen Eckehard II. von Meißen, um die kunstgeschichtlich wertvollen Wasserspeier des Naumburger Doms, um seinen Ostchor, der zu Unrecht im Schatten des Westchores steht, aber auch um die Bau- und Nutzungsgeschichte der Südklausur des Doms geht es in weiteren Aufsätzen. Die romanische Dorfkirche Görschen mit ihrem kulturgeschichtlich außerordentlich bedeutsamen Reliquienschatz, das Kroppental, die Geschichtsarbeitsgemeinschaft des Naumburger Domgymnasiums, Blume und Baum des Jahres 2011 und das Gemälde „Das letzte Abendmahl“ werden vorgestellt. In seinem posthum veröffentlichten Aufsatz widmet sich Hermann Goltz der Freundschaft zwischen dem aus Naumburg stammenden Carl Richard Lepsius und dem ägyptischen Armenier Nubar Pascha. Traditionsgemäß erscheinen Rezensionen zu neu erschienenen Publikationen der Region, die über das Jahrbuch hinaus Anregungen geben sollen, das kulturgeschichtlich wie landschaftlich reizvolle, südliche Sachsen-Anhalt kennenzulernen.“ - Dem ist nicht hinzuzufügen!


Sonntag, 24. Juli 2011

Gemeinsam mit Freunden des Geschichtsklubs Freienbessingen weilten Vorstandsmitglieder des Heimatvereins ARATORA am vergangenen Freitag zu Besuch auf einer der derzeit bedeutendsten Ausgrabungs- stätten in Thüringen, in unserem Nachbarkreis Sömmerda gelegen. Grabungsleiter Dr. Klaus-Peter Wechler führte die Hobbyhistoriker aus dem Kyffhäuserkreis durch das Areal und erläuterte Funde und Befunde, besonders die erst kürzlich veröffentlichen Entdeckung eines sehr großen bronzezeitlichen Schatzhauses. Nahe Dermsdorf bei Kölleda untersuchen seit April dieses Jahres Mitarbeiter des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie das Baufeld der künftigen Ortsumgehung. Inzwischen konnten auf einer Fläche von 7.000 Quadratmeter ca. 500 archäologische Befunde erfasst werden. Die aufgedeckten Spuren der einstmaligen Besiedlung - Pfosten, Abfallgruben, Gräber - gehören der frühen Bronzezeit (ca. 2.000-1.700 v. Chr.) und dem Mittelalter (8.-11. Jh.) an. Der herausragende Fund ist ein ungewöhnlich großes Depot von Bronzebeilen. Die Beile von unterschiedlicher Form und Herstellungsqualität waren vor etwa 3.800 Jahren in einem Tongefäß niedergelegt worden. Nur bei wenigen dieser Depotfunde gelang bisher die Rekonstruktion der Umstände ihrer Niederlegung. Deshalb bargen die Archäologen den Fund im Block, der sich nun zur weiteren Untersuchung in der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes befindet. Erste tomographische Aufnahmen zeigen, dass das Gefäß mit etwa 100 Bronzebeilen vollständig ausgefüllt ist. Im Zuge der Restaurierung sollen durch archäochemische und metallkundliche Untersuchungen Hinweise auf Zusammensetzung und Herkunft der Rohmaterialen sowie zur Herstellungstechnik der Beile gewonnen werden. Von besonderer Bedeutung ist der Fund vor allem auch deshalb, weil er unmittelbar an der Giebelseite eines Hauses aus der frühen Bronzezeit vergraben war. Mit einer Breite von 10,5 Meter und die Länge von 44 Meter handelt es sich um eines der größten nachgewiesenen urgeschichtlichen Gebäude Mitteldeutschlands. Das Gebäude stand auf einer flachen Anhöhe in Sichtweite des bekannten bronzezeitlichen Fürstengrabes von Leubingen. Weitere Hinweise die Nutzung des Gebäudes und seine Datierung sollen die noch andauernden Grabungen und die anschließende Auswertung zusammen mit vielfältigen naturwissenschaftlichen Untersuchungen erbringen. – Im Anschluss besuchten die Geschichtsfreunde aus Freienbessingen und Artern den bronzezeitlichen Fürstenhügel bei Leubingen, aus dessen Geschichte Dr. Wechler berichtete. Am Nachmittag wurden die Museen in Leubingen und Kindelbrück angeschaut.


Heft 20

Freitag, 22. Juli 2011

Infolge Schriftenaustausches und guter persönlicher Kontakte, besonders nach Thüringen und Sachsen-Anhalt, wird seit Jahren zwischen Vereinen, Institutionen und Privatpersonen reger Schriftaustausch untereinander vorgenommen. So erreichte uns dieser Tage aus Erfurt eine wiederum hochinteressante Sendung mit Büchern, herausgegeben von der Volkskundlichen Kommission für Thüringen bzw. der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen und der Thüringischen Vereinigung für Volkskunde. - Mit den Jahresschriften für 2010 und 2011 der Thüringer Hefte für Volkskunde wird sowohl eine monothematische Veröffentlichung (Nr. 18: „Zeitreise in die Kindheit. Erinnerungen an die Fünfziger und Sechzigerjahre aus Thüringen“) als auch eine thematisch breitgefächerte Festschrift (Nr. 20: „Mensch – Dinge – Landschaften. 20 Jahre Thüringische Vereinigung für Volkskunde“) auf 190 bzw. 224 Seiten mit sehr vielen Abbildungen angeboten (unser Bild). Gestreift werden darin wiederum fast sämtliche Bereiche der Volkskundeforschung: Kulturlandschaft, Sozialgeschichte, Erwerbs- und Alltagsleben. (Auch für unsere Vereinsarbeit beinhalten gerade diese Bücher wichtige Anregungen!) - In Form einer Bibliographie werden in einem weiteren Heft sämtliche veröffentlichte Artikel und Aufsätze der Zeitschriften „Thüringer volkskundliche Mitteilungen“ (699 Beiträge) und „Thüringer Hefte für Volkskunde“ (378 Beiträge) für die Jahre 1993 bis 2910 bzw. 1992 bis 2011 aufgelistet. Besonders diese Veröffentlichung verschafft einen sehr guten Überblick über die sehr zahlreich bisher publizierten Abhandlungen, andererseits werden Desiderate offenbar, deren sich die volkskundliche Forschung noch annehmen muss. - Interessierte können gern Einsicht in die besprochenen Bücher nehmen. Gesucht werden zudem Mitstreiter, die sich aktiv der volkskundlichen Forschung widmen möchten. Mehr zum Thema unter http://www.volkskundemuseum-erfurt.de/.


Mittwoch, 20. Juli 2011

Durch freundliche Überlassung eines Arterner Bürgers kam jetzt ein großes Gruppenfoto, aufgenommen am 14. Juli 1928, auf Leihbasis zum Heimatverein Aratora. Das Bild zeigt die Gesamtbelegschaft im 200. Jahr des Bestehens unserer Saline. Unter einer riesigen Fahne mit aufgesticktem Hammer und Eisen sowie Bergmannsgruß „Glück auf“ tummeln sich rund 150 Personen, allesamt Männer in Uniform bzw. Schlips und Kragen. Das Foto konnte einstweilen hochauflösend gescannt werden und steht nun zur Identifikation der Personen zur Verfügung. Leider fehlt eine namentliche Aufstellung der darauf abgebildeten Salinenarbeiter und Angestellten. Daher müssen in Zusammenarbeit mit Familienforschern ebendiese sukzessive ermittelt werden. Immerhin wird immer wieder die Frage an den Verein gerichtet, ob wir mit Fotos von Vätern oder Urgroßvätern dienen können, die in der Saline gearbeitet haben. Diese Anfragen können jetzt positiv beantwortet werden - vorausgesetzt die Familienforscher kennt seinen Vorfahren noch von anderen Bildern her. Bislang konnte allerdings erst ein Saliner namentlich ermittelt werden: Christian August Carl Scheffler (1863-1949), zu Ehren gekommen als Arterner Flugpionier und Naturheilkundler (dessen Biographie siehe in Zeitschrift ARATORA 19).


Montag, 18. Juli 2011

Seine Begeisterung für Sternenkunde und Kalenderwesen unserer vorgeschichtlichen Ahnen ist schier grenzenlos und entsprechende Ideen und Theorien sprudeln nur so aus dem Mann heraus - Ralf Koneckis, Archäoastronom aus Dortmund hatte wieder einmal Heimatfreunde und Amateurastronomen aus der Kyffhäuser- Unstrut-Region, diesmal nach Goseck im Burgenlandkreis gerufen, um neue Erkenntnisse der vorgeschichtlichen Himmelskunde zu präsentieren. Seiner Einladung gefolgt waren Interessierte aus Artern, Sangerhausen, Naumburg, Teutschenthal, Goseck, Remscheid und Wutha-Farnroda, um im ehemaligen Schloss der sächsischen Pfalzgrafen gemeinsam mit dem Gosecker Heimat- und Kulturverein e.V. einen erfahrungsreichen Tag mit Vorträgen zur Archäoastronomie sowie einem Besuch der soeben rundumsanierten Kreisgrabenanlage (4.800 v. Chr.) zu absolvieren (unser Bild). Dass auch „direkt vor der eigenen Haustür“ Entdeckungen dieser Art möglich sind, brachte z. B. Jürgen Sander aus Sangerhausen dar, der die teilerhaltene Kreisgrabenanlage von Tilleda untersuchte und in Verbindung zur Astronomie, regionalen Mythologie und Heimatkunde brachte (wobei zu betonen ist, dass darüber hinaus weitere Forschungen zu Horizontkalendern und Ortungslinien zwischen Kyffhäuser und Unstruttal laufen; auch bei Artern gibt es wenigstens einen solchen Punk, der aufgrund seiner Historie als Kultplatzkalender angesprochen werden könnte). Um solchen astronomischen Verdachtsobjekten auf die Spur zu kommen müssen z. B. Sagen, Mythen, Flurnamen, archaische Bezeichnungen in der Landschaft, Hügelgräber, vermutete oder gesicherte Kultplätze, auffallende Horizontverläufe, Landmarken, markante Sichtachsen und -linien sowie archäologischen Befunde erkannt, erfasst bzw. analysiert werden. Und hier ist unsere Gegendviel reicher, als man sich das träumen lässt! Es gibt noch viel zu tun in diesem spannenden und hoch- interessanten Gebiet der Heimatforschung, auch wenn sich bei weitem nicht alle Vermutungen und Hoffnungen bestätigen werden. Auch das war eine wichtige Essenz der Tagung in Goseck. Interessierte sind herzlich aufgerufen mit zu forschen. Melden Sie sich bitte dazu beim Heimatverein ARATORA und merken sich den Termin der nächsten Tagung zur vorgeschichtlichen Himmelskunde in Sangerhausen vor: vom 6. bis 8. Oktober 2011. - Als aktuelle Buchveröffentlichungen aus Mitteldeutschland zur prähistorischen Astronomie, worin über Herangehensweise und Schlussfolgerungen zu relevanten Objekten aus dem Saale- Unstrut-Gebiet berichtet wird, seien zwei neue Bücher des Amateurforschers Reinhard Rehmann aus Teutschenthal genannt: „Die Entdeckung des Kalenders in der Steinzeit, erster Schritt zu den Sternen. Steinzeitmenschen Mitteleuropas an der Wende zur Ersten Hochkultur“ (2010) sowie „Der Schrei der Steine. Das Geheimnis von Schloss Schochwitz – eine Saalkreis-Legende?“ (2011).


Samstag, 16. Juli 2011

Trotz regnerischem Wetter führte die Vorstandsmitglieder des Heimatvereins ARATORA kürzlich eine Bildungsreise nach Weimar ins Museum für Ur- und Frühgeschichte. In dem klassizistischen Bau am Rande der historischen Innenstadt wird sehr eindrücklich die Geschichte Thüringens von der Menschwerdung bis zum Mittelalter präsentiert. Im Mittelpunkt stehen der Mensch und dessen materiell-geistigen Kultur, veranschaulicht u. a. durch lebensgroße Rekonstruktionen, Bilder und Modelle. Höhepunkte der Ausstellung sind altsteinzeitliche Funde aus Bilzingsleben und Ehringsdorf, das bronzezeitliche Häuptlingsgrab von Leubingen, die keltische Steinsburg, sowie das Grab der germanischen Fürstin von Haßleben. Besonderes Interesse legten die Besucher aus Artern auf archäologische Funde aus Nordthüringen bzw. dem Kyffhäuserkreis: Aus mehreren prähistorischen Kulturperioden fanden sich in den Vitrinen Gefäße u. a. aus Sondershausen und Bad Frankenhausen, weiterhin eine durchlochte Muschel aus Artern als Schmuckelement, Schale aus Oldisleben mit Sonnenverzierung, Kultgefäß von Ichstedt, germanisches Kultgefäß von Greußen (Greußener Schweinchen) und Depotfunde aus der Hainleite. Überregional bedeutsame Funde aus dem Kyffhäuserkreis sind ein Steinkistengrab des Derfflinger Hügels bei Kalbsrieth sowie Opfergaben und Menschenreste aus der bronzezeitlichen Kannibalenhöhle am Südkyffhäuser bei Bad Frankenhausen (unser Bild), viel Eindruck machte zudem eine neolithische Rinderbestattung aus Riethnordhausen (Kreis Mansfeld-Südharz). - Im Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens kann der Besucher binnen zwei, drei Stunden eine Zeitreise durch fast eine halbe Million Jahre Menschheitsgeschichte auf heimischem Gebiet unternehmen und eine Vielzahl attraktiver und wichtiger Funde in Augenschein nehmen. Weitere Informationen über das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, den Ausstellungen sowie aktuelle Grabungen auf der Hompepage http://www.thueringen.de/denkmalpflege/tlad/start.htm. Der Besuch in der Klassikerstadt war zudem eine gute (archäologische) Einstimmung auf die nächste Vereinsfahrt, die uns am 17. September 2011 auch auf die Grabungsstätte eines römischen Heerlagers bei Hedemünden (Niedersachsen) führen wird. Anmeldungen hierfür sind noch möglich!